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21.08.14Leser-Kommentar

Uber: Ein weltweiter Transport- und Logistik-Gigant entsteht

Uber mag als Limousinen-Service bekannt geworden sein. Doch das von einigen geliebte und von anderen gehasste Unternehmen begnügt sich nicht mit diesem Nischen-Markt. Es lockt der riesige Transport- und Logistiksektor.

UberDer immer weiter eskalierende, Medien und Politik beschäftigende Streit zwischen Uber und der Individualbeförderungslobby hat zur Folge, dass das kontroverse kalifornische Unternehmen ausschließlich als Chauffeur-Dienst oder Limousinen-Startup wahrgenommen wird. Das ist zwar weitgehend berechtigt, denn der Transport von Fahrgästen ist das derzeitige Kernprodukt der Firma. Dennoch wird bei genauerem Hinsehen immer deutlicher, dass Uber sich auf mittlere Sicht in ein weitaus umfangreicheres Unterfangen entwickeln möchte: In einen weltumspannenden Logistik- und Transport-Konzern, der an so gut wie jedem bevölkerungsreichen Ort dieser Erde tausende Fahrzeuge auf der Straße hat, die auf Abruf Personen, Waren, Medikamente, Speisen, Tiere oder was auch immer von A nach B befördern. Dass Uber sich nicht nur auf den Personentransport beschränken möchte, zeigen zahlreiche Experimente des Unternehmens der letzten Zeit, bei denen in ausgewählten Märkten nicht nur Menschen sondern auch Güter transportiert wurden. Ganz aktuell läuft ein solcher Test in Washington. Dort können mittels Uber-App Artikel des täglichen Bedarfs bestellt werden. Die Lieferung erfolgt am selben Tag, abgesehen vom Warenpreis fallen keine weiteren Kosten an. Bezahlt wird wie gehabt direkt in der App.

Eine kritische Rolle für Ubers sich abzeichnende Expansion nimmt die am Mittwoch vorgestellte offene Entwicklerschnittstelle (API) ein. Diese erlaubt es beliebigen Webdiensten und mobilen Apps, sich direkt an Ubers Transport-Ökosystem anzuschließen. Die API nimmt Adressdaten von Drittanbieter-Apps entgegen, liefert Angaben zu Wartezeiten, gestattet den Zugriff auf die Nutzungshistorik eines Uber-Users und stellt Preisschätzungen bereit. Während dieses Feature für alle Entwickler verfügbar ist, erlaubt das Unternehmen auf Basis individueller Absprachen auch die Integration seines Herzstücks: die Funktion zum Rufen eines Fahrzeugs. Ubers App muss dann gar nicht mehr geöffnet werden.

Indem Uber sich in eine Plattform verwandelt, die zum Start von den mobilen Angeboten namhafter Firmen wie United Airlines, Hyatt, OpenTable, Starbucks und TripAdvisor genutzt und in naher Zukunft voraussichtich von vielen weiteren Apps implementiert wird, überlassen die Amerikaner die Reichweiten-Erhöhung zum Teil den API-Partnern. Uber selbst kann sich damit auf den Ausbau und die Erweiterung seines Fahrer-Netzes konzentrieren und Vorstöße in den Logistik-Bereich ausprobieren. Diese drängen sich regelrecht auf: Wenn täglich zehntausende Fahrzeuge für Uber auf der Straße sind, bedeutet dies enorme freie Kapazitäten, die sinnvoll genutzt werden können.

Dieses Synergiepotenzial erkennt nicht nur Uber: Der deutsche Taxivermittler MyTaxi testet seit einiger Zeit den Einsatz von Taxis als Kurierfahrer. Nur hat Uber mit seiner bald weltumspannenden Präsenz, seinen vielen hundert Millionen Dollar Venturekapital sowie der jetzt lancierten API deutlich bessere Karten, erfolgreich kombinierte Beförderungs- und Logistikservices im großen Rahmen zu etablieren. Ob das am Ende wirklich klappt, dafür gibt es freilich keine Garantie. Doch niemand wirkt derzeit geeigneter für dieses Geschäft als Uber. Nicht einmal Amazon oder Google - wobei sich der Suchriese über seinen Investmentarm mit einem dreistelligen Millionenbetrag an Uber beteiligt hat und dem Unternehmen moralisch und philosophisch nahesteht.

In einer Expertenumfrage von PewResearch zu den Auswirkungen von Robotern und künstlicher Intelligenz auf den zukünftigen Arbeitsmarkt fand ich folgende Zukunftsbeschreibung von William Schrader, dem Gründer und CEO von PSINet, einem der ersten kommerziellen Internetprovider:

"Why would we drive to the grocery store to pick up fresh food? We can already place the order on the Internet, the store picks what we want and (in 2025) the automatic self-driving truck would make the delivery to our doorstep (in some fashion)."

Beim Lesen war mein erster Gedanke seltsamerweise nicht "Amazon" sondern "Uber". Wahrscheinlich, weil Uber-Chef seine Fahrer vor einigen Wochen unverblümt darüber informierte, dass sie irgendwann von selbstfahrenden Autos ersetzt werden würden. Amazon-Chef Jeff Bezos steckt seine Hoffnung bekanntlich eher in Drohnen. Im Endeffekt ist zu erwarten, dass beide Ansätze die Logistik-Branche in ihren Grundfesten erschüttern werden. /mw

Logo Uber: Shutterstock

Kommentare

  • Benjamin Wolf

    20.09.15 (20:45:02)

    Ich gebe Uber wenig Chancen für den Logistikbereich.
    Diesen komplexen Sektor kann man nicht über eine App organisieren.

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