<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

01.06.10Leser-Kommentare

UMTS-Gespräche mit Zusatzgebühr: Verletzt Skype die Netzneutralität?

Skype bietet Nutzern seiner iPhone-Applikation ab sofort die Möglichkeit, über UMTS-Verbindungen Skype-Gespräche zu führen. Ab Ende des Jahres soll dafür eine zusätzlich Gebühr erhoben werden. Eine Verletzung der Netzneutralität?

Skype, die populäre VoIP- und Chat-Software mit 560 Millionen registrierten Konten, hat am Wochenende eine überarbeitete iPhone-Applikation veröffentlicht. Diese bringt unter anderem die lang ersehnte Funktion, Gespräche über UMTS-Verbindungen führen zu können. Bisher ließ sich mit der App nur dann telefonieren, wenn eine WLAN-Verbindung bestand.

Leider gelingt es Skype, die Freude über die frohe Kunde zu trüben: Der Dienst plant nämlich, nach einer Übergangsphase von Nutzern für UMTS-Gespräche über das iPhone eine "geringe monatliche Gebühr" zu verlangen.

Im Klartext bedeutet dies, dass man bei Skype darauf abzielt, die seit jeher kostenlosen VoIP-Gespräche zwischen zwei Skype-Usern mit einer Gebühr zu belegen, wenn diese von einem iPhone über eine UMTS-Verbindung geführt werden. Inwieweit dies auch Skypes Symbian-Applikation oder auf Skype aufsetzende Drittanwendungen wie Fring betreffen würde, ist unklar.

Ursprünglich war von einer Testphase bis August die Rede, im Skype-Blog spricht man nun jedoch von einer kostenlosen Nutzung bis Ende des Jahres.

Betrachtet man die Art, wie Skype die Neuigkeit im Blog kommuniziert, wird deutlich, dass sich das Unternehmen selbst noch nicht ganz sicher ist, ob dies eine gute Idee ist. Begründet wird das Vorhaben damit, dass man glaube, User würden diesen zusätzlichen Service schätzen und deshalb auch bereit sein, Geld dafür zu zahlen.

Ich verwende SkypeOut und SkypeIn, bin also seit langem zahlender Skype-Kunde. Für fragwürdig halte ich den jüngsten Schritt dennoch. Es war stets Skypes Erfolgsrezept, kostenlose VoIP-Telefonate anzubieten, solange diese zwischen zwei Skype-Nutzern erfolgten. Kosten fallen dem Dienst aufgrund der P2P-Technologie, die den direkten Datenverkehr zwischen zwei Nutzern ermöglicht, für derartige Gespräche quasi keine an. Ob die Verbindung dabei über stationäre Breitbandanschlüsse oder UMTS läuft, ändert daran nichts.

Skype ist ehrlich mit der Begründung, warum man über eine Gebühr nachdenke. Das schätze ich. Dennoch gibt es Grund zur Sorge. Nicht, weil Skype versucht, seine Monetarisierung voranzutreiben und dafür diejenigen zu Kasse zu bitten, die den Service intensiv nutzen (was auf alle User zuträfe, die UMTS-VoIP über die iPhone-App führen würden). Sondern deshalb, weil es die Frage aufwirft, ob hier die Netzneutralität verletzt wird.

Über die Shared-Items-Funktion des Google Reader bin ich auf diesen Beitrag bei blog@netplanet gestoßen, der feststellt:

"Wir wollen zu Hause am heimischen PC unseren Internet-Provider nicht extra dafür bezahlen müssen, damit wir Google-Dienste in gewohnter Geschwindigkeit nutzen können und nun stellt sich diese Frage in Form einer App, die Geld dafür sehen will, wenn man deren Übertragungspakete über eine bestimmte Anbindung laufen lassen möchte."

Bei der bisherigen Diskussion um Netzneutralität geht es meist um Zugangsanbieter, welche die Art von Daten und deren Übermittlung zu ihren Gunsten beeinflussen möchten. Nun jedoch ist es ein Webdienst selbst, der sich zu einer Ungleichbehandlung von Datenpaketen berufen fühlt, je nach dem, über welche Art von Internetverbindung diese verschickt werden.

Andererseits ist es Skypes gutes Recht, ganz in der Tradition anderer Freemium-Dienste bestimmte Funktionen nur gegen Geld anzubieten. Wird jedoch die Freiheit zur Nutzung beliebiger Internetzugangswege an das Zahlen einer Gebühr gekoppelt, hinterlässt dies einen faden Beigeschmack.

