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23.01.12Leser-Kommentare

Unveränderliche Veränderung: Für mehr Pragmatismus in der Urheberrechtsdebatte

Die Urheberrechtsdebatte führt im digitalen Zeitalter zu immer neuen, größeren Konfliktherden. Es ist Zeit für einen pragmatischen Blick auf die Folgen einer unveränderlichen Veränderung.

Foto: Flickr/tonynetone, CC BY 2.0Mit jedem Jahr, mit dem die Digitalisierung weiter in alle Bereiche unseres Lebens vordringt, verschärft sich der Konflikt um das Urheberecht und die Wertschöpfung immaterieller Güter. SOPA, PIPA, ACTA, Megaupload, Grooveshark, Kino.to - an Indizien für die zunehmende Eskalation mangelt es nicht.

Während ich mich gut in die Sorgen von Kreativen und Medienschaffenden hineinversetzen kann, die durch Piraterie und Filesharing ihre Existenzgrundlage in Gefahr sehen, fällt mir im Zuge der angeheizten Diskussion auf, wie die Möglichkeit des Verkaufs von Kreativarbeit auch in einem Zeitalter der Loslösung von Inhalt und Trägermedium von vielen Menschen als unveränderliches Naturgesetz angesehen wird; als Norm, deren jede andere gesellschaftliche und technologische Entwicklung untergeordnet werden muss.

Den Urhebern werde die Existenzgrundlage entzogen, liest man häufig (zum Beispiel bei uns in den Kommentaren). Doch meines Wissens nach gibt es kein Naturgesetz, das besagt, man MÜSSE mit der Schaffung von immateriellen Gütern wie Musik, Filmen oder Fotos Geld verdienen und seinen Lebensunterhalt bestreiten können.

Es gibt Gesetze, die hierfür einen Rahmen abstecken und Urhebern dieses Recht einräumen, ja. Diese jedoch erweisen sich im digitalen Zeitalter als zunehmend unfähig und deshalb dringend modernisierungswürdig. Piraterie in all ihren Formen entzieht Urhebern nicht die Existenzgrundlage, sondern sie verändert die Spielregeln, nach denen Kreativarbeit monetarisiert werden kann.

Mit diesem Beitrag möchte ich dafür appellieren, das im letzten Jahrhundert praktizierte System zur Wertschöpfung aus immateriellen Gütern zu hinterfragen und nicht als in Stein gemeißelte Lösung für die nächsten 1000 Jahre anzusehen.

Durchsetzung der alten Urheberrechtsvorstellungen führt zu Kollateralschaden

Copyright-Hardliner und Traditionalisten schlagen beim Lesen dieses Texts wahrscheinlich die Hände überdem Kopf zusammen und wundern sich, wie ich diese Kriminellen verteidigen kann. Doch das mache ich nicht. Ich stelle lediglich pragmatisch fest, dass eine Durchsetzung des bisherigen Urheberrechtsverständnisses im Internetzeitalter nur durch unverhältnismäßige Maßnahmen erreicht werden kann, dies das Potenzial haben, menschliche Grundrechte einzuschränken, und die umfangreiche Kollateralschäden mit sich führen (siehe SOPA und PIPA).

Und weil dies so ist, bleibt für mich nur ein Schluss: Wir alle müssen uns mit Piraterie im Digitalen abfinden. Das bedeutet nicht, sie gutzuheißen oder sie zu verteidigen. Es bedeutet, die Kraft des technischen Fortschritts zu akzeptieren, zu erkennen, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt und das Beste aus der Situation zu machen. So hat eine wachsende Zahl von Kreativen in den vergangenen Jahren erkannt, dass sich mit immateriellen Gütern auch dann Geld verdienen lässt, wenn dies auf einer freiwilligen Zahlung durch treue Anhänger oder auf indirekten Monetarisierungsverfahren basiert. Was Betroffene daran hindert, ist lediglich das eigene, begrenzte Vorstellungsvermögen.

