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14.06.11

Tumblr: Nichts scheint unmöglich

Es heißt, herkömmliches Blogging wird immer mehr von kurzen Statusmeldungen verdrängt. Der US-Dienst Tumblr vereint das Beste beider Publikationsformen und wächst rasant.

 

TumblrDie globale Internetwirtschaft wird bekanntlich von einer kleinen Zahl an äußerst erfolgreichen und hunderte Millionen Nutzern bei sich vereinenden Unternehmen dominiert (Eric Schmidts "Gang of Four" und vielleicht eine Handvoll weitere Firmen darüber hinaus). Dahinter, in der zweiten Reihe, stehen einige andere, teils sehr ambitionierte Anbieter, die konsequent auf einen Platz an vorderster Front hinarbeiten.

Ein solcher Kandidat ist der US-Blogservice Tumblr. Zuletzt berichteten wir im November 2010 über das vor vier Jahren von David Karp in New York gegründete Startup. Ich beschrieb damals, wie der kostenfreie Service erfolgreich die Lücke füllt, die MySpace hinterlassen hat, die aber sonst bisher von keinem anderen Social-Web-Dienst geschlossen werden konnte: die der kreativen Selbstdarstellung.

Der profilierte Webinvestor Fred Wilson - mit Union Square Ventures selbst an Tumblr beteiligt - erklärte Ende vergangenen Jahres, wie er von seiner Tochter erfahren hatte, dass "alle coolen Kinder in der Schule mittlerweile einen Tumblr-Blog betreiben". Ein halbes Jahr später sind es womöglich nicht mehr länger nur die coolen. Denn Tumblrs explosives Wachstum hält an:

Im Juli 2009 zählte Tumblr 250 Millionen Seitenaufrufe. Mitte Mai dieses Jahres wurde dieser Wert an einem einzigen Tag erreicht. Die Zahl monatlicher Pageviews lag zuletzt bei sieben Milliarden. Fast 20 Millionen Blogs laufen mittlerweile unter dem Dach von Tumblr. Auch ausgiebige Serverausfälle - eine Folge der erheblichen Zuwächse - konnten der Popularität des Dienstes, der seinen Usern viel Freiheit bei der optischen Gestaltung ihres Tumblr-Blogs gibt, nichts anhaben.

Tumblr-Konkurrent Posterous scheint chancenlos

Im Hyperland-Blog beschreibt Marcel Weiss , warum in einer Ära, in der herkömmliches Blogging zunehmend von kurzen Statusmitteilungen verdrängt wird, ausgerechnet Tumblr in großer Zahl neue User anziehen kann: Alle Funktionen der Plattform sind darauf ausgelegt, Inhalte schnellstmöglich - teilweise automatisch - zu veröffentlichen, weiterzuleiten und ihre Erschaffer untereinander zu vernetzen.

Als womöglich nicht ganz unbedeutend für die weitere Entwicklung von Tumblr könnte sich ein neues Messaging-Feature herausstellen, das vor wenigen Tagen lanciert wurde und erstmalig das private Beantworten von Nachrichten erlaubt. Bisher konnten Tumblr-Blogger auf über das Frage-Modul eingereichte Fragen nur öffentlich antworten.

Sofern wir bei der MySpace-Analogie bleiben, macht Tumblr damit einen weiteren Schritt in Richtung blogbasiertes soziales Netzwerk, wobei Postings bei Tumblr auch nur aus einem Foto oder einer Audiodatei bestehen können.

Tumblr hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen, erfolgreich eine Nische belegt und dürfte sein exponentielles Wachstum daher in den nächsten Monaten fortsetzen. Wer weiß, welche Dimension der Dienst, dem allerdings noch ein ernstzunehmendes Geschäftsmodell fehlt, erreichen kann. Es scheint, als sei nichts unmöglich.

Link: Tumblr

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