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21.11.14Kommentieren

Tweets teilen per Direktnachricht: Twitters neue kleine Funktion mit großer Bedeutung

Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen Chat-Apps, um im kleinen Kreis zu kommunizieren. Mit einem neuen Feature, um Tweets selektiv mit einzelnen Personen zu teilen, signalisiert Twitter Ambitionen, diesese Potenzial erschließen zu wollen.

TwitterBei Twitter kriselt es seit einiger Zeit. Um nicht ganz das Vertrauen der Anleger zu verlieren, kündigte das Unternehmen vor anderthalb Wochen auf einem speziellen Event eine Reihe von auf die Erhöhung des Nutzerwachstums und der Aktivität bestehender User abzielende Produktinitiativen an. Wenige Tage später lässt die Firma Taten folgen: Seit dieser Woche enthält Twitters Suchefunktion sämtliche seit dem Debüt des Dienstes im Jahr 2006 publizierten Tweets. In der Nacht zu Freitag folgte die nächste Neuerung: Anwender der iOS- und Android-App können nun einzelne Tweets direkt aus dem Kontextmenü per Direktnachricht an ausgewählte Personen schicken. TechCrunch kommentiert die Einführung der Funktion mit der Feststellung, dass es sich nicht um einen besonders häufig geäußerten Feature-Wunsch handele. Mag sein. Einer hat sich dieses Feature aber ganz bestimmt gewünscht: meine Wenigkeit. Ich nahm mir im März auch die Freiheit, meinen Wunsch zu begründen und die möglichen Vorzüge aufzuzeigen.

Das Beste an der Implementierung ist, dass Twitter einen simpleren, besseren Ansatz gewählt hat, als er mir vorschwebte: Während ich für mit einzelnen Personen selektiv geteilte Tweets einen separaten Feed vorschlug, nutzt der Microbloggingservice schlicht das Direktnachrichtenfeature. Geteilte Tweets werden als Nachricht mit Originalformatierung angezeigt, ein Betätigen führt User zum Original-Tweet.

Twitter ermuntert zum privaten Teilen

Nach kurzem Testen kann ich konstatieren, dass es sich um eine aus meiner Sicht sehr nützliche Erweiterung der Funktionalität von Twitter handelt. Die Tatsache, dass Twitter auf den bisher von dem Unternehmen vernachlässigten Kanal privater Nachrichten setzt, lässt zudem erahnen, dass dieser künftig sehr viel mehr Beachtung von den Kaliforniern erhalten wird. Twitter gibt Benutzern zu verstehen, dass es gewünscht ist, über öffentliche Tweets - etwa von Nachrichtenportalen oder Prominenten - in einem nicht-öffentlichen Raum zu diskutieren.

Angesichts des übergreifenden Trends hin zur textbasierten Kommunikation in kleinen Gruppen, der insbesondere von WhatsApp, Facebook Messenger und Dutzenden anderen Chat-Apps verkörpert wird, ist es wenig verwunderlich, dass Twitter auf diesen Zug auspringen möchte. Und es ist auch strategisch angeraten: Der Ansturm auf die private Konversationen ermöglichenden Apps unterstreicht, dass viele Nutzer zumindest bestimmte Themen lieber in kleinen Kreisen besprechen und gezielt nur ausgewählten Personen empfehlen wollen.

Deutlich wird das auch, untersucht man die Traffic-Quellen bekannter Mediensites. Wie NiemanLab in diesem Artikel erklärt, wird WhatsApp ein immer wichtigerer Besucher-Lieferant für Websites. Das öffentliche Teilen stirbt nicht aus, genügt Usern als einzige Option aber nicht. War in der Vergangenheit die E-Mail ein beliebtes Mittel, um Freunde und Bekannte auf empfehlenswerte Inhalte aufmerksam zu machen, sind es nun die Messenger und Chat-Apps.

Twitters heutiger Vorstoß ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Startschuss für den sukzessiven Ausbau der Direktnachrichten-Funktionalität. CEO Dick Costolo und sein Team werden sich sagen, dass, wenn sich das mit der Akquisition von öffentlich twitternden Nutzern schon so schwierig gestaltet, sie einfach versuchen können, durch die private Kommunikation mehr User zu mehr Aktivität zu bewegen. Die Chancen, dass das funktioniert, stehen gut. Auch deshalb, weil Twitter mit der direkten Verknüpfung von öffentlichem und privatem Teilen unter einem Dach gar ein neues Alleinstellungsmerkmal vorweisen kann. /mw

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