Kaum eine Branche und Berufsgruppe wird von der Wucht und Dimension der globalen Vernetzung nicht in ihren Grundfesten erschüttert. Kreative und Medienschaffende sind da keine Ausnahme. Verlieren werden diejenigen, die nicht in der Lage sind, sich an die neuen, vom komplexen Konstrukt IT und Internet vorgegebenen Spielregeln anzupassen, sondern stattdessen ihre Energie dafür aufwenden, die gute alte Zeit wieder herzustellen. Egal ob es sich dabei um in den Abmahnwahn verfallene Künstler oder führende Medienkonzerne handelt.

Man kann Informationstechnologie und das Web dafür verdammen, dass es den einst so harmonisch und strukturiert verlaufenden Wertschöpfungsprozess in der Medienwelt kaputt macht. Ändern kann man diese auch von veränderten gesellschaftlichen Normen und Moralvorstellungen geprägte Entwicklung mit die Verhältnismäßigkeit wahrenden Mitteln aber nicht. Je früher man dies erkennt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, sich dauerhaft behaupten zu können.

Dieser Artikel verzichtet bewusst auf Metaphern und Analogien aus der "Offline-Welt", da diese grundsätzlich hinken - egal aus welchem Lager sie kommen.

(Foto: Flickr/tonynetone, CC BY 2.0)

Kommentare

  • flobota

    23.01.12 (13:02:25)

    Vor allem hätten die bisherigen Profiteure des "alten" Wertschöpfesystems für immaterielle Güter ja die finanziellen Mittel, sich auf diesen Wandel einzustellen und sich selber zu wandelen, ja diesen Wandel sogar anzuführen. Stattdessen wird mit diesem Geld versucht, die Zeit anzuhalten. Das will ich einfach nicht verstehen. Denn gerade in dieser Industrie müsste es doch klar sein, dass Stillstand Untergang bedeutet.

  • johnny

    23.01.12 (13:30:01)

    Es ist richtig, dass die Gesetzgebung in Sachen Urheberrecht Erneuerung braucht, das passiert aber wegen der Tragweite natürlich nicht innerhalb weniger Jahre, leider. Und es ist auch richtig, dass es immer "Piraterie", "Raubkopien" etc. geben wird, das ist Teil des Ganzen. Nicht ganz so richtig ist die oft gelesene Unterstellung, dass Kreative die Möglichkeit des Verkaufs ihrer Arbeit als Naturgesetz ansehen würden. Dem ist meiner Erfahrung nach nicht so und das verlangt auch das Urheberrecht nicht. Stattdessen geht es allein darum, dass Produzenten entscheiden können sollen, wer mit ihrer Arbeit Geld verdient und dass sie das Recht haben, an Einnahmen beteiligt zu sein, wenn es denn welche gibt. Und das soll nun geändert werden, weil es das Internet gibt? Weil es einfacher geworden ist, Rechte Dritter zu missachten, sollen diese sich anpassen? Fair Use, Abmahnwahn: Da gilt es ganz schnell nachzubessern. GEMA überarbeiten usw.: da bin ich sofort dabei. Aber am Recht der Urheber und den Produzenten, über die Verwendung ihrer Arbeit weitestgehend bestimmen zu können, sollte nicht gerüttelt werden, denn das ist ein Errungenschaft. Es gab schon mal Zeiten, in denen Kulturschaffende quasi rechtslos waren, sollen wir da etwa wieder hin? Du schreibst weiter: "So hat eine wachsende Zahl von Kreativen in den vergangenen Jahren erkannt, dass sich mit immateriellen Gütern auch dann Geld verdienen lässt, wenn dies auf einer freiwilligen Zahlung durch treue Anhänger oder auf indirekten Monetarisierungsverfahren basiert." Hast du auch nur zehn Beispiele von dieser wachsenden Zahl? Welche indirekten Monetarisierungsverfahren meinst du denn z.B. bei einem Komponisten, dessen Songs von anderen interpretiert werden? Und bei den Beispielen meine ich nicht solche, die sich vorher bereits einen guten Namen mit Hilfe des "alten" Systems gemacht haben, also bitte nicht die Üblichen wie NIN, Amanda Palmer, Radiohead etc.. Ich lese diese Sätze jetzt seit Jahren und habe sie auch selbst schon geschrieben, kenne aber keinen einzigen Künstler, der es alleine "geschafft" hat und damit über die Runden kommt. Sicher gibt es sie trotzdem, aber ob das eine wachsende Zahl ist und überhaupt ein relevanter Anteil, das wage ich zu bezweifeln. Vielleicht ist es ja auch mal an der Zeit, dass wir (ich zähle mich dazu) erkennen: Viele Hoffnungen und Versprechen, die in den letzten Jahren im Raum standen, sind nicht passiert. Kleinen Künstlern geht es nicht besser durch das Internet, die Industrie ist nicht gestorben. Sie hat sich aber verändert, und zwar insgesamt zum schlechteren (es würde noch länger, wenn ich das jetzt ausführen würde). Das Netz macht Kultur auf eine bisher nie da gewesene Art verfügbar, das ist nichts anderes als großartig und das muss geschützt werden. Zu Kultur gehört aber weit mehr als nur die Verfügbarkeit. Diese ebenfalls seit Jahren (auch hier: auch von mir) gehaltene Predikt: "Ihr müsst euch einfach mal was Neues einfallen lassen!" ist überholt, denn die Industrie hat sich längst ganz viel Neues einfallen lassen, das auch massiv Geld in die Kassen spült, nur ist das nicht das, was wir uns so vorgestellt haben: Voice Of Germany (etc.) beherrscht die Charts und die Einschaltquoten und die Pageviews (Werbung!), die neuen Kanäle (Twitter, Facebook) werden halbwegs gekonnt integriert. Das Spiel hat sich also nicht verändert, es ist nur noch einmal viel härter geworden.

