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10.06.13Leser-Kommentar

Traffic- und Aufmerksamkeitsmaschine: Wie Startups ins Fernsehen kommen

Wenn Startups im Fernsehen vorgestellt werden, bringt dies auf einen Schlag massive Aufmerksamkeit und viele neue Besucher. Mit bestimmten Maßnahmen können junge Unternehmen die Chancen auf TV-Berichte deutlich erhöhen.

FernsehenTilo Bonow ist Gründer von piâbo, einer PR-Agentur der digitalen Wirtschaft mit Sitz in Berlin. 

Der Fernsehbeitrag über ein Startup ist sicher die Champions League für jeden Gründer, der sein junges Unternehmen bekannter machen möchte. Viele unterschätzen jedoch den Aufwand, den die Produktion eines Fernsehbeitrags mit sich bringt. Schnell sind drei bis vier Mitarbeiter damit beschäftigt, an Texten zu feilen, Bildideen zu entwickeln oder Räume herzurichten. Am Drehtag bringt dann das Video-Team Unruhe ins Haus, weil der Kameramann alle Möbel umstellen möchte und der Tonassistent sich über die laute Lüftung der Rechner beschwert. Wenn es dann endlich losgeht, muss der gezeigte Unternehmer trotz des Gewusels seine Mimik, Gestik und Rhetorik im Griff haben.

Und wenn der Beitrag produziert und gesendet wurde, ist die Aufgabe für den Unternehmer nicht beendet: Er muss sein Startup für den zu erwartenden Kundenansturm fit machen. Dass die plötzliche massive, mediale Aufmerksamkeit auch zu Problemen führen kann, erleben junge Webfirmen immer wieder, zuletzt Workhub und Nachbarschaftsauto. Eher ein Luxusproblem werden sich die meisten Entrepreneure denken, vor allem, wenn sie selber noch nicht das Glück hatten, derart prominent mit ihrem Unternehmen im Fernsehen gezeigt zu werden.

Es folgt ein Überblick, wie man seine Chancen drastisch erhöht, ein Millionenpublikum zu erreichen. 1. Nachrichtenwert nutzen

Versetzt euch in die Lage der Journalisten – was wird üblicherweise in der jeweiligen Sendung gezeigt und viel wichtiger, aus welchem Grund? Für jede Sendung stehen bestimmte Nachrichtenwerte im Vordergrund. Eine Nachrichtensendung setzt auf Aktualität und Einschätzungen zur Lage. Hier haben Experten gute Chancen, wenn sie eine kurze und knappe Analyse anbieten können. So wird die Geschäftsführung von Toptarif, ein Vergleichsportal für Leistungen wie Strom & Gas sowie Versicherungen, oftmals aufgefordert einen Kommentar abzugeben, wenn die Strompreise steigen oder wenn die politische Debatte zu den Tarifen mal wieder höheren Wellen schlägt (Beispiel). Auch bei Service-Sendungen stehen Experten hoch im Kurs.

Lifestyle-Sendungen hingegen setzen auf Trends. Wer die neuesten Gadgets vorzeigen kann oder mit seiner Dienstleistung einen Trend anführt, wird gerne im Fernsehen vorgestellt. So konnte CiteeCar zum Trendthema Shareconomy punkten, der Car-Sharing-Anbieter wurde in einem siebenminütigen Beitrag der Vox-Sendung „auto mobil“ vorgestellt (Leider nicht im Netz verfügbar). Manchmal gelingt es auch Trends zu kreieren. Die Vermietungs-Plattform erento hat durch seine Pressearbeit, das Thema „mieten statt kaufen“ besetzt, so war es nur eine Frage der Zeit bis das Fernsehen auf das Startup aufmerksam wurde.

2. In Vorleistung gehen

Wer selber Schnittmaterial anbietet, kommt schneller ins Fernsehen. Mit den eigenen Aufnahmen kann man Interesse wecken und die Fernsehtauglichkeit seines Unternehmens beweisen. Damit nimmt man den Fernsehjournalisten einen Teil der Arbeit ab. So kann man vor allem bei kleineren Sender und deren Redaktionen punkten - hier spielen Kosten bei der Themenauswahl eine größere Rolle. Wenn das Unternehmen das Geschäftsmodell z.B. mit einer schönen Animation präsentiert und diese den Sendern kostenlos anbietet, ist diese Hürde überwunden.

Dabei sollte man sogenanntes Rohmaterial anbieten, also keinen fertigen Werbespot oder Beitrag, sondern Ausgangsmaterial, das für verschiedene Beiträge verwendet werden kann. Vermeidet Namedropping und eine Logoeinblendung. Ihr solltet es auch dem Sender überlassen, wie der Beitrag vertont wird – das beweist Respekt gegenüber der journalistischen Unabhängigkeit. Am einfachsten ist es, das Videomaterial von einem erfahrenen Profi erstellen zu lassen, der mit der journalistischen Arbeitsweise vertraut ist.

3. Networking im Umfeld der TV-Sender

Zudem macht es Sinn, sich mit regelmäßigen Themenvorschlägen bei freiberuflichen TV-Journalisten und Produktionsfirmen ins Gespräch zu bringen. Der Vorteil: Hier ist die Einstiegshürde niedriger, um mit seinem Thema Gehör zu finden. Bei der Kontaktaufnahme lässt sich am Telefon klären, auf welche Sendungen oder Themen diese Drittanbieter spezialisiert sind, so dass man auch hier auf die entsprechenden Nachrichtenwerte Bezug nehmen kann.

