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14.02.09Leser-Kommentare

Überdrehte Horror-News: Vermeldet und vergessen?

Eine unbestätigte Meldung geht um die Welt, wenige Tage später stellt sich das Gegenteil heraus. Wie gehen Online-Medien mit ihren reißerischen Falschmeldungen um?

Die Medienschweiz wird zurzeit von einer tragischen Geschichte heimgesucht. Eine Frau wurde mit Schnittverletzungen an einem Bahnhof aufgefunden, wie sich später herausstellt, ist sie entgegen ihrer Angaben jedoch nicht schwanger und hat sich die Verletzungen womöglich selber zugefügt. Viele Online-Medien haben die Horror-Geschichte längst verbreitet – wie gehen sie nun mit den neuen Erkenntnissen um? Die NZZ schreibt im Artikel mit dem Untertitel "Wende bei angeblich rassistisch motivierter Gewalt an Brasilianerin".

Von mehreren brasilianischen Zeitungen und in der Folge in erschreckendem Ausmass auch von Schweizer Online-Medien wurde der Fall zunächst weitgehend unreflektiert als fremdenfeindlicher Gewaltakt von Neonazis an einer Ausländerin rapportiert.

So muss man das sagen. Tagesanzeiger.ch schrieb am 11. Februar 2009:

tagesanzeiger.ch am 11. Februar 2009 (Screenshot)

Nach den noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen sieht es so aus, dass "sich die Frau die Schnittverletzungen selber beigebracht" und "dass die Frau zum Tatzeitpunkt nicht, wie von ihr angegeben, schwanger war". Also: Keine Schwangerschaft. Kein Angriff von Neonazis.

Die Story ist inzwischen nicht mehr in dieser Form auf tagesanzeiger.ch aufzufinden. Doch in anderen Medien, die die Geschichte "verwertet" haben, sehr wohl.

Bei Welt Online, dem Online-Angebot einer überregionalen deutschen Zeitung:

Welt Online am 14. Februar 2009 (Screenshot)

Bei orf.at, dem Onlineangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich:

Bei Financial Times Deutschland:

Bei Vorarlberg Online, dem Onlineangebot der Vorarlberger Nachrichten (2. Artikel dazu):

vol.at am 14. Februar 2009 (Screenshot)

Bei AZ Online, dem Onlineangebot der Aargauer Zeitung (2. Artikel dazu):

azonline.ch am 14. Februar 2009 (Screenshot)

Auch englischsprachige Medien übernehmen die Meldung.

So die Los Angeles Times:

Oder der englische Telegraph (2. Artikel dazu):

Wie gehen die Portale mit ihren Fehlern um? Einige korrigieren sich bisher gar nicht (welt.de, ftd.de, orf.at, latimes.com). Andere schreiben einen zweiten Artikel, der sozusagen das Gegenteil des ersten behauptet (telegraph.co.uk, vol.at, azonline.ch). Und eine dritte Gruppe schreibt die Artikel so um, dass das einmal vermeldete nicht mehr wiederzuerkennen ist (tagesanzeiger.ch).

Korrekt ist es, den Ursprungsartikel unverändert zu belassen. Sich auf den ersten Blick erkennbar, also zum Beispiel in der Nähe des Titels, bei den Lesern zu entschuldigen und einen Link auf einen zweiten Artikel zu setzen, in dem, was zur Fehlberichterstattung geführt hat, erklärt wird. Natürlich erwartet der Leser auch eine Aufklärung darüber, was wirklich passiert ist, also eine genaue Schilderung der aktuellen Lage.

Tagesanzeiger.ch schreibt einen Artikel nach dem anderen zum Thema. Im derzeit neusten werden die eigenen Unzulänglichkeiten auf die Gesellschaft im Allgemeinen und das sich selbst verletzende Opfer im Speziellen übertragen:

Der Fall der Paula O. ist ein Lehrstück über Medienmanipulation und zeigt das immense Interesse unserer Gesellschaft nach Borderline-Persönlichkeiten.