  • Martin Weigert

    23.01.12 (14:07:40)

    Und das soll nun geändert werden, weil es das Internet gibt? Weil es einfacher geworden ist, Rechte Dritter zu missachten, sollen diese sich anpassen? Das führt zu der Frage, was ein Gesetz wert ist, das nicht mit verhältnismäßigen Mitteln durchgesetzt werden kann. Meines Erachtens nach nichts. Und genau deshalb würde ich tatsächlich mit "ja" antworten. Es gab schon mal Zeiten, in denen Kulturschaffende quasi rechtslos waren, sollen wir da etwa wieder hin? Diese Frage, ob wir da "hinsollen", stellt sich imo doch gar nicht. Denn sie impliziert Wahlmöglichkeiten. Ich würde eher die Frage stellen, ob Kulturschaffenden Rechte nutzen, die sich nicht (mehr) durchsetzen lassen können? Zu den Beispielen für alternative Monetarisierung: Ich habe mir tatsächlich nicht die Mühe gemacht, zu den zahlreichen Beispielen im Netz zu verlinken. Gerade wegen dir glaube ich aber auch, dass nicht machen zu müssen, denn du kennst sie ja ;) Und du hast sicher recht: Die ganz großen Würfe sind da vielleicht nicht dabei, zumindest nicht wenn man Künstler betrachtet, die zuvor völlig unbekannt waren. Das aber bringt mich zurück zu meiner These, dass es kein Menschenrecht auf Geldverdienen durch Kreativarbeit gibt. Möglicherweise verlagert sich ein Teil der kommerziellen Kulturproduktion künftig stärker in den Hobbybereich. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, denn immerhin haben heute sehr viel mehr Menschen als zuvor die Möglichkeiten, kreative Arbeiten im Netz zu veröffentlichen. P.S. Ich glaube aber dennoch fest dran, dass viele gute, die neuen Möglichkeiten ausnutzenden Kulturschaffende langfristig ihren Unterhalt mit neuen Monetarisierungsmöglichkeiten bestreiten werden können - speziell, wenn sie mit weniger Mittlern teilen müssen. Zumindest ist das meine Hoffnung.

