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30.07.10

Twitters neue User Streams API: Anschnallen für den Echtzeitstream

Bisher tauchten neue Twitter-Nachrichten mit Verzögerung im Feed der Followers auf. Eine neue API ändert dies. Schnallt euch an für einen Echtzeitstream, der seinen Namen wirklich verdient.

 

Wenn wir heute vom Echtzeitweb sprechen, denken die meisten von uns wahrscheinlich an Twitter. Das ist zwar berechtigt, denn kaum ein anderer Webservice versteht es besser, Ereignisse, Nachrichten und Gedanken seiner User innerhalb weniger Sekunden von der Quelle ins Netz zu befördern und Millionen von Menschen zugänglich zu machen.

Doch trotzdem müsste man Twitter eigentlich vorwerfen, die Echtzeitkomponente durch die sich selbst auferlegten Begrenzungen seiner Schnittstellen an ihrer Entfaltung zu hindern. Denn wie Twitter-Nutzer wissen, erscheinen neue Tweets nicht unmittelbar im Stream der Follower, sondern werden in Intervallen von einigen Sekunden oder manchmal auch Minuten in "Paketen" aktualisiert.

Die Ursache dafür liegt in der technischen Struktur des Dienstes. Sämtliche Streams der Nutzer, denen man folgt, werden in regelmäßigen Abständen nach neuen Mitteilungen durchsucht - auch wenn viele der Anwender in dem Moment gar keine Nachricht veröffentlicht haben. Dieser Prozess ist nicht nur ineffizient, sondern beansprucht auch sehr viel Serverleistung, weshalb Twitter die maximale Anzahl von derartigen Abrufen pro Stunde begrenzt.

Den Wunsch eines Twitter-Streams, der mir einzelne Tweets genau in der Sekunde anzeigt, in der sie vom jeweiligen User abgeschickt wurden, habe ich jedoch nie aufgegeben. Und Twitters neue User Streams API, die gerade ausgewählten Entwicklern von Twitter-Clients zum Testen zugänglich gemacht wurde, ermöglicht genau dies.

Mit der neuen Schnittstelle, die angeblich erst bis zum Jahresende allen Entwicklern von Twitter-Apps (und damit allen Usern) zur Verfügung stehen wird, besteht für Clients keine Notwendigkeit mehr, in regelmäßigen Abständen sämtliche Streams der gefolgten Twitter-Benutzer anzuzapfen. Stattdessen werden Tweets quasi im Push-Verfahren vom Absender an alle Follower geschickt - ein Verfahren, das man bereits von Instant Messengern kennt, dessen Adaption jedoch angesichts der komplexen Vernetzung in der Twittersphäre eine große Herausforderung war.

Nutzer von FriendFeed sind mit dieser Verfahrensweise allerdings schon bekannt, und auch Facebook bot einige Zeit lang einen waschechten "Live-Feed" an.

Twitter scheint nun auch eine Lösung für diese Herausforderung gefunden zu haben und testet die neue API mit einer begrenzten Zahl von Nutzern der Desktop-Applikationen von Echofon (für Mac) sowie TweetDeck. Ich habe leider bisher keinen Zugriff, aber das folgende Video illustriert sehr gut, wie sich der persönliche Twitter-Stream verändert:

Neben der Fähigkeit, Tweets tatsächlich in Echtzeit darzustellen, beinhaltet die Beta-Version der neuen API auch die Funktion, anzuzeigen, wenn andere Nutzer einen Tweet als Favorit markiert haben. The Next Web sieht darin bereits den Aufstieg des bisher relativ wenig beachteten "Favorisieren"-Features zu einer Twitters-Variante des Facebook-Like-Buttons.

Ersten Nutzerkommentaren nach zu urteilen scheint jedoch diese zusätzliche Information im Stream, kombiniert mit dessen nun deutlich höherer Geschwindigkeit, den Twitter-Feed überladen zu können - abhängig sicherlich von der Anzahl von Anwendern, denen man folgt. Insofern kann man nicht ausschließen, dass der Microblogging-Service hier weitere Änderungen vornimmt, bevor die neue API allen Clients und Apps zugänglich gemacht wird.

Mein persönliches Highlight der Neuerung ist in jedem Fall der nun noch dynamischere Stream von Twitter, der dem Echtzeit-Label damit endlich zu 100 Prozent gerecht wird.

(Foto: stock.xchng)

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