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09.06.10

Twitters neuer Link-Verkürzer t.co: Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung

Twitter wird demnächst sämtliche über den Dienst verschickten Links mit der hauseigenen Kurz-URL t.co verpacken: Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung, nicht nur für bit.ly & Co.

Dienste, die über Twitter verschickte Links aggregieren und nach unterschiedlichen, teilweise personalisierten Kriterien darstellen, gibt es einige. TweetMeme beispielsweise, Mister Wong oder Rivva Social. Auch die Social-News-Plattform Digg möchte sich in diese Richtung entwickeln.

Womöglich werden all diese Services bald direkte Konkurrenz von Twitter bekommen.

Der Microbloggingdienst hat in einem Blogbeitrag angekündigt, ab Sommer sämtliche in Tweets versendeten Links mit der neuen, hauseigenen Kurz-URL t.co zu verpacken. Der Einsatz externer Services zum Verkürzen von Internetadressen wie bit.ly oder is.gd ist dann nicht mehr notwendig.

Auf den ersten Blick klingt diese Neuerung nach dem Ende für besagte Anbieter von verkürzten URLs, einem "Sektor", der durch den Aufstieg von Twitter einen recht übertriebenen Boom erlebte . Und wahrscheinlich wird der Launch von t.co tatsächlich den ein oder anderen URL-Shortener ins virtuelle Grab treiben, auch wenn das Kürzen von URLs mittlerweile selbst auf anderen Plattformen und Sites üblich geworden ist.

Auf den zweiten Blick ist die Nachricht auch aus Sicherheitsaspekten relevant, denn Twitter will mit Hilfe von t.co erreichen, dass Anwender genau sehen, welche Ziel-Adresse sich hinter einer Kurz-URL verbirgt. Derartige URLs sind berühmt-berüchtigt dafür, Usern nicht zu verraten, auf welche Site sie weiterleiten - eine Eigenschaft, die gerne von Spammern und Phishern ausgenutzt wird.

Wohin führt wohl diese Kurz-URL?

Doch die Implikationen des anstehenden Launchs von t.co haben auch noch eine dritte Dimension, und diese bringt uns zurück an den Anfang des Artikels: Twitter möchte die versendeten Links hinsichtlich Inhalt und Relevanz analysieren.

Der Microbloggingservice wird also zu jedem getwitterten Link Metadaten sammeln, die dem Unternehmen aus San Francisco mehr über populäre Themen, brandheiße Nachrichten und sicherlich auch über die Präferenzen der Nutzer verraten. Die so gewonnenen Daten sollen sowohl zur Verfeinerung des Werbeprogramms "Promoted Tweets" als auch für zukünftige Statistiktools eingesetzt werden, unter anderem im Zusammenhang mit den in Planung befindlichen Premium-Konten für Firmen.

Twitter wird über das Routing sämtlicher Links durch den t.co-"Filter" erstmalig ein vollständiges Echtzeit-Bild darüber erhalten, welche Links bei den Anwendern aktuell am populärsten sind, und die so gewonnenen Erkenntnisse auf verschiedene Weise als Basis für zusätzliche Services verwenden. Zumindest theoretisch könnte Twitter dann einen Echtzeit-Nachrichten- und Linkaggregator betreiben, der im Gegensatz zu Drittanbietern über keinerlei API-Begrenzungen verfügt und den externen Apps somit überlegen wäre.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Twitter den bisher in friedlicher Partnerschaft koexistierenden Twitter-Apps mit einem eigenen Angebot Konkurrenz machen würde - eine Strategie, die durchaus auch Risiken beinhaltet.

In jedem Fall könnte der Start von t.co als Twitters offizieller Link-Verkürzer nicht nur für mehr Sicherheit bei der Benutzung des mittlerweile zwei Milliarden Tweets pro Monat schweren Microbloggingdienstes führen, sondern die Grundlage für eine Reihe spannender Statistik-, Echtzeit- und Nachrichtentools darstellen, die das mehr als 200 Mitarbeiter zählende Startup auch bei der Monetarisierung vorantreiben würde.

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