  • johnny

    23.01.12 (15:37:42)

    Ich hoffe ja auch immer, aber ich höre und sehe wenig (ich bleibe mal bei Musik), was diese Hoffnung bestätigt.

  • Thomas Drexl

    23.01.12 (15:46:24)

    Interessant sind ja gewisse Hintergrundrumours, warum die Anklage gegen Megaupload so vehement verfolgt wurde. Wenn die Vermutung auf http://tinyurl.com/7cnbfhv richtig ist, dann hatte Megaupload ja eine neue Türe für die Direktvermarktung von Künstlern geöffnet. Zumindest hypothetisch.

  • DJ Nameless

    24.01.12 (01:35:23)

    Martin Weigert schrieb: meines Wissens nach gibt es kein Naturgesetz, das besagt, man MÜSSE mit der Schaffung von immateriellen Gütern wie Musik, Filmen oder Fotos Geld verdienen und seinen Lebensunterhalt bestreiten können. [.....] Möglicherweise verlagert sich ein Teil der kommerziellen Kulturproduktion künftig stärker in den Hobbybereich. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, denn immerhin haben heute sehr viel mehr Menschen als zuvor die Möglichkeiten, kreative Arbeiten im Netz zu veröffentlichen. Ich mache da in meinem eigenen Lebensumfeld andere Erfahrungen. Ich mische selber als Musiker (Schwerpunkt Percussion) in diversen Ensembles mit. Und ich sehe, dass die anderen Teilnehmer (praktisch durchweg Hobby-Musiker) zu viel mit ihrem "normalen Job" zu tun haben und ihnen somit schlichtweg die Zeit fehlt, sich intensiver mit der Musik auseinander setzen zu können. Es ist z. B. schon bei einer kleinen Band mit 3-4 Leuten extrem schwierig, auch nur einen gemeinsamen Probetermin zu finden, und den auch noch mit Unterricht, täglichem Üben usw. in Einklang zu bringen. Bei größeren Geschichten (z. B. Chor, Samba-Batucada...) läuft es schon heute nur noch in Form von VHS-Kursen usw., wo ein Leiter entscheidet, wann es stattfindet, und wer zu dem Zeitpunkt arbeiten muss, hat Pech gehabt. Aufgrund des notoríschen Zeitmangels kommen daher auch meist keine wirklich guten bzw. abwechslungsreichen Songideen zustande. Ich z. B. bin z. B. ein Fan von Musikern, die sich nicht auf ein spezielles Genre festgelegt haben, sondern aus den unterschiedlichsten Bereichen der weltweiten Musik Einflüsse holen, z. B. wie Kelly Family, Bläck Fööss oder James Last. Ich würde gerne (auch hobbymäßig) in einer solchen Band spielen, oder einfach nur auf ein kleines Szene-Konzert gehen, wo eine Underground-Band solche Stücke schreibt und spielt. Sowas gibt's aber nicht, weil diese Musikrichtung einfach derart komplex ist, dass man so was wohl nur als Hauptberufsmusiker machen kann. Oder wo sind denn die Hobby-Liedermacher, die selber Songs im Stil z. B. von Reinhard Mey oder Konstantin Wecker schreiben? Gibt's nicht, weil als Hobby schlicht zu zeitaufwändig. Es ist kein Zufall, dass Hobby-Bands fast ausschließlich Metal machen, weil man die paar Gitarren-Akkorde schnell lernen kann, und unter den Hobby-DJ's die am einfachsten zu mixenden House-Spielarten am häufigsten vertreten ist --- einfach weil die anderen Sachen schlicht zu zeitaufwändig ist. Ich sehe schon ein, dass wir uns der Digitalisierung öffnen müssen, und ich will auch nicht an den veralteten Konzepten festhalten. Trotzdem brauchen wir m. E. unbedingt eine Möglichkeit, wie man dafür sorgen kann, dass Künstler auch im digitalen Zeitalter Geld verdienen können. DJ Nameless

  • Martin Weigert

    24.01.12 (09:18:31)