Die Geschichte zeige, "wie bereitwillig Mediengesellschaften sich manipulieren lassen". Dass tagesanzeiger.ch sich selbst manipulieren liess, wird verschwiegen.

Die Aufzählung ist mit Sicherheit unvollständig, wie man sich in der Presseschau «Neonazi-Überfall» geht um die Welt bei bernerzeitung.ch überzeugen kann.

Wen auch immer die ersten Informationen über den Fall erreichten, musste misstrauisch werden. Die Zürcher Polizei beispielsweise informierte zu Beginn nur zögerlich, sie wollte zuerst die Details abklären. Doch gewisse Medien scheinen dazu zu neigen, Gerüchte und Aussagen einzelner ohne Kontrolle zu feststehenden Wahrheiten zu verarbeiten. Und diese dann voneinander ungeprüft abzuschreiben. Wurde nicht stets befürchtet, das sei die grosse Gefahr bei Bloggern? Es sind die etablierten Medien, die so handeln.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Jochen Hoff

    14.02.09 (17:53:42)

    Ja mein lieber Ronnie, da haben sich die PI, Kewill, Patrioten und wie sie auch alle heißen, auch schon drauf gestürzt. Auch sie kommen zu dem Schluss, dass es rechte Gewalt nicht gibt. Duckhome hat weder über Manichel noch über diesen Fall berichtet, weil wir bestimmte Dinge einfach nicht glauben, solange keine Anklage erhoben wird. Die meisten Nazis benehmen sich zwar wie Tiere, aber auch die kennen Grenzen. Wie schon beim letzten Mal sorgst du mit deinem Bericht dafür, dass du die Gefahr von Rechts verharmlost. Bitte, dass darfst du. Solange du dich dabei wohlfühlst. Allerdings wandert die Medienlese jetzt bei mir in den Feeds in den Bereich Irre wo ich die Nazis und ihre Ausflüsse sammle. Wenn du ein Blogger wärst, hättest du in einem Satz zumindest darauf hin gewiesen, dass deine Erkenntnisse nicht bedeuten, dass es keine rechte Gewalt gibt. Aber ich wusste ja schon seit längerem was und wie du denkst und arbeitest.

  • Ronnie Grob

    14.02.09 (18:27:04)

    @Jochen Hoff: Weil jemand - mutmasslich, wir warten auf die endgültigen Untersuchunsergebnisse - erfunden hat, er sei von Neonazis zusammengeschlagen worden, muss ich in einer Mediengeschichte darüber darauf hinweisen, dass rechte Gewalt nicht zu verharmlosen ist? Ist es das, was du von mir forderst? Wenn ja, dann tue ich hiermit kund: Rechte Gewalt ist nicht zu verharmlosen. Das ist und war schon immer meine Meinung.

  • David

    14.02.09 (18:39:54)

    Jochen, du unterstellst Ronnie etwas, das jeglicher Grundlage entbehrt. Bitte, dass darfst du. Solange du dich dabei wohlfühlst. Es geht hier in diesem Medienblog um die Rolle der Medien bei einer Falschmeldung. Um nichts anderes. Und ich will hier auch keine Abschweifungen in politisch-gesellschaftlich-kriminologische Thematiken lesen. Wenn ich das will, lese ich ein anderes Blog. Eine solche Trennung ist ein Qualitätsmerkmal. Dein geforderter Hinweis wäre völlig deplaziert – selbst bei einer politisch-gesellschaftlich-kriminologischen Abhandlung des Vorgefallenen, denn es hat damit nichts zu tun. Es geht um eine psychologisch gestörte Frau.

