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16.04.13Leser-Kommentare

Killerfunktion verboten: Twitter untersagt Flattr Spenden für einzelne Tweets

Twitter verbietet dem Mikrospendendienst Flattr seit heute die Möglichkeit, Tweets zu flattern und dem Urheber damit eine Spende zukommen zu lassen. Das ist deswegen schade, weil Flattr damit die erste echte mögliche Killerfunktion genommen wird.

flattr110Der Mikrospendendienst Flattr hat es Zeit seines Lebens nicht leicht, die kritische Masse zu erreichen. Dass Twitter die Schweden nun von der zunehmend geschlossenen Plattform verbannt, ist ein weiterer Rückschlag, auch wenn er nicht überraschend kommt. Flattr wird das überleben, allerdings verschwindet damit eine der cleversten Funktionen, die das Spendentool in seiner dreijährigen Geschichte ins Leben gerufen hatte.

 

Die Funktion war noch jung und eben so simpel wie genial: Wer sein Flattr-Konto mit Twitter verbunden hatte, konnte dem Urheber eines Tweets einen Obolus zukommen lassen, indem er einen Tweet favorisierte. Was Twitter-Nutzer ohnehin täglich mehrfach tun, hatte demnach auch einen kleinen finanziellen Nutzen: Der Empfänger erhielt einen Teil des monatlichen Flattr-Budgets des Spenders. Während es weiterhin die Möglichkeit gibt, einen Twitter-Account über ein Browserplugin zu flattern, verschwindet heute die Bezahlmöglichkeit für einen einzelnen Tweet.

Nicht überraschend aber schade

Im Flattr-Blog schreibt Gründer Linus Olsson: "Es tut uns sehr Leid, verkünden zu müssen, dass wir auf Anweisung von Twitter heute, am 16. April 2013 mittags, die Möglichkeit einstellen müssen, Tweets über Favoriten zu flattern." Twitter habe Flattr darauf hingewiesen, dass man die Möglichkeit untersage, eigene Werbeformen auf Twitter zu lancieren. Olsson sieht diesen Fall nicht gegeben. Er sieht ein, dass Twitter es nicht gefällt, wenn ein externer Dienst auf der Plattform des Kurznachrichtendienstes Geld verdient. Deswegen habe er Twitter angeboten, die 10 Prozent Provision je geflattertem Tweet fallen zu lassen und jedem Nutzer die vollen 100 Prozent auszuzahlen. Ein bemerkenswerter Vorschlag. Twitter allerdings habe sich auch darauf nicht einlassen wollen.

Der Schritt kommt nicht überraschend, seitdem Twitter dabei ist, Drittanbietern den Zugang zur Plattform zu erschweren. Ziel der Kalifornier ist es, dass Nutzer nur noch Dienste und Clients aus dem Hause Twitter nutzen, womit sich der Zwitscherdienst langfristig finanzieren will. Damit vergrault man zwar zunehmend Intensivnutzer und treibt sie ein Stück weit in die Hände von App.net. Die große Masse allerdings dürfte sich von der Sperrung von Drittdiensten nicht abschrecken lassen. Gerade dass Twitter auch auf Olssons selbstlosen Vorschlag nicht einging, auf den Eigenanteil zu verzichten, zeigt, dass das Unternehmen unter der Führung von Dick Costolo mehr an der Refinanzierung als an Innovationen interessiert ist. Ein weiterer Schritt in die falsche Richtung.

Aus der Kurve geworfen

Man kann nun argumentieren, dass Flattr ohnehin nur einen durchaus überschaubaren Nutzerkreis hat, deswegen nicht viele Menschen die Twitter-Favorite-Funktion genutzt haben dürften und sich das Problem damit in Grenzen hält. Der Protest auf Twitter mit dem Hashtag #bringbackflattr, auf den unter anderem Tobias Gillen auf Basic Thinking hinweist, fällt denn momentan auch sehr bescheiden aus. Darum geht es aber nicht. Es ist schade, dass Flattr sich jahrelang auf der Suche nach einer kritischen Masse sehr innovativ gezeigt und von zahllosen Rückschlägen nicht hat unterkriegen lassen. Mit der Neuausrichtung des Dienstes im März schien es, habe man die Kurve gekriegt. Zahlreiche soziale Dienste lassen sich seitdem mit Flattr verknüpfen und Spenden mit einem Klick absetzen. Vor allem die Idee, gelungene Beiträge auf dem massenhaft genutzten Dienst Twitter ohne Mehraufwand mit einer Spende zu belohnen, wenn man sie sowieso markiert, war genial.

Flattr wird weiterleben, weil Flattr ohnehin zeitlebens sehr anspruchslos die Bedürfnisse der Nutzer verfolgt hat und viele Rückschläge wegstecken musste. Geht das mit derartigen Einschränkungen weiter, allerdings steigt die Chance, dass Olsson und seine Mannschaft irgendwann einfach keine Lust mehr haben, den Nutzern noch zu helfen. Da will man Gutes tun und erfährt nichts als Gegenwind. Schade. /jv

Kommentare

  • Ulrich

    16.04.13 (15:59:17)

    Ja, das ist wirklich schade. Aber was soll man sagen? Typisch Twitter,

  • nils

    16.04.13 (16:19:17)

    Sehr schöner Artikel dem ich vollkommen zustimmen kann. Als ich heute davon gelesen habe, dass flattr rausgeschmissen wurde war ich wirklich bestürzt. Ein weiterer Schritt die "coolen" Leute, die mit Ideen, die Kreativen von der Plattform zu treiben, wie ich finde. Es hat sich zwar abgezeichnet das es düster wird was twitter und die Nerds angeht - schon seit der API-Verstümmelung. Aber das sollte jetzt der entscheidende Schritt zuviel gewesen sein. Ich hoffe dem blauen Vogel geht es bald wieder besser - sonst fällt er noch ganz vom Himmel

  • CarlS

    16.04.13 (20:15:56)

    schade, aber es gibt ja noch Bleeper ( http://bleeper.de ). Damit kann man mit Twitter / Facebook einfach Geld verdienen ;-)

  • Felix Weber

    18.04.13 (12:52:54)

    Mag mir einer bitte die Strategie Twitters erklären, dass man immer mehr zum geschlossenen System wird? Hat nicht gerade diese Geschlossenheit zB die VZnetzwerke bei uns in Deutschland die Marktführerschaft gekostet? Ist es nicht gerade das offene System der APIs, das Facebook so überragend macht (zB im Vergleich zu G+ ohne APIs)? Hat nicht Android gegenüber IOs die Marktführerschaft gewonnen, weil es so offen ist? Meine ja nur ...

  • Jürgen Vielmeier

    18.04.13 (13:18:21)

    Bei Twitter gab es Gerüchten zufolge einen Machtkampf, nach denen sich die Betriebswirte gegenüber den Technikern intern durchgesetzt haben. Das Gründungs-Dreigestirn Stone/Williams/Dorsey ist raus und die jetzige Spitze hat jetzt die Aufgabe, das Projekt zu refinanzieren. An der Geschlossenheit allein lag es bei den VZs sicher nicht. Da war eher das Problem, dass praktisch nichts Neues mehr kam. Das ist bei Twitter schon noch der Fall.

  • Alex

    18.04.13 (20:42:42)

    Wenn sich Twitter von Fremddiensten distanzieren will, hat das langfristig Auswirkungen auf die gewerbliche Nutzung von Twitter. Privatpersonen werden solche änderungen wahscheinlich gar nicht oder eher geringfügig mitbekommen, da die meisten privaten Nutzer kaum irgendwelche anderen Dienste in Verbindung mit Twitter nutzen.

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