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07.02.09Leser-Kommentare

Twitter-TV: Wenn das Fernsehen zwitschert

Nach den Zeitungen und Online-Diensten entdecken nun auch immer mehr Fernsehsender den Kurznachrichtendienst Twitter. Was dabei rauskommt?

Unter den klassischen Medien ist Springers Tageszeitung Welt Kompakt mit aktuell 2603 Followern nach wie vor unangefochtener Twitter-Spitzenreiter. So belanglos manche der sogenannten Tweets sein mögen – die Redakteure haben verstanden, dass Twitter mehr ist als eine Möglichkeit, Pressemeldungen oder aktuelle Nachrichten abzusetzen. Es gilt, Kontakte zu knüpfen, seinen Followern zuzuhören, Trends zu erkennen, Themen zu finden.

Doch wie sieht es mit den deutschen TV-Stationen aus, die zunehmend ihren Weg in die Welt des Microbloggings finden?Diese Sender machen es schon ganz gut

  • Beinahe vorbildlich ist ProSieben ins Gezwitscher gestartet. Gerade mal vier Tage dabei, hat der Sender schon 274 Follower gesammelt, mit denen er in dauerhaftem Kontakt steht. Zwar scheint die Werbung für ProSieben-Sendungen im Vordergrund zu stehen, der Wille, das Medium Twitter zu verstehen und entsprechend zu nutzen, ist aber da.
  • [box align="right"]Und wie liest man Tausende Nachrichten?

    Twitter schön und gut – aber wie liest man als Fernsehredakteur, was Hunderte oder gar Tausende Follower alles schreiben? Ganz einfach, schreibt Paul Bradshaw auf Poynter Online: Gar nicht. Stattdessen klinkt man sich in den Strom der vielen kurzen Nachrichten ein, wann immer man gerade Zeit hat – und bekommt dann schon mit, worüber so getwittert wird. Je mehr Follower man hat, desto besser funktioniert diese Methode. ore[/box]

  • Schon länger dabei ist N24. Klare Dialogversuche sind zu erkennen, doch scheinbar nur, wenn der Sender-Twitterer angesprochen wird. Immerhin sieht es so aus, als würde hier jemand tatsächlich lesen, was die derzeit 442 Follower so zu sagen haben.
  • Die ZDF-Sendung "Wiso" ist seit rund drei Wochen bei Twitter dabei und eindeutig bemüht, das Potential von Twitter auszuschöpfen: Es gibt Tweets in eigener Sache, aber auch Links zu anderen Seiten und Dialog mit den Followern.

Bei diesen Sendern läuft es noch nicht optimal

  • Kabel eins scheint sich zumindest schon mal den eigenen Namen reserviert zu haben, wenn auch seit dem Einstand vor einigen Tagen nichts mehr passiert ist.
  • Der Bayerische Runfunk twittert über Sport und Wissen. Mehr als ein automatischer Feed ist es leider nicht, keinerlei Kommunikation erkennbar.
  • Das ZDF verbreitet per Twitter auch Sportnachrichten, kommuniziert aber nicht mit seinen Followern.
  • Sowohl Arte als auch 3sat verbreiten per Twitter bloß ihr aktuelles Programm. Im Gegensatz zu Arte followt 3sat keiner Menschenseele.
  • Irgendjemand beim Hamburger Kanal Hamburg 1 hatte im November offenbar mal für eine gute halbe Stunde Langeweile. Nach vier Tweets kam nie wieder was.

     

Und dann wären da noch einige Twitter-Accounts mit den Namen großer deutscher TV-Stationen, bei denen sich noch gar nichts tut. Gut möglich, dass die Sender sich diese reserviert haben: Sat.1, WDR, SWR, SuperRTL.

Wie Twitter nicht funktioniert

Natürlich muss jedes Medium selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang Twitter sinnvoll ist. Dass ein Online-Dienst wie dwdl.de bei Twitter aktiver ist als zum Beispiel der Sender Arte, ist eine naturgegebene Sache. Dennoch sagt die Entscheidung, sich in den Microblogging-Kosmos zu begeben, schon einiges aus. Wer also den Schritt wagt, der sollte das Potential des Zwitscherns erkannt haben, offen sein und vor allem bereit, sich auf Dialoge einzulassen. Dabei muss man sich ja nicht gleich in die Karten gucken lassen wie Twitter-König @weltkompakt.

Wie man es auf keinen Fall machen sollte, zeigt eindrucksvoll die Bild-Zeitung. Da scheint irgendwann mal ein Redakteur den automatischen Feed eingerichtet zu haben, so dass seither alle Meldungen - von Steuersenkungen über Heidi Klums Figur bis hin zu grausamen Mordfällen - automatisch zu Twitter übertragen werden. Seit dem Start am 1. Oktober 2008 sind über 30.000 Updates zusammengekommen, der Follower wird vollkommen überfordert. „ich muss @bild_aktuelles wieder verlassen. so viele katastrophen und skandale ertrage ich nicht“, schreibt @macava am 4. Februar. Kein Wunder, dass die aktuelle Followerzahl gerade mal bei 374 liegt. Zudem gab es nicht einmal eine Begrüßung, und es findet auch sonst kein Dialog statt, der Twitter-Account hat keine persönliche Note, sondern aktualisiert seine Tweets im Minutentakt, gefühlte hundert Mal pro Tag. In den anderen Twitter-Accounts der Bild-Zeitung, zum Beispiel @bild_sport oder @bild_newsticker sieht es nur unwesentlich anders aus.

