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01.03.12Leser-Kommentar

Untersuchung zu personalisierten Nachrichten-Apps: Flipboard & Co bedrängen Printmedien

Drei Studierende aus München haben 34 Branchenkenner in qualitativen Interviews zu ihrer Sichtweise auf personalisierte Nachrichten-Apps befragt. Knapp die Hälfte der Teilnehmer geht davon aus, dass Anwendungen wie Flipboard Printmedien ersetzen können.

 

Eine der neuesten Formen des digitalen Nachrichtenkonsums sind personalisierte Aggregatoren, die aktuelle Inhalte von verschiedenen Websites anhand der von Anwendern gemachten Präferenzen sowie Empfehlungen aus deren sozialen Netzwerken in übersichtlicher, intelligenter Form neu zusammenstellen. Flipboard ist der bekannteste Aspirant aus diesem Segment, aber auch Pulse , Zite , feedly oder News.me buhlen um die Aufmerksamkeit der "Newsjunkies".

Christina Finsterwalder, Marvin Fleischmann und Ge Zou, drei Studierende am Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Ludwig-Maximilians-Universität München, wollten im Rahmen eines Forschungsprojekts erfahren, wie Blogger, Journalisten und Mitarbeiter von Entwicklerfirmen personalisierte Nachrichtenaggregatoren einsetzen und welches Potenzial sie den zumeist als mobile Apps angebotenen Diensten für die Zukunft einräumen.

Aus diesem Grund haben sie 34 Branchenexperten in qualitativen Experteninterviews zu den sogenannte "Personalized News Aggregator Applications" (PNAA) befragt - 18 Tech-Blogger (einer davon war ich), sechs Journalisten sowie zehn Angestellte von Softwarefirmen. Zwölf Befragte stammen aus den USA, 20 aus Deutschland und zwei aus "sonstigen Ländern". Es handelt sich um eine der ersten uns bekannten akademischen Untersuchungen zu (Social) News Apps, auch wenn die nicht für die Gesamtbevölkerung repräsentativen Ergebnisse wenige Überraschungen beinhalten. Sie signalisieren, dass die derzeitigen Anbieter im PNAA-Bereich auf einem richtigen Weg zu sein scheinen.

Der typische PNAA-Nutzer ist zwischen 25 und 45 Jahre alt, männlich, überdurchschnittlich gebildet und verfügt über ein überdurchschnittliches Einkommen, so die Einschätzungen der Interviewpersonen. Als weitere Merkmale werden PNAA-Anwender eine hohe Social-Media- und Gadget-Affinität beigemessen. Zudem handelt es sich um Umsteiger von klassischen RSS-Readern, die größtenteils in die Kategorie "Early Adopter/Lead User" fallen - was sehr nach einer Eigenbeschreibung der befragten Experten klingt.

Wunsch nach DER einzigen Nachrichtenzentrale

Eine der treibenden Kräfte für die Nutzung von PNAA ist der Wunsch nach einer einzigen täglichen Nachrichtenzentrale, in der sämtliche relevanten Quellen zusammenlaufen. Möglichst viele Quellen sollen auf einfache Art und Weise integrierbar sein, so eine weitere Anforderung der Befragten. Einig sind sich die Experten in der extrem hohen Bedeutung des Designs für den Erfolg von PNAA. Ein Großteil hält eine Orientierung an Hochglanzmagzinen für sinnvoll. Kennzeichen dafür sind große Bilder, Teasertexte, im Mittelpunkt stehende Inhalte und ein quellenunabhängiges, konsistentes Layout. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist nach Ansicht einiger der Interviewten die einfache einmalige Einrichtung, die ohne Anleitung auskommt.

Einem Drittel der Befragten liegt die Möglichkeit am Herzen, Inhalte über soziale Netzwerke teilen und auch direkt innerhalb des PNAA Kommentare zu redaktionelle Inhalten veröffentlichen zu können. Gleichzeitig wünschen sich lediglich drei der 34 Experten, dass User Generated Content über den PNAA verfügbar ist. Kommentare können hier aufgrund der größeren Zahl von Fürsprechern für diese nicht gemeint sein. Flipboard integriert aber beispielsweise auch einzelne Tweets von Nutzern, selbst wenn diese keine Links zu Onlineartikeln enthalten - dabei handelt es sich um klassischen User Generated Content, der augenscheinlich in PNAA nur eine geringe Popularität genießt.

Anhand der Ergebnisse identifizieren die Initiatoren der Studie eine Reihe von Zukunftstrends rund um PNAA. Als technologische Trends, die Einfluss auf die Akzeptanz der Nachrichtenaggregatoren haben, benennen sie die Verbesserung und Weiterentwicklung neuer Technologien (wie leistungsfähigere Hardware, bessere Mobilfunkabdeckung, Durchdringung mobiler Endgeräte, Sprach-/Gestensteuerung), die Verbesserung der Filterfunktionen sowie die Verfügbarkeit in neuen Nutzungsumgebungen (z.B. Fernsehgeräte, E-Book-Reader).

Contentseitig haben die Verfügbarkeit der Inhalte bei gleichzeitigem Finden eines geeigneten Geschäftsmodells, die Mainstreamtauglichkeit des dargestellten Contents kombiniert mit einer weiteren Integration sozialer Netzwerke sowie die Aufbereitung und Form der Inhalte einen besonderen Stellenwert.

Können News Apps Print ersetzen?

Auf die entscheidende Frage, ob PNAA Printmedien ersetzen können, äußerten sich 27 der 34 Befragten: 13 antworteten mit ja, 14 mit nein. Nur neun Experten sind der Ansicht, dass PNAA den Besuch von Nachrichtenseiten ersetzen kann. Tenor: "Ohne Websites gäbe es keinen Content". PNAAs werden also eher als mobiles Zusatzangebot denn als Ersatz redaktioneller Websites angesehen.

Eine PDF-Zusammenfassung der Ergebnisse gibt es hier zum Download.

Nachtrag: Die Initiatoren der Unterschung haben uns darum gebeten, das PDF zu entfernen, weil das Projekt vorerst nicht zur Veröffentlichung geplant sei.

Kommentare

  • Ludwig

    02.03.12 (10:34:56)

    sehr spannend, danke fürs zusammenfassen der Studie! Bei Flipboard erstaunt mich immer noch die schlechte Erkennung von doppelten Inhalten. Bei der Twitter-App. geht es ja langsam los mit der Nachrichten-Aggregation, wenn auch noch auf grottigem Niveau. Summify ist/war echt gut, Scoopinion und der andere Dienst (Name vergessen) sind von der Gewichtung & Auswahl der Nachrichten fürchterlich irrelevant, alles in allem nach wie vor ein spannendes Thema finde ich.

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