Skype beobachtet mit Sicherheit genau, wie die Reaktionen auf den Plan ausfallen werden. Der gewählten, nicht sehr entschlossen wirkenden Ausdrucksweise nach zu urteilen wäre ich nicht verwundert, wenn das Vorhaben noch einmal überdacht wird. Gerade deshalb ist es gut, bereits jetzt auf mögliche Bedenken aufmerksam zu machen.

Update: Marcel Weiss ist der Ansicht, Skype verletze die Netzneutralität NICHT, da diese per Definition lediglich Zugangsanbieter betrifft.

Doch wie nennen wir es dann, wenn Webanbieter die Nutzung über bestimmte Internetzugangswege aus freien Stücken (sprich ohne externen Zwang) mit zusätzlichen Gebühren belegen? Oder ist dies ganz einfach ein völlig legitimer Ansatz der Preis- und Angebotsdifferenzierung?

Kommentare

  • Martin

    02.06.10 (08:06:08)

    «Netzneutralität» ist in diesem Fall ganz offensichtlich kein Thema.

  • Martin Weigert

    02.06.10 (08:10:30)

    Nur weil sich "Netzneutralität" in der öffentlichen Diskussion bisher immer auf Zugangsanbieter bezog? Ist es nicht so, dass der Begriff Netzneutralität selbst noch in der Definitionsphase ist? Warum sollte "Netzneutralität" nicht auch dafür gelten, dass Webanbieter bestimmte Arten der Internetzugangswege "diskriminieren"?

  • Martin

    02.06.10 (08:34:46)

    Nur weil sich “Netzneutralität” in der öffentlichen Diskussion bisher immer auf Zugangsanbieter bezog? Ist es nicht so, dass der Begriff Netzneutralität selbst noch in der Definitionsphase ist? Nein. Warum sollte “Netzneutralität” nicht auch dafür gelten, dass Webanbieter bestimmte Arten der Internetzugangswege “diskriminieren”? Web-Anbieter sind dazu gar nicht in der Lage – im Gegenteil, sie selbst sind davon abhängig, dass ihre Kunden über die jeweiligen Internet Provider ihre Dienstleistungen überhaupt nutzen können. Die Frage, ob diese Dienstleistungen kostenpflichtig sind oder nicht, ist eindeutig keine der Netzneutralität.

  • Martin Weigert

    02.06.10 (08:42:21)

    "Nein" Ahja. Na wenn du das sagst... Ich sehe trotz dieser überzeugenden Argumentation nichts, was dagegen spricht, darüber nachzudenken, dass Netzneutralität als Begriff über mehrere Dimensionen verfügen kann. providerseitige Netzneutralität und diensteanbieterseitige Netzneutralität z.B.

  • Arno

    02.06.10 (09:52:28)

    Ich sehe trotz dieser überzeugenden Argumentation nichts, was dagegen spricht, darüber nachzudenken, dass Netzneutralität als Begriff über mehrere Dimensionen verfügen kann. providerseitige Netzneutralität und diensteanbieterseitige Netzneutralität z.B. Ja, wenn Du die Definition von Netzneutralität änderst, könnte Skype hier gegen die Netzneutralität verstoßen. Wenn ich Netzneutralität als Geschwindigkeitsübertretung neu definiere, verstößt mein Taxifahrer auch gegen die Netzneutralität, wenn er innerorts 60 fährt. ;-)

  • marco

    02.06.10 (10:01:39)

    Wie im Artikel erwähnt, es ist ihr gutes Recht. Mir bestätigt es meinen Verdacht einmal mehr, dass im Netz nicht (fast) alles free ist, weil es sowieso kostenlose Alternativen gibt (dies wird auch in diesem Blog oft als Grund angegeben), sondern viel mehr weil es nach wie vor kein schlaues Micropayment gibt. Auf dem iPhone sieht dies dank hinterlegter CC und der Gewohnheit für Diense zu bezahlen anderst aus. Mal abgesehen davon, ist Skype ja nicht der erste Dienst, der auf dem iPhone was kostet und sonst gratis ist. Gewisse Apps kosten ja sogar auf dem iPad mehr als auf dem iPhone (Spiele).

  • Martin Weigert

    02.06.10 (10:06:17)

    Wie gesagt - die Problematik der Netzneutralität ist relativ neu. Es geht nicht um eine Veränderung der Definition, sondern um eine Erweiterung.

