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17.07.14Kommentieren

Till Ohrmann vom European Pirate Summit: "Startups, die nicht gut präsentieren können, gehören nicht auf die Bühne"

Zum vierten Mal findet Anfang September in Köln die Startup-Konferenz European Pirate Summit statt. Das Event ist seit 2011 von einem Hobby der Macher zu einem Startup geworden. Till Ohrmann, Co-Founder und CEO, plaudert aus dem Nähkästchen.

Pirate SummitSeit 2011 versammeln sich jedes Jahr im Spätsommer/Frühherbst bis zu einige Tausend Vertreter der Internetwirtschaft in Köln bei einer der interessantesten Branchenveranstaltung überhaupt: dem European Pirate Summit. Das diesjährige Event, das vom 1. bis zum 5. September stattfindet, wird wieder viel von der typisch intimen, entspannten Atmosphäre der vorherigen Auflagen mitbringen. Dennoch hat sie dich Konferenz mit ihren paneuropäischen Satelliten-Events innerhalb von drei Jahren von einem Hobby-Projekt der Gründer zu einem waschechten Startup entwickelt. Wir sprachen mit Co-Founder und CEO des Pirate Summit, Till Ohrmann, über das, was zwischen 2011 und 2014 passiert ist. Jedes Mal, wenn der Pirate Summit bevorstand, hörte man eurerseits Zweifel, ob es im Jahr darauf eine Neuauflage geben würde. Und doch steigt die Konferenz 2014 zum vierten Mal. Wieso gibt es euch immernoch?!

Erstens: Ich kann so ein Projekt einfach nicht fallen lassen. Das würde mir das Herz brechen. Und zweitens ist der Pirate Summit von einem “Spaß”-Projekt, das wir neben unserem Studium verwirklichten, zu einem echten Event-Startup mit hohem Bekanntheitsgrad geworden.

Till Ohrmann

Bislang habt ihr die Veranstaltung teilweise über Sponsoren und teilweise aus eurer eigenen Tasche finanziert. Geht das nicht auf Dauer ins Geld?

Das kann man sagen. In diesem Jahr gelang es uns glücklicherweise, Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe eines niedrigen sechsstelligen Betrags in Anspruch zu nehmen. Das entspannt die Situation und erlaubt es uns, fünf Festangestellte und vier Praktikanten zu beschäftigen und zudem ein neues, kostenfreies Pre-Event namens Pirate Camp durchzuführen. Zu diesem benötigt man anders als zum eigentlichen Summit keine Einladung. Generell wollen wir in diesem Jahr endlich auch operativen Gewinn erwirtschaften. Letztes Jahr war zwar auch “profitabel” - aber nur weil wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben.

Wer ist von der ehemaligen Crew eigentlich noch dabei?

Manuel Koelman ist strategisch involviert und befasst sich primär mit der Firmenausrichtung. Waldemar Hein, Fabian Mücke und Maurice Kock sind Teil des “kreativen Boards”. Das trifft sich sporadisch. Außerdem unterstützen das Projekt noch die ehemaligen Boardmitglieder Philipp Möhring, Stefan Menden und Moritz Delbrück.

Im Vorfeld des Pirate Summit veranstaltet ihr zahlreiche Satelliten-Events an unterschiedlichen Orten in Europa. Dort bringt ihr lokale Startups zusammen. Wie passt das in euer Konzept?

Das sind in erster Linie Community-Events, bei denen wir Botschafter rekrutieren und treffen, die uns helfen, die lokale Szene zusammenzubringen. Irgendwann soll auch das ein profitables Geschäft werden. Außerdem ging es mir mit den Veranstaltungen auch ganz trivial darum, das öffentliche Sprechen vor Leuten zu üben. Dafür ist das ein super Training.

Es mangelt in der Branche wahrlich nicht an Events. Was hebt den Pirate Summit von der Masse ab?

Der erste Punkt ist die richtige Auswahl von Teilnehmern. Erfahrene Personen, die schon viel erlebt und entsprechend etwas zu berichten haben. Das verbunden mit dem Charme der industriellen Location Odonien. Man kann zu uns kommen, wenn man auf der Suche nach Kapital ist, wenn man Gleichgesinnte Treffen möchte - oder auch einfach nur, weil es Spaß macht!

Was sind deine Erkenntnisse und Erleuchtungen nach vier Jahren im Startup-Event-Geschäft?

Ich bin froh, dass wir 2011 gestartet sind und nicht jetzt. Es gibt einfach derartig viele Konferenzen heute. Außerdem: Die Qualität des Pitchmaterials nimmt immens zu. Die Pitch-Decks sehen immer besser aus. Leider ist dieses gesteigerte Niveau nicht immer auf der Bühne sichtbar.

Die ein oder andere ungeschliffene Präsentation ist also immer noch dabei?

Leider. In diesem Jahren haben wir für Startups, die sich vorstellen wollen, deshalb auch ein Vorab-Video-Interview eingeführt. Ich denke, dass man heutzutage niemanden mehr auf die Bühne lassen sollte, der nicht pitchen kann. Sonst kommt es einfach zu oft zu beschämenden Momenten.

Glücklicherweise gab es bei den vergangenen Events auch viele gute Pitches. Einige resultierten letztlich in Erfolgsgeschichten, oder?

Ich glaube zwar, dass es noch etwas früh ist, um auf die Success Stories zu blicken. Aber klar, Loom (beziehungsweise dessen Vorgänger) und Readmill präsentierten sich früh bei uns und wurden dieses Jahr jeweils von Dropbox übernommen. Infogram entwickelt sich gut. Und Versus.io hat sich durch uns ein Investment von Dave McLure von 500 Startups sichern können.

Eine Geschichte rund um den Pirate Summit, die du nie vergessen wirst?

Da gibt es einige. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, als einst Morten Lund zu uns kommen sollte, aber parallel von einer anderen Konferenz gebucht war. Als er vom Pirate Summit hörte, brach er auf dem anderen Event spontan seine Zelte ab und fuhr mit dem Taxi zu uns. Anschließend tauchten die Organisatoren dieser Konferenz auf und baten uns, Lund wieder zurückzuschicken. Eine Rechnung für den Auftritt erhielten wir obendrein auch nicht. Das war schon nett. Ganz generell macht die Planung und Durchführung des Pirate Summit einfach viel Spaß. Und: Ich find’s geil, was gerade in Startup-Europa passiert.

Alle Details zum Event, eine Übersicht zum Programm sowie eine Möglichkeit, sich für Tickets zu bewerben, gibt es auf piratesummit.com.

Aufgrund unserer relativ niedrigen Artikelfrequenz und aus Rücksicht auf die Leserinnen und Leser verzichten wir auf Medienpartnerschaften mit Veranstaltungen. Der European Pirate Summit war und ist die einzige Ausnahme.

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