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01.09.14Leser-Kommentar

Tweek-Gründer Marcel Düe: “In den nächsten zehn Jahren wird es kein ‘Spotify für Fernsehen’ geben”

Das Video-Discovery-Startup Tweek hat seinen Fokus von Endanwendern zu Medien-, Hardware- und Kabelanbietern verlagert. Diese versorgt es mit der Technologie, um Zuschauer mit für sie relevanten Inhalten zu beliefern. Die Fragmentierung des Marktes kommt den Berlinern entgegen.

TweekDer Social-TV- und Second-Screen-Trend, der 2011/2012 im Zuge des weitflächigen Durchbruchs von Smartphones und Tablets um sich griff und schnell eine Reihe von Startups entstehen ließ, hat sich zwei Jahre später abseits des allgemeinen TV-Geplauders bei Twitter als kurzlebiger Hype erwiesen. Für die Akteure, die ihre Geschäftsmodelle an das Thema angelehnt hatten, hieß dies, entweder aufzugeben, oder über einen “Pivot” das eigene Konzept zu verändern. Der Berliner Anbieter Tweek gehört zu denjenigen, die es geschafft haben, das eigene Produkt so zu verändern, dass sich darauf eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft aufbauen lässt. Und wie so oft bedeutet dies auch den zumindest temporären Wechsel des Schwerpunkts von B2C zu B2B. Endanwender-App tritt in den Hintergrund

Bekannt ist Tweek als an Endanwender gerichtete App, mit deren Hilfe Nutzer personalisierte Empfehlungen für Filme und TV-Inhalte sowie Informationen dazu serviert bekommen, wo im Netz sie diese anschauen können. Diese App jedoch wird seit einiger Zeit von den Hauptstädtern nicht mehr nennenswert weiterentwickelt, erklärt Tweek-Mitgründer Marcel Düe. Sie habe zwar ein gutes Stadium erreicht und soll auch weiterbetrieben werden. Die Ressourcen des 2011 gegründeten Unternehmens fließen nun jedoch in die API und damit in die Bereitstellung von Tweeks Empfehlungstechnologie für Hardware-Hersteller, Kabelnetzbetreiber, Medienkonzerne und Online-Firmen.

Erste Schritte in diese Richtung machte Tweek vor gut einem Jahr . Mittlerweile gibt es eine Reihe von Integrationen und Showcase-Projekten, die von dem Startup auf den bevorstehenden Messen IFA und IBC - ein wichtiges Event der Content- und Medienbranche - präsentiert werden.

Im Grunde läuft das Angebot von Tweek darauf hinaus, dass es seine Discovery- und Personalisierungs-Expertise als Technologie für diejenigen Firmen und Organisationen bereitstellt, die Nutzern individualisierte Vorschläge für Content machen wollen, jedoch keine eigene Kompetenz dafür besitzen. Tweek bietet sowohl den Direktzugriff über eine API sowie eine integrierbare, anpassbare HTML-Oberfläche.

Tweeks Kernkompetenz liegt darin, Signale und Präferenzen aus dem sozialen Netz auszuwerten und auf dieser Basis Contentempfehlungen zu generieren. “Wenn du Lukas Podolski bei Facebook folgst, würden wir im elektronischen Programmguide (EPG) das nächste Spiel von Arsenal heraussuchen und vorschlagen können”, illustriert Marcel Düe, was Tweek kann. “Und wer viel David Bowie bei einem Streamingservice hört, dem empfehlen wir eine Dokumentation über den Musiker im TV”.

Die Berliner Firma mit ihren elf Mitarbeitenden setzt sowohl auf den Direktvertrieb, über den etwa Bertelsmann sowie einige noch nicht offiziell verkündete Unternehmen als Kunden gewonnen werden konnten, als auch auf Reseller, die Tweeks Funktionalität als Teil eines Paketes anbieten. Als Reseller für Tweek trifft unter anderem einer der drei großen Metadaten-Anbieter, Rovi, auf. Dessen enormes Sales-Team wird Tweek einer großen Kundenzahl in aller Welt schmackhaft machen können, so die Hoffnung der Hauptstädter.

Der Markt bleibt fragmentiert, trotz Netflix

Gemäß Marcel Düe gibt es eigentlich nur zwei Firmen im Bewegtbild-/TV-/Content-Segment, die nicht als Kunden von Tweek in Frage kommen: Netflix und Amazon. Beide arbeiten mit enormen Teams selbst an Discovery- und Empfehlungs-Mechanismen und besitzen alle notwendigen Meta-Daten. Düe zeigt sich aber überzeugt, dass der Markt auf lange Sicht sehr fragmentiert bleiben wird, mit einer großen Zahl an Streaming- und Video-on-Demand-Anbietern. “In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird es kein ‘Spotify für Fernsehen’ geben”, so der junge Gründer mit Blick auf die Autorität und Markendominanz, die Spotify sich im Musikstreamingsegment erarbeitet hat. Daraus resultiere ein großes Geschäftspotenzial für Tweek.

Noch immer nährt sich das Unternehmen aus einer Pre-Launch Seed-Finanzierung im höheren sechsstelligen Bereich sowie einem Angel-Investment von Martin Sinner im fünfstelligen Bereich. Laut Düe sei Tweek zwar noch nicht durchgängig profitabel, erwirtschafte aber steigende Umsätze und habe phasenweise die schwarzen Zahlen erreicht.

An seiner Grundvision, Zuschauern bessere, für sie maßgeschneiderte Inhalte zu empfehlen, hält Tweek auch nach über zweieinhalb Jahren fest. “Das Discovery-Problem ist noch lange nicht gelöst”, sagt Düe. Er glaubt, dass das Unternehmen mit seiner Enduser-Lösung zu früh auf dem Markt war und sich zu stark auf soziale Signale, also Empfehlungen auf Basis der Kontakte, fokussiert hat. “Personalisierung auf Basis eigener Präferenzen und Nutzungsmuster ist wichtiger als die Berücksichtigung dessen, was die Freunde gut finden”, beschreibt Düe eine der Erkenntnisse aus den vergangen Jahren. /mw

Kommentare

  • Manuel

    01.09.14 (10:20:53)

    Eine wirklich sehr bunte Mischung, deine Playlist ;-). Aber ich sehe das genauso, mit Musik geht alles einfacher :-)

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