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19.09.14Leser-Kommentare

U2 und Grönemeyer contra Streaming: Altehrwürdigen Musikern steht ihre Nostalgie im Weg

Die Band U2 will zusammen mit Apple ein neues Musikformat entwickeln, das Hörer wieder zu Käufern macht. Auch Branchenkollege Herbert Grönemeyer stört sich am Streaming-Modell. Altehrwürdige Musiker glauben noch immer, die Uhren zurückdrehen zu können.

MusikDas Flatrate-Modell von Musikstreaming-Diensten, bei dem Nutzer einen niedrigen monatlichen Pauschalbetrag zahlen und dafür unbegrenzten Zugriff auf viele Millionen Musikstücke erhalten, ist manchen Musikern schon immer ein Dorn im Auge. Denn im direkten Vergleich mit den Einnahmen aus Musikverkäufen fallen die Streaming-Erlöse üblicherweise mickrig aus.

Besonders kritisch wird das All-You-Can-Eat-Konzept von ergrauenden Branchenikonen gesehen, die es aus der Vergangenheit gewohnt sind, allein mit dem Vertrieb eines neuen Albums Millionen zu erwirtschaften. Die irische Rockband U2 etwa will sich nicht damit abfinden, dass der digitale Musikkonsum vom Kauf- zum Mietmodell geht (nichts anderes sind Streaming-Flatrates). Zusammen mit Apple plant sie die Entwicklung eines neuen Musikformats, das Konsumenten wieder in Käufer von Singles und Alben verwandeln soll. Es gehe um ein “interaktives, audiovisuelles Musikformat mit Piracy-Schutz". Totz aller gescheiterten Versuche und offensichtlichen Nachteile für Hörer sieht die Band die Rettung der Musikindustrie also noch immer in DRM. Die 100 Millionen Dollar, die Bono und Kollegen gerade für ihre missglückte Alben-Verschenk-Aktion von Apple kassiert haben sollen, scheint an ihrer Haltung, dass Musiker wirtschaftlich besser gestellt werden müssen, nichts zu ändern. Grönemeyer ist Streaming zu billig

Auch Herbert Grönemeyer, welcher der gleichen Künstlergeneration wie U2 angehört, hält nichts von Streaming: “Streaming muss teurer sein, oder auf eine gewisse Anzahl von Stücken limitiert werden”, erklärte der 58-Jährige der dpa. Sein neues Album werde man nicht im Netz streamen können. Die Aktion von U2 kritisierte Grönemeyer - allerdings nicht aus den Gründen, welche iTunes-Nutzer in Rage versetzten. Er finde es gegenüber den “hart arbeitenden Kollegen” respektlos, dass eine solche Band, deren Mitglieder alle Millionäre sind, sich für so eine Aktion mit den größten Unternehmen der Welt gemeinmacht. Das klingt, als ärgert es ihn, dass Apple mit ihm nicht einen ähnlichen Deal vereinbart hat.

Trotz der unterschiedlichen Sichtweise auf den Apple-Coup vereint U2, Grönemeyer und zahlreiche andere Interpreten, die ihren Aufstieg vor der Zeit des Internets feierten, eine romantisierende Sicht auf die Musikindustrie und ihr eigenes Treiben. Schön illustriert wird dies durch Grönemeyers folgende Feststellung: “Wir reißen uns den Arsch auf, um ein neues Album zu machen und etwas Schönes zu schaffen”.

Die Aufmerksamkeitsökonomie schafft neue Spielregeln

Diese Perspektive stellt das eigene, selbstbestimmte Schaffen in den Mittelpunkt, nicht das Vorhandensein einer tatsächlichen Nachfrage. Es gilt die Annahme, dass nur weil jemand mit Aufwand und idealerweise - aber nicht immer garantiertem - Herzblut ein kreatives Produkt auf die Beine stellt, daraus automatisch ein Anrecht resultiert, dieses Produkt hunderttausendfach oder häufiger verkaufen zu können.

So mag das auch tatsächlich in den 80ern und 90ern funktioniert haben. Doch heute herrscht die Aufmerksamkeitsökonomie. In dieser ist das Angebot an mit einem Klick erreichbaren interaktiven Medieninhalten schier unbegrenzt, wodurch bei den Medienkonsumenten der subjektiv empfundene Wert für einzelne Inhalte dramatisch sinkt. Konkurrierte ein Album von Grönemeyer vor 25 Jahren nur mit dem Album von U2, Radio und zwei Fernsehsendern, muss es sich heute gegen YouTube, Apps, Millionen anderer Songs, Netflix, Videospiele etc. behaupten. Einfach zu sagen, “Hier ist mein Album, kauft!, funktioniert da schlicht nicht mehr. Daran werden auch neue Musikformate, restriktivere Kopierschutzmaßnahmen oder härtere Strafen für illegale Downloader nichts ändern.

Dass die altehrwürdige Musikerelite diese neue Situation als unerfreulich wahrnimmt und sich voller Sehnsucht und Nostalgie an die gute alte Zeit erinnert, in der ihr Renommee genügte, um quasi jede halbwegs akzeptable Platte zu einem Verkaufshit zu machen, ist durchaus nachvollziehbar. Ihre zum Scheitern verurteilten Versuche aber, die Uhren zurückzudrehen, lassen sie wie Ewiggestrige wirken, die sich weigern, mit der Zeit zu gehen.

