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17.09.13 08:30, von Martin Weigert

Unseriöse Anzeigen: Wie Facebook kurzsichtig seinen Umsatz steigert

Facebooks Aktienkurs stößt in nicht gekannte Dimensionen vor, weil die Werbeumsätze sprudeln. Erreicht wird dies auch durch eine sehr nachlässige Anzeigen-Qualitätskontrolle.

Unseriöse Werbung im Facebook-Newsfeed

Die viel gescholtene Facebook-Aktie erklimmt derzeit Rekordhöhen und führt damit allen anfänglichen Skeptikern vor Augen, wie wenig langfristige Aussagekraft die temporäre Entwicklung eines Börsenpapiers besitzt. Wer in den Monaten nach dem missglückten IPO des sozialen Netzwerks hämisch den kontinuierlichen Niedergang der Aktie kommentierte, wird nur schwer verdauen können, dass diese mittlerweile ihren Ausgabepreis überflügelt hat. Der Grund: Das Werbegeschäft brummt, speziell die jüngsten Quartalszahlen überzeugten. Das einstige Sorgenkind - das mobile Angebot - trägt mittlerweile 41 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Musik in den Ohren der Anleger. Doch wie Facebook zu diesem glänzenden Ergebnis gelangt, darüber darf man geteilter Meinung sein. Was dem Dienst nämlich zu fehlen scheint, ist eine sorgfältige Qualitätskontrolle.


Die oben abgebildete, Aufmerksamkeit erregende Anzeige erschien jüngst in meinem Newsfeed innerhalb von Facebooks mobiler iPad-App (auf Schwedisch wegen meiner schwedischen IP-Adresse). Ein Hingucker - zugegeben. Beworben wird ein Datingdienst namens Are You Interested. Die Bewertungen mit drei von fünf Sternen deuten auf ein eher durchwachsenes Nutzererlebnis hin. Dass man von dem Service lieber die Finger lassen sollte, wird jedoch vor allem durch die Plumpheit des für die Anzeige gewählten Fotos deutlich: So offensichtlich sollen hier interessierte Männer durch visuelle Reize zu einem Flirtservice gelockt werden, im Glauben, dass ihnen dort die abgebildete Dame in leichter Bekleidung begegnen würde. Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die Wahrscheinlichkeit dafür gering ist. DatingRegel, nicht Ausnahme

Unseriöse, plumpe Anzeigen sind im Umfeld des Newsfeeds die Regel, nicht die Ausnahme. Dieser Tage tauchte eine weitere Werbung für eine Datinganwendung in meinem Feed auf. Auch hier wieder mit einer vollbusigen jungen Frau im Mittelpunkt und dem im Text untergebrachten Hinweis, dass es sich um Schwedens einzige Datingsite mit garantierten Treffen handeln würde. Eine kurze Google-Recherche nach dem Angebot firstdate.se führt schnell zur Erkenntnis, dass man es mit einem berüchtigten Dienst zu tun hat, der schon vielen Nutzern negativ aufgefallen ist.

Auch bei Facebook zu sehen

Auch in den Seitenleisten neben dem Feed tauchen regelmäßig Anzeigen auf, die für windige Abnehmkurse, Onlineplattformen mit Sexgarantie oder Produkte trommeln, die gar nicht hinter dem jeweiligen Link erworben werden können. Oft präsentieren sich solche Ads dazu noch in grauenhaft schlecht übersetzter Form.

Facebooks nachlässige Qualitätskontrolle

Offiziell behält sich Facebook das Recht vor, über das hauseigene Werbeportal lancierte Anzeigenkampagnen zu sperren. Besonders sorgfältig scheint das Unternehmen bei der Kontrolle jedoch nicht vorzugehen. Sonst würde es sicherstellen, dass Nutzer nicht gehäuft mit unseriösen, nicht vertrauenswürdigen Anzeigen konfrontiert werden, die im beste Fall ihre Zeit verschwenden, sie im schlimmsten Fall jedoch in die Arme von Abzockern treiben.

Verwunderlich ist die nachlässige Haltung des sozialen Netzwerks gerade deshalb, weil ab einer Überhand nehmenden Zahl an fragwürdigen Anzeigen das gesamte Vertrauen der Nutzer in Werbung auf der Plattform verloren geht. Wenn User jedoch dazu konditioniert werden, aus reiner Vorsicht grundsätzlich auf keine Werbung im Umfeld des Newsfeeds mehr zu klicken, dann ziehen sich schrittweise auch renommierte Werbekunden zurück. Und plötzlich schreibt Facebook wieder rote Zahlen.

Momentan scheint die kurzfristige, schnelle Erhöhung der Werbeumsätze für die Kalifornier oberste Priorität zu haben. Doch ähnlich wie unseriöse Werbespots um 20:15 Uhr auf RTL oder Sat.1. auf Konsumenten einen verzweifelten Eindruck machen und sich negativ auf die Wahrnehmung und Akzeptanz der Sender auswirken würden, schadet die Masse an zwielichtigen "Billig-Anzeigen" im und neben dem Newsfeed - Facebooks Äquivalent zur Primetime der Privatsender - dem Social Network mittel- bis langfristig. Wäre es nicht so darauf fixiert, die Laune der Aktienbesitzer zu verbessern, würde es dies merken.

Auf Anfrage verwies eine Sprecherin von Facebooks deutscher PR-Agentur auf die Werberichtlinien des sozialen Netzwerks und auf die für jede Anzeige angebotene Ausblenden-Funktion, die gleichzeitig für Facebook als Feedback zur Qualitätssicherung und Blockierung von Spam dient. Für das Unternehmen scheint damit der Fall eindeutig: Wenn User eine Anzeige nicht aktiv verhindern, dann kann sie problemlos weiterhin ausgeliefert werden.

Update: Eine Facebook-Sprecherin hat uns gegenüber im Nachgang des Artikels deutlich betont, dass es Facebook darum gehe, diese Anzeigen so schnell wie möglich zu identifizieren und zu löschen. Das Unternehmen kämpfe gegen Spam und für Qualität - immer. /mw

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Kommentare: Unseriöse Anzeigen: Wie Facebook kurzsichtig seinen Umsatz steigert

Selbst wenn man sich bei Facebook via "Feedback" über eine unseriöse Werbung beschwert, bekommt man sie trotzdem immer wieder serviert. Die Plattform verkommt immer mehr zu einem Bordell für alles mögliche und verliert zunehmend an Attraktivität. Aber schön, dass noch ein paar Leute ein paar Milliarden machen, bevor der Kahn untergeht. Dann hat es sich wenigstens gelohnt.

Diese Nachricht wurde von Thomas am 17.09.13 (08:54:58) kommentiert.

Wenn ich wenigstens billige, aufreizende Mädchen zu sehen bekäme... Bei mir erschienen in den letzten Tagen nur billige, abtörnende CSU- Anzeigen. Das ist viel skandalöser!

Diese Nachricht wurde von Baba Sikander am 17.09.13 (12:24:17) kommentiert.

Habe ich das richtig verstanden, Du möchtest, dass Facebook die Anzeigen zensiert? Da muss ich mich schon wundern, das ist ja sonst nicht die Linie dieses Blogs! Wenn Anzeigen schlecht gemacht sind oder nicht besonders seriös wirken, sollte das kein Ausschlusskriterium sein. Und wer soll ein solches Urteil überhaupt fällen? Na klar ist eher nicht damit zu rechnen, dass echte Kontaktanzeigen so aussehen. Das ist aber absolut kein spezielles Facebook-Problem. Und wenn wir schon bei Glaubwürdigkeit sind: Dann könnte man auch fordern, dass Schokolade und Chips nicht mehr von schlanken Models beworben werden. Auf großen Fernsehsendern läuft so einiges an Werbung, das Facebook vorher aussortieren würde. Zur Primetime sieht das anders aus, aber da sorgen die hohen Preise dafür, dass solche Anbieter dort nicht buchen können. Schön wäre allerdings - wie oben in den Kommentaren schon angesprochen - wenn man eine Anzeige, die man ausgeblendet hat, nicht immer wieder angezeigt bekäme. Das nervt - weit mehr, als wenn man sie gar nicht erst ausblenden könnte.

Diese Nachricht wurde von Oliver Springer am 17.09.13 (16:19:54) kommentiert.

Wenn ein Medienunternehmen Richtlinien für auf seiner Plattform dargestellte Anzeigen definiert und diese auch durchsetzt, dann hat das nun wahrlich nichts mit Zensur zu tun. Werbung hat nunmal eine Tendenz, Wahrheiten zu verdrehen und sich Mitteln zu bedienen, um die Aufmerksamkeit künstlich zu erhöhen - und ist damit nicht immer im Interesse der Konsumenten. Und wenn bei den Fernsehsendern Schmuddelwerbung läuft, dann zu Zeiten, zu denen ohnehin kaum noch jemand zuguckt (und alle anderen damit rechnen). Ich wiederhole mich: Facebook tut sich selbst keinen Gefallen damit, hier nachlässig zu sein.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 17.09.13 (20:04:19) kommentiert.
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