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04.11.09Leser-Kommentare

Urheberrecht: Es gibt kein 'geistiges Eigentum'

Entgegen der verbreiteten Annahme handelt es sich beim Urheberrecht nicht um mit Privateigentum vergleichbares 'geistiges Eigentum', sondern um ein Monopolrecht auf Verwertung der geschützten Werke.

(Foto: iStockphoto.com) "Raubkopie"

"Enteignung"

"Piraterie"

"Filesharing ist Diebstahl"

Das sind die Kampfbegriffe und Aussagen in der Urheberrechtsdebatte, die den Blick auf das Wesentliche verstellen. Sie alle fußen auf einem Bild, das nicht der Wahrheit entspricht: Urheberrecht ist geistiges Eigentum, ist das Gleiche wie Eigentum an physischen Gütern.

Das zeichnet aber ein falsches Bild von den Tatsachen. Ein Urheber hat an seinem Werk gewisse Eigentumsrechte oder Verfügungsrechte. Es sind im Grunde Verwertungsrechte, die ihm das alleinige Recht auf kommerzielle Ausbeutung seines Werkes zusprechen - ihm oder den Rechteverwertern, an die er sein Recht abtritt.

Anreize

Eingeführt wurde das Urheberrecht, um einen Anreiz zur Erzeugung von Werken zu schaffen. Ein Künstler erzeugt ein Werk und verdient (zum Beispiel) an der Vervielfältigung seines Werkes, weil nur er das von der Gesellschaft genehmigte Recht darauf hat.

Er hält ein Monopol auf sein Werk. Das hat nichts mit dem Eigentumsbegriff zu tun, mit dem dieses Monopol im Diskurs verbunden wird.

Das Urheberrecht ist immer auch - im Gegensatz zum Eigentum - zeitlich begrenzt. Warum? Weil es ein Ausgleich zwischen dem Anreiz für die Urheber und der Gesellschaft ist.

Wenn der Anreiz zur Schaffung neuer Werke erfüllt ist, ist es sinnvoll, das Urheberrecht nicht auszuweiten. Denn Kultur, Kunst und andere immaterielle Güter entstehen nicht in stillen Kammern von Genies. Jeder, der heute etwas schafft, steht auf den Schultern von Giganten. Kultur baut auf einander auf. Je weniger bereits bestehende Kultur von kommerziell interessierten Verwertern zurückgehalten wird, desto besser für die gesamte Gesellschaft.

Es ist gesellschaftlich wünschenswert, dass die Monopolrechte auf Werke irgendwann in die Gemeinschaft übergehen.

Der Wunsch der Monopolisten

Die Mehrheit der Entertainmentbranche besteht aus Rechteverwertern. Diese haben ein Interesse daran, ihre Geschäftsbasis auszubreiten. Ihre Geschäftsbasis ist das Urheberrecht und das ihnen damit gewährte Monopolrecht. Da die Rechteverwerter eine recht mächtige Lobby in praktisch jedem westlichen Land haben, ist ausnahmslos jede Veränderung des Urheberrechts in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine Ausweitung und damit Verschärfung des Urheberrechts gewesen. Nicht einmal wurden Fristen gesetzlich verringert.

Das müsste einen Aufschrei in der Bevölkerung verursachen. Tut es aber nicht.

Die Tonträgerindustrie hat mit ihrem Beitrag zum Diskurs rund um das Urheberrecht etwas Bemerkenswertes geschafft. Sie hat die ursprüngliche Begründung für Urheberrechte in der gesamten westlichen Welt bis ins Absurde steigern können. Will man ihre Monopolrechte verringern, etwa um die Jugend im Lande zu entkriminalisieren, wird man beschimpft, man wölle Diebstahl legalisieren und Künstler enteignen. Das ist natürlich nicht richtig.

Es ist natürlich logisch, dass die Rechteverwerter, die alle Monopolisten sind, sich nicht als solche bezeichnen lassen wollen. Denn jeder Bürger weiß, dass Monopolisten ihm mehr Geld abknöpfen, als 'nötig' (die sogenannte Monopolrente, die über den Margen liegt, die ein Unternehmen in einem Markt mit Konkurrenten erzielen kann). Aber das sind sie. Monopolisten. Es gibt nur einen Rechteinhaber, der die Verwertungsrechte an den Beatles-Songs hält. Es gibt nur einen Rechteinhaber, der die Verwertungsrechte an 'The Dark Knight' hält.

Egal ob Privatperson, Label oder Filmstudio: Wer die Verwertungsrechte an einem Werk hält, ist für Rechte dieses Werks ein Monopolist im klassischen Sinne. Niemand kommt an diesen Anbietern vorbei, wenn man ein Interesse an diesen Werken in welcher Form auch immer hat: Sei es simpler Konsum, Verkauf, Aufführung oder ein Remix.

Der Monopolist bestimmt die Spielregeln.

Aus diesem Grund findet auch so wenig Innovation im Musiksektor statt. Eigentlich wäre der Sektor von Startups, die sich mit Musik im Netz beschäftigen, prädestiniert für Innovationen. Immerhin war Musik mit Napster seinerzeit das erste Medium, das massiv im Netz getauscht wurde. Der Bedarf und die technischen Möglichkeiten waren da.

Aber: Die Startups müssen mit Monopolisten (den Labels) verhandeln. Es ist bemerkenswert, dass vor diesem Hintergrund überhaupt Webdienste wie Last.fm und Spotify ausreichend Investoren gefunden haben. Die Verhandlungsmacht als Monopolisten macht es den Labels übrigens auch einfach, sich bei erfolgversprechenden Webdiensten wie Spotify zu beteiligen. Eine jüngere Strategie im Musikbereich.

Dass iTunes den Musiklabels die Bedingungen diktieren konnte, liegt daran, dass die vormaligen Monopolisten sich zum ersten Mal Konkurrenz gegenübersahen: Dem P2P-Filesharing. Die bestmögliche legale Alternative war iTunes.

Es ist natürlich auch ein bemerkenswertes Versagen der traditionellen Medien, dass die Rechteverwerter ihre in die Irre führenden Begriffe und Narrationen über die letzten zehn Jahre praktisch ohne Widerstand in der Öffentlichkeit verbreiten konnten.

Eigentum?

Noch einmal: Urheberrecht hat nichts mit Eigentum im landläufigen Sinne zu tun.

