<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

18.11.13

Übernahmen von Onlinediensten: Mangelnder Respekt für die Präferenzen der Nutzer

Nach der Übernahme des deutschen Social-Media-Monitoringdienstes TwentyFeet durch den US-Konkurrenten SumAll zeigt sich wieder einmal, wie es Webfirmen an Respekt für ihre Nutzer mangelt.

Dass Übernahmen im Websegment nicht immer zur Zufriedenheit der Nutzer beziehungsweise Kunden ablaufen, zeigt gerade der Fall Qype. Auch eine andere, jüngst abgeschlossene Akquisition mit deutscher Beteiligung unterstreicht diese Schlussfolgerung.

Im Sommer übernahm der New Yorker Social-Media-Monitoring-Dienst SumAll den deutschen Wettbewerber TwentyFeet. Das Angebot der Wiesbadener Webagentur Seibert Media erlaubte Nutzern sogenanntes "Egotracking" , indem es ihnen diverse Statistiken über ihre Social-Media-Konten und die damit verbundene Aktivität lieferte. Im Zuge des Deals wurde TwentyFeet geschlossen und sämtliche Userkonten zu SumAll migriert. TwentyFeetAuch ich besaß wie einige Hunderttausend andere Nutzer ein Konto bei TwentyFeet. Daran erinnert wurde ich vor zwei Wochen, als plötzlich haufenweise Mails von SumAll in meinem Postfach eintrafen. Tägliche Zusammenfassungen meiner Statistiken und allerlei andere Benachrichtungen. Das verwunderte mich natürlich, hatte ich bei TwentyFeet doch sämtliche Benachrichtungen und Mails deaktiviert. Ende vergangener Woche musst ich dann mitansehen, wie SumAll über mein Twitter-Konto einen Tweet mit meinen wöchentlichen Reichweitendaten verschickte. Im ersten Moment glaubte ich an einen Hack, bis ich einsah, dass das Unternehmen ganz einfach die Autorisierung verwendet, die ich einst TwentyFeet gegeben hatte. Gemäß Twitters Richtlinien augenscheinlich in Ordnung, moralisch aber bedenklich. Insbesondere, weil ich derartige Auto-Tweets bei TwentyFeet einst abgeschaltet hatte.

TwentyFeet-Gründer Martin Seibert erklärte auf Anfrage, über die Praxis von SumAll ebenfalls überrascht zu sein. Gleichzeitig merkt er an, dass der "Performance Tweet" für TwentyFeet der primäre Wachstumstreiber für neue User gewesen sei und deshalb wohl auch für SumAll attraktiv ist.

"Die meisten unserer Nutzer fanden den Performance Tweet super und haben sich immer beschwert, wenn er nicht raus ging. Jetzt hat SumAll noch zusätzliche Metriken eingebaut. Das dürfte die meisten freuen", gibt Seibert zu bedenken. Er verstehe aber, dass die Datenübernahme anders hätte ablaufen können. Trotzdem glaube er, dass SumAll ein seriöser und nachhaltiger Käufer war und ist.

Seibert bezeichnet die Vorgehensweise von SumAll treffend als "amerikanisch, pragmatisch". Grundsätzlich ist es meines Erachtens nach völlig in Ordnung, dass die Käuferin die Publikations-Rechte für Twitter-Konten weiterverwendet, die User einst TwentyFeet gegeben haben. Geschieht dies jedoch, obwohl man zusammenfassende Auto-Tweets bei TwentyFeet deaktiviert hatte, ist es ein Vertrauensbruch. Gleiches gilt für abbestellte E-Mails, die plötzlich wieder eintrudeln.

Ein Drama ist diese Praxis zwar nicht, aber dennoch potenziell schädigend für das Ansehen von SumAll. Denn die Firma signalisiert damit, dass sie es mit der Berücksichtigung der Anwenderpräferenzen nicht so genau nimmt. Damit ist sie nicht allein im Onlinegeschäft. Genau das ist das Traurige. /mw

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer