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12.05.14Leser-Kommentare

Tinder: Kennenlern-App mit vorgezeichnetem Erfolgspfad

Noch findet man die in Deutschland beheimateten User der US-amerikanischen Kennenlern-App Tinder vor allem in Großstädten. Doch wohin die Reise für das noch sehr junge Startup gehen kann, ist nicht schwer zu erahnen.

TinderWenn man sich ein paar Tage in Berliner Internet- und Tech-Kreisen aufhält, fällt früher oder später der Name Tinder. Beobachtet man ein wenig, sieht man auch gelegentlich Menschen, die auf ihrem Smartphone mit flinken "Swipes" nach links oder rechts andere date-willige Tinder-Nutzer aussortieren oder in die engere Wahl einbeziehen. Das ist recht beachtlich, bedenkt man, dass das vor anderthalb Jahren in Los Angeles gegründete Kennenlern-Startup bislang in Europa noch nicht auf die große Pauke gehauen hat. Allerdings gab das Unternehmen, das mit 500 Millionen Dollar bewertet wird, bereits vor einem Jahr Expansionspläne bekannt. Und bei LinkedIn findet sich zumindest ein hierzulande präsenter "Brand Manager" der Firma. Auf unsere Anfrage zu Nutzungszahlen in Bezug auf Europa und den deutschsprachigen Raum reagierten die US-Amerikaner bislang nicht. Das passt zur generellen Zurückhaltung des Dienstes, was die Bekanntgabe von aussagekräftigen Metriken betrifft. Zuletzt sprach CEO Sean Rad von "einer Milliarde Matches" - also Situationen, in denen zwei Tinder-Nutzer unabhängig voneinander Gefallen füreinander signalisiert haben.

Bei der Einordnung der Popularität hilfreich sind die Download-Statistiken des App Store und Google Play Store. In 12 Ländern rangiert Tinder derzeit auf dem ersten Platz der kostenfreien iOS-Apps der Kategorie "Lifestyle". In Deutschland belegt die Anwendung dort Rang neun. Ein Vergleich mit der zahlreich vertretenen Konkurrenz, bestehend aus Casual-Dating-Apps wie Lovoo, Mbrace oder dem Urgestein Badoo, ist schwierig, da diese in der Kategorie "Social Networking" zu finden sind. Lovoo zählte bislang im deutschsprachigen Raum zu den erfolgreichsten Neulingen und konnte jüngst das Erreichen der Marke von zehn Millionen Nutzern bekanntgeben. Ein Blick auf die Bewertungen im App Store legt nahe, dass Tinder in Deutschland in Sachen Popularität noch deutlich hinter Lovoo liegt - wobei Tinder eine eher trendorientierte, international ausgerichtete Nutzerschaft anspricht. Lovoo gibt sich dagegen eher jung-reichweitenorientiert. Das Kräfteverhältnis bei den Android-Apps ähnelt dem von iOS.

Wie Google Trends verrät, ist Tinder vor allem im englischsprachigen Raum verbreitet - und in Norwegen. In Großbritannien handelt es sich offenbar um "die Dating-App, über die jede(r) spricht". In Deutschland wiederum sticht klar Berlin als Tinder-Hochburg hervor, gefolgt von Hamburg. Damit bestätigt sich der Eindruck einer App, die vor allem bei urbanen Menschen, Expats und in der Digitalbranche tätigen Personen beliebt ist. Dass man also in Szenekreisen nicht lange warten muss, bis irgendjemand - nach gebrochenem Eis und ein paar Bier - über persönliche Tinder-EskapadenErlebnisse zu sprechen beginnt, lässt noch keine zuverlässigen Schlüsse über die Beliebtheit im ganzen Land zu. Doch trotzdem sollte man Tinder nicht unterschätzen: Denn der Aufstieg von Facebook begann hierzulande über die gleiche soziodemografische Gruppe.

Was Tinder von den Wettbewerbern abhebt, ist abgesehen von einer (vermehrt nachgeahmten) besonders spielerischen, auf das Wesentlichen fokussierten Oberfläche die Tatsache nennenswerter internationaler Aktivität. Selbst Promis rühmen sich mittlerweile damit, Tinder zu verwenden. Insofern ist es schwer vorstellbar, dass die lokalen Akteure auf globaler Bühne mit dem Startup in ernsthafte Konkurrenz treten können.

Den Aufstieg von Tinder dürfte auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit Interesse verfolgen. Die Tinder-Gründer Justin Mateen und Sean Rad streben danach, mit ihrer App nicht nur Affären und (eventuelle) Beziehungen in die Wege zu leiten, sondern ganz allgemein Menschen mit gleichen Vorlieben, Interessen und Hobbys zusammenzubringen. Genau eine solche Komponente fehlt Facebook in seinem Produktmix. Dank der voll implementierten Multi-App-Strategie könnte Zuckerberg Tinder übernehmen, ohne dass er dadurch gezwungen wäre, die App mit dem sozialen Netzwerk zu vereinen. Wobei Tinder ohnehin bereits eine (leicht kontroverse) Facebook-Integration besitzt.