Wenn dem so wäre, dann könnte man mit der Musik auf der CD, die man erwirbt, machen, was man will. Kann man aber nicht. Man kann die Musik zu Hause anhören. Man kann eine "Privatkopie" anfertigen. Man darf aber nicht die Musik öffentlich aufführen, ohne Gebühren an die GEMA zu entrichten. Man darf keinen Remix anfertigen und ihn weiterverkaufen.

Vergleichen wir das mit einem Tisch. Wenn ich einen Tisch kaufe, kann ich damit machen, was ich will. Ich kann ihn weiterverkaufen. Ich kann ihn bearbeiten und dann weiterverkaufen. Wenn ich Musik erwerbe, kann ich das nicht. Warum? Weil ich kein Eigentum an der Musik erwerbe, nur ein Nutzungsrecht, das immer mit Einschränkungen versehen ist. Ich kann lediglich die CD weiterverkaufen. Denn ich habe am physischen Tonträger Eigentum erworben. Nicht an der Musik, die sich auf ihm befindet.

Die Rechteverwerter und Rechteinhaber verkaufen an die Endkunden nie Eigentum an der Musik. Das wäre auch nicht möglich, denn Eigentum an Musik (oder anderen immateriellen Gütern) existiert nicht, es existiert nur ein beschränktes Monopolrecht auf die Verwertung.

Zum Abschluss noch eine Denksportaufgabe: Wenn illegales Filesharing Diebstahl ist, warum kann ich dann legal erworbene MP3s nicht als gebraucht weiterverkaufen?

Diebstahl ist immer mit Eigentum verbunden und hier völlig fehl am Platze als Beschreibung eines Umstandes. Man kann nicht auf der einen Seite Eigentum behaupten und gleichzeitig auf der anderen Seite nur Nutzungsrechte verkaufen. Auch die Musikindustrie kann ihren Kuchen nicht essen und ihn gleichzeitig für später aufheben.

Ich bin kein Jurist. Ich bitte also, etwaige Ungenauigkeiten bei Begrifflichkeiten zu entschuldigen. Mitlesende Juristen, die in den Kommentaren die Ausführungen des Artikels ergänzen möchten, sind herzlich willkommen!

Kommentare

  • Florian

    04.11.09 (17:30:11)

    Was noch zu erwähnen ist: Wenn man eine CD erwirbt, so ist das Nutzungsrecht an den Datenträger gebunden und kann mit diesem auch weiterverkauft werden - keiner käme auf die Idee, dies zu verbieten. Das online erworbene Nutzungsrecht ist aber von der Weitergabe ausgeschlossen (z.B. iTunes http://www.apple.com/legal/itunes/chde/terms.html). Komisch, oder?

  • nico

    04.11.09 (17:52:42)

    soweit so gut. angenommen das urheberrecht würde wieder abgeschafft und patente gleich mit (um nochmal einen gern bemühten bogen in die analoge welt zu schlagen). ich würd gern wissen was deiner meinung nach danach kommen könnte. brauchen kulturschaffende diese finanziellen anreize einfach nicht mehr, weil sich die gesellschaft im ganzen ändert und die motivation immaterielle güter zu schaffen auch daheraus entsteht, dass die gesellschaft weniger physische arbeitskraft benötigt und folglich mehr zeit hat? oder würde das urheberrecht durch ein anderes recht und/ oder angeschlossenes vergütungssystem ersetzt? wenn ja - welches?

  • Marcel Weiss

    04.11.09 (18:08:22)

    @nico: Ich habe nie gesagt, dass das Urheberrecht komplett abgeschafft gehört. Und das ist auch nicht meine Meinung. Einige der Rechte müssen aber abgeschwächt oder abgeschafft werden, weil sie so im Internetzeitalter nicht mehr zeitgemäß sind. Anders gesagt: Das heutige Urheberrecht schützt auch die Vervielfältigung, die die Endkunden ohne zusätzliche Kosten selbst durchführen können. Wöllte man das ihnen effektiv untersagen, also das geltende Recht durchsetzen, müsste man die Privatsphäre online abschaffen. In die Richtung entwickeln wir uns gerade. In meinen Augen nicht sinnvoll. Dort muss angesetzt werden. Alles, was online nichtkommerziell und ohne zusätzliche Kosten durchgeführt werden kann, sollte vom Schutz ausgeklammert werden. Weil die Alternative nicht wünschenswert ist. Anreize sind trotzdem vorhanden. Es ist so leicht wie nie zuvor, knappe Güter mit online verbreiteten immateriellen Gütern zu verbinden und daraus ein Geshcäftsmodell zu machen. Dazu muss nicht etwas künstlich geschützt werden, das keine Kosten verursacht.

  • nico

    04.11.09 (18:27:35)

    da hab ich dich wohl instinktiv auf der piraten-linie angenommen. ;) die idee, dass der tassen-verkauf die musik finanziert, ist aber auch nicht ganz zu ende gedacht. was, wenn ich mir in 5 jahren mit nem 3d-drucker auch die tasse einfach kopieren kann? das urheberrecht muss den digitalen gegebenheiten angepaßt werden, gar keine frage. allerdings sehe ich immer noch keine glaubhafte lösung in der finanzierungsfrage.

  • Marcel Weiss

    04.11.09 (18:35:31)

    @nico: Merch ist nicht das einzige knappe Gut. Man kann sich auch die Erschaffung der Inhalte vorfinanzieren lassen zB. Allgemein: Die Gesellschaft hat keine Verpflichtung, für eine angemessene Finanzierung zu sorgen. Man kann über wünschenswerte Ergebnisse und entsprechende Förderung sprechen. Aber grundsätzlich müssen auch Künstler etc. sehen, wie sie funktionierende Geschäftsmodelle finden, wenn sie für ihre Kunst Geld sehen wollen.

  • ramses101

    04.11.09 (18:40:58)

    Das Urheberrecht kann nur schwer verändert werden, weil jede Änderung den Urheber nur entrechten kann. Oder den, der in seinem Namen handelt, weil er, zum Beispiel, die Verwertungsrechte geerbt hat. Als Beispiel gegen das Copyright, was im Gegensatz zum Urheberrecht von A nach B abgebbar ist, wird immer gerne die böse Musikindustrie genannt. Warum, liegt auf der Hand. Aber wenn das Urheberrecht geändert werden soll, muss das auch für andere Urhebungen gelten. Ist eine Frist von 50 Jahren angemessen? Super! Dann kann jede Naziseite mit Anne-Frank-Zitaten bestückt werden. Schenkelklopfer bei den Asis, Rechtlosigkeit bei allen anderen. Das mag ein absurdes Beispiel sein. Aber eine Neuerung des Urheberrechtes darf eben nicht nur den fluffig-leichten Beispielen standhalten, sondern muss es auch bei den anderen können. PS: Lösung der Denksportaufgabe: Ich kaufe im Plattenladen keine gebrauchte Musik, sondern eine gebrauchte LP. Mein "BachPod" darf ich also auch mit all den Bach-mp3s verkaufen. PPS, bzw ceterum censeo: Dass das Urheberrecht aber irgendwie verändert werden muss, steht außer Frage. Wie, weiß ich aber auch (noch) nicht.

