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21.11.13

Um jeden Preis zur Konversion: 4 verzweifelt wirkende E-Mails, die Internetdienste verschicken

Wenn sich die Nutzerzahlen von Onlinediensten nicht wie erhofft entwickeln, versuchen viele Anbieter, Karteileichen und passive User durch penetrante, mit Vorwänden gespickten Mails zu reaktivieren.

MailsImmer wenn ich von einem Onlinedienst, bei dem ich mich irgendwann einmal registriert habe, urplötzlich regelmäßig (!) E-Mails erhalte, so ist mein erster Gedanke, dass der Service sich nicht so prächtig entwickelt wie von den Initiatoren erhofft. Denn wenn bei einem Angebot der Bär steppt und die User in Scharen herbeiströmen, dann würden die Macher keine Zeit haben, Karteileichen auf die Nerven zu gehen. Folgende Mailformen sind nach meiner Erfahrung besonders deutliche Anzeichen dafür, dass die antizipierte Wachstumskurve eines Services nicht mit dem tatsächlichen Trend übereinstimmt. Der urplötzliche "Weekly Digest"

Ein Klassiker unter den E-Mail-Nervensägen von Startups: Nachdem man vor langer Zeit bei einem Angebot Mitglied wurde und seitdem keinen Mucks mehr von diesem vernommen hat, taucht plötzlich ein "Weekly Digest", also eine personalisierte wöchentliche Zusammenfassung, im Posteingang auf. Woche um Woche, bis man sie abbestellt. Die praktische Umsetzung ist aus Sicht der Anbieter simpel: Sie fügen im Einstellungsbereich des Nutzerkontos die zuvor nicht vorhandene Option "Wöchentliche Zusammenfassung" hinzu und aktivieren sie standardmäßig.

Moviepilot

Benachrichtigungen und Erinnerungen

Analog zur Erweiterung der Nutzerkonten um eine ab Werk eingeschaltete Mail-Zusammenfassung ergänzen Webservices im Laufe ihres Reifeprozesses die Privatsphäre-Optionen häufig auch um allerlei Benachrichtungs-Mails. Diese sind ebenfalls nicht selten alle erst einmal mit einem Häkchen versehen. Google+ etwa schafft es immer wieder, mir Benachrichtigungen in der Inbox zu platzieren, obwohl ich der Meinung bin, schon vor einiger Zeit alle unwichtigen Elemente abbestellt zu haben. Angesichts von vielen Dutzend unterschiedlichen Kontrollwerkzeugen, die Google einem präsentiert, und deren sorgfältige Verwaltung erheblichen kognitiven Einsatz erfordert, ist es aber kein Wunder, dass man im ersten Anlauf nicht alle unwichtig erscheinenden Benachrichtigungen deaktiviert. Und so bekomme ich von Google+ eine E-Mail-Erinnerung zu einer Veranstaltung, zu der mich eine mir nicht bekannte Person eingeladen hat.

Google+

Freunde, die Mitglied werden

Weniger plump aber, sofern nicht aktiv angefordert, genauso ärgerlich sind E-Mail-Hinweise darüber, dass ein Kontakt aus dem Social Web einem beliebigen Dienst beigetreten ist. Der Gedanke, dass die Macher auf diese Weise die Relevanz ihres Produkts unterstreichen möchten, ist zweifelos nicht dumm, und die Information aus Anwendersicht auch durchaus nützlich. Kritisch sehe ich es jedoch, wenn diese Mails erst irgendwann erscheinen, also erst nachträglich als Opt-Out-Funktion hinzugefügt werden. Auch hier dient wieder Google+ als Beispiel (was absurd ist, wird ja mittlerweile jedes Google-Mitglied regelrecht zur Google+-Mitgliedschaft gezwungen), allerdings erhielt ich jüngst auch eine derartige E-Mail von der gemäß Medienberichterstattung eigentlich florierenden Bookmarking-Plattform Pinterest . Angesichts einer Bewertung von fast vier Milliarden Dollar und keinen nennenswerten Umsätzen ist zu vermuten, dass Pinterest um jeden Preis die breite Masse der User erreichen muss. Das Resultat sind dann solche Benachrichtigungen per Mail.

Pinterest

Newsletter ohne Inhalt

Wer weder Benachrichtigungen noch wöchentliche Übersichten verschicken kann, dem bleibt immer noch die Möglichkeit eines inhaltsleeren Newsletters. Diesen erkennt man daran, dass er die Kernfunktionalität anpreist und dabei so tut, als besitze der präsentierte Inhalt irgendeinen Neuigkeitswert - was jedoch nicht der Fall ist. Häufig enthalten solche Mails auch "Tipps", um aus dem jeweiligen Service das Beste rauszuholen.

Scoutmob

Ich bin nicht der einzige, dem Mail-Lawinen von Startups missfallen. Aus journalistischer Sicht haben die in diesem Beitrag beschriebenen, plötzlich von einem Internetunternehmen versendeten Mails aber immerhin den Vorteil, dass sie als Indiz für ein dem Plan hinterherhinkendes Expansionstempo gewertet werden können. Ab und an mag diese Interpretation falsch sein, oft jedoch passt sie zur allgemeinen Zustandsbeschreibung eines Dienstes.

Was ich viel besser finde: Eine dezente, einmalige Mail-Erinnerung nach einigen Monaten der Inaktivität, die nachfragt, ob man den Service vergessen habe. Oder aber sporadische Newsletter mit echten, handfesten Neuigkeiten. Alles, was den Eindruck eines Vorwands macht, hinterlässt dagegen zumindest bei mir einen bitteren Nachgeschmack. /mw

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