  • Jochen Hoff

    15.02.09 (06:32:24)

    @ David Ich unterstelle ihm gar nichts. Ich fasse nur eine Tendenz zusammen, die gefährlich ist. Rechte Gewalt wird verharmlost, ja negiert und Ronnie springt allzu gerne auf diesen Zug auf ohne sich mit dem Spannungsfeld an sich zu beschäftigen. Ich könnte ihn ja für dumm halten und meinen, dass er einfach die Problematik nicht begreift. Aber ich halte ihn nicht für dumm. Ich halte das was er tut, für bewusst getan und für gefährlich. Zu einem anderen ähnlichen Vorfall hatte ich bereits kommentiert, ein paar andere waren mir die Mühe nicht wert. Auch eine Medienlese zu einem Thema ist ein Kommentar.

  • Klaus Jarchow

    15.02.09 (09:16:08)

    Das Ganze ist für mich eine Folge von Rudeljournalismus und Newsdesk-Wahn: Raus damit, bevor es die anderen bringen! Gute Journalisten sollten das allgemeine Neuigkeitshinterherhecheln aufgeben und sich auf ihre Einzigartigkeit statt auf informelle Dragster-Rennen kaprizieren, für die es längst keine Pokale mehr gibt. Dann, wenn sie sich korrigieren müssen, sollten sie nachvollziehbar korrigieren - also die alte Version im Text erhalten, wie es in der Blogosphäre weithin guter Brauch ist. Es fragt sich nur, wo sie dann noch einen Job finden sollen. Neonazis und derartige 'Nazi-Opfer' sind sich zumindest in einem Punkt ähnlich: In ihrer bemerkenswert schlichten Mentalstruktur ...

  • Ronnie Grob

    15.02.09 (11:47:52)

    Die Medien in Brasilien, die zuerst über den Fall berichteten, rudern gemäss NZZ kräftig zurück: «Wir sterben alle vor Schande - was für eine Blamage!» Die Frage, ob man sich positionieren darf, solange alle nötigen Informationen fehlen, wird in diesem Absatz recht interessant thematisiert: Staatspräsident Lula und Außenminister Celso Amorim, so rügt die Zeitung, dürften sich nicht öffentlich zu Polizeiangelegenheiten positionieren, weniger noch, solange ihnen alle nötigen Informationen fehlten. Zwei Tage zuvor hatte die «Folha de Sao Paulo» in Kommentaren von einem «Attentat», einer «bestialischen Episode» und außerordentlicher «Roheit» gegen die Brasilianerin gesprochen. Eine Überschrift lautete «Wir sind alle Paula».

  • Fred David

    15.02.09 (11:58:18)

    Die Sache hat sich ja nun als Fake aufgeklärt. Insgesamt kann man schon sagen, dass die hiesigen Medien nach den ersten üblichen Hechel-Reflexen die gebotene Skepsis artikuliert haben. Die Frage bleibt für mich aber: Wie ist es möglich, dass ein weitentferntes Land wegen einer solchen halbgaren Geschichte aus dem Häuschen gerät, der Staatspräsident sich enschaltet, das Aussenministerium rotiert? Wieso geht man in Brasilien so leicht davon aus, dass fremdenfeindlicher Rechtsextremismus in der Schweiz gang und gebe sei und man der dortigen Polizei nicht über den Weg trauen könne, weil sie sicher auch fremdenfeindlich sei. Wir erinnern uns an einen Wahlkampf der noch keine zwei Jahre her ist, und wo jeder Schweizer als Ausländerfeind dastand. Dieses Bild der Schweiz im Ausland hat eine einzige Partei geprägt, sie stand damals noch total im Bann von Doktor B., und unsere Medien haben dieses Bild mit williger Berichterstattung noch verschärft. 2) David: Solche Hintergründe gehören schon auf einen Medienblog. Und es gehört sich, dass Journalisten öffentlich darüber diskutieren, was da alles im Vorfeld gelaufen ist. Diesen Hinweis habe ich in keinem einzigen Kommentar in der Schweizer Presse gelesen, obwohl er doch wirklich auf der Hand liegt. Warum so ängstlich, wen es darum geht, etwas tiefer zu schürfen und Ursachenforschung zu betrieben?