  • Stefan

    04.11.09 (20:00:24)

    Leider hinkt der ganze Vergleich zwischen CD und Tisch. >>Vergleichen wir das mit einem Tisch. Wenn ich einen >>Tisch kaufe, kann ich damit machen, was ich will. Ja, Du kannst Ihn weiterverkaufen, kannst Du mit der CD auch. >>Ich kann ihn bearbeiten und dann weiterverkaufen. Kannst Du mit der CD auch, Nimm ein paar Stifte und zeichne etwas aufs Cover, verkaufe es dann weiter. >>Weil ich kein Eigentum an der Musik erwerbe, nur ein >>Nutzungsrecht Ist auch beim Tisch so. Wenn Du einen teuren Philippe-Starck-Designer-Tisch kaufst, ist das Design auch geschützt. Du darfst Ihn nicht kopieren. Genau gleich, wie du ein Urheberrecht auf Deine Artikel hast. Firma XY darf z.B. kein Buch "Die gesammelten Artikel von Marcel Weiss" herausgeben, ohne Dich 1. um Erlaubnis zu fragen, 2. Dich wahrscheinlich finanziell beteiligen zu müssen. (ausser Du verzichtest natürlich und lässt Firma XY Millionen verdienen... )

  • DieWucht

    04.11.09 (22:03:17)

    Danke für die besondere Einladung an Juristen! Nehme ich gerne an. Die Grundthese Deines Beitrages, es gebe kein geistiges Eigentum, kann man so nicht stehen lassen. Kurze Hintergrundinfo: Art. 14 Grundgesetz regelt das Eigentum : "(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt." Das Besondere daran ist, dass die Verfassung Eigentum selbst nicht definiert, sondern diese Aufgabe dem "einfachen Gesetzgeber" überläßt. Das ist durch viele Gesetze geschehen, wie zum Beispiel das Bürgerliche Gesetzbuch, das Urheberrechtsgesetz, das Markengesetz etc. Ich führe das aus um deutlich zu machen, dass es nicht "das Eigentum" gibt, mit der Folge, dass das Eigentum an einem Tisch gleichbedeutend wäre mit der Urheberschaft an einem Softwareprogramm und den daraus resultierenden Rechten. Es gibt in dieser Rechtsordnung verschiedene "Eigentümer", verzeih dieses unschöne Wort (i.Ü. kein juristischer Terminus). Es war und ist stets etwas anderes, Eigentum an einer Sache zu haben als Urheber eines Werkes zu sein. Es ist eine schlichte Notwendigkeit einen Tisch rechtlich anders zu behandeln als eine Komposition. Legen wir also den Tisch-Musik-Vergleich bitte beiseite. Kurz zum geistigen Eigentums: Du meinst v.a. den Schutz am Werk im Sinne des Urheberrechtsgesetzes, oder, Marcel? - Mittlerweile sieht sich der Nutzer (und auch der Urheber) von urheberrechtlichen Werken massiven rechtlichen und tatsächlichen Einengung ausgesetzt. Ich verstehe Dich dahingehend, Marcel, eine Vielzahl von rechtlichen Regelungen habe einen Erosionsprozess ausgelöst, so dass von dem bislang bekannten geistigen Eigentum nichts mehr übrig geblieben sei. Diese Schlußfolgerung ist juristisch nicht haltbar. Angenommen, Deine These träfe zu, dann wäre jedes Werk Gemeingut geworden. Das ist ja nunmal nicht der Fall. Ich finde die Idee des geistigen Eigentums nach wie vor sehr in Ordnung, allerdings muss am Ausgleich von Urheber- und Nutzerinteressen einiges getan werden. Wie weiß ich auch nicht.

  • Thomas

    04.11.09 (22:08:45)

    um mal konstruktiv zu denken: vielleicht müssen wir das urheberrecht gar nicht verändern. hindert das urheberrecht denn daran, freie musik herzustellen? warum wird der markt nicht einfach mit freier, hochqualitativer musik überschwemmt? wenn es so tolle, freie musik gibt, warum sollte dann noch jemand den kommerziellen kram kaufen?

  • haha

    04.11.09 (22:51:19)

    Ihr vollkommen verblödeten magix-user-spinner feiert euch hier ab!!! Respekt!!! Ihr Scheiß-Umsonst-Klingelton-Nasen solltet einfach mal einen Song – einen wirklichen- schreiben. Dann kann man so einen Mist posten.

  • Stephan

    04.11.09 (23:24:36)

    Dein Artikel ist aus einer falschen Perspektive verfasst. Das Urheberrecht ansich, verbietet dir gar nix. Das Urheberrecht regelt lediglich die Rechte des Urheber. Der Urheber ist es der dir etwas verbietet. Wenn der Urheber sagt, ihr dürft alles mit meinen Sachen machen was ihr wollt, OHNE MICH ZU FRAGEN, denn ist das vom Urheber total nett. Gibt es aber aus verschiedenen Gründen ganz selten. Wenn der Urheber für den Preis der alleinigen Verwertungsrechte Marmelade (Vertrieb, Marketing,...) um seinen Po geschmiert bekommt, ist der Urheber derjenige der das toll findet. Er kann, muss das aber nicht mit machen. Und überlege dir mal, welcher Verwerter würde einen Vertrieb aufbauen, wenn er schon im voraus weis, dass mit 10 verkauften MP3 oder CDs halb Deutschland versorgt ist? Warum beschränken die Urheber die Verwertungsrechte nicht zeitlich? Machen Fotografen zB. immer so, mit Lizenzen. Und GEMA musst du nur Zahlen, wenn der Urheber bei diesem Verein mit macht. Dafür kann aber weder das Urheberrecht noch die GEMA etwas, das hat dann auch wieder allein der Urheber in der Hand. Das Thema ist in Verbindung mit Musik auch etwas angestaubt. Und ich sehe da aktuell auch keine besondere Brisanz. Die Musikindustrie und die Urheber haben es geschafft, dass das Interesse an Musik gerade bei jüngeren Generationen merklich abgeflaut ist. Ich finde auch aktuell bei Amazon eher ewig gesuchte Stücke als sonstwo im Netz (die bieten sogar schon 7" als mp3 an, man staune).

