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05.04.09

Übersetzungen im Kontext: Linguee macht das Web zum Wörterbuch

Linguee ist ein neuer Übersetzungsdienst, der Wörter und Wortgruppen in Hinblick auf deren Kontext übersetzt. Innovativ ist auch, wie das Kölner Startup dies realisiert: Es nutzt das Web als Wörterbuch.

lingueeNahezu jeder, der sich häufig mit dem Web beschäftigt, einem Studium nachgeht oder in der Internet- und Medienwelt tätig ist, kommt ab und an mit englischsprachigen Texten in Kontakt. Ein leistungsfähiges Onlinewörterbuch gehört daher zu den essenziellen Werkzeugen für viele User. Leider sind herkömmliche Übersetzungsservices wie LEO oder pauker.at nicht in der Lage, zu übersetzende Wörter oder Wortgruppen in ihrem Kontext zu erfassen, weshalb Anwender nicht selten auf völlig falsche sprachliche Fährten geleitet werden.

Mit einem mehr als cleveren Ansatz nimmt sich Linguee, ein junges Startup aus Köln, diesem mitunter ärgerlichen Problem an. Das Unternehmen entwickelt seit einem Jahr etwas, das sich treffend als Übersetzungssuchmaschine bezeichnen lässt. Die beiden Linguee-Gründer Dr. Gereon Frahling und Leonard Fink hatten die geniale Idee, ganz einfach hunderttausende im Netz befindliche, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vorliegende Dokumente als Grundlage für ihren Service zu nehmen.

Linguee durchsucht das so genannte "zweisprachige Web", insbesondere professionell übersetzte Webseiten von Firmen, Organisationen und Universitäten, sowie EU-Dokumente und Patentschriften. Wer über Linguee nach einem Wort oder einer Wortgruppe sucht, erhält eine Liste von im Internet gefunden Texten, die die gesuchten Ausdrücke enthalten - und zweisprachig vorliegen. Statt also wie klassische Onlinewörterbücher in einer Datenbank den deutschen und den dazugehörigen englischen Begriff zu speichern, zeigt Linguee in seiner Resultatliste an, wie die gesuchten Wörter im Web in ihrem jeweiligen Zusammenhang eingesetzt wurden - und hilft somit erheblich besser zu verstehen, welches englische Wort in welchem Kontext üblich ist.

Die Ergebnisse werden in zwei Spalten angezeigt. Links finden sich die gefundenen Dokumente in der Ausgangssprache, rechts in der Zielsprache. Suchergebnisse können bewertet und von Usern bearbeitet/verbessert werden. Um einen weitgehend kompletten Überblick über mögliche Übersetzungen zu geben, liefert Linguee zusätzlich "klassische" Übersetzungen von Beolingus, dem Onlinewörterbuch der TU Chemnitz.

Von Linguee gefundene Übersetzungen

Die Idee, das Internet zu crawlen, als Wörterbuch einzusetzen und der Onlineübersetzung dadurch einen semantischen Anstrich zu geben, ist laut Linguee-Gründer Gereon Frahling bisher einmalig. Bei der Entwicklung hilfreich waren Frahling seine Erfahrungen von einer Postdoc-Stelle in der Forschungsabteilung von Google in New York, die er nun zu Gunsten der Selbstständigkeit aufgeben hat. Gerade was den Umgang mit großen Datenmengen, die Qualitätsbewertung sowie den Such-Index betrifft, konnte der junge Unternehmer einiges bei Google lernen - wovon er und sein Kompagnon Leonard Fink nun bei der Entwicklung von Linguee profitieren.

Refinanzieren wollen die zwei Gründer ihr Startup über Werbung in den Ergebnislisten. Beide haben einen technischen Hintergrund und den Dienst vollständig selbst finanziert. Auch angesichts der bisher geringen Entwicklungskosten - alles wurde Inhouse selbst aufgezogen und programmiert - gehen sie die Monetarisierungsfrage entspannt an. Konkrete Gespräche mit Investoren laufen aber, um in Zukunft mehr Mittel für die geplante Expansion in andere Sprachen und Märkte (z.B. Spanisch-Englisch, Französisch-Englisch) zur Verfügung zu haben.

Frahling empfiehlt Linguee primär für den beruflichen Einsatz - ganz einfach, weil umgangssprachliche Ausdrücke und Schimpfwörter im zweisprachigen Web nur selten zu finden sind. Prädestiniert ist Linguee für Unternehmenspräsentationen, Pressemeldungen und Fachtexte mit speziellem Vokabular - und hat auf mich im Praxiseinsatz einen sehr guten Eindruck gemacht.

Linguee hat den öffentlichen Beta-Test gestartet und ist ab sofort für alle zugänglich.

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