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12.11.09

Twitter: Warum die Wachstumspause nicht unerwartet kommt

Schon seit Monaten scheint Twitter nicht mehr zu wachsen. Der Anfang vom Ende des Microblogging-Dienstes ist dies jedoch nicht. Dass es so kommen würde, war absehbar.

TwitterTwitters Wachstum scheint vorerst gestoppt. Schon seit einigen Monaten deutete sich an, dass die Zahl der Unique Visitors auf twitter.com nicht mehr nennenswert zulegt, und aktuellen Zahlen von Compete und Quantcast festigen dies: Auch im September diesen Jahres besuchten zwischen 20 Millionen (Compete) und 27 Millionen (Quantcast) einzelne User die Website des Microbloggingdienstes in den USA - ein Niveau, das bereits im Juni diesen Jahres erreicht wurde und sich seitdem nicht nennenswert verändert hat.

Zwar sind die Zahlen derartiger Anbieter zur Messung von Besucherströmen aufgrund bedingt aussagekräftiger Quellen (anders als z.B. ComScore) grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, aber die Tendenz ist eindeutig. Google Trends for Websites zeichnet ein ähnliches Bild. Bedenken muss man dabei allerdings, dass Twitter häufig über externe Applikationen eingesetzt wird, die nicht in den angegebenen Statistiken berücksichtigt werden.

Google Trends

Da aber dennoch von einer Korrelation zwischen Twitter-Nutzung und Besuch der Website ausgegangen werden kann, lässt sich in jedem Fall feststellen, dass Twitter in den letzten Monaten eine Wachstumspause eingelegt hat. Und meiner Ansicht nach ist das weder der Anfang vom Ende von Twitter, noch kommt es überraschend.

Twitter hat eine extrem hohe Einstiegshürde. Nur wenige User sind von Tag 1 ihrer Registrierung an aktive Nutzer. Sowohl meine persönliche Erfahrung als auch die vieler Bekannter ist, dass es häufig mehrerer Anläufe bedarf, bis es Twitter in den Kreis der eigenen, regelmäßig verwendeten Web-Apps schafft. Zumeist geschieht dies, nachdem man eine signifikante Anzahl an Followers erreicht hat - was wiederum ohne das gelegentliche Veröffentlichen von Tweets kaum möglich ist.

Die logische Konsequenz dieser für die meisten anderen Dienste eher untypischen Eigenschaft: Viele der Neu-Nutzer, die den Microblogging-Service im Rahmen des ausgedehnten (medialen) Twitter-Hypes der ersten Jahreshälfte ausprobiert und sich registriert haben, dürften bisher nicht zu aktiven Anwendern geworden sein. Ich kenne genug Menschen in meinem Bekanntenkreis, die mittlerweile ein Konto bei Twitter besitzen, es aber weder mit Tweets befüllen, noch regelmäßig Tweets anderer lesen.

Schritt für Schritt werden einige dieser Neumitglieder in den nächsten Monaten neue Versuche mit Twitter starten und irgendwann erkennen, dass ihnen der Service tatsächlich Mehrwert bietet. Ich bin überzeugt davon, dass sich dies in Kürze in den Nutzerstatistiken niederschlagen wird.

Es gibt keinen Grund, anzunehmen, Twitters Expansion sei bereits beendet. Bedenkt man, dass so gut wie niemand, der einmal vom Nutzen Twitters überzeugt wurde, den Dienst wieder verlässt, ist das sehr unwahrscheinlich. Doch die hohe Einstiegsbarriere verhindert ein Wachstumstempo wie bei Facebook, das selbst für Neulinge relativ schnell zu begreifen ist. Damit wird sich Twitter abfinden müssen.

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