  • kadekmedien

    05.11.09 (06:38:05)

    Ich glaube, es ist nicht ganz so einfach, einen Vergleich physisches vs. geisitges Eigentum zu ziehen. Und vermutlich liegt die Ursache darin, dass der Urheber eines Werkes nicht ausschließlich von der Verwertung, sondern auch von der mit dem Kreierten verbunden Reputation lebt (Stichwort: Fame). Trotzdem bin ich der Ansicht, dass das Urheberrecht in gewisser Weise "entschärft" werden muss. Z.B. sollten ReMixe in allen Variationen - also auch Blogposts, Cut-Ups (50er Jahre!! Literatur) - als neue entstandene, eigenständige Werke gesehen werden. Zumal sie ja - Namensnennung vorausgesetzt - dem Original Urheber keinen Zacken aus der Krone bricht, sondern ganz im Gegenteil seinen Fame steigert. Vielleicht sollten wir hier im Westen uns einfach mal die chinesische Auffassung erklären lassen, dass Kopieren immer eine besondere Art der Wertschätzung darstellt.

  • David

    05.11.09 (08:50:45)

    Sehr lesenswert. M. E. ist allerdings etwas ungenau, zu sagen, das Urheberrecht wurde eingeführt, um einen Anreiz zum Schaffen von Werken zu generieren. Historisch betrachtet ist es ja immer schon sehr stark vom Verwerterinteresse (Drucker, Verleger) geprägt worden. Die Argumentation mit dem Anreiz ist eine bestimmte *Begründung* dafür.

  • Doc Montresor

    05.11.09 (11:25:53)

    Ich sehe das Problem auch eher im Ungleichgewicht der faktischen Machtverhältnisse der monopolistischen Verwertungsgesellschaften als in der Idee des Urheberrechts selbst. Mal eine umgedrehte Idee: Was wäre, wenn man das Urheberrecht dahingehend verschärfen würde, dass Verwertungsrechte gar nicht mehr oder nur zeitlich sehr begrenzt verkauft werden können? Also wirklich den Urheber zu stärken, nicht den Verwerter? Wenn es also nicht mehr legal wäre, seine Rechte zur Verwertung komplett an einen anderen abzutreten? Wenn auch der Inhaber der _exklusiven_ Verwertungsrechte nur noch eine natürliche Person sein darf, keine juristische? Das fände ich mal ein interessantes Gedankenexperiment. Jeder Verwerter müsste dann mit anderen Verwertern in Konkurrenz treten und mit dem Urheber Konditionen aushandeln, die immer zeitlich begrenzt wären, und der Urheber hätte wieder den Status, den die Verwerter heute nur euphemistisch behaupten. Welche Folgen hätte das?

  • kadekmedien

    05.11.09 (12:17:45)

    @Doc Montresor Die Umkehrung wird nicht funktionieren. Z.B. sind auch bildende Künstler Urheber. Und es ist jetzt schon so, das Galeristen, Kunsthändler und -sammler in Konkurrenz um die Werke des Künstlers treten (eine bestimmte Qualität vorausgesetzt). Aber sobald der Künstler sein Bild verkauft hat, kann der Käufer damit machen, was er will - im Sinne des physischen Eigentums und der Verwertungsrechte. Er kann das Bild dem Künstler für 10k abkaufen und für lässige 100k an den nächsten Scheich weiterverkaufen - ohne dass der Künstler prozentual oder sonstwie an diesem Deal beteiligt wäre. Er bleibt aber Urheber (siehe meinen Kommentar #12), und damit Garant, auch weiterhin in mindestens dieser Qualität Kunst zu liefern. Dieser Fame sichert ihm auch künftig das (Kauf-)Interesse der Galeristen. Ist halt alles viel komplexer als man glauben mag.

  • Doc Montresor

    05.11.09 (13:06:22)

    @kadekmedien (15): Na ja, "nicht funktionieren" ist ein bisschen schwammig. Ich habe ja keine Zielvorgabe gemacht. Die Frage war ja, das mal durchzuspielen und zu schauen, was passieren könnte/würde. Die Problematik, der wir uns momentan ausgesetzt sehen, betrifft ja gerade die bildenden Künstler und ihre physischen Originale überhaupt nicht. Es sei denn, die Reproduktion der Bilder wäre durch Technik inzwischen so weit fortgeschritten, das man sie beliebig oft und mit absolut geringem Aufwand so kopieren könnte, dass sie vom Original (inklusive Material) nicht mehr unterscheiden könnte. Dann wäre das Beispiel legitim. Aber dann könnten die Galeristen auch dichtmachen. Natürlich würde sich eine Änderung auf alle auswirken und hätte demnach auch unerwünschte Nebeneffekte (ganz zu schweigen von dem Problem der nationalen Unterschiede), aber genau deshalb würde ich ja gerne mal dieses Gedankenexperiment durchgehen. Ein Beispiel: Ich bin Komponist und habe einen Song geschrieben. Damit bin ich Urheber (und bleibe es für alle Zeit - Unterschied zum copyright). Jetzt will ich Geld damit verdienen und erlaube Bands/Musikern gegen eine vertraglich festgelegte Beteiligung, diesen Song zu verwenden/zu verwerten. Oder: Ich erlaube einer großen Firma, diesen Song zu verwerten. Aber die Firma könnte mir nicht mehr verbieten, anderen diese Erlaubnis ebenfalls zu erteilen. Darum ging es mir. (Stichwort GEMA gegen Musiker, die ihre Songs ins Netz stellen). Natürlich wird das im Detail kompliziert, aber das ist es auch schon heute: Wenn ein Unternehmen mit einem exklusiven Verwertungsrecht eine Orchesteraufnahme von meinem Song produziert, dann ist das wieder ein Werk. Aber wer ist der Urheber? Ich? Ich darf diese Aufnahme weder kopieren noch verkaufen. Ich werde zwar am Verkauf beteiligt, habe aber de facto weder Einfluss auf die Höhe der Beteiligung noch auf die Art des Vertriebs oder der Werbung und darf auch keine alternative Verwertung betreiben. Wo ist da der Schutz des Urhebers?