  • Martin

    02.06.10 (12:19:18)

    Update: Marcel Weiss ist der Ansicht, Skype verletze die Netzneutralität NICHT, da diese per Definition lediglich Zugangsanbieter betrifft. Wer hat diese Ergänzung vorgenommen? Doch wie nennen wir es dann, wenn Webanbieter die Nutzung über bestimmte Internetzugangswege aus freien Stücken (sprich ohne externen Zwang) mit zusätzlichen Gebühren belegen? Oder ist dies ganz einfach ein völlig legitimer Ansatz der Preis- und Angebotsdifferenzierung? Web-Anbieter bieten gar keinen Internet-Zugang an – deshalb ja die Bezeichnung «Web-Anbieter» … Web-Anbieter dürfen ihre Produkte selbstverständlich zu differenzierten Bedingungen anbieten.

  • tm78654

    02.06.10 (13:00:36)

    Hallo Martin, ich habe auch erstmal ein wenig komisch geschaut, als ich auf heise davon gelesen habe. Mir kam sofort das gleiche in den Sinn. Warum soll ich für den Dienst zahlen, nur weil er über UMTS läuft. Netzneutralität ist vielleicht nicht das richtige Wort dafür, aber es bietet sich an den Fall damit zu vergleichen, da es doch ähnlich gelagert ist. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es damals zwischen Skype und den Providern eine Meinungsverschiedenheit, da die Provider Angst vor einer Überlastung ihres UMTS-Netzes hatten/haben. Das war damals ein großes Thema und hat zu vielen Einschränkungen auch vor der Zeit der Apps geführt. Videos auf dem iPhone übers Netz? Nur über die spezielle Youtube-App. Downloads auf das iPhone? Fehlanzeige. Und Skype musste sich dann meinem Kenntnisstand nach auch dem Druck von Apple und den Providern beugen und eben VOIP nur über WLAN anbieten. In wie weit wird Skype von den Providern unter Druck gesetzt, dass sie UMTS-VOIP-Daten mit einer Zugangsbeschränkung (kostenpflichtig) versehen? Gibt es öffentliche Informationen zu Absprachen zwischen Skype und den Providern? Mit meinem iPhone der 1. Generation konnte ich mit einer frühen Skypeversion über Edge problemlos telefonieren. Wenn ich heute mein 3GS auf Edge umstelle, funktioniert es nicht mehr. Ich sehe keinen Grund, warum ich für Skype-UMTS zahlen sollte. Nur weil es auf dem iPhone läuft? So lange nicht das App selbst auf dem Iphone im Abo bezahlt werden muss, sondern nur die UMTS-Variante, ist es für mich schon ein Thema der Netzneutralität. Finde den Begriff für die Problemstellung passend. Gruß Thomas

  • Martin Weigert

    02.06.10 (13:06:34)

    @ Thomas Leider kann man keine einzelnen Kommentare im Skype-Blog verlinken. Suche mal hier nach dem Kommentar von "surlyhacker", in dem er fragt, ob Apple oder Provider (am Beispiel AT&T) ihre Finger im Spiel haben. Direkt darunter antwortet Peter Parkes von Skype unmissverständlich, dass dem nicht so ist. Insofern kann man das wohl ausschließen. Es scheint einzig und allein eine Skype-Entscheidung zu sein.

  • tm78654

    02.06.10 (13:29:30)

    Danke für den Link.

  • Arno

    02.06.10 (13:30:44)

    Hier der Link dazu: http://blogs.skype.com/en/2010/05/iphone_calling_over_3g.html#c210131

  • Besim Karadeniz

    02.06.10 (16:01:12)

