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01.06.10

UMTS-Gespräche mit Zusatzgebühr: Verletzt Skype die Netzneutralität?

Skype bietet Nutzern seiner iPhone-Applikation ab sofort die Möglichkeit, über UMTS-Verbindungen Skype-Gespräche zu führen. Ab Ende des Jahres soll dafür eine zusätzlich Gebühr erhoben werden. Eine Verletzung der Netzneutralität?

Skype, die populäre VoIP- und Chat-Software mit 560 Millionen registrierten Konten , hat am Wochenende eine überarbeitete iPhone-Applikation veröffentlicht. Diese bringt unter anderem die lang ersehnte Funktion, Gespräche über UMTS-Verbindungen führen zu können. Bisher ließ sich mit der App nur dann telefonieren, wenn eine WLAN-Verbindung bestand.

Leider gelingt es Skype, die Freude über die frohe Kunde zu trüben: Der Dienst plant nämlich, nach einer Übergangsphase von Nutzern für UMTS-Gespräche über das iPhone eine "geringe monatliche Gebühr" zu verlangen .

Im Klartext bedeutet dies, dass man bei Skype darauf abzielt, die seit jeher kostenlosen VoIP-Gespräche zwischen zwei Skype-Usern mit einer Gebühr zu belegen, wenn diese von einem iPhone über eine UMTS-Verbindung geführt werden. Inwieweit dies auch Skypes Symbian-Applikation oder auf Skype aufsetzende Drittanwendungen wie Fring betreffen würde, ist unklar.

Ursprünglich war von einer Testphase bis August die Rede, im Skype-Blog spricht man nun jedoch von einer kostenlosen Nutzung bis Ende des Jahres.

Betrachtet man die Art, wie Skype die Neuigkeit im Blog kommuniziert, wird deutlich, dass sich das Unternehmen selbst noch nicht ganz sicher ist, ob dies eine gute Idee ist. Begründet wird das Vorhaben damit, dass man glaube, User würden diesen zusätzlichen Service schätzen und deshalb auch bereit sein, Geld dafür zu zahlen.

Ich verwende SkypeOut und SkypeIn, bin also seit langem zahlender Skype-Kunde. Für fragwürdig halte ich den jüngsten Schritt dennoch. Es war stets Skypes Erfolgsrezept, kostenlose VoIP-Telefonate anzubieten, solange diese zwischen zwei Skype-Nutzern erfolgten. Kosten fallen dem Dienst aufgrund der P2P-Technologie, die den direkten Datenverkehr zwischen zwei Nutzern ermöglicht, für derartige Gespräche quasi keine an. Ob die Verbindung dabei über stationäre Breitbandanschlüsse oder UMTS läuft, ändert daran nichts.

Skype ist ehrlich mit der Begründung, warum man über eine Gebühr nachdenke. Das schätze ich. Dennoch gibt es Grund zur Sorge. Nicht, weil Skype versucht, seine Monetarisierung voranzutreiben und dafür diejenigen zu Kasse zu bitten, die den Service intensiv nutzen (was auf alle User zuträfe, die UMTS-VoIP über die iPhone-App führen würden). Sondern deshalb, weil es die Frage aufwirft, ob hier die Netzneutralität verletzt wird .

Über die Shared-Items-Funktion des Google Reader bin ich auf diesen Beitrag bei blog@netplanet gestoßen, der feststellt:

"Wir wollen zu Hause am heimischen PC unseren Internet-Provider nicht extra dafür bezahlen müssen, damit wir Google-Dienste in gewohnter Geschwindigkeit nutzen können und nun stellt sich diese Frage in Form einer App, die Geld dafür sehen will, wenn man deren Übertragungspakete über eine bestimmte Anbindung laufen lassen möchte."

Bei der bisherigen Diskussion um Netzneutralität geht es meist um Zugangsanbieter, welche die Art von Daten und deren Übermittlung zu ihren Gunsten beeinflussen möchten. Nun jedoch ist es ein Webdienst selbst, der sich zu einer Ungleichbehandlung von Datenpaketen berufen fühlt, je nach dem, über welche Art von Internetverbindung diese verschickt werden.

Andererseits ist es Skypes gutes Recht, ganz in der Tradition anderer Freemium-Dienste bestimmte Funktionen nur gegen Geld anzubieten. Wird jedoch die Freiheit zur Nutzung beliebiger Internetzugangswege an das Zahlen einer Gebühr gekoppelt, hinterlässt dies einen faden Beigeschmack.

Skype beobachtet mit Sicherheit genau, wie die Reaktionen auf den Plan ausfallen werden. Der gewählten, nicht sehr entschlossen wirkenden Ausdrucksweise nach zu urteilen wäre ich nicht verwundert, wenn das Vorhaben noch einmal überdacht wird. Gerade deshalb ist es gut, bereits jetzt auf mögliche Bedenken aufmerksam zu machen.

Update: Marcel Weiss ist der Ansicht, Skype verletze die Netzneutralität NICHT, da diese per Definition lediglich Zugangsanbieter betrifft.

Doch wie nennen wir es dann, wenn Webanbieter die Nutzung über bestimmte Internetzugangswege aus freien Stücken (sprich ohne externen Zwang) mit zusätzlichen Gebühren belegen? Oder ist dies ganz einfach ein völlig legitimer Ansatz der Preis- und Angebotsdifferenzierung?

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