Man muss Veränderung nicht immer mögen. Aber man sollte erkennen, wann es an der Zeit ist, diese zu akzeptieren. Das gilt übrigens auch für Apple, das beim Musikvertrieb bisher anders als sonst für das Unternehmen üblich keine echte Bereitschaft zur offiziellen Kannibalisierung der iTunes-Musikverkäufe gezeigt hat. Die gemeinsam mit U2 ausgeheckten Pläne bestätigen dies abermals. /mw

Foto: Shopping for music concept with CDs and shopping trolley, Shutterstock

Kommentare

  • Ole

    19.09.14 (07:33:53)

    Ich kann mir auch vorstellen, dass die ursächlichen Beweggründe der "Verweigerer" darin zu suchen sind, dass die Konsumenten sich bewußt für eine Musik, einen Künstler, eine CD entscheiden, weil sie das Angebotene eben um deren Inhalt willen kaufen. Es mag eine Auflehnung gegen die allgegenwärtige immer stärker zunehmende Geräuschkulisse sein, die permanent vorhanden ist und dadurch weiter in den Hintergrund wandert. Wer kann denn noch sagen, was er/sie da gerade hört? Es ist doch nur noch das Bruchstück einer Dauerberieselung. Die Namen der Interpreten? Unbekannt. Die gehen so schnell, wie sie gekommen sind. Einzig, ob es gefällt lässt sich gerade noch beantworten, wogleich auch dieses schon Sekunden später vergessen sein kann, weil Musik nicht mehr wahr-, sondern nur noch hingenommen wird. Mit Streaming berauben wir uns der Magie der Musik. Niemand möchte im Einheitsbrei der Gleichmachung versacken, gerade Künstler nicht. Ich kann deren Auflehnung durchaus verstehen.

  • musikus

    19.09.14 (10:28:42)

    "Man muss Veränderung nicht immer mögen. Aber man sollte erkennen, wann es an der Zeit ist, diese zu akzeptieren." Dann müssen die Konsumenten dann aber auch irgendwann akzeptieren, dass die Qualität der Musik sinken wird. Der Schrottanteil an Musik liegt mittlerweile bei 99%.

  • hans schwab

    19.09.14 (11:38:56)

    alles neu: musik ist im internet wie wasser dass grönemeyer sich »den arsch aufreißt, um ein neues album zu machen und etwas schönes zu schaffen« ist natürlich anerkennenswert. dass er allerdings im unterschied zu ganz vielen musikern und bands, die gleiches tun, in einem unsozialen abgeschotteten macht- und verteilungssystem mit wenigen anderen etablierten die dicke kohle kassiert, verliert er dabei aus dem blick. dass das eigentliche anliegen der künstler, ihre musik (-intention) möglichst vielen menschen nahe zu bringen, in der regel nur mit glück, protektion und erheblichen anpassungsleistungen möglich war hat zum glück tendenziell ein ende. das internet hat die welt und die distributionsmöglichkeiten revolutionär verändert. alte mauern und schranken sind obsolet, häufig aber immer noch in den krallen des alten systems. nicht zuletzt im interesse der künstler brauchen wir neue regeln, eine neue freiheit, ein neues urheberrecht und neue mechanismen, zeitgemäße nutzungsweisen in direkte oder auch indirekte einnahmen umzuwandeln. und das geht selbst dann, wenn die musik für uns alle umsonst ist. musik ist im internet wie wasser! das hat david bowie bereits 2002 in einem new york times-interview prognostiziert. diese veränderungen sollte langsam auch die »altehrwürdigen« erkennen, denn die musik-streaming-dienste sind das leitungssystem der zukunft. in diesem system reicht es nicht mehr, seine musik mit der gießkanne über das volk zu gießen, jetzt bestimmt der magnetismus und der musikhörer selbst, von wem er botschaften empfangen will. dieses system schafft breite und vielfalt und fördert die magie guter musik. mit den sog. neuen medien und mit den möglichkeiten des internet ist die rockmusik in eine neue dimension vorgestoßen. der independent-gedanke hat jetzt auch seine technische basis. die produktionsmittel sind in der hand des volkes. diese neuen besitzverhältnisse und verbreitungsmöglichkeiten werden zur triebfeder für neue entwicklungen, für neue bands und für neue musik. PS: übrigens ein sehr schöner artikel, den ich hier kommentieren darf.

  • hans schwab

    19.09.14 (11:41:18)

    keine ahnung, was musikus so hört. es gab noch noch zu keiner zeit so viele, so gute rockmusik wie heute!

  • edcrfvtgb

    19.09.14 (14:07:46)

    Ich finde das gut, so kann ich nicht mal versehentlich auf Grönemeyer stoßen :)

  • Torsten Williamson-Fuchs

    19.09.14 (14:27:08)

    Nie war der Zugang zu guter Musik so leicht wie heute. Wer sucht, der findet - und das leicht und schnell. Nun lassen sich Bowie, U2 und Grönemeyer nicht vergleichen. Gerade Bowie war Vorreiter beim innovativen Vertrieb, sein letzes Album landete zudem zu Recht in der Bestenliste des Preises der dt. Schallplattenkritik und Bono kann mit 100 Mio über die Äpfel zufrieden sein - bei den überdimensionierten U2-Konzerten bezahlen doch genug Alt-Revoluzzer, die der "Pride (In the name of love)"-Ära nachtrauern, (zu) viel Geld für Tix. Und vielleicht bietet xing dem Gröni einen Vertriebsdeal an...?

  • firedome

    19.09.14 (14:37:00)

    Sie haben vollkommen recht! Genau diese Entwicklung betrifft viele Kulturschaffende. Im Speziellen die Theater (-Leute / -Häuser). Das ist meines Erachtens der Grund, warum diese Einrichtungen mit Millionenbeträgen subventioniert werden (müssen) und es sich somit leisten können, am Publikum vorbei zu produzieren.

  • John

    19.09.14 (14:50:23)

    Inkompetent. Der ganze Artikel. Rundweg unsachliche Argumentation, teils mit polemischen Mitteln. Wenn ein Musiker sagt, dass er viel Arbeit in ein Album gesteckt hat, dann ist das, zumeist, schlicht wahr. Und nicht etwa "romantisierend". Es ist das selbstverständliche Recht eines Musikers (oder Autors oder auch Schreinermeisters), dass er selbst darüber bestimmt, wie er sein Produkt verkauft. Wenn er Streaming als geradezu gehässig unterbezahlt einschätzt (was nebenbei bemerkt: aus Musikersicht eben vollständig zutrifft), der hat selbstverständlich auch das Recht dazu, diesen Streamingportalen die eigene Musik zu verweigern. Es hängt eventuell auch davon ab, wovon der jeweilige Musiker lebt. Wenn er vor allem von Auftritten lebt, von Konzerten, oder ggf. als Werbeträger (etwas erbärmlich ist es ja doch, auch wenn es im Einzelfall auch mal mit 100 Mio bezahlt wird, angeblich), dann stört es etwas weniger, wenn die Streamingangebote zu Lasten seiner Albumverkäufe (etc.) gehen. Aber das muss und darf der jeweilige Musiker schon selbst entscheiden. Und pardon, wer offenkundig vom Thema nur sehr wenig versteht bzw., dieses bevorzugt aus einer "ich-will-es-nun-einmal-umsonst-oder-sehr-billig-haben"-Perspektive schreibt, der ist mit seinem respektlosen und problemignoranten Standpunkt eine umfangreichere Entgegnung schlicht nicht wert. Weil die Mühe nicht lohnt.

  • Torsten Williamson-Fuchs

    19.09.14 (14:53:21)

    Ich gebe zu, dass ich als Sammler (und Ü 40) auch haptisches Produkt bevorzuge. Eines muss man Bono lassen, er hat für Aufsehen gesorgt. Wenn die Platte gut ist, werde ich sie mir kaufen. Erste Resonanzen aus meinem sehr (sehr!) Musik affinen Freundeskreis (bzw. journalistischem Bekanntenkreis) sind eher geteilt.

  • Torsten Williamson-Fuchs

    19.09.14 (15:01:45)

    Sorry, John, aber ich finde Martins Ansichten weder inkompetent noch unsachlich. Niemand bestreitet, dass Musiker viel Arbeit in ein Album investieren. Selbst Müll wie Euro Dance, Monrose etc. wird meist von guten Leuten produziert, die es besser wissen und könnten (leider...).

  • hans schwab

    19.09.14 (15:08:46)

    … und warum dann doch dieser kommentar, wenn sich die mühe nicht lohnt? vielleicht um inkompetent über angebliche inkompetenz zu richten und sich selbst einzureden ahnungslosigkeit sei auch ahnung und respekt hätte etwas damit zu tun, dass man sich zum eigenen vorteil unsozialer systeme bedient?

  • Abacus

    19.09.14 (16:33:11)

    Ich denke nicht das Theater "am Publikum vorbei produzieren". Ich denke das sehr wohl für ein bestimmtes Publikum von Theater-Nerds inszeniert wird, nur ist dieses Publikum halt nicht der Massenmarkt.

  • Jooohn

    19.09.14 (16:55:18)

    "Altehrwürdigen Musikern steht ihre Nostalgie im Weg"... ...scheinbar nicht die Nostalgie der qualitativ hochwertigen Produktion von Musik. Würde diese in der heutigen Zeit nur ansatzweise das Niveau der 80igern und 90iger Jahre erreichen, dann würden sich vllt. auch ein paar Platten (ob digital oder analog) mehr verkaufen lassen. Ich wäre fasziniert, wenn das Projekt von Apple und U2 die Maßnahmen einleiten würde, sämtliche inkompetenten und tauben Produzenten/Execs der letzten 20 Jahre auf den Mond zu feuern! DIES wäre eine Maßnahme mit Chancen auf bessere Musik. Aber nein, stattdessen werden unmengen an Geld in ein neues unnötiges Format gesteckt, damit man den ganzen Ramsch an hyper-komprimierter Musik in einer unfassbar tollen neuen "Remastered"-Version nochmal kaufen darf. Ein Format, dass vllt noch mehr Lautheit zulässt, als der gute alte PCM Redbook Std. Viel Glück damit, liebe Industrie. Übrigens, ganz toll recherchierter Artikel über Formate, Streaming, Aufmerksamkeit, Distribution und Allgegenwärtigkeit von Musik in der damaligen und heutigen Zeit, OHNE auch nur ein Wort über den schon ewig andauernden "loudness war" und seine Auswirkungen zu schreiben... Journalismus, den niemand braucht und keinem hilft... Traurig

  • DJ Nameless

    19.09.14 (19:34:32)

    Martin Weigert schrieb: "Altehrwürdige Musiker glauben noch immer, die Uhren zurückdrehen zu können." Passend dazu ist, dass das bekannte "Menschenkinder"-Label vor wenigen Tagen abgsehen von ihrer neuesten Single sämtliche Releases aus Spotify entfernt hat. Torsten Willemson-Fuchs schrieb in Kommentar 7/1: "Selbst Müll wie Euro Dance, Monrose etc. wird meist von guten Leuten produziert, die es besser wissen und könnten (leider…)" Bitte werte solche Musik nicht pauschal als "Müll". Ich gehe an solche Musik mit Herzblut heran, indem ich u.a. Eurodance selber produziere und als DJ auflege, ganz ohne finanzielle Ambitionen. Ich finde es armselig, dass die Plattenindustrie und Musiker-Community diese Musik nie wirklich bewertet sah (im Gegensatz zu Rock, Punk oder R&B), so dass ich als Vollblutmusiker im Dance- und Plastikpop-Bereich nirgendwo wirklich ernstgenommen werde. Ich würde liebend gerne Eurodance-Songs in Profi-Studios schreiben und abmischen oder in einer Band spielen, die Musik à la Monrose oder Backstreet Boys macht, gerne auch rein als Hobby. Sämtliche Versuche, Gleichgesinnte zu finden, schlugen bislang fehl :-( DJ Nameless

  • Tobias

    19.09.14 (20:34:00)

    Das ist dann wohl die Musikergeneration, die in ihrer Entwicklung zurück geblieben ist. Ab einem gewissen Alter verläuft die eigene Entwicklung langsamer als die äußere. Entweder man akzeptiert das oder eben nicht. Gruß Tobias

  • Max

    20.09.14 (05:50:40)

    Die "Altehrwürdige Musiker" können einfach besser Rechnen und Recherchieren wie ihr. Der Gesamtstreamingumsatz 2013 in Deutschland waren gerade mal 68 Millionen € da würde ich auch eher direkt 100 Millionen von Apple nehmen. Kurzer Realitätsabgleich: 69% des Umsatzes 2013 aus dem Musikverkauf wurden mit CD-Alben gemacht. 4.7% mit Streaming! Selbst das downloaden von digitaler Musik ist 4x Größer als das Streaming. Streaming ist aktuell was den Umsatz angeht eine absolute Nische! Aber immerhin Streaming macht mittlerweile doppelt soviel Umsatz wie Vinyl - fühlt euch als Sieger. Quelle Ich bin gespannt ob Streaming es in den nächsten 5 Jahren schafft wirklich 25% des Umsatzes am Musikmarkt zu erwirtschaften.. sicher bin ich mir da nicht.

  • Robert Frunzke

    20.09.14 (06:32:50)

    Mit dem Stichwort "Aufmerksamkeitsökonomie" ist der Groschen gefallen: 1. Woher nimmt sich ein "Grönemeyer" das Recht heraus, mit jedem neuen Pfurz überdurchschnittliche Gewinne einzufahren? 2. Woher nimmt sich die GEMA das Recht heraus, jeweils aktuelle Einnahmen so umzuverteilen, dass die jeweils "altehrwürdigen" Teilnehmer überproportional entlohnt werden? Liebe "Altehrwürdigen": heult doch, aber macht Platz für die Neuen, die da kommen, auch wenn man sie nicht mögen muss, aber... es geht hier um keinen Thron. Es geht hier um Musik, schlichte, dämlich-stupide-immer-wieder-repetitive Musik. Die gleiche Musik, die Euch damals reich gemacht hat. Lasst los... PS: Und wenn Ihr Eure Einnahmen verprasst habt, dann seit Ihr selbst Schuld. Lasst los... PPS: Lasst los! ...

  • jaja

    20.09.14 (10:45:28)

    so ganz sind mir weder die polemik noch die allgemeine interpretation einsichtig. u2 scheinen streaming keineswegs generell abzulehnen (sie sind ja auf streaming-portalen vertreten, oder?), sondern einfach noch ein zusätzliches (premium-)format erschließen zu wollen, um zusätzlich geld zu machen. es geht m.e. um erweiterung, nicht destruktion.

  • barbershop-tenor

    20.09.14 (12:06:21)

    Kann Hans Schwab nur vollumfänglich zustimmen. Frag doch mal einer die Tuchindustrie im Rheinland (vor knapp 100 Jahren) wie die es fanden, dass vermehrt in Fernost produziert wurde. Oder die gelernten Schneider, denen die Handelsriesen den Garaus machten. Und - mit Verlaub, Herr Grönemeyer - Ihr kolportiertes 'Arschaufreißen' würden sich SEHR, SEHR viele Musiker wünschen, denn dann wäre deren 'Arschaufreißen' unglaublich viel lukrativer, als deren derzeitiges Schaffen es heute ist. Schlichte Verteilungskämpfe und Beharrungspotenziale sind das. Hier werden Pfründe verteidigt. An Bonos und Herrn Grönemeyers Stelle dächte ich wohl ebenso. Denn wer mag schon einen kaum versiegenden, üppigen Geldhahn so schnöde abgedreht bekommen? Man up and learn to live with it. Die Demokratisierung der Information hat (zumindest theoretisch) begonnen. Das ist inzwischen auch in der Tonträger und Filmindustrie angekommen. Man kann nur hoffen, dass diese Industrien lernen und die Stärken der neuen technischen Möglichkeiten nutzen und nicht versuchen, sich diesem machtvollen Strom in den Weg zu stellen!

  • barbershop-tenor

    20.09.14 (12:13:38)

    John: Es war schon immer eine Zier derjenigen, die es sich (vermeintlich) leisten konnten, die Kritiker und Innovatoren als inkompetent, ahnungslos oder als 'Utopisten' zu diffamieren. Ich kann Ihnen so viele Musiker nennen, die nicht mit 'goldenen Löffeln' ob ihres Schaffens beworfen werden, OBWOHL sie sich 'den Arsch aufreißen'. Und bevor sie jetzt sagen ich hätte keine Ahnung: Ich kenne sowohl die Arbeit bei Major Labels aus eigener Erfahrung, wie auch die Kleinkunstseite als Musiker. Also bitte keine verschnellen und unqualifizierten Präjudikationen!

  • Sven P.

    20.09.14 (14:26:48)

    Es geht weder um Nostalgie noch um das Zurückdrehenwollen der Zeit, es geht schlicht ums Geschäft. Produktion, Vermarktung etc. von Musik muss bezahlt werden und mit den paar Kröten, die das Streaming für die Künstler abwirft, wäre das für normale Bands und Labels einfach nicht zu machen. Der Autor macht es sich leider sehr einfach, indem er sich an Größen wie U2 und Grönemeyer abarbeitet, die dank einer riesigen Fanbase mit stadionfüllenden Touren auch mühelos ihre Konten füllen können (was ihnen gegönnt sei). Ein paar Stufen tiefer sieht die Welt ganz anders aus. Einige Bands haben im Netz ihre Erlöse von Spotify transparent gemacht. An dieser Stelle hätte die Recherche ansetzen müssen, anstatt mit dem Buzzword "Aufmerksamkeitsökonomie" die Keule der digitalen Welt zu schwingen, die längst nicht alles erklärt. Es gibt an der Musikbranche, ihrer seit 20 Jahren andauernden Ideenlosigkeit und ihrer Hilflosigkeit im Umgang mit veränderten Marktbedingungen wirklich genügend zu kritisieren. Aber die mangelnden Monetarisierungsmöglichkeiten durch Streaming gehören meiner Ansicht nach gerade nicht dazu.