    Ich verfolge interessiert die Diskussionen zu meinem Artikel und auch die Einwände, den Begriff "Netzneutralität" in diesem Zusammenhang einzusetzen. Ich tue mich nach wie vor damit auch schwer, allerdings gibt es einen gemeinsamen Nenner zwischen dieser und der "echten" Netzneutralität: Skype versucht, ohne jeglichen technisch erklärbaren Grund Geld damit zu verdienen, über welchen Weg ein Client ins Netz kommt und verletzt dabei die bisher geltende Ansicht, dass einfach Connectivity da sein muss, damit es funktioniert. Die Sicht funktioniert dabei besser, wenn man es nicht so herum sieht, dass Skype via 3G bzw. GPRS funktioniert, wenn man dafür zahlt, sondern dass es eben nicht funktioniert, wenn man nicht extra dafür Geld hinlegt. Damit versucht dann tatsächlich ein Inhaltslieferant seinen Inhalt so zu steuern, dass es auf bestimmten Wegen nicht mehr funktioniert, wenn kein Zaster hingelegt wird, obwohl sehr offensichtlich dieses Geld nicht notwendig ist, den reinen Übertragungsweg zu finanzieren. Ich gehe aber durchaus konform mit dem Einwurf, dass es mit der Art und Weise, wie wir bisher Netzneutralität definiert haben, nicht ganz konform ist. Das liegt aber meiner Meinung nach daran, dass wir das Thema Netzneutralität bisher zu eng definiert haben.

  • Arno

    02.06.10 (17:01:38)

    Netzneutralität bedeutet, dass sich ein Zugangsanbieter gegenüber den Inhalteanbietern neutral bei der Verbreitung verhält. Das ist u. a. wichtig, um zu gewährleisten, dass nicht bestimmte Anbieter diskriminiert werden. Aber es ist doch jedem Unternehmen unbenommen, die Preise für seine Dienstleistungen frei festzulegen. Das kann selbstverständlich auch nutzenbasiert passieren, niemand zwingt Unternehmen dazu, ihre Preise kostenbasiert zu setzen. Um das Beispiel mal in die reale Welt zu übertragen: Netzneutralität heißt, dass ein Autobahnbetreiber nicht bestimmten Speditionen eine Extraspur einräumen darf, damit diese Staus umfahren können oder von unterschiedlichen Speditionen ohne sachlichen Grund unterschiedliche Kilometerpreise verlangen darf. (Das ist im Übrigen kein Gott gegebenes Recht, sondern etwas, das eine Gesellschaft für wünschenswert halten und deshalb entscheiden kann.) Das Beispiel mit Skype bedeutet aber doch nur, dass ein Spediteur seinem Kunden einen anderen Preis in Rechnung stellt, wenn er die Autobahn nutzt als wenn er über die Landstraße fährt. Sein Kunden hat große Vorteile durch die Autobahnnutzung, also kalkuliert der Spediteur den Preis deutlich höher als aus Kostengesichtspunkt nötig, da er weiß, dass der Kunde dank des deutlich höheren Nutzens (viel schneller!) auch den höheren Preis bezahlt. (Das mag man aus Kundensicht für "ungerecht" halten, aber das ist unbestritten etwas was Unternehmen tagtäglich tun und etwas das im Allgemeinen als völlig legitim angesehen wird.)

  • Martin

    02.06.10 (17:11:59)

    Skype versucht, ohne jeglichen technisch erklärbaren Grund Geld damit zu verdienen, über welchen Weg ein Client ins Netz kommt und verletzt dabei die bisher geltende Ansicht, dass einfach Connectivity da sein muss, damit es funktioniert. […] Damit versucht dann tatsächlich ein Inhaltslieferant seinen Inhalt so zu steuern, dass es auf bestimmten Wegen nicht mehr funktioniert, wenn kein Zaster hingelegt wird, obwohl sehr offensichtlich dieses Geld nicht notwendig ist, den reinen Übertragungsweg zu finanzieren. Na und? Man könnte meinen, Du seist heute Morgen auf unserem Planten gelandet und würdest nun mit Staunen feststellen, wie gewinnorientierte Unternehmen ihre Preise gestalten …

  • Besim Karadeniz

    02.06.10 (17:17:03)

    @Arno: Deine Analogie passt aber so nicht ganz, ich packe sie mal anders an: Ich besitze ein Auto (iPhone). Um damit in die Ferne zu dürfen, bezahle ich zwei Autobahnanbieter (3G und WLAN) dafür. Ich mache nun eine Reise und möchte in einem Hotel in der Ferne übernachten. Das ist jedoch teurer, wenn ich über die 3G-Autobahn dorthin fahre und das nicht deshalb, weil die Maut höher ist, sondern weil das Hotel gesehen hat, dass ich mit einem bestimmten Telefon bei ihm angerufen habe. Sicherlich wirtschaftlich erlaubt, Preise und Angebote kann man schließlich machen, wie man will. Andererseits: Will man als Konsument sowas?

