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15.06.08

TV-Streaming im Browser nello will Zattoo angreifen

nello

Das lineare Fernsehen ist nicht tot. Das glauben zumindest einige Unternehmen, die Webdienste rund um das klassische TV aufbauen. nello aus der Schweiz streamt 86 Fernsehsender direkt im Browser - allerdings nicht gratis.

Zur Zukunft des linearen, also nicht zeitunabhängigen Fernsehens kann man stehen wie man will - einige ambitionierte Startups aus dem deutschsprachigen Raum sind derzeit dabei, innovative Webdienste rund um das klassische Fernseherlebnis aufzubauen. Bekanntester Vertreter dieser Gattung ist sicherlich Zattoo aus der Schweiz, das in zahlreichen europäischen Ländern legal und kostenlos bekannte TV-Sender über eine Desktop-Software im P2P-Verfahren streamt. Mit telewebber steht außerdem ein neuer Service aus deutschen Landen in den Startlöchern, der etwas gegen die mangelnde Interaktivität des herkömmlichen Fernsehens tun will und für einzelne Sendungen funktionelle Chaträume bereitstellt, in denen sich die Zuschauer in Echtzeit über das Programm austauschen können. Dritter im Bunde der neuen, TV-basierten Internetangebote ist nello, auf das ich in diesem Beitrag näher eingehen möchte.

nello wurde vor einigen Tagen von der Schweizer Netstream AG als Nachfolger des TV-Streaming-Dienstes ADSL.TV gelauncht und lässt sich am besten als eine Premium-Alternative zu Zattoo beschreiben. Sowohl Zattoo als auch nello streamen Fernsehsender. Anders als Zattoo geschieht dies bei nello jedoch direkt im Browser und kostet Geld.

Insgesamt stehen bei nello 86 Fernseh- und 50 Radio-Sender zur Verfügung. Wie Zattoo zahlt nello Lizenzgebühren an die TV-Stationen bzw. Verwertungsgesellschaften. Die Registrierung bei nello ist kostenlos, aber derzeit aus rechtlichen Gründen nur für Nutzer mit einer IP aus der Schweiz oder Liechtenstein möglich. Wer die aus dem Kabelnetz bekannten Fernsehsender direkt im Browser mittels Flash- oder Windows Media-Plugin schauen will, muss im nello-Shop ein entsprechendes Paket erstehen. Neben dem Standardpaket mit allen gängigen Kanälen gibt es Nischenpakete mit ausgewählten Sendern zu Sport, Film & Unterhaltung, Wissenschaft & Dokumentation sowie Erotik. Für das Basis-Angebot zahlt man 5 CHF (ca. 3,10 Euro) pro Woche, 9,90 CHF (6,14 Euro) pro Monat oder 81 CHF (50,25 Euro) für ein ganzes Jahr.

nello Screenshot

Zum Vergrößern anklicken.

Anschließend wählt man aus der Senderliste den gewünschten Kanal und beginnt mit dem Streaming. Die Bildqualität war bei meinen Tests erheblich besser als die von Zattoo. nello setzt auf den H.264-Videocodec und streamt vollständig über die eigenen Server (kein P2P). Dies sorgt für ein besseres Bild, dürfte für das Unternehmen aber zu einer fetten Rechnung für anfallenden Datenverkehr führen. Wer will, kann den TV-Stream auch in einem Minifenster öffnen, um nebenbei bequem andere Seiten besuchen zu können. Web-2.0-Features fehlen im Moment, für den Programmüberblick gibt es einen Guide.

Fazit

Für Sparfüchse, die sich auch mit einem durchschnittlichen Bild zufrieden geben oder User, die nur selten lineares Fernsehen über das Internet schauen, ist Zattoo sicher die bessere Wahl. nellos Vorzüge liegen darin, dass man es von jedem beliebigen Computer mit Breitbandanschluss nutzen kann, ohne erst eine Software installieren zu müssen. Das Angebot an Spartensendern ist etwas größer als bei Zattoo, die Qualität des Bildes besser und Ästheten dürften sich vom wirklich attraktiven Layout der Seite angesprochen fühlen. Dennoch: Ob sich genug Nutzer finden werden, die für das Streaming größtenteils kostenlos empfangbarer Sender Geld zu zahlen bereit sind, bleibt abzuwarten.

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