  • weissgarnix

    05.11.09 (13:18:06)

    Sei mir nicht böse, Junge, aber das ist ja wohl von A bis Z Unsinn, was du da schreibst. Zunächst mal ist "Eigentum" immer ein Monopolrecht, in dem Sinne, dass nur der Eigentümer und sonst niemand bestimmen kann, wie ein bestimmtes Gut genutzt und/oder verwertet wird. Ob dieses Gut materiell oder immateriell ist, ist völlig egal - der Eigentumstitel existiert IMMER nur in der Rechtssphäre. Alles andere ist nicht Eigentum, sondern Besitz. Dinge, die du aus deinem Eigentum oder als sogenannte "Früchte deiner Arbeit" herstellst, sind ebenfalls dein Eigentum. Der Schöpfer eines geistigen Werkes ist Eigentümer des Werkes selbst, er bestimmt daher, wie es genau genutzt und verwertet werden darf. Dein CD-Vergleich zieht deshalb auch nicht, weil du als Käufer dabei nichts anderes erwirbst, als das Nutzungsrecht einer konkreten CD mit dem Inhalt des Werkes darauf. Ob es das Werk überhaupt auf CD, als MP3 oder was auch immer geben soll, und wie es konkret vermarktet werden darf (Single, Album, Compilations) ist die alleinige Entscheidung des Eigentümers. Der kann seine (Monopol)-Rechte natürlich vermieten, verkaufen, verpachten, genauso, wie es der Eigentümer einer Immobilie kann. Deine Denksportaufgabe: "Wenn illegales Filesharing Diebstahl ist, warum kann ich dann legal erworbene MP3s nicht als gebraucht weiterverkaufen?", ist daher sehr leicht zu beantworten: Weil dir mit Kauf der CD Nutzungsrechte, aber keine Eigentumsrechte am Werk übertragen wurden. Du bist nur "Besitzer", aber nicht Eigentümer. Genausogut hättest du fragen können: "Wenn Autoklau Diebstahl ist, warum kann ich dann ein legal geleastes Auto nicht gebraucht weiterverkaufen?" Selbe Antwort wie oben.

  • kadekmedien

    05.11.09 (13:28:39)

    @Doc Montresor #16 Ich verstehe schon, worauf du hinaus willst. Ich finde die Idee, keine exklusiven Verwertungsrechte mehr an Verlage/Labels etc. veräußern zu können, sogar interessant. – Aber sie beschränkt den Urheber, mit seinem Werk machen zu können, was er will - es also bei Bedarf auch exklusiv verhökern zu können. Und dass die "Galerien dichtmachen können", ist ja genau das Dilemma, das die Musikindustrie allen voran gerade aus der Welt schaffen will ;) Es geht imo um eine völlig neue Denke. - Wenn ich "früher" ein Buch gekauft hab, was anschließend erst meine Frau, dann ihre Freundin und schließlich noch deren Mann las, wurde halt immer nur die eine Kopie herumgereicht. - Heutzutage machst du eine 1:1 Kopie... du hast es ja selbst angesprochen. - Also, wie damit umgehen? Ich glaube - wie auch einige Künstler/Musiker, die wenigstens einzelne Songs zum DL freigeben - dass die paar privaten (digitalen) Kopien dem Absatz keinen Abbruch tun. - Es hat sich doch alles umgekehrt: früher ging die Band auf Tour, um das neue Album zu promoten. Heute soll dich das Album dazu bringen, das Konzert zu besuchen, denn genau dort ist der Cashflow angesagt. Die ganze Lobbyarbeit samt Medienrummel, die von der Musikindustrie um das Urheberrecht gemacht wird, ist doch nur Ablenkung von der Tatsache, dass sie die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig bemerkt haben und immer noch ratlos dastehen und deshalb das Internet verteufeln. Schön wäre, wenn auch mal ein paar Urheber mitdiskutieren würden...

  • Doc Montresor

    05.11.09 (13:52:02)

    @kadekmedien (18): >Aber sie beschränkt den Urheber, mit seinem Werk machen zu können, was er will. Das ist ja der Knackpunkt. Juristisch gesehen hast du recht. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Fühle ich mich als Urheber wirklich frei mit meinem Werk zu tun, was ich will, wenn meine Verwertungsgesellschaft (es gibt in der Regel nur eine! -> Monopol) mir verbietet, meine Lizenzen nach eigenen Richtlinien zu vergeben? Sicher, ich muss kein GEMA-Mitglied werden, aber gibt es denn Alternativen? (Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass selbst das Verbreiten nicht bei GEMA angemeldeter Werke nur aufgrund der Mitgliedschaft als Urheber verboten wurde.) >dass die paar privaten (digitalen) Kopien dem Absatz keinen Abbruch tun Da bin ich mir nicht so sicher. Ich bin kein Freund der Musikindustrie, aber das Konsumverhalten verändert sich nun mal mit der neuen Technik. iTunes ist ein Beispiel. Ich denke, die CC-Lizenz ist in dieser Hinsicht ein erster Schritt, dieses Dilemma zu lösen. Aber die Urheber und die großen Verwerter haben natürlich immer noch die Riesengewinne der Vergangenheit vor Augen... davon sollten sie sich meiner Ansicht nach verabschieden. (Ich bin auch Urheber...;)

  • kadekmedien

    05.11.09 (14:08:36)

    @Doc Montresor #19 »...aber das Konsumverhalten verändert sich nun mal mit der neuen Technik.« Nun ja, Veränderung ist nun mal das einzige, was Bestand hat ;D »iTunes ist ein Beispiel.« Ist iTunes kostenfrei?? Stimmt schon, dass die großen Verwerter sich von den Riesengewinnen der Vergangenheit verabschieden müssen. Und das ist imo der Knackpunkt (übrigens auch was GEMA angeht): die Zeit der Monopole ist abgelaufen. - Internet ermöglicht allgemeines öffentliches Teilnehmen/Teihaben auf professionellem Niveau. Daraus resultieren bestenfalls Polypole - aber wir lernen ja noch ;)

  • Michael

    05.11.09 (14:12:31)

    Ich finde dieses Beispiel sehr schön: http://paulbuchheit.blogspot.com/2007/08/what-does-it-mean-to-own-right-was.html

  • Doc Montresor

    05.11.09 (14:27:09)

    > Ist iTunes kostenfrei?? Nein. iTunes ist nur ein Beispiel dafür, dass es eine Menge Konsumenten gibt, die im Rahmen bestehender Gesetze bereit sind, ein bisschen Geld für einen Download (soweit ich weiß mit Kopierschutz) zu bezahlen, wenn es gut gemacht ist. Von Kostenfreiheit war nie die Rede, halte ich auch für unrealistisch. Mir geht es vor allem um die Form der Preisfindung und/oder der Querfinanzierung, d.h. um die Frage, wie Urheber in Zukunft für ihre Arbeit entlohnt werden können und welche Rolle Verwerter/Verlage überhaupt spielen können/sollen in einem Medium, das in der Lage ist, Urheber, Bearbeiter und Konsumenten direkt miteinander zu verbinden. Aber vielleicht sprengt das hier auch den Rahmen...

