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24.03.09Kommentieren

The New Basics: Grundsätzliches über die Medien

Wie geht es dem Journalismus? Zwei aktuelle Studien zeigen, wie es um die Medien in Deutschland steht. Mit reichlich Zahlenmaterial belegen sie einen heftigen Strukturwandel.

Ein grundlegender Medienwandel findet statt - und wird vielfach ignoriert (Keystone)

Zwei grundlegende Texte gibt es in Deutschland, die jeder kennen und zur Hand haben sollte, der sich ernsthaft mit Medienfragen beschäftigt. Beide sind auch als kostenlose pdf-Dateien im Internet verfügbar. Zunächst einmal ist dort der zweiteilige Medienbericht der Bundesregierung, erstellt vom Hans-Bredow-Institut. In ihm finden sich alle relevanten Daten und Fakten zur Medienlandschaft, auf der statistischen Basis des Jahres 2008. Insbesondere der zweite Teil, das Gutachten, trägt auf knapp 400 Seiten alles zusammen, was heutzutage für die Zahlengarnitur eines fundierten Artikels zur Lage der Medien erforderlich ist - von der Marktentwicklung über die Studierendenzahlen bis hin zum grassierenden Titelschwund gerade auch in der Fläche.

Dann aber ist da zweitens noch das Friedrich-Ebert-Institut: Obwohl es sich hierbei um eine parteinahe Stiftung der SPD handelt, hat das Institut in Medienfragen sich längst einen überaus guten und parteifernen Ruf erworben. Auf wissenschaftlichem Grund, fern von Verlegerinteressen und Gewerkschaftspositionen, veröffenlichte es zuletzt wieder einen 120-seitigen Bericht über 'internationale Trends und medienpolitische Problemfelder'. Titel: "Das Verschwinden der Zeitung?" ...

Uns erwarten dort nicht die üblichen Narhalla-Märsche und Durchhalteparolen der werten printgestützten Verlegerschaft, sondern faktisch und sachlich unterfütterte Befunde, die weitgehend 'aus der Netzsicht' heraus die These vom Untergang Holzhausens untermauern - und stellenweise ein wenig relativieren. Für beide Texte ergeht somit an alle einschlägig Interessierten ein 'Lesebefehl' - auch deshalb, weil beide Texte in ganz gewöhnlichen Worten ungewöhnliche Dinge sagen, so wie ein stilistisch gelungener Text dies tun soll.

Als Appetitanreger hier einige der Kernthesen aus der FES-Studie, so wie ich sie verstanden habe. Hinter sie kann in Zukunft keine Diskussion mehr zurückführen (S.4 ff.):

  • Auf dem Holzweg: Das Internet wird die Zeitung auf Papier verdrängen.
  • Mehr Demokratie wagen: Blogs und Social Communities stehen in einem notwendigen "Ergänzungsverhältnis" zum klassischen Journalismus, der zukünftig auf sehr viel mehr Plattformen tanzen muss.
  • Zeitungen sind Umweltferkel: Die klassische Zeitung in ihrer druck- und papiergestützten Vertriebsformen ist unökologisch, ineffizient und auch lesetechnisch die ergonomisch unsinnigere Lösung.
  • Das schmerzt: Einsparungen im journalistischen Bereich werden sich flächendeckend und dauerhaft fortsetzen.
  • Think crossmedial: Der Ausbildungsstand der meisten Journalisten hinkt der technischen Entwicklung meilenweit hinterher. Weiterbildung ist längst überfällig, wird aber aus Kostengründen von den Verlegern versäumt.
  • Information ist keine Ware: Information wird zunehmend zu einem Gratis-Angebot werden, das dem Menschen kostenlos zufließt. Verkäuflich wird das, was über den reinen Informationscharakter hinausgeht: Autoren, Erzählweisen etc.
  • Sugar Daddies gesucht: Journalistische Angebote müssen sich Sponsoren und Förderer suchen. Werbung und Verkauf leisten keinen zureichenden Beitrag zum Überleben der schreibenden Zunft mehr.

Links:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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