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16.06.08

Tyler Brûlé prophezeit: Entweder primitiv oder supersmart

Tyler Brûlé (Monocle) vermutet in zwanzig Jahren nur noch zwei Arten von Publikationen: Primitiver Boulevardtrash mit gigantischer Auflage und elitä­re Presse mit klugen Analysen und Meinungen.

Tyler Brule (Bild Keystone/Walter Bieri)Tyler Brûlé kann auch nichts für seinen "parfümiert und künstlich" klingenden Namen: "Ja ja, und dann bin ich noch homosexuell. Ich hab mir den Namen nicht ausgesucht" sagt er auf die entsprechende Nachfrage von Magazin-Chefredaktor Finn Canonica.

Im zweiten Teil des Interviews macht er dann bemerkenswerte Aussagen über die Zukunft der Printmedien:

Seit Jahren wird von Medienexperten das Ende des Printjournalismus prophezeit. Es heisst, wir würden künftig nur noch Medien über Internet konsumieren. Das ist nur die Hälfte der Wahrheit. In zwanzig Jahren wird es noch zwei Arten von Publikationen geben: Boulevardtrash mit gigantischer Auflage und elitä­re Tageszeitungen und Magazine mit klugen Analysen und Meinungen. Alles, was publizistisch dazwischen ist, bricht weg. Überleben werden die primitiven oder supersmarten Printprodukte.

Das ist nicht abwegig: Die ersten Entwicklungen, wie für lange Zeit als seriös geltende Marken ihren Ruf zerstören, in dem sie Internetportale setzen, die alles dafür tun, um zu ihren Klicks zu kommen und auf Gratiszeitungen, die sich als komplett beliebig erweisen, sind schon länger zu beobachten.

Es bedeutet aber noch mehr: Falls wirklich alles, was dazwischen liegt, wegbricht, dann bricht sehr viel weg. Es wäre dies der Tod aller Regionalzeitungen, vom Eberswalder Blitz bis zum Boten der Urschweiz. Doch vielleicht ist das gar nicht so schlimm, wenn nicht jeder Regionalredaktor seine Leser mit seiner Sicht der weltpolitischen Lage beglückt. Dafür gibt es ja Blogs...

Doch Brûlé möchte Meinungen lesen, gerade auf Papier:

Ich möchte Meinungen lesen, eindeutig. Eine starke Meinung zwingt mich zum Nachdenken, auch wenn ich sie nicht teile. Und längerfristig ist es doch dieses Gefühl, das einen an eine Zeitung bindet. Man möchte als Leser intellektuell gefordert werden, reine News liefert das Internet besser und schneller. Und dann müssen Magazine und Zeitungen unterhalten, das kann man meiner Meinung nach auf zwei Arten tun: Entweder man ist wirklich lustig oder man verführt den Leser, zeigt ihm Gedankenwelten oder durchaus auch materielle Welten, die er noch nicht kennt.

Zum Schluss outet er sich auch noch als Jolly Journalist und meint, Journalisten sollten allgemein besserer Laune sein:

Der Job ist doch gut, oder nicht?

Mehr zu Tyler Brûlé und Monocle auf medienlese.com:

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