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06.08.13

Und alles wieder von vorn: Die deutsche Techpresse verlernt das Verlinken

Techblogs und Fachmedien der Internetbranche beklagen sich gerne über fehlende Verlinkungen bei den führenden Nachrichtenmedien. Doch sie gehen mit schlechtem Beispiel voran.

Wir schreiben das Jahr 2013. Die meisten Onlinepublikationen sind mindestens einige Jahre alt und ihre Macher und Mitwirkenden erfahren genug, um gängige Konventionen im Bezug auf die Berichterstattung und die Beziehungen zu anderen Medien verinnerlicht zu haben. Möchte man meinen. Doch unser Beitrag vom Freitag zum von Startup myTaxi gerade in Hamburg gestarteten Kurierfahrten-Testprojekt zeigt, dass ein faires Miteinander in Form angemessener Verlinkungen für viele schreibende Beobachter der deutschsprachigen Tech-Branche böhmische Dörfer zu sein scheinen. Einge Tage vor der Veröffentlichung des Artikels erhielt unsere Redaktion einen Tipp zu dem Unterfangen des Taxivermittlers, dessen Sprecherin sich jedoch noch nicht offiziell zu dem Vorhaben äußern wollte. Ende der vergangenen Woche stießen wir dann auf eine über Google auffindbare Seite unter der mytaxi-Domain, die das Projekt genauer erläutert. Das nahmen wir zum Anlass für einen kurzen Beitrag zu Thema. Bis dato hatte noch niemand über die Pläne der Elbstädter berichtet.

Nach und nach griffen allerlei deutschsprachige Fachmedien die Meldung auf und informierten Leser über die Pläne von myTaxi, jeweils bezugnehmend auf die von uns entdeckte Informationsseite auf der myTaxi-Domain. Doch ein Link zu unserem Artikel war (bis auf die löblichen Ausnahmen Mobilszene.de , Mobilbranche.de und Etailment) nirgends zu finden. Gründerszene, heise online, Techstage, Golem, t3n und Internetworld hielten es nicht für notwendig, anzugeben, wo die Nachricht zuerst auftauchte. Dabei hätte den jeweiligen Autoren eine kurze Google-Suche gereicht. Zudem müssen ja sämtliche Sites die Meldung irgendwo gefunden haben, eine Presseaussendung von myTaxi gab es nicht.

Der Brauch, der Originalquelle eines Nachrichtenberichts durch eine verlinkte Nennung Wertschätzung und Respekt entgegen zu bringen, ist zumindest innerhalb der Blogosphäre und Tech-Szene so alt wie das erste Blog-CMS und entsprechend etabliert. Häufig monierten Blogger in der Vergangenheit, dass die großen Nachrichtenportale und Onlinezeitungen sich von Bloginhalten inspirieren ließen, ohne zu den Originalquellen zu verlinken. Das hat sich mittlerweile deutlich gebessert. Umso überraschender und enttäuschender ist, wie nachlässig die mutmaßlich mit den Gepflogenheiten des Verlinkens vertraute Fachpresse mit dieser Frage umgeht. Die übliche hektische Ab- und Umschreiberei der Techmedien lässt sämtliche lange Zeit selbstverständlich befolgten Grundregeln des Onlinepublishings in Vergessenheit geraten.

Neulich wurde ich gefragt, wie das Verhältnis der deutschen Startup- und Tech-Fachmedien untereinander ist. Ich beschrieb es als kollegial und von Respekt geprägt. Ich hoffe, ich habe mich nicht geirrt.

Nachtrag: t3n und Gründerszene haben sich entschuldigt und den fehlenden Link gesetzt.

Foto: browser address on computer screen, Shutterstuck

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