  • Martin Weigert

    20.09.14 (14:39:08)

    Es gibt kein moralisches Anrecht darauf, mit produzierter Musik Geld zu verdienen und damit den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. DAS ist die Realität, die einige noch immer nicht verinnerlicht haben. Inklusive Bono und Gröni. Die Annahme, dass die Arbeit mit der Musik ihnen ein gutes Einkommen ermöglichen MUSS, ist der große Irrtum aller, die damit argumentieren, dass ja Streaming nicht die Rechnungen begleichen könne. Stimmt. Darum geht es aber auch gar nicht. Streaming ist nicht die Ursache des Wandels, sondern die Antwort der Industrie auf Piraterie und die verlustfreie Kopiermöglichkeit digitaler Musik. Und es ist keine schlechte Antwort, wenn man bedenkt, dass so viele Menschen wieder in regelmäßige finanzielle Unterstützer der Musikindustrie verwandelt werden. User, die zuvor nur illegal heruntergeladen haben. Es ist an der Zeit, dass sich Musiker Folgendes vor Augen führen: Wer Musik macht, macht dies in erster Linie aus Liebe an der Musik. Und wer kreativ ist, Geschäftsinn hat und die Mechanismen der heutigen Musikökonomie versteht, kann damit auch noch immer reich werden (man muss nur auf die ganze Jungspunde im Bereich der Dance-Musik gucken. Die meckern nicht sondern machen einfach - und scheffeln Millionen). Für den Rest ist und bleibt Musik ein Hobby. Wie es schon immer war. Nur heutzutage lässt sich gute Musik deutlich kostengünstiger aufnehmen und verbreiten als damals, als ein Labeldeal notwendig war. Aber einfach zu sagen: "Ich mach Musik, ich will davon leben können, und deshalb sollen die Leute gefälligst meine Musik kaufen" ist vollkommen unangemessenes Anspruchs- und Wunschdenken. Denn die Leute haben heute, wie im Artikel beschrieben, einfach so viele Optionen der Unterhaltung. Da erscheinen 20 Euro für ein Album - das dann tendenziell 2 Highlights und 9 Füller beinhaltet) - einfach nicht mehr wie eine angemessene Investition. Das ist die Realität. Grönemeyer und Bono haben genau dieses Anspruchsdenken. Weil sie mit Musik lange ein gutes Leben geführt haben und nun nicht verstehen, dass das plötzlich anders sein soll. Aber Zeiten ändern sich nunmal und wer nicht mit der Zeit geht, der verliert nach und nach, was er sich aufgebaut hat. So war das schon immer, in allen Bereichen des Lebens. Als Anhänger der Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens bin ich übrigens der Ansicht, dass sich damit auch die Probleme der künstlerischen Wertschöpfung und Monetarisierung lösen ließen: Denn dann wäre es weitaus eher für Künstler möglich, sich trotz nicht einem vollen Monatslohn entsprechenden Erlösen zumindest in Teilzeit oder gar in Vollzeit ihrer Leidenschaft zu widmen. Das nur so als konstruktiver Ausblick :)

  • Sven P.

    20.09.14 (14:59:31)

    Ich setzte Deine Argumentation einmal in einen anderen Kontext: Es gibt auch kein Anrecht darauf, mit dem Schreiben von Texten Geld zu verdienen und damit den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Annahme, dass die Arbeit mit Texten ein gutes Einkommen ermöglichen muss, ist einer großer Irrtum. Wer redaktionelle Beiträge schreibt, macht dies in erster Linie aus Liebe an der Schreiberei. Die Realität ist: Text werden im Internet seit Jahren kostenfrei konsumiert. Damit muss man sich eben abfinden... So einfach ist das?

  • Martin Weigert

    20.09.14 (15:07:26)

    Ja, das ist doch genau die Realität, mit der sich der Journalismus gerade konfrontiert sieht. Und private Blogger sowieso. Die wenigsten machen das, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Und im professionellen Bereich geben am laufenden Band Verlage Stellenstreichungen bekannt und viele Onlinemedien schaffen es nicht, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln. Und diese Phänomen ließe sich noch auf eine Reihe anderer kreativer Schaffensbereiche übertragen. Das hat das Internet so erst einmal "angerichtet". Nur: Es bringt halt nichts, das anzuprangern und darauf zu hoffen, dass alles wieder so wird wie es war. So sehr sich die direkt Betroffenen das wünschen würde (und es gibt im Journalismus auch Newcomer, die es schaffen, mit Kreativität und Einfallsreichtum funktionierende Geschäftsmodelle aufzubauen - während sich die Alten am Alten festklammern, jammern und so Schwachsinn wie das Leistungsschutzrecht aushecken.

  • Torsten Williamson-Fuchs

    20.09.14 (16:19:28)

    DJ Nameless, das war in der Tat etwas pauschalisiert von mir. Ich meinte damit Acts wie Aqua, E-Rotic und Captain Jack - das ist meiner Meinung nach Müll und ich stehe dazu. Backstreet Boys ist schon eine andere Liga, die konnten weltweit vermarktet werden. Allein deshalb verbietet sich aber eine Gleichsetzung mit Monrose. Dieser billige Casting-Act funktionierte nur kurz in GSA. Monrose hätte in UK und den USA nicht den Hauch einer Chance! Nicole Scherzinger ist ein anderes Kaliber als Bahar... Solange Dir das Produzieren von Eurodance Spaß macht, nur zu! Vielleicht gelingen Dir funktionale Dancetracks wie die von -hm- U 96 oder Snap.