4. Fernsehen braucht Bilder

Videos von Startups sind oft austauschbar, im IT-Bereich sitzen Leute vor Bildschirmen, die unterschiedlichen Aufgaben der Angestellten sind nicht zu erkennen. Büroaufnahmen machen also selten Sinn, es sei denn es geht kunterbunt zu wie bei Google. Oder der Büroalltag ist ungewöhnlich organisiert. So leistet sich der Druckdienstleister ezeep eine Feel-Good-Managerin und schaffte es so in die Sendung zibb des RBB mit dem Beitrag „Gute Laune im Job?“.

Zeigt Journalisten also, wie sich für euer Unternehmen interessante Bilder gestalten lassen. Was erwartet man bei einem Beitrag über die Vermietungsplattform erento? Vermutlich Büroangestellte, die Mietanfragen und Mietangebot am Bildschirm verwalten. Ziemlich langweilig. Genau deshalb startet der Fernsehbeitrag mit einer Horde Kinder, die sich auf Hüpfburgen, Rutschen und Schaukel austoben. Die Lagerhalle voller Spielgeräte gehört einem Vermieter, der seine Artikel auch bei erento anbietet. Es ist also keine schlechte Idee, über eure ungewöhnlichsten Kunden nachzudenken, wenn sie ins Fernsehen möchten.

5. Testimonials verdeutlichen dem Zuschauer den individuellen Nutzen ihres Unternehmens

Lasst eure Kunden zu Wort kommen: Mit Testimonials bietet ihr den Zuschauern eine vertrauenerweckende Bezugsperson – allerdings nur, wenn diese glaubwürdig ist. Weichgespülte Lobeshymnen bewirken eher das Gegenteil, dass Testimonial sollte stattdessen über konkrete Erfahrungen mit dem präsentierten Unternehmen berichten können. Als Unternehmer ist es deshalb wichtig, potentielle Berichterstatter aus dem Kundenkreis schon vorab zu kennen. Wer erst rumtelefoniert, wenn das Kamerateam vor der Tür steht, hat schlechte Karten.

Der Payment-Dienstleister SumUp hat mit Vu, dem Inhaber vom Bistro CôCô in Berlin, einen passenden Vertreter aus dem angestrebten Kundenkreis gewonnen. Auch wenn Testmonials wie diese nicht den Formen eines Fernsehbeitrages entsprechen, leistet man hier Ideenhilfe – dem Fernsehjournalisten wird so schnell klar, wen er aus dem Umfeld des vorgestellten Unternehmens interviewen kann.

6. Fit machen für Krisenberichterstattung

Vor allem bei Krisen – einem Datenleck oder massiven Kundenbeschwerden – stehen die Kamerateams schnell unangemeldet vor der Tür. Fernsehen ist keine Schönwetter-Veranstaltung. Die Geschäftsführung sollte für den kommunikativen Umgang mit der Krise gewappnet sein und sich mit einem professionellen Medientraining auf unangenehme Fragen vorbereiten. Es ist sinnvoll, auf Worst-Case-Fragen eine klare Antwort zu haben und diese im Team zu erörtern. Stottern oder das Verschleiern von Fehlern wird die Krise nur verstärken.

7. Storytelling

Macht euch bewusst, dass Journalisten nicht dafür bezahlt werden, euer Unternehmen schön darzustellen. Wenn Journalisten Interesse zeigen, steht eher das Thema/Branche im Mittelpunkt und Journalisten werden darauf bedacht sein, auch andere Unternehmen zu nennen, die ähnliche Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Es ist daher sinnvoll, über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich in die Lage des Journalisten hineinzuversetzen. Als Ansprechpartner für alle Informationen aus dem Umfeld eures Unternehmens seid ihr eher willkommen, als jemand der stets nur von sich und seiner Unternehmung redet. Wenn ihr eine Geschichte erzählen könnt, die Neugierde weckt und ungewöhnlich ist, werdet ihr schnell auf Interesse stoßen.

Fazit: Wer die Chance hat, ins Fernsehen zu kommen, sollte sie immer nutzen und dementsprechend vorbereitet sein. Dabei ist die Reichweite nicht zu unterschätzen. Dementsprechend sollte ein Profi das Thema professionell begleiten. Dieses Video verdeutlicht den Streß bei der Produktion des von Nachrichtensendungen, in diesem Fall des „heute journals“. Somit wird klar, wie wichtig die Vorbereitung ist, um die Anforderungen von TV-Journalisten erfüllen zu können, falls sie mit einem aktuellen Thema bei eurem Unternehmen anrufen.

Über den Autor

Tilo Bonow ist Gründer von piâbo, einer PR-Agentur der digitalen Wirtschaft mit Sitz in Berlin. piâbos Kunden stammen aus den Branchen Internet-, Mobile-, Medien-, Hardware und Cleantech.

(Foto: stock.xchng/rolve)

Kommentare

  • Benedikt Hamich

    10.06.13 (13:55:42)

    Vielen Dank für die Blumen! Am wichtigesten ist aber eigentlich, fähiges Personal im Unternehmen zu haben! Dann braucht man auch keine Agenturunterstützung ;-)

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