  • David

    05.11.09 (15:40:19)

    @weissgarnix: Beim Auto-Diebstahl entwende ich das Eigentum des Besitzers, beim "Content-Diebstahl" entwende ich kein "Eigentum", ich verstosse nicht gegen die Eigentumsrechte, sondern gegen die Nutzungsrechte. Der Urheber ist ja weiterhin im Besitz seiner "Eigentums". Darum ist dein Vergleich falsch. Während der Begriff des "geistigen Eigentums" für die Immaterialgüterrechte noch einigermassen funktioniert, sind "Raub”, “Enteignung”, “Piraterie” und “Diebstahl” definitiv unpassend für einen Verstoss gegen Nutzungsrechte. Aber auch der Begriff des "geistigen Eigentums" wird zurecht kritisiert. Wenn Immaterialgüterrechte Eigentum wären, wäre ja der Ablauf von Immaterialgüterrechten (beim Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers) ja staatliche Enteignung. Ist es aber nicht. Und darum sind Immaterialgüterrechte einfach Immaterialgüterrechte und kein Eigentum.

  • Annabeth

    05.11.09 (15:57:58)

    Der Text wird attac gefallen, die Kommentare haben mir gefallen. Behelfen wir uns weiter damit, dass wir Lizenzen respektieren und Quellen nennen.

  • cimnine

    05.11.09 (16:26:37)

    @Stefan: Aber ich kann den Tisch neu anstreichen und weiterverkaufen. (Also derselbe Tisch im originalen Design mit einer kleinen Änderung). Einem Musik-Stück darf ich keine neue Bass-Spur verpassen, und Sie dann weiterverkaufen. Aber im Grundsatz hast du ja schon recht. Denn es ist immernoch derselbe Tisch, und nicht ein neues Exemplar des Tisches, wie eine MP3 die weitergegeben wird, ohne das Original unwiederruflich zu löschen. Ich glaube, dass die Lösung dahingehend sein wird, dass die Tracks frei verfügbar sein werden. Jeder wird davon einen Remix / eine Neuinterpretation machen dürfen. Die Einkünfte jedoch wird mit dem Können den Track zu performen erzielt. Sprich: Konzerten, etc. Es ist doch auch spannend, dass Theater und Opern keine Probleme mit "Raubkopien" haben. Es ist eben ein einmaliges Erlebnis. Und dorthin wird die Musik auch (wieder) kommen: Zu den einmaligen Live-Erlebnissen. Dort, wo Sie einmal angefangen hat. (Mit (Kino-)Filmen wird das natürlich schwerer, da diese nicht so einfach Live performt werden können. Also gilt sich etwas einfallen zu lassen. 3D ist zum Beispiel im Kommen.)

  • enemene

    05.11.09 (19:49:32)

    Hier zum Nachlesen: http://www.dklevine.com/general/intellectual/against.htm Die gesamte Begründung des Urheberrechts, des Patentrechts bzw. generell des Immaterialgüterrechts ist utilitaristisch. Daher wird es hierbei immer zu unterschiedlichen Positionen kommen, je nachdem wie man den "Nutzen" einschätzt und gewichtet.

  • DieWucht

    05.11.09 (20:32:08)

    @enemene: Der link führt zu einem wissenschaftlichen Text, der sich mit dem Copy Right Law befasst. Nun sind das angloamerikanische und das römische Rechtssystem (wie zB unseres) grundverschieden, sowohl im Hinblick auf Entstehung, Methodik und als auch die Schutzgüter. So interessant der oben verlinkte Text ist, hilft er bei unserem Thema hier leider nicht weiter. Grundsätzlich stimme ich Dir aber zu, dass über den "Nutzen" eines Werkes immer wieder neu verhandelt werden muss, weil sich gesellschaftliche, technische, rechtliche Gegebenheiten ändern. Das meinte ich in meinem ersten Kommentar (#9), als ich vom Ausgleich von Urheber- und Nutzerinteressen sprach.

  • enemene

    05.11.09 (21:36:17)

    "Nun sind das angloamerikanische und das römische Rechtssystem (wie zB unseres) grundverschieden, " Das was du schreibst ist leider völliger Unsinn. Warum? 1) Weil auch im europäischen Bereich immer wieder auf utilitaristische Argumente zurückgegriffen wird. 2) Weil der Unterschied zwischen einem abtretbaren copyright und einem zum Großteil abtretbaren Urheberrecht (Verwertungsrechte!) viel kleiner ist, als du behauptest. 3) Weil es bei beiden und bei Patentrecht um Anrechte auf geistige "Werke" geht: Daher kann man sehr wohl Aussagen dazu treffen, wie man diese Anrechte allgemein begründet. Es wirkt so, als ob du nur eine Ausrede dafür finden willst, zuzugeben, dass zum größten Teil utilitaristische Argumente für die Begründung des Urheberrechts genommen werden. Denk nochmal nach: Wie sind Urheberrechte entstanden? Und was begründet diese?

  • enemene

    05.11.09 (21:48:48)

    @DieWucht Noch ein Zusatz: Du vergisst ganz, dass die verschiedenen internationalen Abkommen das kontinentaleuropäische Urheberrecht und das amerikanische Copyright immer mehr aneinander angeglichen haben! Letztendlich sind es im Bezug auf die Auswirkungen dieser Immaterialgüterrechte nur mehr marginale Unterschiede! Beide rekurrieren mittlerweile noch stärker auf utilitaristische Argumente (der "Nutzen" der Gesellschaft). Fazit: Du hast den wissenschaftlichen Artikel entweder nicht gelesen oder ihn nicht verstanden! Es ging in dem Artikel um ALLGEMEINE Argumente gegen jede Art des Monopols auf intellektuelle Werke.