  • Besim Karadeniz

    02.06.10 (17:21:29)

    @Martin: "Gewinnorientiert Preise gestalten" ist eine Sache. Den Gewinn jedoch auf eine nicht nachvollziehbare Grundlage zu stellen und eine künstliche Wertsteigerung durch einen nicht vorhandenen Gegenwert zu schaffen, ist erst einmal ein fragwürdiges Geschäftsmodell. Sie wird spätestens dann argumentativ zu einem Prellbock, wenn diese Reglementierung ein bisher grundlegendes Produktfeature außer Kraft setzt und den Eindruck erzeugt, dass bestimmte Konsumenten einfach zusätzlich zur Kasse gebeten werden sollen, weil man sich hier erhofft, genügend Dumme zu finden, die das mitmachen. Und darauf wird es hinauslaufen.

  • Arno

    02.06.10 (17:26:15)

    Ich besitze ein Auto (iPhone). Um damit in die Ferne zu dürfen, bezahle ich zwei Autobahnanbieter (3G und WLAN) dafür. Ich mache nun eine Reise und möchte in einem Hotel in der Ferne übernachten. Das ist jedoch teurer, wenn ich über die 3G-Autobahn dorthin fahre und das nicht deshalb, weil die Maut höher ist, sondern weil das Hotel gesehen hat, dass ich mit einem bestimmten Telefon bei ihm angerufen habe. Das Hotel nimmt unterschiedliche Zimmerpreise bei Buchung übers Telefon oder die Buchung per Fax obwohl beides dieselben Kosten verursacht. Einfach weil es weiß, dass seine Kunden gerne 5 € mehr bezahlen, wenn sie telefonisch bestellen können. Sicherlich wirtschaftlich erlaubt, Preise und Angebote kann man schließlich machen, wie man will. Andererseits: Will man als Konsument sowas? Was man als Konsument will, ist nicht die Frage. Solange Unternehmen ihre Preise selbst festlegen dürfen, werden wir damit leben müssen, dass sie uns manchmal nicht passen. Meistens löst die Konkurrenz das Problem und wenn nicht, wird der Gesetzgeber eingreifen, wenn Verbraucher unangemessen benachteiligt werden. Das sehe ich hier aber nicht.

  • Martin

    02.06.10 (17:26:32)

    Sicherlich wirtschaftlich erlaubt, Preise und Angebote kann man schließlich machen, wie man will. Andererseits: Will man als Konsument sowas? Vermutlich nicht, aber das ist kein Thema der Netzneutralität … es gibt gute Gründe, die angekündigte Preispolitik von Skype für absurd zu halten, aber das Thema der Netzneutralität darauf anwenden zu wollen, wirkt realitätsfremd.

  • Martin

    02.06.10 (17:27:32)

    Völlig einverstanden – aber all diese Fragen kann man diskutieren ohne auch mit dem Begriff «Netzneutralität» um Aufmerksamkeit zu heischen.

  • Besim Karadeniz

    02.06.10 (17:30:48)

    @Martin: Ich erheische keine Aufmerksamkeit zu diesem Thema, zitieren tun mich andere, ich nicht sie. Die restliche Antwort spare ich mir nach dieser substanzlosen Anschuldigung.

  • Arno

    02.06.10 (17:32:12)

    “Gewinnorientiert Preise gestalten” ist eine Sache. Den Gewinn jedoch auf eine nicht nachvollziehbare Grundlage zu stellen und eine künstliche Wertsteigerung durch einen nicht vorhandenen Gegenwert zu schaffen, ist erst einmal ein fragwürdiges Geschäftsmodell. Genau das ist das Prinzip von "nutzenbasierter Preissetzung". Der Preis orientiert sich ausschließlich am Nutzen für den Kunden, wenn man so will an dessen Zahlungsbereitschaft. Und das ist für ein gewinnorientiertes Unternehmen oft die lukrativste Strategie, wenn es sich nicht am Markt orientieren muss. Sie wird spätestens dann argumentativ zu einem Prellbock, wenn diese Reglementierung ein bisher grundlegendes Produktfeature außer Kraft setzt und den Eindruck erzeugt, dass bestimmte Konsumenten einfach zusätzlich zur Kasse gebeten werden sollen, weil man sich hier erhofft, genügend Dumme zu finden, die das mitmachen. Ja, genau wie bei jeder Preiserhöhung oder Tarifänderung oder Änderung von Leistungsbeschreibungen. Damit wir uns nicht missverstehen: ich finde die Strategie von Skype sehr grenzwertig, da sie von den meisten Kunden als unfair empfunden werden dürfte und damit nicht gerade zur Kundenzufriedenheit beiträgt, aber weder - hat das etwas mit Netzneutralität zu tun, noch - kann irgendjemand Skype das Recht absprechen, seine Preise so festzusetzen, wie es möchte, denn: es gibt schließlich ausreichend Konkurrenz. Die ist nur noch viel teurer. ;-)

