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25.02.14Leser-Kommentare

Überraschung: WhatsApp wird in Deutschland zum Mobilfunkanbieter

Das kommt unerwartet: WhatsApp wird erstmalig als Mobilfunkanbieter auftreten - und zwar in Deutschland. Möglich wird dies dank einer Partnerschaft mit E-Plus.

WhatsAppMan muss es WhatsApp lassen: Der Dienst zieht gerade alle Register, um nach der Übernahme durch Facebook weiterhin die Schlagzeilen zu dominieren. Aufregender als die gestrige Ankündigung, bald auch VoIP-Funktionalität zu implementieren - etwas, das nahezu alle Konkurrenten schon lange bieten - ist eine Meldung zur Kooperation mit dem deutschen Mobilfunkanbieter E-Plus. Die Nummer drei unter den deutschen Providern gab diese Partnerschaft am Montag in einer etwas unkonkreten Pressemeldung bekannt. Im ersten Moment las sich das, als gehe es um eine triviale Einbettung von WhatsApp in E-Plus-Tarife sowie eine eventuelle Befreiung der App vom Datenlimit. Doch der in der Mitteilung enthaltene Begriff "Mobile Virtual Network Operator" (MVNO) störte ein wenig. Kurze Zeit später brachten das Wall Street Journal und Horizon.net etwas Licht ins Dunkel: Die Vereinbarung zwischen E-Plus und WhatsApp zielt auf die baldige Lancierung einer eigenständigen Mobilfunkmarke unter dem "WhatsApps"-Label ab. WhatsApp nimmt aktive Rolle als MVNO ein

Wir wollten mehr erfahren und sprachen mit Klaus Schulze-Löwenberg, Leiter der Pressestelle der E-Plus Gruppe. Passend zur nur wenige Details enthaltenden Pressemitteilung wollte sich Schulze-Löwenberg noch nicht zu den genauen Angebotsmodalitäten äußern. Er bestätigte aber, dass WhatsApp in Deutschland eine eigene Mobilfunkmarke auf den Markt bringen und dabei die Infrastruktur von E-Plus nutzen wird. Der kurz vor der Übernahme durch den spanischen Telekommunikationsgiganten Telefonica stehende Düsseldorfer Provider unterscheidet sich von seinen Wettbewerbern dadurch, dass er stärker auf die Strategie setzt, eine Vielzahl von unter eigenständigem Branding auftretende, unterschiedliche Konsumentenbedürfnisse abdeckende "virtuelle Mobilfunkanbieter" heranzuzüchten. Neben in Eigenregie betriebenen Marken wie Base, simyo, blau.de oder Ay Yildiz kooperieren die Rheinländer mit diversen Unternehmen. Diese bieten ihren Kunden maßgeschneiderte Mobilfunktarife an, etwa Aldi Talk oder MTV Mobile. E-Plus verantwortet die technische Abwicklung, die Umsätze werden basierend auf individuellen Abmachungen geteilt.

Während Schulze-Löwenberg sich zu den internen Übereinkünften mit WhatsApp ausschweigt, betont er, dass WhatsApp nicht einfach nur E-Plus das Recht für die Nutzung seiner Marke einräumt, sondern tatsächlich selbst das Mobilfunkangebot bereitstellen wird, natürlich tatkräftig unterstützt von E-Plus. Auch wenn er es nicht explizit so sagt, würde dies bedeuten, dass WhatsApp beziehungsweise dessen neue Muttergesellschaft Facebook mit dem Angebot nicht nur die Verbreitung von WhatsApp steigern, sondern auch Umsätze erwirtschaften möchte.

Netzneutralität dürfte erneut bröckeln

Da sich E-Plus noch keine Einzelheiten entlocken lässt, kann man über die Produktausformung nur spekulieren. Es ist davon auszugehen, dass alle eventuellen Tarife eine unbegrenzte WhatsApp-Nutzung beinhalten, ungeachtet von der Menge des gebuchten Datenvolumens. Damit würde abermals ein Netzbetreiber die Netzneutralität ein kleines bissschen weiter aufweichen. Andererseits könnte man argumentieren, dass dies bei einem speziellen, sich explizit an WhatsApp-Freunde richtenden Handyprodukt weniger dramatisch sei als bei einem auf die Masse abzielenden Internetzugangsangebot. Befragt zu eventuellen Konflikten mit der Netzneutralität sagte E-Plus-Pressechef Schulze-Löwenberg nur, dass man diese Frage bei dem Unternehmen ernst nehme.

Seit längerem geplante Kooperation

Nach unseren Informationen zeichnete sich die Zusammenarbeit zwischen WhatsApp und E-Plus schon seit einigen Monaten ab. Sie ist also nicht eine erste spontan beschlossene Initiative seitens Facebook, das den Deal mit WhatsApp nur Tage vor dessen Bekanntgabe eingefädelt hatte. Gemäß E-Plus handelt es sich um das erste Mal, dass WhatsApp als Mobilfunkprovider auftritt.