  • Jochen Hoff

    15.02.09 (12:45:05)

    @ Fred David Weil die Leute im Ausland und auch in Brasilien subsumieren. Sie trennen nicht zwischen der Deutschschweiz, Österreich und Deutschland. Sie trennen nicht einmal zwischen Vlamse Belaang und Blocher. Das schlimme ist, sie haben keinen Grund dafür, weil es kaum trennendes gibt. Viele Leute die durch ihre Hautfarbe oder auch nur Augenstellung auffallen haben Angst in diesen deutschsprachigen Raum zu fahren, weil ihnen keiner helfen wird und sie dass wissen. Egal ob ein fixierter Farbiger sich in der Zelle angeblich selbst verbrennt, wie gestern Gewerkschaftler überfallen werden, oder einem Mädchen mit einem Feuerlöscher fasst der Schädel eingeschlagen wird. Normalerweise ist es der Presse egal und gelangweilte Gerichte schauen weg. Die Medien reagieren nur auf Superfälle und sind dann genauso schnell wieder dabei rechte Gewalt zu negieren. Beliebt sind auch solche Artikel wie Ronnie ihn hier gebracht hat. Die dienen dann wieder auf den entsprechenden Seiten als Begründung dafür, dass es keine Rechte Gewalt gibt. Ja sie werden sogar von Anwälten als "Beweismittel" in Prozesse eingebracht. Wer heute von Rechten verletzt oder gar getötet wurde, muss sich die Schuld selbst zuschreiben lassen. Das merkt das Ausland. Ob Blochers schwarze Schafe, einige Artikel von Ronnie, Inder die durch ein Dorf gejagt werden, oder die Hasstiraden der Rechten auf ihren Blogs, in Filmen und in der Musik. Da reagiert lieber einmal ein Staatspräsident zu schnell, weil er weiß, dass es für Ausländer im deutschsprachigen Raum kaum einen Schutz gegen die Rechten gibt. Dafür aber gibt es hundete von publizistischen Hetzern. Einige die sich Blogger nennen sollten vielleicht auch besser bei Winkelried oder PI schreiben.

  • David

    15.02.09 (13:38:48)

    @Fred David: Das sind interessante Fragen, die du aufwirfst. Die Aufregung in Brasilien hat aber wohl mehr mit den politischen Strukturen dort, mit der Gesellschaftsbild der dortigen Bevölkerung und ihrem (Un-)Wissen über Europa zu tun, als mit politischen Kampagnen hier. Natürlich haben die SVP-Kampagnen dem Image der Schweiz nicht gut getan, aber dass diese Geschichte ohne die Schäfchenplakate ganz anders verlaufen wäre, glaube ich nicht. @Jochen Hoff: Mit deiner Einschätzung der Präsenz und Gefahr von rechter Gewalt stehst du wohl auch in linken Kreisen (zu denen ich mich auch zähle) in einer Minderheit. Da wo ich wohne, macht politisch oder rassistisch motivierte Gewalt einen kleinen Anteil aller Gewalttaten aus, und sie werden meistens aufgeklärt und verurteilt. Ausländer leben in der Schweiz ganz bestimmt sicherer als in Brasilien. Dass der deutschsprachige Raum schlechter dastehe und das in Brasilien so wahrgenommen würde, halte ich für absoluten Blödsinn. Ich hatte, ausser in einschlägigen Magazinen, auch nie den Eindruck, dass rechte Gewalt verharmlost wird – im Gegensatz zu anderen Straftaten, die viel mehr Opfer fordern. Verharmlost werden eher die feinen Diskriminierungen. Die sind halt auch schwer zu fassen und nachzuweisen.

