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20.02.12

Urheberrechtsverstöße: Websites können Pinterest deaktivieren

Indem Websitebetreiber einen Codeschnipsel in ihre Seiten einbauen, können sie das Speichern von Fotos und Bildern bei Pinterest unterbinden. Für das brandheiße US-Startup ist dies ein erster Versuch, sich aus der juristischen Schusslinie zu bringen.

 

Lange ist es her, dass ein Startup außerhalb des klassischen Filesharing- und P2P-Sektors zu einer derartig intensiven Diskussion über das Urheberrecht geführt hat wie . Das Pikante an dem visuellen Social-Bookmarking-Dienst: Nutzer speichern und verbreiten dort jeden Tag Millionen urheberrechtlich geschützter Fotos und Bilder - ohne sich darüber im Klaren zu sein, gegen Gesetze zu verstoßen. Die Geschwindigkeit, mit der die US-Plattform neue Mitglieder gewinnt, lässt sogar vermuten, dass sie den endgültigen Sargnagel für eine heute nicht mehr zeitgemäße Sicht auf das Urheberrecht darstellen könnte.

Dass die junge Firma aus Kalifornien nicht einfach darauf warten kann, bis sie von allen Seiten mit Abmahnungen und Anfragen zur Herausgabe von IP-Adressen der Nutzer überzogen wird, ist allerdings offensichtlich. Eine spannende Frage war daher, welchen Weg das Startup gehen würde, um sich ein Stück aus der Schusslinie zu bewegen, ohne aber die Grundfunktionalität der Site zu beschädigen.

Jetzt gibt es eine erste Antwort: Website-Betreiber, welche die auf ihrer Site publizierten Fotos und Bilder nicht bei Pinterest vorfinden wollen, können mit dem Hinzufügen des Codeschnipsels "<meta name=”pinterest” content=”nopin” />" zu ihrem Quellecode verhindern, dass Anwender Grafikdateien auf ihre Pinterest-Pinnwand übernehmen. Nutzer, die genau dies versuchen, bekommen eine Benachrichtigung des Browsers präsentiert, die sie darüber informiert, dass der Seitenbetreiber das "Pinnen" deaktiviert hat. Im Falle von Fragen solle man sich an den Betreiber wenden.

Wie lange diese Funktionalität bereits existiert, ist unklar. Zur Hilfe-Sektion soll sie erst kürzlich hinzufügt worden sein. Pinterest selbst hat natürlich keinerlei Interesse daran, dass Websites das Pinnen auf diese Weise abschalten. Gleichzeitig reagiert es auf die zunehmende Argwohn mancher Urheber, die in Pinterest einen Hort massenhafter Urheberrechtsverstöße sehen (rechtlich gesehen stimmt dies nach deutscher Gesetzeslage auch). Im Falle juristischer Attacken kann der Dienst aus Palo Alto künftig damit argumentieren, dass es bestrebt ist, Rücksicht auf Urheber zu nehmen, wo möglich.

Das "Feature" beschränkt sich jeweils auf die Website, auf der Bilder oder Fotos eingebettet sind. Sofern diese sich auf verschiedenen Sites wiederfinden, von denen nicht alle das Pinnen unterbinden, kann es also dennoch geschehen, dass sie bei Pinterest auftauchen. Trotzdem verfügen Fotografen und Medienangebote, die exklusive Foto- oder Bildinhalte publizieren, nun über ein einfaches Werkzeug, um sich von Pinterest abzukapseln.

Inwieweit dieser Pfad nun im großen Stil beschritten wird, ist schwer vorherzusagen - immerhin hat sich Pinterest bereits als verlässlicher Trafficlieferant erwiesen. Websites müssen sich daher genau überlegen, was ihnen mehr wert ist: Die durch Backlinks bei Pinterest generierten zusätzlichen Besuchern oder der Schutz der Urheberrechte von veröffentlichtem Bildmaterial.

Ohne juristisches Know-how erweist sich eine Beurteilung der Implikationen als schwierig. Die Frage ist, ob künftig Urheber versuchen werden, von ihren Kunden - also Websites, welche die Nutzungsrechte für Bilder und Fotos erwerben - eine Deaktivierung des Pinnens zu erzwingen oder diese von vorn herein in die Vertragsbindungen aufzunehmen. Im Angesicht der hitzigen Debatten rund um die Thematik wäre dies nicht verwunderlich.

via ReadWriteWeb

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