Der Vorstoß kommt ziemlich überraschend. Anzeichen dafür, dass WhatsApp selbst zu einem Mobilfunkanbieter avancieren würde, gab es im Vorfeld keine. Allerdings passt der Schritt zur gestern beim Mobile World Congress in Barcelona von Facebook-Chef Mark Zuckerberg skizzierten Vision, Internetzugänge auch in die hintersten Ecken dieser Welt bringen zu wollen. WhatsApp, das in vielen Internetentwicklungsländern hohe Popularität geniesst, soll bei diesem Bestreben eine entscheidende Rolle einnehmen. Die Partnerschaft mit E-Plus könnte als Vorbild für ähnlich gelagerte Aktionen in anderen Ländern dienen. Außerdem öffnet sie WhatsApp eine ungeahnte Erlösquelle in Form von Umsätzen aus dem MVNO-Geschäft - vorausgesetzt, dieses entwickelt sich zu einem Hit.

Kommentare

  • Pity0411

    25.02.14 (07:45:50)

    Mama hat es ja mit Facebook Zero vorgemacht, dann darf natürlich auch das Küken im Stall ran. Und ich nehme einige Fragen auch ernst, das hat nicht immer Einfluss auf die Antwort.

  • Sven

    25.02.14 (08:17:22)

    Das wird gut laufen für WhatsApp und E-Plus. Ich selbst kenne unzählige Handynutzer in meinem Freundeskreis, die nur wegen WhatsApp ein Smartphone nutzen. Durch die Kooperation und die entsprechenden Tarife, kann man davon ausgehen, dass WhatsApp seinen Marktanteil in Deutschland noch weiter ausbauen wird.

  • Die fette Lady

    25.02.14 (10:06:13)

    Echt geil, wie der Non-Profit-Gedanke von Whatsapp baden geht. Ich hab mir das schon so gedacht als Ergebnis der Übernahme. Zum Glück habe ich gestern meinen Account gelöscht. Ich möchte mich nicht an der Monopolisierung des Marktes beteiligen.

  • Kaktus

    25.02.14 (11:20:18)

    Wird dann laufen wie bei Netzclub, bloß kostenpflichtig. ;)

  • Bitcoiner

    25.02.14 (21:46:06)

    Hoffentlich merkt ein Großteil der Bevölkerung bzw. der Nutzer jetzt, dass es außer Facebook und Whatsapp noch andere Dienste wie Telegram Messenger gibt, die einige Vorteile mehr bieten.

  • Heike Scholz

    25.02.14 (23:53:26)

    Hi Martin, ich habe da mal eine Frage: Du schreibst "Nach unseren Informationen zeichnete sich die Zusammenarbeit zwischen WhatsApp und E-Plus schon seit einigen Monaten ab." Mich würde interessieren, welche Informationen Euch da schon "seit einigen Monaten" vorlagen. Ich scheine da wohl ein paar qualifizierte Quellen nicht zu kennen. Die Frage ist ernst gemeint und kein Angriff (heute sage ich das lieber dazu. Wird zurzeit viel missverstanden in diesem Internetz) Danke und weiter so - ich mag Eure Artikel.

  • Martin Weigert

    26.02.14 (00:31:07)

    Hey Heike. Wie sagt man so schön: Diese Informationen stammen aus "gut informierten Kreisen". Hast du etwas Gegenteiliges gehört? Und danke für das Lob.

  • non profit

    26.02.14 (09:16:01)

    die hatte nie einen non profit gedanken, nur keine werbung und kein schnick schnack....

  • Heike Scholz

    26.02.14 (10:04:27)

    Ich hatte nichts Gegenteiliges gehört. Viel mehr nichts, was auf diese oder eine ähnliche Kooperation hin deutete. Du musst mir Eure "gut informierten Kreise" mal vorstellen ;-)

  • Die fette Lady

    26.02.14 (11:19:55)

    Mit 89 Cent pro User im Jahr wird ja wohl keiner so viel Kohle scheffeln können, um sich nen goldenen Popo zu verdienen ;) Die konnten sich grade mal refinanzieren. Der große Profit sieht glaube anders aus.

  • Sascha Theobald

    27.02.14 (10:46:49)

    Danke für die Infos zu dem Deal. Die Pressemeldung von E-Plus war da ja eher eine große Nebelschwade. Die habe ich dann auch mal in meinem Blog kommentiert. http://www.sascha-theobald.de/blog/2014/blablabla-eplus-whatsapp/

  • Georg

    08.03.14 (23:06:04)

    @Die fette Lady: Bei Neugründungen im Cloud-Bereich ist es nicht erst seit gestern eine übliche Taktik, verhältnismäßig hohe Verluste einzugehen, um bei einem Verkauf des Unternehmens ein Vielfaches davon einzuspielen. Wenn man die Wahl hat, jeden Tag 100€ oder auf einen Schlag eine Summe von 1000€ pro Tag, am letzten Tag ausgezahlt....bei einer nicht zu langen Dauer wählt man wohl doch eher letzteres ;-)

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