  • Jochen Hoff

    15.02.09 (13:54:21)

    @ David Ja sicher ich bin die Minderheit. Möchtest du gerne die Liste alleine der letzten Woche mit mir diskutieren. Den farbigen US Lehrer den die Wiener Polizei zusammenschlug, die Frau die in Magdeburg an der Straßenbahnhaltestelle einen Tritt ins Gesicht bekam, oder die Gewerkschaftler die gestern abend von Nazis angegriffen wurden als sie auf einer Raststätte Pinkelpause nach der Demo in Dresden machten. Selbstverständlich wird das alles aufgeklärt. Meist durch Einstellung. Dann so eine Aussage. "Ausländer leben in der Schweiz ganz bestimmt sicherer als in Brasilien." Sicherer vor Nazis. Wohl kaum. Da gibts in Brasilien nur die deutschen Altznazis. Sicherer vor Rassisten. Wohl kaum. Brasilien ist ein Schmelztiegel der Rassen. Sicherer vor Gewaltkriminalität. Mag sein. Das kommt auf den Wohnort an. Deine Gegenrede ist wieder dieser typische Verharmlosungssermon. Das haben die Leute von 1928 bis 1935 auch getan. Als sie dann wach wurden, war alles zu spät und die sogenannten Linken, die ich eher als Salonlinke bezeichnen waren ganz erstaunt. Wie sie immer erstaunt sind, wenn sie auf die Realität treffen. Aber was solls. Jeder Blog zieht sich sein Publikum heran. Wo die Medienlese steht hatte ich ja oben schon angeführt. Nur weiter so.

  • David

    15.02.09 (14:20:04)

    @Jochen: Dass man den Opfern von Nazigewalt eine Stimme gibt, das ist wichtig und nötig. Aber was ist mit den Hunderten von Kindern und Rentnern, die jährlich im Schweizer Strassenverkehr getötet werden? Was ist mit den Prostituierten, die sich aus Not mit Aids anstecken? Was ist mit den Opfern häuslicher Gewalt, gerade in Einwandererfamilien? Alle diese haben genausosehr unsere Aufmerksamkeit verdient. Erwartest du in einem Bericht über Autos auch immer einen Hinweis, wie viel Leid damit angerichtet werden kann? Unsere Aufnahmefähigkeit ist beschränkt. Indem die Aufmerksamkeit einseitig auf Nazis gelenkt wird, wird sie von anderen, vielleicht viel dringenderen Problemen weggeführt.

  • Jochen Hoff

    15.02.09 (14:28:20)

    @ David Ja und vergiss nicht die vielen Schweizer die in Hundescheiße treten und danach ihre Schuhe reinigen müssen. Was ist dagegen schon ein bisschen Nazigewalt. Du hast recht und du bist auf dem "rechten" Blog. PI für Halbgebildete. Fühl dich wohl.

  • David

    15.02.09 (14:30:24)

    Wer verharmlost hier was?

  • Fred David

    15.02.09 (14:54:14)

    @) Jochen Hoff: Ich finde, du gehst zu weit. Man kann hier nicht alles wie in einem Dampfkochtopf zusammen mixen. Für mich bleibt die Frage im ganz konktreten Fall: Wie kommt es, dass in Brasilien dieser Fall sofort diese Dimension und diese Schlagseite bekommen konnte. Das wäre vor ein paar Jahren nicht möglich gewesen. Warum jetzt? Nur wegen der Schnelligkeit des Internets? Das bezweifle ich. Ich möchte Antworten auf diese Frage und zwar von unseren Schweizer Medien, die ja auch Mitarbeiter in Brasilien haben: Wie kommt das? Wie ist das Bild über die Schweiz entstanden? Ich weiss es nicht. Aber dafür gibt es ja Zeitungen, die sich gefälligst dieser Mühe unterziehen sollen, mit verantwortlichen Journalisten in Brasilen zu reden , nachzuprüfen, wie vor zwei Jahren in jenem berühmten Schweizer Wahlkampf die Berichterstattung in Brasilianischen Medien war, zum Beispiel in O Globo, der grössten Zeitung des Landes, die eine Korrespondentin in Berlin sitzen hat, die die Sache von näher betrachtet hat. Ist das alles nur verzerrt gewesen? Ich will das wissen! Als Leser erwarte ich nicht nur Vermutungen, sondern Recherche.

