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16.03.12

Thumb: Meinungsplattform mit beeindruckender Nutzeraktivität

Bei der für iPhone und Android angebotenen Applikation Thumb können Nutzer die Community um Feedback zu beliebigen Fragestellungen und Kommentaren bitten. Das Aktivitätsniveau der Anwenderschaft des New Yorker Startups ist extrem beeindruckend und dürfte viele andere Dienste neidisch machen.

 

Die Welt der Onlinedienste und mobilen Apps ist ungerecht: Einer Vielzahl von Startups gelingt es trotz intensiver Medienbewachung, der exzessiven Nutzung von Superlativen und weitreichender Versprechungen an die Nutzer nicht, eine kritische Masse zu erreichen. Und einige wenige andere Anbieter scheinen sich gleichzeitig ohne einen schillernden Hype zu Besuchermagneten zu entwickeln. Pinterest war ein solcher Kandidat - als im TechCrunch & Co im Herbst auf das explosionsartig wachsende Startup aufmerksam wurden, hatte es bereits Millionen Mitglieder.

Bei scheint sich die Geschichte zu wiederholen: Gestern publizierte VentureBeat einen Bericht über das ehemals Opinionaided genannte Startup aus New York, dessen kostenlose iPhone- und Android-App Anwendern die Möglichkeit gibt, spontanes Feedback anderer Nutzer zu beliebigen Fragen oder Aussagen einzuholen.

Der recht euphorische Beitrag behauptet auf Basis einer Aussage von Thumb-Business Developer Hadley Harris, die durchschnittliche monatliche Aufenthaltsdauer der Nutzer wäre doppelt so hoch wie der vergleichbare Wert bei Pinterest und läge nur knapp hinter Facebook. Skepsis war angebracht, dachte ich mir, aber installierte mir die iPhone-Anwendung, um den im Text als "simpel aber süchtigmachend" bezeichnenden Dienst auszuprobieren.

Optisch liefert Thumb nur Standardkost, und auch hinsichtlich der Usability zeigt sich die Anwendung eher konservativ. Umso überraschter und auch schockierter war ich, als ich spaßenshalber eine Frage zur Diskussion stellte und innerhalb von fünf Minuten mindestens 30 Bewertungen und Kommentare der Thumb-Community eingingen. Eine halbe Stunde später lag diese Zahl bereits bei 80. Ein derartiges Engagement der Nutzerschaft habe ich persönlich noch niemals bei einer jungen, vergleichsweise unbekannten Social-Web-Anwendung erlebt.

Eine Recherche zeigt, dass das damals noch unter seinem alten Namen firmierende Startup vom Big Apple bereits im Sommer vergangenen Jahres signifikante Nutzeraktivitäten vorweisen konnte. Die Gründung liegt sogar noch ein weiteres Jahr zurück. Dennoch scheinen Europäer bisher kaum auf den Service aufmerksam geworden zu sein, der mit seiner beeindruckenden Mitgliederaktivität tatsächlich ideal dafür ist, in Entscheidungskrisen kurzfristige Hilfe der Community einzuholen - die deutlich schneller und in größer Zahl reagiert, als dies bei Facebook oder Twitter jemals möglich wäre.

In gewisser Weise ist Thumb eine Art "Hot or Not" für Smartphones, und nicht alle Feedbackanfragen, durch die man nacheinander zappen kann und die jeweils mit "Daumen hoch", "Daumen runter und "Neutral" bewertet sowie mit einem Kommentar versehen werden können, machen einen ernsthaften Eindruck. Doch die Geschwindigkeit, mit der eigene Fragen auf breite Resonanz stoßen, liefert den Beweis, dass Thumbs das magische Etwas haben muss, welches erfolglose von erfolgreichen Anwendungen unterscheidet. Gewisse Parallelen gibt es auch zum Berliner Startup Amen - dieses kann zwar eine deutlich ansehnlichere mobile App vorweisen, dafür aber keine auch nur annähernd so aktive Community.

Inwieweit Thumb mehr als eine kurzweilige Spielerei darstellt, wage ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zu beurteilen. Auch dürfte die App aufgrund ihrer englischsprachigen Konversationen Schwierigkeiten dabei haben, sich in einzelnen europäischen Ländern auszubreiten. Dennoch würde ich allen Lesern, die gerne erleben möchten, wie es ist, innerhalb von Minuten Dutzende von Meinungen zu beliebigen Fragestellungen oder Kommentaren zu erhalten, ein Ausprobieren der App nahelegen. Derartiges erlebt man nicht alle Tage.

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