  • Udo Welter

    20.09.14 (16:36:24)

    Wer sagt eigentlich das Bono das Album verschenkt? Apple hat es gekauft um über itunes zu verschenken. Wenn Bono das Album verschenkt hätte wäre es ja bei allen anderen Portalen auch frei zum download

  • skFFM

    20.09.14 (17:00:31)

    Genau, die Streamingdienstenutzer zahlen doch jetzt schon sensationelle 10€/Monat für alle mögliche Musik, anstatt sie sich wie bisher "for free" im Netz zu ziehen. Endlich sind es Bezahlkunden geworden, juhuu! Und die guten Alben kaufen die sich ja dann auch noch, nachdem sie erstmal alles in voller Länge gehört haben. Die guten Alben zumindest. Na gut, die sehr guten Alben. Okay, nur die sehr, sehr, sehr guten Alben. löl.

  • Petra Richter

    23.09.14 (10:52:00)

    Apropos massenmarkt. Wie setzt sich gute Musik denn im Internet durch? Wer erkennt denn noch was gute Musik ist? Es gibt viel, zuviel. Sich da überall durchzuhören strengt an. Undmal ganz ehrlich, wollt ihr demnächst nur noch schräge Livemusik hören? Ich möchte schon wissen, für welches Ticket ich mein Geld ausgebe. Und letztlich hat das auch was mit jahrzehntelanger Arbeit zu tun, auf dieser Arbeit machen nun Firmen, die sich mit dem erwirtschafteten Geld große Server kaufen konnten, Massengeld. Na super. Dann haben wir da ja jetzt genau das, was mit eBay, Amazon usw. Vorgelebt wird. Schöne neue Welt. Und man darf diese Diskussion sicher nicht an Grönemeyer, oder irgendeiner anderen Person festmachen. Das muss völlig neutral geführt werden. Bedenkt doch auch bitte die neuen live-Konzerte die es geben wird. Alles schön Mainstreamig, denn wozu noch eigenes schaffen, man muss doch bloß auf ein paar Köpfchen drücken, und schwups kommt der neue Song in kürzester Zeit heraus. Auch die Kultur wird sich dem Kapital unterwerfen. Nice.....

  • DJ Nameless

    23.09.14 (12:28:50)

    "Undmal ganz ehrlich, wollt ihr demnächst nur noch schräge Livemusik hören? Ich möchte schon wissen, für welches Ticket ich mein Geld ausgebe." Ich habe da genau das umgekehrte Problem: Ich ziehe die "Hobby-Underdogs" oft den kommerzieller/professioneller orientierten Bands vor, und habe auch schon zig Kilometer lange Anfahrten auf mich genommen und höhere Eintritte als bei bekannten Acts gezahlt, und dann auf einem Konzert zu sein, wo außer mir nur 10 andere Zuschauer da waren. Der Kulturmarkt verhält sich da übrigens genau umgekehrt gegenüber den meisten anderen Konsumer-Märkten: Dort sind i.d.R. die Massenwaren günstig (z.B. Armbanduhr vom Kaufhof für 20 €) und seltene Sachen teuer (z. B. Rolex). Bei Musik werden hingegen für Events, die die Massen interessieren und über Portale wie CTS-Eventim in großem Stil vermarktet werden, irrsinnige Preise gezahlt (Lady Gaga, Stones, Elton John...), während die Fans der Underdog-Sachen offensichtlich selbst dann ausbleiben, wenn es umsonst ist. Ein Trauerspiel ist das!

  • Petra Richter

    23.09.14 (13:43:14)

    stellst Du jetzt Produkte neben die Arbeit von kreativen Menschen? Das ist doch nicht Dein Ernst. Und wenn die von Dir aufgesuchten Konzerte wirklich so gut wären, dann hätten sie sich doch auch durchgesetzt. Nein, noch schlimmer ist es, das jeder versucht, auf einer Bühne zu stehen und auch zu bestehen, der im Hintergrund noch seiner normalen Arbeit nachgeht. Super für die, die sich damit ihre Brötchen verdienen müssen. Denk nochmal scharf nach!

  • DJ Nameless

    23.09.14 (15:37:26)

    Petra Richter schrieb: "Und wenn die von Dir aufgesuchten Konzerte wirklich so gut wären, dann hätten sie sich doch auch durchgesetzt." Es weiß doch keiner im Vorfeld, welche Band erfolgreich sein wird. Ich sage nur: Ich gehe auch gerne zu Bands, die NEU, also NOCH unbekannt sind. Die meisten Leute tun das aber nicht mehr, und das ist das Problem, da selbst kleine Läden über 100 Leute brauchen, um "voll" zu sein. Und wer als Musiker noch keinen Bekanntheitsgrad/Fanbase hat, kriegt auch bei günstigstem Eintritt diese 100 Leute nicht rein, weil die Leute einfach nicht mehr zu unbekannten Gruppen gehen. "Nein, noch schlimmer ist es, das jeder versucht, auf einer Bühne zu stehen und auch zu bestehen, der im Hintergrund noch seiner normalen Arbeit nachgeht. Super für die, die sich damit ihre Brötchen verdienen müssen. Denk nochmal scharf nach!" Heutige Superstars wie U2 oder Herbert Grönemeyer waren aber auch mal völlig unbekannt. Damals war´das Publikum aber auch noch nicht so "borniert" zu sagen, "zu einer unbekannten Band geh ich nicht; ich will wissen, was ich für mein Geld kriege!" Es gab noch Läden im Stile des berühmten "Star-Club", die einzig und allein dazu dienten, Newcomer-Bands als Sprungbrett zu dienen. Wo gibt es solche Locations heute noch wirklich? Damals ist man halt noch zu völlig unbekannten Bands gegangen, so dass auch ein "No-Name" einen 200-Leute-Saal vollkriegte, der heute nur noch 10 Leute ziehen würde, eben wegen der Einstellung "ich gehe nur noch dahin, was ich kenne". So kann sich praktisch keine Band mehr "von unten hocharbeiten". Es funktioniert selbst im Internet kaum noch: Ich arbeite z. B. beim Webradio www.musik-train.de, dessen Programm zu einem großen Teil aus (noch) unbekannten Künstlern besteht. Selbiges machen viele andere Webradios (z. B. bei Shoutcast oder Laut.fm) auch. Es hört aber fast keiner zu; auch hier scheint die Einstellung zu existieren: "Ich verschwende nicht die Zeit für etwas, wo ich noch nicht weiß, ob es mir gefallen wird." So können neue, (noch) unbekannte Künstler nicht erfolgreich werden. Also, springt über den Tellerrand, hört Sender wie Radio Musik-Train oder vergleichbare Newcomer-lastige Webradios, oder geht auf Konzerte von Bands, die noch keiner kennt. Dann geht es der Musikindustrie ganz von alleine besser.