  • Klaus Jarchow

    15.02.09 (15:10:39)

    @ Fred David: Zwar kann ich nur von Deutschland aus berichten, aber das Bild der Schweiz - von hier aus gesehen - gleicht dank eures genialen 'Schwarz-Schaf-Wahlkampfes' in etwa dem Österreichs zu den großen Zeiten des Jörg Haider. Als ein liberales Land betrachten die meisten Deutschen die Schweiz sicherlich nicht mehr. Eher schon als eine dahinbröckelnde Bergfestung heimattreuer Hinterwäldler, wo 'unmögliche Vorfälle' wie jener mit der Brasilianerin inzwischen längst möglich wären.

  • Jochen Hoff

    15.02.09 (15:26:03)

    @ Klaus Jarchow Genau das ist das Problem auch in Brasilien. Sie trauen uns fast alles zu. Den Deutschen, Schweizern und Österreichern. Die brasilianische und die mexikanische Gemeinde in Berlin haben schon viel zu viel erlebt um nicht alles für möglich zu halten. Das es für Schwarze in Berlin und Brandenburg NoGo Areas gibt, wird doch nur noch von Dummen abgestritten. @Fred David Natürlich gehe ich zu weit. Die ganzen Journalisten waren alle zu faul zu recherchieren war die Botschaft von Ronnie Grob und traut dementsprechend Meldungen über rechte Gewalt nicht. Allen anderen Meldungen dürft ihr trauen. Das ist aber ein falscher Schluß. Die gut informierten Journalisten auch des Taggis halten solche Dinge in der Schweiz für möglich. Sie gehen davon aus, dass es passiert. Wenn dir das nicht als Antwort reicht, dann ist dir nicht zu helfen. Die meisten fragen sich nicht mehr ob das möglich ist. Seit Blocher und Zukunft CH halten alle, alles in der Schweiz für möglich. Natürlich vertreten die Rechten und Nazis nicht die Schweiz, aber sie bestimmen das Meinungsbild über die Schweiz. Genau wie über Deutschland. Wenn ein Ulfkotte mit Vlaamse Belang, Zukunft CH und Blocher rummacht, dann ist das auch logisch. Die Rechten in ganz Europa sammeln sich und wollen an die Macht. Wo sie es zuerst schaffen wissen wir nicht. Aber sie werden es schaffen wenn wir nicht aufpassen.

  • Fred David

    15.02.09 (17:07:00)

    2) Klaus Jarchow: Danke , für die Durchsage. Ich weiss, dass du recht hast , und es ärgert mich, dass du recht hast. Ich reise ja auch ziemlich häufig durch die Gegend und höre eine ganze Menge Ich habe es definitiv satt, mir von einer Minderheit diesen Stempel aufdrücken zu lassen. Schluss jetzt mit dem Quatsch! Es schadet dem Land und es gibt nachweisbare Beispiele. Alles was ich von den Schweizer Medien in diesem Zusammenhang erwarte ist, dass sie sich gefälligst ernsthaft mit diesem Thema befassen und nicht immer alles weichspülen, in der Angst sie könnten ein paar Leser vergraulen.

  • Denicola Decosta

    16.02.09 (09:39:26)

    Ich verstehe nicht ganz, warum sich die Antwortschreiber angesichts eines sehr gescheiten und nützlichen Kommentars gegenseitig zerfleischen müssen... Ich möchte hier einfach anmerken, dass ich einen hintergründigeren, die Mechanismen der Medien durchleuchtenderen Kommentar in keiner Online-Zeitung und auch in keiner Print-Zeitung gefunden habe. Die Anmerkung von Ronnie Grob, dass die Online-Medien selber das praktizieren, was sie den Bloggern vorwerfen, nämlich unreflektiertes Abschreiben ohne Prüfung der Quellen, ist zweifellos eine offensichtliche Tendenz, die einem sehr zu denken geben muss! Ein grosses Bravo für die sorgfältige und faktenorientierte Aufarbeitung der "verdrehten Horrornews" durch medienlese.com!

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