  • Christian Langreiter

    02.06.10 (17:35:57)

    Netzneutralität ist m.E. sehr wohl ein gut definierter (und allgemein verstandener) Begriff, der sich auch künftig ausschliesslich auf Connectivity-Provider beziehen sollte. Beginnt man, ihn auch auf anbieterseitige Differenzierungsmöglichkeiten anzuwenden, kann das nur zu einer begrifflichen Schwammigkeit führen, die keiner der div. assoziierten Debatten gut täte. Diensteanbieter haben seit jeher die Möglichkeit, Benutzer nach diversesten Attributen zu unterscheiden (Geographie [Spotify, Hulu], Provider, Premium-User oder nicht etc.) und Dienste entsprechend zu differenzieren - ob nun eine UMTS-Verbindung verwendet wird oder nicht ist nur ein weiteres dieser Attribute, und nur, weil die diesbezügliche Differenzierung bislang noch ungewohnt (und ja: vielleicht sogar lästig und ärgerlich) ist, muss man die entsprechende Gestaltungsfreiheit kommerziellen Anbietern wohl zugestehen.

  • Besim Karadeniz

    02.06.10 (17:45:02)

    @Arno: Ich wiederhole mich da, aber Netzneutralität ist ein Begriff, den viele zu eng sehen und das auf die reine Providerschiene degradieren. Das ist es jedoch nicht, wenn man sich die Begrifflichkeit näher anschaut und so definiert, wie man es sieht, wenn man es aus einem grundsätzlichen Blickwinkel aus sieht: Netzneutralität ist nämlich eigentlich dann schon ein Thema, wenn ein Internet-Teilnehmer (egal ob nun Provider, Diensteanbieter oder -Konsument) die Internet-Connectivity als "da" oder "nicht da" ansieht und die eigentliche Notwendigkeit bzw. Wahl der Connectivity dem überlässt, der sie tatsächlich kaufen und bezahlen muss. Netzneutralität ist dann gegeben, wenn ich meine Mails überall abrufen kann, wenn ich Internet habe, nicht nur dann, wenn ich Internet über AOL nutze. Darum haben wir anfangs auch immer so herzlich über AOL-User gelacht und uns, die das Spiel durchschaut hatten, für besser gehalten. Darüber kann man eben lachen, sich aber auch Gedanken machen, ob man das gut hält. Ich glaube nicht, dass wir für beide Szenarien getrennte Begrifflichkeiten brauchen, denn im Prinzip ist es der gleiche Eingriff. Ob man sich das leisten kann oder nicht, ist da gar nicht mal so das Thema, denn das ist eher das Kalkül. Vom Ansatz her ist es jedoch falsch.

  • Martin Weigert

    02.06.10 (17:59:34)

    Niemand hier hat den Begriff der Netzneutralität erfunden. Auch wenn wir uns darauf einigen können, dass es Argumentationen gibt, die dagegen sprechen, dass der Skype-Schritt eine Verletzung von Netzneutralität ist, so empfehle ich allen an der Diskussion beteiligten, einfach mal etwas lockerer an die Definitionsfrage heranzugehen. Es MUSS möglich sein, Ideen, Theorien und Konzepte an veränderte Umstände anzupassen, wenn dies notwendig ist. Ob dies im aktuellen Fall notwendig ist, darüber scheint es unterschiedliche Ansichten zu geben. So, und nun bitte möglichst nur noch Ergänzungen zum Thema abgeben und keine Wiederholungen des bereits Gesagten.

  • Arno

    02.06.10 (18:07:34)

    Netzneutralität ist relativ klar definiert und ich sehe auch keine Notwendigkeit, den Begriff zu verwässern. Dein AOL-Beispiel zeigt auch ganz gut, warum es absurd wäre, hier "Netzneutralität" in dem von Dir vorgeschlagenen Sinne zu fordern: das würde ja in letzter Konsequenz bedeuten, dass jeder Anbieter von elektronischen Medien verpflichtet wäre, sein Angebot weltweit und über alle Zugangskanäle anzubieten. Niemand könnte mehr urheberrechtlich geschütztes Material über das Internet verkaufen, wenn er nicht die weltweiten Rechte besitzt. Niemand dürfte mehr sein Intranet für Zugriffe von außen sperren, denn das verstieße ja gegen die Pflicht, Webangebote für jedermann gleichwertig zur Verfügung zu stellen.