  • DieWucht

    05.11.09 (23:38:31)

    @enemene Mit der Position stehst Du in der deutschen Rechtswissenschaft allerdings alleine da. Falls ich nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge sein sollte, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren. Dass es wichtige Gemeinsamkeiten von angloamerikanischem und römischem Rechtssystem im Bereich des geistigen Eigentums gibt, vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass Lösungswege oder Grundaussagen leider nicht ohne weiteres transferiert werden könnten.

  • Texhnolyze

    06.11.09 (00:25:42)

    Vom Zeitpunkt seiner Publikation an entwickelt jedes Druckwerk ein Eigenleben. Es bleibt nicht nur vermögenswertes Ergebnis verlegerischer Bemühungen, sondern wirkt in das Gesellschaftsleben hinein. Damit wird es zu einem eigenständigen, das kulturelle und geistige Geschehen seiner Zeit mitbestimmenden Faktor. Es ist, losgelöst von privatrechtlicher Verfügbarkeit, geistiges und kulturelles Allgemeingut. (BVerfGE 58, 137 (148 f.)).

  • Farzi

    06.11.09 (04:33:01)

    Letztlich ist das ganze keine akademische Frage des Rechts, sondern des Rechtsverständnisses. Man kann argumentieren, wie man will. Aber wenn genug Menschen das Urheberrecht und alle seine Folgen als gefühlt ungerecht empfinden, werden sie es schlicht brechen. Die wirkliche Aufgabe, der die Legislative heute gegenüber steht ist die, ein Recht zu schaffen, dass von der Mehrheit der Bevölkerung nicht als Unrecht empfunden wird. Denn eines ist wohl klar: Die Technik ist bereits da, die das Brechen des Urheberrechts ohne Verfolgung ermöglicht. Es gibt bereits Netzwerke, die mit cryptographischen Methoden die Quellen und Ziele von Datenströmen verschleiern. Die Frage des Urherberrechts wurde also eigendlich faktisch bereits entschieden - im privaten Bereich gibt es für viele defacto schlicht keins. Ich glaube, die Politik, die großen Verwerter und vieleicht auch die Urheber selbst haben da nicht einfach nur das Internet verschlafen. Sie haben den Beginn der digitalen Informationsgesellschaft an sich verschlafen. Auch ohne Internet hätte inzwischen wohl jede zweite Familie einen Computer und die Kinder würden auf dem Schulhof USB-Sticks tauschen. Das Internet hat das Ganze nur beschleunigt. Eine Voraussetzung für diese Entwicklung ist es jedoch nicht. Daraus folgt dann auch schon der Grund, wieso selbst eine vollständige staatliche Kontrolle des Internets, inklusive des Verbots starker Kryptographie (das allerdings schon auf Grund des Bedarfs an sicherem Homebanking und Online-Zahlsystemen nicht leicht durchzusetzen wäre), nicht wirklich etwas ändern würde: Die Leute würden einfach ihre Terrabyte-Platten untereinander tauschen. Dafür gibt es sogar ein "historisches" Vorbild: Die C64- und Amiga-Szenen bevor sich Normalsterbliche Akustikkoppler oder gar Modems leisten konnten. Moral hin oder her: Man wird sich mit dem Willen des Volkes wohl irgendwie arrangieren müssen. Zum ersten mal in der Geschichte hat der einzelne Bürger in einem Teilbereich die Möglichkeit, bestimmte unverständliche Gesetze zu ignorieren und damit sogar durchzukommen... ...Eben weil es offensichtlich doch einen entscheidenden Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Gütern gibt.

  • Marcin

    06.11.09 (06:09:12)

    @enemene: Stimme mit dir absolut überein. Die Giganten auf deren Schultern wir stehen (s. Text) hätte es gar nicht gegeben, wenn sie zumindest sich nicht etwas essbares leisten könnten, bzw. für ihre Arbeit von der Obrigkeit (s. Lessing u.f.w) nicht unterhalten werden würden. Eine saubere rechtliche Unterscheidung wird man hier nicht treffen können. Viel wichtiger: die Geiz ist Geil Mentalität pflanzt sich in Gebiete fort in denen sie nichts zu suchen hat. Gute Bücher, wissenschaftliche Artikel etc. entstehen durch sehr viel Arbeit und die soll entlohnt werden. Der Vergleich zwischen Tisch/Buch/Musik müsste den alten Popper im Grabe zum heftigen Lachanfall verführt haben....;-)! Es ist lachhaft und naiv zu glauben, man kann das geistige Eigentum enteignen und weiterhin sich an seinen Früchten laben. Diese Früchte wird es schlichtweg nicht mehr geben, oder es wird von den Schaffenden doch ein Weg gefunden werden sich ihre Arbeit bezahlen zu lassen, wie immer auch er auch aussieht.

  • weissgarnix

    06.11.09 (08:49:47)

    @Marcin Stimme dir prinzipiell zu. Niklas Luhmann hat das sehr schön auf den Punkt gebracht in der Formulierung: "Probleme entstehen, um es abstrakter zu formulieren, als Korrelate ihrer Lösung. Eigentum bildet sich, wenn das Zugreifen auf knappe (als knapp angesehene und dadurch knapp werdende) Mengen Positionen des Habens bzw Nichthabens kondensiert." Die Verständnisschwierigkeiten, die in den Köpfen der Leute offenbar herumspuken, gehen meiner Ansicht nach auf die naturrechtlichen Vorstellungen Kants und Fichtes zurück, bei denen das Eigentum immer nur so eine Art "Ergänzung" zum Besitz war. Die juristische Entsprechung des "dominiums" als rechtlich gedeckte "Sachherrschaft" hat man hingegen - so zumindest mein Eindruck - längst aufgegeben bzw auf immaterielles Vermögen erweitert. Das war auch absolut logisch, denn ansonsten wäre "Wirtschaften" im heutigen Maßstab gar nicht mehr möglich. Es reicht der simple Blick in die Bilanz größerer Firmen, um das zu kapieren. Wenn man sich der funktionalen Sicht Luhmanns anschließt, dann ist deine Aussage "Es ist lachhaft und naiv zu glauben, man kann das geistige Eigentum enteignen und weiterhin sich an seinen Früchten laben." absolut zutreffend. Der genau gleiche Gedanke liegt bekanntlich den Vorreitern der "Property rights"-Schule in der Ökonomie, namentlich Hernando de Soto, zugrunde, die darin die Lösung des Elends der 3. Welt erblicken. "Besitz" haben dort viele, aber "Eigentum", das als Rechtstitel beliehen und veräußert werden kann, eben nicht. Daher bleiben ihnen auch die Früchte dieses fehlenden Eigentums verwehrt und sie vegetieren weiter im Elend. Diese ganze Debatte über "geistiges Eigentum" ist daher grundsätzlich verfehlt: Sie wird geführt von naiven Wohlstandskindern, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie als "Nutzer" aber nicht als "Urheber" auftreten bzw von ihrer Urheberschaft nicht leben müssen. Und wenn die Urheber sich tatsächlich einmal zu Wort melden, wie jüngst diese Frau Schweitzer, dann kommt es zur großen Empörung.

  • domingos

    08.11.09 (09:41:19)

    Dass war irgend wie alles schon bekannt.

  • Andi

    10.11.09 (07:35:09)

    Schöne Diskussion. Ich möchte hier einmal die Frage in den Raum werfen, weshalb die geistige Leistung eine Apparatur/Maschine zu erfinden, anders bewertet werden soll, als ein Lied zu komponieren oder ein Buch zu schreiben? Im Falle einer Erfindung muss der Erfinder Gebühren für die Patentierung und dessen Erhalt bezahlen. Die Patentlaufzeit beschränkt sich auf max. 20 Jahre (plus 5 Jahre in Ausnahmefällen), wobei erwähnt werden muss das die Gebühren mit der Laufzeit zunehmen. Direkte Einnahmen kann der Erfinder folglich aus dem Verkauf des Patentes oder der Lizensierung an Andere erlangen. Nach Ablauf der Patentlaufzeit geht die Erfindung in Gemeingut über. Verwertungsgesellschaften (für Film, Musik, Kultur usw.) nehmen sich das Recht heraus, 50 Jahre (zur Diskussion stehen bereits 75 - 90 Jahre) die Rechte an einer virtuellen Sache zu halten, für dass sie außer einem Obulus an den Rechteschaffenden nichts bezahlen müssen. Ausgenommen Anwälte die die Kundschaft verklagen. Die Frage ist, welches System dem Gemeinwohl und dem Fortschritt eher dient? Vielleicht sollte man darüber mal nachdenken...

  • gruhlke

    11.11.09 (05:32:10)

    In diesem Zusammenhang zwei Fragen: Wer verdient eigentlich am meisten am Urheberrecht? Die Urheber oder die Verwerter? Wie stellte sich das ganze dar, in einer Gesellschaft in der das bedingungslose Grundeinkommen zu den Grundrechten zählte und verwirklicht wäre?

  • Andreas Mai

    11.11.09 (11:00:13)

    Wäre es also okay, wenn ich deine Artikel auf einer anderen Seite unter meinem Namen veröffentliche?

  • Bernd Klein

    27.05.10 (07:54:20)

    Der Blog gefällt mir sehr gut. Vor allem die Denksportaufgabe. Die werde ich mir merken. Ansonsten wollte ich noch ein wenig Eigen"werbung" machen. Ich habe vor zwei Monaten eine kritische Webseite über geistiges Eigentum gemacht. Leider kann man sie noch nicht sehr gut finden, deshalb hier auch der Link:

  • Sam

    14.03.12 (22:13:48)

    Bin wie Stephan ebenfalls der Meinung, dass eine andere Seite der Medaille gibt, die zu wenig beleuchtet wird, nämlich den Image-Schutz des Urhebers. Wem sein Ruf egal ist, der braucht kein Urheberrecht. Dann kann (und muss) man die Leute eben alles mit sich machen lassen, was sie wollen. Wenn ich aber denke, dass low-quality mp3s oder schlecht gemachte videos von meinen Auftritten meinem Image als Künstler schaden, dann kann mir das Urheberrecht dabei helfen, dass die öffentliche Wiedergabe von Dingen, mit den ich nicht einverstanden bin, eben verhindert oder zumindest zur Rechenschaft gezogen werden kann. Die Verwertungsgesellschaften sind nicht dafür da, damit Künstler zusätzlich zu Live-Auftritten eine Einnahmequelle haben. Im Gegenteil, die Künstler bezahlen die Verwertungsgesellschaften dafür, dass diese das Werk des Künstlers in einer möglichst hohen Qualität anbieten.

  • A. Sachs

    14.04.12 (07:42:40)

    Vielen Dank für die interessanten Darlegungen. Ganz neu befinde ich mich in dem Gedankenrausch eine Begrifflichkeit, einen Namen schützen zu lassen. Ich muss mich als eigenständiger Vertriebsmitarbeiter mit Rechten auseinandersetzen, da geschützte Begriffe in der Kosmetik wie zum Beispiel: Galvanic Spa II, oder ageLOC, sowie vom Produktgebenden Unternehmen einige Fotos und der Unternehmensname nicht verwendet werden dürfen. Das macht meine Veröffentlichung wie Website, Präsentationen und Aushänge recht schwierig. Jedoch habe ich Wege gefunden, rechtlich gesichert und vom Unternehmen gesegnet, die den Vertrieb möglich machen, aber eben auf anderen Wegen. Nun Habe ich die Idee, da Begrifflichkeiten mit diesen Produkten in Verbindung stehen selber schützen zu lassen. Ein Beispiel wäre u. a. Faltenbügeleisen oder Bügelparty. Wer kann mir helfen, ob mir das gelingen kann und wenn ja wie und wo?! Danke! Ich möchte noch daraufhinweisen, dass der Vertrieb von diesen Produkten sehr erfolgreich und 100% positiv als Rückmeldung kommt. Ich mache sehr gute Geschäfte mit einem sehr guten Unternehmen. Nur, gibt es gewisse Stolpersteine die ich beachten muss!!!

  • bernd rosentreter

    04.03.14 (09:49:42)

    Super Artikel und eine sehr interessante daraus entstandene Diskussion. Habe selbst mal eine Abmahnung bekommen weil ich ein Bild der google Bildersuche verwendet habe um einen von mir bei Ebay verkauften Gegenstand zu bewerben. Daraufhin habe ich mich eingehender mit dem Thema beschäftigt und finde es nun umso wichtiger das eine Aufklärung über urheberrechte stattfindet, wie sie viele Jugendliche noch nicht erfahren haben. Dieser Artikel ist ein guter Ansatz dafür!

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