    Valider Punkt! Ich finde aber, dass es wichtig ist, die Thematik im gesellschaftlichen Kontext zu beobachten: Der technische Fortschritt sorgt dafür, dass die bisherigen Typen menschlicher Arbeit immer weniger gefragt werden. Indem zunehmend Maschinen die lästigen, wenig stimulierenden Arbeiten übernehmen, wird viel Zeit freigesetzt, die Menschen künftig für andere, stimulierendere Tätigkeiten zur Verfügung stehen wird. wie beispielsweise auch Kulturarbeit. Ich hatte das Thema der Veränderungen in puncto menschlicher Arbeit jüngst in diesem Artikel erläutert. Natürlich stellt sich da die Frage, wie ein derartiger Paradigmenwechsel finanziert werden kann. Und dafür müssen Lösungen gefunden werden. Das Bedingungslose Grundeinkommen wäre so eine. Sicherlich gibt es auch andere. Wenn eine Lösung dafür gefunden wird, wie Menschen ihren Lebensunterhalt sichern können, auch wenn sie Tätigkeiten nachgehen, die nicht (oder nur teilweise) durch eine direkte monetäre Gegenleistung vergütet werden, stellt sich auch die Frage nach der Monetarisierung von Kulturarbeit nicht mehr. Denn diese muss dann nicht mehr zwangsläufig direkt refinanziert werden. Meine These: In spätestens 25 Jahren werden sich Kulturschaffende wundern, dass sie im 20. Jahrhundert und frühen 21. Jahrhundert die Reichweite der Inhalte, die sie aus Leidenschaft geschaffen haben, künstlich durch den Zwang zur Bezahlung begrenzt haben. Aktuell auch zum Thema Arbeit/Zeit: Forscher empfehlen die 21-Stunden-Woche

  • recipient

    24.01.12 (09:59:25)

    Möglicherweise verlagert sich ein Teil der kommerziellen Kulturproduktion künftig stärker in den Hobbybereich. Wer findet den Fehler? Aber gut, selbst wenn wir das Adjektiv „kommerziell“ streichen, wird der Satz dadurch nicht besser. Womit bitteschön, wenn ich mal vorsichtig fragen darf, sollen die vielen Hobby-Musiker, -Komponisten, -Autoren, -Fotografen, -Dramatiker, -Filmemacher, -Journalisten, -Grafiker, -Programmierer etc. pp. sowie all jene, die direkt und indirekt an den entsprechenden Produktions- und Distributionsprozessen beteiligt sind, denn ihren Lebensunterhalt verdienen in einer Zeit, in der klassische Produktionsfaktoren stetig an Bedeutung verlieren, in einer Gesellschaft, in der Dienstleistungen und immaterielle Wirtschaftsgüter bereits 70 bis 80 Prozent der Wertschöpfung ausmachen? Irgendwelche Ideen außer Spargelstechen? Volkswirtschaftlich belastbare Vorschläge?

  • Martin Weigert

    24.01.12 (10:14:28)

    Ich verweise an dieser Stelle auf diesen Kommentar von mir.

  • recipient

    24.01.12 (15:21:55)

    Der technische Fortschritt sorgt dafür, dass die bisherigen Typen menschlicher Arbeit immer weniger gefragt werden. Sorry, aber das ergibt alles keinen Sinn. Du stellst einerseits richtig fest, dass immer weniger Arbeit bei der Produktion materieller Güter anfällt, stellst andererseits aber gleichzeitig die Alternativen in Frage. Denn Tatsache ist ja, dass die enorme Wertschöpfung bei immateriellen Gütern inzwischen einen erheblichen Teil der Beschäftigung generiert. Sollen wir uns irgendwann alle gegenseitig die Schuhe putzen? Meine These: In spätestens 25 Jahren werden sich Kulturschaffende wundern [...] Meine These: In 25 Jahren werden wir uns wünschen, für Kultur und Medienprodukte bezahlen zu KÖNNEN. Und damit meine ich nicht die Urheber-Tantiemen, sondern professionell produzierte Musik, Literatur, Theater, Radio, Film, Fernsehen und so weiter. Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sehe ich da nämlich offen gestanden schwarz. Aber erstens ist das ein ganz anderes Thema und zweitens muss man den Prozess ja nicht noch fördern, indem man funktionierenden Wirtschaftszweigen und Millionen von Menschen die Existenzgrundlage entzieht.