  • Georg

    25.09.14 (06:52:00)

    Die Künstler, die sich immer wieder über die niedrigen Einnahmen aus dem Streaming beschweren, sind extrem kurzsichtig. Momentan gibt es dort einfach noch nicht so viele zahlende Nutzer. Aber es werden mehr und damit dürften auch die Einnahmen der Musiker steigen. Ich für meinen Teil gebe jetzt knapp 120 Euro mehr im Jahr für meinen Musikkonsum aus als vor Spotify. Und Grönemeyer und U2 müssten davon auch schon ein paar Cent abbekommen haben, die sie ohne mich nicht hätten.

  • Max

    25.09.14 (07:29:47)

    Das stimmt so einfach nicht. Obwohl es auch in Deutschland schon Millionen zahlender Streamngkunden gibt werden keine belastbaren Umsätze generiert. Siehe meinen Beitrag oben. Aktuell weniger als 5% vom Gesamtmarkt. Um es mal einzuordnen, das ist die Grössenordnung des LP-Umsatzes.

  • DJ Nameless

    25.09.14 (08:14:38)

    Wir nehmen einfach mal die offizielle Statistik: http://www.musikindustrie.de/fileadmin/piclib/statistik/branchendaten/jahreswirtschaftsbericht-2013/download/EinBlickZurueck_300.jpg Im Rekordjahr 1997 wurden gut 2,5 Mrd. Euro Umsatz gemacht. Bei 80 Mio. Bundesbürgern hat also jeder im Schnitt knapp über 30 Euro im Jahr für Musik ausgegeben. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten, in seiner Freizeit sein Geld auszugeben, da das Angebot an Events, Vergnügungsparks, Handy, Internet, Computerspiele, VHS-Kurse, Museen, Theater, Bücher, Urlaubsreisen etc. immer mehr zugenommen hat. Der durchschnittliche Arbeitnehmer verdient zwar immer mehr Geld und gibt auch tatsächlich immer mehr Geld für Freizeitgestaltung aus, aber dieses Einkommen ist eben nicht ansatzweise im selben Umfang wie das Angebot gestiegen. Und selbst wenn wir es hinkriegen würden, dass mit Streaming genau so viel Gesamtumsatz gemacht würde, wie mit CD's in den goldenen 90ern, würde es der Plattenindustrie nicht helfen. Denn selbst wenn wir wieder den doppelten Umsatz haben, nützt das für den einzelnen Musiker nichts, wenn im selben Zeitraum die Zahl der Neuveröffentlichungen verhundertfacht hat. Manche Leute glauben ja immer noch, man könne dieses Problem durch ein bedingungsloses Grundeinkommen lösen. Das scheitert jedoch daran, dass dann der Anreiz fehlt, Berufe auszuüben, die unangenehm und mitunter lebensgefährlich sind, aber gemacht werden müssen. Denn wer wird noch freiwillig Putzfrau, Fließbandarbeiter, Feuerwehrmann oder Bombenentschärfer, wenn er mit der Produktion einer Durschnitts-Punkrock-Platte ebenso über die Runden kommen kann?

  • Sven P.

    25.09.14 (10:29:45)

    "Und Grönemeyer und U2 müssten davon auch schon ein paar Cent abbekommen haben, die sie ohne mich nicht hätten." Du hast es ja bereits geschrieben: Die Künstler bekommen nur ein paar lousy pennies von den Streamingerlösen. Die von Dir im Jahr gezahlten 120 Euro verteilen sich auf tausende Künstler. Wer nicht einigermaßen bekannt ist, bekommt gar nichts. Aus diesem Grunde verzichten selbst bekanntere Acts lieber auf Spotify wie z.B. Radiohead, die ansonsten sehr experimentierfreudig sind was neue Erlösmodele angeht. Grönemeyer ist nicht kurzsichtig, im Gegenteil: Er sieht Probleme am Horizont für den Fall, dass sich Streaming weiter durchsetzt. Er sieht die Probleme vor allem für den Nachwuchs, denn seine Zielgruppe kauft (noch) anders und er selbst verdient über andere Kanäle sein Geld, z.B. über Konzerte. Wer berechtigte Kritik an Streamingdiensten damit abtut, dass sich einige Rockopas nicht von nostalgischen Geschäftsmodellen läsen könnte, muss sich umgekehrt vorwerfen lassen, dass er offenbar zu wenig Einblicke hat, wie Künstler heute ihr Geld verdienen (oder eben auch nicht mehr). Leider ist der Artikel äußerst unfundiert, denn nur so kommt er völlig ohne Zahlen aus.

  • Georg

    25.09.14 (11:42:48)

    Ich hab die Zahlen nicht. Aber ich denke, auch an den Einnahmen der CD-Verkäufe werden die Künstler nur zu bestimmten Prozentsätzen beteiligt. Streaming schneidet dabei vielleicht sogar besser ab. Und ich habe seit Jahren schon keine CDs mehr gekauft, gebe aber jetzt wieder Geld für anderes als Konzerte aus. Das heißt, von mir und ich denke auch von vielen anderen fließt durch Streaming wieder Geld an Künstler, das diese ansonsten nicht bekommen hätten. Das Problem beim Streaming ist lediglich, dass viele Dinge gratis sind, die vorher bezahlt werden sollten. Spotify und die anderen Streaming-Dienste könnten für mehr zahlende Kunden sorgen, indem neue Alben für ein paar Monate nur der zahlenden Kundschaft zugänglich wären. Dagegen hätten wahrscheinlich die meisten Künstler nichts und auch die Einnahmen pro abgespieltem Lied dürften für Neuerscheinungen auf diese Weise wesentlich höher ausfallen.

  • DJ Nameless

    25.09.14 (12:48:11)

    Sven P. schrieb: "Du hast es ja bereits geschrieben: Die Künstler bekommen nur ein paar lousy pennies von den Streamingerlösen. Die von Dir im Jahr gezahlten 120 Euro verteilen sich auf tausende Künstler. Wer nicht einigermaßen bekannt ist, bekommt gar nichts." Genau das ist es ja, was ich meine. Wenn ich mir alleine die Platten anschaue, die ich mir in letzter Zeit über Spotify besorgt habe, sind da so unterschiedliche Acts wie Don Ellis Orchestra, Helmi's Nightmare, Miami Rockers, Mazapan oder Schüler aus Stutensee-Blankenloch dabei. Die bekommen dann zwar auch alle was, ebenso Top-Leute wie eben Grönemeyer, wenn ich mir von denen eine neue Platte anhöre, aber unterm Strich bleibt einfach für keinen genug zum Überleben, weil einfach die Masseneinkommen nicht mit der Angebotssteigerung mithalten können.

  • Martin Weigert

    25.09.14 (13:20:57)

    Wie ich im Artikel deutlich zu machen versucht habe, ist der Fokus der Diskussion auf die Einnahmen aus Streaming der falsche Ansatz. Entscheidend ist das hier: http://www.washingtonpost.com/blogs/the-switch/wp/2013/10/07/think-piracy-is-killing-the-music-industry-this-chart-suggests-otherwise/ Die Gesamteinnahmen der Musikindustrie steigen. Die Bedeutung der Erlösquellen verändert sich aber. Musiker, die das erkennen und sich daran ausrichten, profitieren. Musiker, die noch immer damit beschäftigt sind, zu erläutern, warum Streaming nicht Verkäufe ersetzen kann, manövrieren sich selbst aufs Abstellgleis. Ich bin mir übrigens auch ziemlich sicher, dass (digitalaffine) Jungmusiker von Gröni keine Unterstützung brauchen, was Musikdistribution und Wertschöpfung angeht. Dazu ist er zu sehr von einer Ära geprägt, die nicht mehr existiert.

  • Sven P.

    25.09.14 (14:32:52)

    "Ich bin mir übrigens auch ziemlich sicher, dass (digitalaffine) Jungmusiker von Gröni keine Unterstützung brauchen, was Musikdistribution und Wertschöpfung angeht" Lieber Martin Weigert, es ist Dir wahrscheinlich völlig unbekannt, aber Grönemeyer ist nicht nur Künstler, sondern auch Chef seines eigenen Labels Grönland. Als solcher und aufgrund seiner jahrzentelangen Erfahrung ist er auch für "digitalaffine Jungmusiker" - wer oder was soll das eigentlich sein? - selbstverständlich eine sehr gute Adresse.

  • Martin Weigert

    25.09.14 (15:14:49)

    Lieber Sven P., seine unreflektierten, rückwärtsgewandten Aussagen lassen mich sehr daran zweifeln.

  • hans schwab

    25.09.14 (17:03:55)

    ich stimme martin weigert in vollem umfang zu! ... und stelle mit erstauenen fest, dass die diskussion an dieser stelle und zu diesem artikel erstaunlich qualifiziert vonstatten geht. wo findet man das sonst noch im netz?

  • Martin Weigert

    25.09.14 (23:36:00)

    Ja dafür ist allen Diskutanten zu danken.

  • Max

    26.09.14 (05:03:25)

    Der von Martin verlinkte Artikel mit den steigenden Einnahmen musste schon via Update korrigiert werden. Ich glaube nicht das die Altehrwürdigen Musikern die neuen Medien nicht verstehen. Der Apple-Deal ist genau das nutzen und Aufmerksamkeit erzeugen via neuen Medien. Kleiner Fakt am Rande: U2 hat mit der letzten Tour 700 Millionen Umsatz gemacht. Wenn ich euch richtig verstehe wollt ihr Streaming als Marketing-Maßnahme verstanden wissen, welches Verbreitung schafft und dann via Konzerten und Werbeartikel wirklich monetarisiert wird. Nur dann ist es eben ein Marketing-Tool unter vielen das benutzt werden kann. Ein weiterer Punkt ist, das viele neue Internet-Dinge die ersten 5 Jahre nicht überstehen. Deswegen muss man sich gut überlegen bei welchen Dingen man schon zeitig Zeit investiert. Bei den meisten Dinge ist der Nachteil, wenn man erst einsteigt wenn sich der Dienst schon durchgesetzt hat und Profitabel ist sehr gering. Zusammengefasst: Streaming ist für die etablierten Musiker weder aus Umsatzsicht noch aus Marketingsicht relevant. Wenn es das irgendwann wird, werden sie es auch nutzen, genau so wie sie es beim Download auch gemacht haben.

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