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19.06.12 09:44

, von Martin Weigert

Twitter: Von einer simplen Plattform zur Destination für Multimediainhalte

Immer mehr Partnerseiten können zusätzliche multimediale Inhalte im Kontext von Tweets darstellen. Ganz eindeutig ist bisher nicht, wohin diese Reise für Twitter geht.

Ein Tweet hat 140 Zeichen, richtig? Fast. Während die herkömmliche Kurznachrichten mit maximal 140 Zeichen bestücken werden kann, erlaubt der Mircrobloggingdienst aus San Francisco einer wachsenden Zahl von Partnerseiten, weitere (multimediale) Inhalte im Kontext eines Tweets darzustellen. Bereits Ende 2010 wurde dieses Feature für in Tweets verlinkte Inhalte bei Instagram, Blip.tv, Rdio, SlideShare und DipDive aktiviert und sukzessive auch für andere Dienste freigeschaltet. In der vergangenen Woche gab das kalifornische Unternehmen, das kürzlich mit einem etwas seltsamen Rebranding auf sich aufmerksam machte, die Partizipation weiterer Partner bekannt, darunter eine Reihe von Online-Nachrichtenangeboten, von der New York Times über The San Francisco Chronicle bis zu Spiegel Online. Empfiehlt ein Nutzer einen Artikel von diesen Sites, erscheint unterhalb des Tweets die Überschrift, ein Textanriss sowie ein Foto aus dem Beitrag. Auch in einer Twitter-Nachricht verlinkte Inhalte des Berliner Audioportals SoundCloud sind nun direkt in einen Tweet eingebettet.Die Voraussetzung, um den eingebetteten Content betrachten zu können, ist ein Besuch über twitter.com oder Twitters mobile Website. Das Unternehmen kündigte an, dass die erweiterte Darstellung von externen Inhalten in Tweets demnächst auch über Twitters offizielle iPhone- und Android-Apps möglich sein wird.

Dieser Vorstoß von Twitter wirft zwei entscheidende Fragen auf:

1. Wie weit wird Twitter bei der Einbettung von Inhalten gehen? Die IT-Koryphäe Dave Winer vermutet, dass das Unternehmen eines Tages von seinen Partnern fordern wird, vollständige Inhalte in Tweets darzustellen zu dürfen - was vor allem Nachrichtenangebote betreffen würde, die dann Texte in kompletter Länger für die Integration innerhalb von Twitter freigeben müssten. Winer glaubt, dass zumindest einige Medienanbieter diesen Schritt in der Hoffnung größerer Reichweite wagen würden, wodurch deren Konkurrenten unter Druck geräten. Seiner Ansicht nach ist wahrscheinlich, dass Twitter die eingebetteten Inhalte auch vermarkten und die Werbeeinnahmen mit den Partnern teilen wird.

2. Was bedeutet dies für 3rd-Party-Clients wie HootSuite oder TweetBot, die nicht die selben Möglichkeiten zur Integration von externen Inhalten besitzen wie Twitter (speziell bei verlinkten Texten)? Es besteht Grund zu der Annahme, dass die zunehmende Erweiterung von Tweets um Rich-Media-Elemente eine Fokussierung von Twitter auf seine eigenen Angebote mit sich bringt, wodurch externe Apps weiter an den Rand gedrängt werden. Auch der im November eingeführte Aktivitätenstream, der ebenfalls nicht für Drittanbieter zur Verfügung steht, sowie die Übernahme des populärsten 3rd-Party-Clients TweetDeck deuten auf eine derartige Entwicklung hin. Das verschafft Twitter mehr Kontrolle über die User Experience und erlaubt eine direktere Positionierung gegen Facebook und Google+, ist jedoch für sogenannte "Power User", die den Zwitscherdienst groß gemacht haben, ein Grund zur Sorge.

Auch könnte die Bevorzugung einzelner Medienpartner mit zunehmender Signifikanz der integrierten Inhalte für Unmut bei Anbietern sorgen, die aus welchen Gründen auch immer nicht mit Twitter zusammenarbeiten möchten und deren Content dementsprechend nicht sofort für alle Twitter-Anwender sichtbar ist. Noch ist das kalifornische Unternehmen weit von einer marktbeherrschenden Stellung entfernt. Doch sollte es diese eines Tages erreichen, könnte die Ungleichbehandlung von einzelnen Medienangeboten noch zu Problemen führen.

So richtig überzeugt bin ich vom Einbetten von multimedialen Inhalten direkt innerhalb von Tweets derzeit noch nicht - was aber auch damit zu tun haben kann, dass die Desktop-Variante von TweetDeck diese Fähigkeit bisher vermissen lässt. Meine Twitter-Nutzung ausschließlich über twitter.com abzuwickeln, kann ich mir absolut nicht vorstellen. Es ist schwierig, die künftige Ausrichtung von Twitter vorherzusagen. Klar ist: Die bisherige Positionierung als hochgradig simpler Dienst für Kurznachrichten mit einer Vielzahl verschiedener Clients zur Einspeisung dieser reicht dem Unternehmen nicht aus, um in der selben Liga wie der Konkurrent Facebook mitzuspielen, seine Umsatzziele zu erreichen und seine Bewertung irgendwo in der Nähe von zehn Milliarden Dollar zu rechtfertigen. Twitters eigene Präsenz wird deshalb funktionell immer weiter aufgeblasen und in den Vordergrund gerrückt. Warten wir ab, ob der Balanceakt zwischen simpler Plattform und multimedialer Echtzeit-Informationsdestination gelingt.

© 2015 förderland
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