Es ist davon auszugehen, dass Tinder neben Snapchat zu den angesagtesten Übernahmekandidaten der US-Techbranche avancieren wird.

Update: OnlineMarketing Rockstars sprach mit Tinder-Marketingchef Justin Mateen. Demnach hat Tinder in Deutschland derzeit rund 800.000 Nutzer.

Kommentare

  • Andreas Herzog

    12.05.14 (15:04:02)

    Diese App kann bei uns nur ein Renner werden. Ob die daraus entstehenden "Beziehungen" hier mithalten ist eine andere Frage. An sich eine gute Idee, die aber mit dem Hintergedanken des Missbrauchs von Daten und Kontakten mit Vorischt zu geniessen ist.

  • Paperjack

    12.05.14 (15:59:52)

    Leider haben einige Userinnen die Funktionsweise von Tinder nicht so ganz verstanden. Hab schon mehrere Profile gesehen wo dann steht das man sie doch anschreiben soll. Was bei Tinder natürlich nur dann geht wenn beide sich geliked haben.

  • Martin Weigert

    12.05.14 (18:00:21)

    Da wurde der Präsentationtext vermutlich aus einer anderen Datingapp einfach kopiert.

  • Rüdiger S.

    19.05.14 (12:14:40)

    Diese Casual Dating Apps sind doch alle Schwachsinn! Ich hatte vor ein paar Monaten mal Lovoo ausprobiert und es war so ziemlich der übelste Müll, den ich jemals auf meinem iPhone installiert habe. Und da solche Tools alle ziemlich ähnlich aufgebaut sind und alle die gleichen Macken in ihrer Funktionalität aufweisen, sind sie auch alle gleich schlecht. Die stehen sogar noch eine Stufe unter den klassichen Datingportalen im Web. Zum Kennenlernen anderer Singles sind Tinder, Lovoo und Co nach meiner Erfahrung vollkommen ungeeignet. Aber heute wird ja alles, was nur ansatzweise nach Sozialem Netzwerk ausschaut und wo man sich gegenseitig rasch Nachrichten zusenden kann, gehyped ohne Ende. Lasst die Finger von so etwas, Leute! Lernt euch lieber auf die ganz altmodische Weise kennen, nämlich über Bekannte und in persona.

  • Martin Weigert

    19.05.14 (12:16:09)

    "Lasst die Finger von so etwas, Leute! Lernt euch lieber auf die ganz altmodische Weise kennen, nämlich über Bekannte und in persona." Warum? Es gibt genug Menschen die auf die neumodische Weise ihre Partner kennenlernen.

  • Tindertester

    29.05.14 (13:22:37)

    Ich finde Tinder prinzipiell interessant und verwende es daher seit ca. drei Monaten, aberjene Frauen, die sich da als Kontakt ergeben haben (bislang 8 an der Zahl), sind - gelinde gesagt - seltsam: 50 % davon haben erst gar nicht auf die erste Chatzeile zurückgeschrieben, von den anderen 50 % scheinen wiederum 50 % überhaupt nicht schreiben zu können - die maximale Zeilenlänge beträgt zwei, drei Wörter. Und jene zwei Damen, die unter Anführungszeichen länger gechattet haben, kommen in Summe auf vielleicht zwei Minuten Kontaktdauer. Jede Skyebekanntschaft ist um Äonen nachhaltiger. Es kann natürlich auch sein, dass auf Tinder wirklich derart oberflächlich agiert wird, dass selbst Chats im Minutenbereich als zu anstrengend empfunden werden. Meine Erfahrungen sind bislang höchst abschlägige: Es dauert Wochen, bis überhaupt ein Kontakt zustandekommt, und die, die zustandekommen, erwecken den Eindruck, als seien sie trotzdem überhaupt nicht an einem Kontakt interessiert oder voll im Stress oder überhaupt unabkömmlich (gemesse an der Länge der Nachrichten im einstelligen Wortbereich). Seltsam, das alles. Die Berichte, die man so liest (Grundtenor: alles ziemlich super, Treffen ergeben sich ganz locker), decken sich so überhaupt nicht mit meiner Erfahrung, es kommt nämlich nicht mal zu (längeren) Chats, und das trotz Hochhalten der Etikette, also aller gebotenen Höflichkeit Unbekannten gegenüber. :-/

  • Martin Weigert

    29.05.14 (15:25:11)

    Ich habe ähnliche Erfahrungen von anderen gehört (und mit "anderen" meine ich wirklich andere, nicht mit selbst :P)

  • Tindertester2

    11.09.14 (02:19:59)

    Kann ich bestätigen.

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