Lest mehr zu twitternden Medien auf medienlese.com. Eine ausführliche Übersicht findet ihr außerdem hier oder hier.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • euphoriefetzen

    07.02.09 (11:52:26)

    auch neon zeigt auch wie man nicht twittern sollte. wobei ich gedacht hätte dass in deren redaktion jemand arbeit der twitter verstanden hätte. http://twitter.com/neon_magazin

  • Ulrike Langer

    07.02.09 (18:47:08)

    Die Links zu ”lest mehr zu twitternden Medien" sind ja nicht gerade besonders aktuell. Deshalb hier mal zwei Ergänzungen. Über das Thema ”TV-Sender entdecken Twitter" habe ich am 4. Februar gebloggt: http://medialdigital.wordpress.com/2009/02/04/tv-sender-entdecken-jetzt-auch-twitter/ Auf meinem Blog gibt es außerdem weitere aktuelle Beiträge zu den Twitter-Konzepten von Verlagen. Eine kollektiv geführte Liste, die von mehreren Journalisten und Bloggern auf dem jeweils neuesten Stand gehalten wird, gibt es hier: http://sites.google.com/site/smmverlage/TVuRadio

  • Irene G.

    08.02.09 (01:23:56)

    Twitter? Hier der multimediale Vergleich ;o) http://ivy.antville.org/stories/1874770/

  • Jonas

    08.02.09 (12:51:33)

    Obwohl kein Fan des HR-Fernsehes schätze ich lokale Berichterstattung aus Hessen, deren twitteraccount @hronline erfreut mit Livetwittern aus dem Landtag und kleinen Meldungen zwischendurch und user-engagement, nämlich mit der Frage an die Follower, welche Meldungen in Zukunft gelesen werden möchten

  • Britta Stahl

    09.02.09 (10:25:44)

    Immer mehr Firmen und Portale springen auf den Zug des Micro-Blogging-Dienstes auf und somit entwickelt es sich rasant zu einem immer wichtiger werdenden Informationskanal, der in Zukunft vermutlich zu einer festen Säule in der Medienlandschaft werden wird.

  • Carolin Neumann

    09.02.09 (12:17:08)

    Es tut sich was. @echtkabeleins verspricht: "Diese Woche geht's bei uns richtig los mit dem Twittern."

  • Christoph Maier

    09.02.09 (19:14:33)

    Ich denke, dass es zwei gleich valide Ansätze für Medien gibt, zu twittern: a) Twittern als Angebot an die Nutzer, selbst über etwas ins Gespräch zu kommen: "Einfach" nur Feeds zu Twitter stellen - möglichst zu eng umrissenen Themen. Keine Kommunikation, keine persönliche Note. Sollte dann aber auch klar kommuniziert werden. Gutes Beispiel: @Spiegel_eil ist so ein Fall. b) Twittern als Kommunikation mit dem Leser. Weniger Links, / Eigenwerbung öfter mal einen Guten-Morgen-Gruß oder Halb-Interna / Interessantes aus der Redaktion. Nutzen als Rückkanal, zur Bindung an das Medium. Aus dem Posting -und manchen anderen Äußerungen zu twitternden Medien- lese ich heraus, dass nur b) als richtiger Ansatz akzeptiert wird, was ich für falsch halte. a) richtet sich an die "normalen" / althergebrachten Mediennutzer, die einen bestimmten, gewohnten Service erwarten, b) eher an "Fans". Wer als Medium twittert, braucht meiner Meinung nach viele Accounts nach Schema a) und mindestens einen nach b). Christoph (Disclosure: Ich arbeite für eines der erwähnten Medien.)

  • Raventhird

    09.02.09 (19:21:23)

    Hält sich nicht, der Hype. Prophezeihe ich hiermit offiziell.

  • Carolin Neumann

    09.02.09 (19:26:32)

    @Christoph Maier: Ich denke, a und b zusammen zu nutzen, wäre der richtige Ansatz, wie Sie ja am Ende auch vorschlagen. Nur a halte ich persönlich nicht unbedingt für falsch, aber für ungenügend. Für Otto Normal kann Twitter schon spannend sein, aber für Medienmacher doch erst recht, wenn sie es richtig nutzen - und das heißt: auch in Kontakt treten und nicht nur den RSS-Feed raushauen. @Raventhird: Das glaube ich schon, weil die Möglichkeiten von Twitter noch über das hinausgehen, was uns andere Übermittlungswege bieten. Und Blogs und Instant Messaging hält sich auch, oder nicht?

  • Oliver S

    10.02.09 (16:39:43)

    Twitter ist aus meiner Sicht ein weiterer wichtiger Kanal im Umfeld des Web 2.0 der einfach im Kommunikations-Mix nicht fehlen darf. Ab sofort twittert auch SUPER RTL www.twitter.com/superrtl Ich freue mich über eure Meinung und natürlich auch über euer feedback. Oliver

  • Ulrike Langer

    10.02.09 (17:00:05)

    Nochmal die Bitte - meldet neue Twitter-Accounts von Medien auch der kollektiven Social Media Liste: http://sites.google.com/site/smmverlage/uebersicht @Oliver S Super RTL ist schon ergänzt. Willkommen bei Twitter.

  • Medienexperte

    10.02.09 (22:22:45)

    Twitter ist ein ganz großes Ding. Wahrscheinlich und hoffentlich wird es weitere, u.a. auch zeichenlängere Variationen der Technik für die unterschiedlichsten Bereiche geben.

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