  • Martin Weigert

    24.01.12 (15:36:50)

    indem man funktionierenden Wirtschaftszweigen und Millionen von Menschen die Existenzgrundlage entzieht. Und? Was ist dein Vorschlag? Du scheinst den Artikel nicht wirklich gelesen zu haben.

  • Friedrich

    24.01.12 (23:37:55)

    Immer wieder sind die Kommentare bei netzwertig ebenso spannend wie der Artikel! Herrlich! Ohne direkt Stellung beziehen zu wollen, möchte ich nur die Frage in den Raum werfen, was mit den verschiedenen, von den jeweiligen "Fraktionen" vorgeschlagenen Maßnahmen bezweckt werden soll? Denn was ich etwas vermisse, ist die Frage nach dem "wozu" und das "mit welchen funktionierenden Mitteln". Geht es hier um Glück für die Gesellschaft? BNP? Anzahl produzierter guter Lieder? Und soll Piratkopieren mit Polizeigewalt, sanfter Schulbildung, Überwachung oder mit Protektionismus verhindert werden? Ich frage mich schon seit langem, ob eine Open-Source-Gesellschaft im Informationsbereich uns ärmer oder reicher machen würde. Also uns alle zusammen.

  • recipient

    25.01.12 (13:21:05)

    Und? Was ist dein Vorschlag? Vorschlag wozu? Innovations- und Handlungsbedarf sehe ich vor allem bei den betreffenden Branchen. Aber nur, weil die nicht schnell genug so können oder wollen wie wir es gerne hätten, gleich mal grundsätzlich das Urheberrecht an sich in Frage zu stellen, ist hanebüchener Unfug. Du scheinst den Artikel nicht wirklich gelesen zu haben. Was veranlasst dich denn zu dieser Annahme? Die Tatsache, dass ich dessen Aussage nicht teile, also wohl einer dieser „Copyright-Hardliner und Traditionalisten“ sein muss? Doch, ich habe sehr wohl gelesen, dass es deines Wissens kein Naturgesetz gibt, „das besagt, man MÜSSE mit der Schaffung von immateriellen Gütern wie Musik, Filmen oder Fotos Geld verdienen und seinen Lebensunterhalt bestreiten können.“ Und ich habe übrigens auch den Wikipedia-Abschnitt „Zukunft“ zum Stichwort „Urheberrechtsverletzung“ gelesen, in dem ähnlich argumentiert und als Beleg auf Spitzwegs Bild des armen Poeten in seiner Dachkammer verwiesen wird. Botschaft: Früher waren die Künstler doch schließlich auch arm. Anstatt nun aber einen Zusammenhang zwischen der damaligen Armut des Volkes im allgemeinen und der vieler Künstler herzustellen, wird der Schluss gezogen, dass heute, wo sich das Volk Kunst leisten kann, sie aber gerne umsonst hätte, die Künstler doch auch wieder verarmen und allein von Ruhm und Ehre leben könnten. Der Rest des Volkes, also vorrangig man selbst, soll natürlich reich bleiben, klar. Das ist infantiler, egoistischer Blödsinn. Das Ganze erinnert an den Spaßvogel, der an anderer Stelle auf die Frage, mit welchem Recht er sich denn illegal Musik und Filme aus dem Netz lade, geantwortet hat: Weil ich es kann. Über die Dauer von Schutzfristen und viele andere Details des Urheberrechts kann und sollte man reden. Aber den Schöpfern der Werke, die wir natürlich bitteschön auch weiterhin gerne hören, lesen, sehen und benutzen wollen, das Recht auf Entlohnung abzusprechen, ist schlichtweg asozial. Außerdem logisch, moralisch und ökonomisch falsch.

  • johnny

    26.01.12 (08:09:03)

    @recipient: +1, LIKE, usw. :)

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