  • Martin Weigert

    02.06.10 (18:21:06)

    Offenbar sehen andere (wie Besim und ich) eben doch eine Notwendigkeit, über das zu diskutieren, was du als Verwässerung bezeichnest (ich dagegen als Erweiterung oder Anpassung). Selbst wenn du völlig anderer Ansicht bist, kann es doch nicht so schwer sein, das zu akzeptieren, oder? ;)

  • Besim Karadeniz

    02.06.10 (18:25:52)

    @Arno: Kurze Reaktion auf deinen letzten Artikel, bevor ich diese Diskussion an dieser Stelle dann beende und ggf. später auf meinem Blog die Gedanken, die hier entstanden sind, nochmal weiterführe: Zu deinem Ansatz, es gäbe keine Rechteschutzmöglichkeit mehr, wenn man den Zugang über bestimmte Zugangswege im Internet nicht sperren könnte: Halte ich für eine hilflose Metadiskussion, die vornehmlich Rechteinhaber ansprechen, die vom Internet keine Ahnung haben. Was interessiert mich als Besitzer einer Liste von 120 Proxyservern, wie und wo welche Rechteinhaber was und wann sperren? Virtuelle "Stoppschilder" sind Schall und Rauch. Keine Möglichkeit mehr, urheberrechtlich geschützte Dinge im Netz zu verkaufen: Ich erinnere hier an die unsägliche DRM-Diskussion. Offensichtlich funktioniert der Verkauf von Musik im Internet auch ohne DRM wie geschmiert. Wer online grundsätzlich keine Musik kauft, weil er weiß, wie er Musik kostenlos findet, der interessiert sich auch nicht für DRM oder Netzneutralität. Intranet von Zugriffen von außen nicht mehr sperren zu können: Niemand spricht von Sozialismus im Internet, wenn er auf Netzneutralität - in welcher Form auch immer - pocht. Wenn ich mein Netz für Zugriffe von außen sperre und den Zugriff von innen reglementiere, dann wissen das meine Nutzer zwangsläufig dadurch, dass ich Ihnen den Zugriff ins Internet nur exklusiv zur Verfügung stelle, immerhin aber nicht dafür Geld verlange, wenn jemand online telefonieren will. Wenn es da Diskrepanzen gibt, können sie ja über 3G ins Netz. Aber halt, da funktioniert ja dann Skype nicht, weil Skype dann Geld sehen will.. that's the point. Und es hängt alles miteinander zusammen, denn die Netzneutralitätswurst hat viele Enden. Bekommen wir in der Tat nicht hier geklärt. In diesem Sinne.

  • Lukas

    02.06.10 (20:33:58)

    Doch wie nennen wir es dann, wenn Webanbieter die Nutzung über bestimmte Internetzugangswege aus freien Stücken (sprich ohne externen Zwang) mit zusätzlichen Gebühren belegen? Oder ist dies ganz einfach ein völlig legitimer Ansatz der Preis- und Angebotsdifferenzierung? Ein ganz normales freemium-Modell. Via WLAN for free,via Mobile-UMTS-App gebührenpflichtig. Verletzung der Netzneutralität wäre gegeben, wenn T-Mobile Skype-Verbindungen blockieren würde. Skype kann nicht gegen Netzneutralität verstoßen, da es kein Netz betreibt.

  • Arno

    02.06.10 (21:48:38)

    Skype kann nicht gegen Netzneutralität verstoßen, da es kein Netz betreibt. So einfach ist das. :)

  • Martin Weigert

    02.06.10 (22:32:59)

    Dem könnte man erwidern: Skype verstösst gegen die Netzneutralität, weil es Netze nicht neutral behandelt. Könnte, wohl gemerkt ;)

  • Martin

    02.06.10 (22:44:44)

    ;)

  • Arno

    03.06.10 (00:02:36)

    Ich behandle Netze auch nicht neutral, denn ich surfe nur mit Telekom (iPhone) und Vodafone (Festnetz/DSL). Bin ich jetzt auch nicht netzneutral? ;-)

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer