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14.10.13

The Hundert: Ein Printmagazin begleitet die Berliner Internetwirtschaft

Mit The Hundert erhält die Berliner Internetwirtschaft ein kostenfrei auch online abrufbares Printmagazin. Die erste Ausgabe beleuchtet, was 100 etablierte und aufstrebende Köpfe über die Entwicklung der Branche denken.

Die Berliner Internetwirtschaft hat mittlerweile viel: Ein stetig wachsendes Netz aus Startups, etablierten Webfirmen, Geldgebern und Mentoren, europa- und weltweite Aufmerksamkeit, die Unterstützung der Politik und viele attraktive Konferenzen und Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt auf Technologie- und Internetfragen. Was bisher fehlte, war - abgesehen von den großen Exits natürlich - ein "eigenes" Magazin, das über die tagesaktuelle Berichterstattung einschlägiger Fachblogs hinausgeht. Jan Thomas und Konstantin Iwanow, die Macher des Szeneblogs Berlin Valley, wollen dies ändern und präsentieren heute die erste Ausgabe von "The Hundert" - eine 180-seitige Publikation, die kostenlos unter the-hundert.com betrachtet und heruntergeladen werden kann und außerdem in den nächsten Tagen und Wochen in einer Auflage von 12.500 Exemplaren an neuralgischen Treffpunkten der hauptstädtischen Webwirtschaft zu haben sein wird - ebenfalls gratis.

Ein Printmagazin, das sich mit einer Branche befasst, die sich sonst eher fürs Digitale begeistert - macht das überhaupt Sinn? Thomas und Iwanow glauben daran. "Auch wenn viel über den Abgesang von Print geschrieben wurde - wir wollten, dass das Heft Spaß", erklärt Thomas. Das Duo habe sich haptisch an der "brand eins" orientiert, aber ein noch dickeres Papier gewählt. Nun warten zehn Tonnen Zeitschriften auf 25 Paletten darauf, unter das Berliner Webvolk gebracht zu werden. 100 Szeneköpfe erläutern ihre Sicht auf Berlin

Die erste Ausgabe von The Hundert steht unter dem Motto "100 Standpunkte zur Online-Hauptstadt Berlin". Für das Heft haben die zwei Neuverleger - es ist ihr erstes Produkt dieser Art - das Who-is-Who der lokalen Webwirtschaft um Beiträge, Perspektiven und Kommentare zur Entwicklung der Branche gebeten. Dabei sind neben dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit die bekannten Szenefiguren, überregional präsente Medienpromis und Unternehmer mit Web-Faible, tonangebende Investoren und Gründer-Schwergewichte sowie zahlreiche Jungunternehmer, die sonst eher selten im Kontext des Berliner Startup-Booms auftauchen. Kurzum: Thomas und Iwanow ist ein sehr guter Mix aus unterschiedlichsten Protagonisten gelungen, der sicherstellt, dass The Hundert trotz seiner zweifellos positiven Grundattitüde bezüglich der Stadt nicht als Lobbyheftchen oder Werbebroschüre wahrgenommen wird. Denn das ist es nicht.

Entstehungsgeschichte wie bei einem Startup

Im Kern handelt es sich bei The Hundert um das Resultat aus einer "typischen Schnapsidee". "Wir wollten ursprünglich ein Sammel-Posting für unser kleines Blog BerlinValley anfertigen, bei dem wir zehn verschiedene lokale Unternehmer zum Standort Berlin befragen würden", schildert Thomas die Entstehungsgeschichte. Daraus entwickelte sich dann die Idee eines E-Books, die schließlich in das Vorhaben eines gedruckten Heftes mündete. Aus den anvisierten zehn Statements wurden hundert. Einen Businessplan oder eine Kalkulation gibt es nicht. Finanziert wurden die knapp drei Monate Arbeit, die das Duo in die Entstehung von The Hundert investierte, durch Anzeigen und Sponsoren. Thomas schätzt die Gesamtkosten des Projekts auf rund 35.000 bis 40.000 Euro - die eigene Arbeitsleistung nicht eingerechnet.

Doch trotz der finanziellen Unterstützung einiger Branchenakteure unterstreicht Thomas die 100-prozentige redaktionelle Unabhängig und erklärt, dass der Kontakt zur Berliner Wirtschaftsförderung Berlin Partner und Klaus Wowereit erst zustande kam, als der Produktionsprozess schon in vollem Gange war. Überrascht zeigt sich der Projektinitiator über die "erstaunlich wenigen kritischen Töne" unter den von den 100 Köpfen dargebotenen Sichtweisen. Denn "ein Meinungsmosaik wie 'Hundert' kann natürlich dazu dienen, auf Missstände aufmerksam zu machen und Dinge anzustoßen". Alle Befragten wurden von ihm und seinem Teamkollegen bewusst dazu aufgerufen, auch gerne kritische Aspekte einzubringen. Doch wie es scheint, dominieren Zuversicht und Hoffnung.

Vierteljährliche Erscheinungsweise geplant

Die namensgebende "100" bleibt auch in den geplanten nächsten zwei Ausgaben das übergeordnete Thema: Für Anfang 2014 ist eine Vorstellung der "100 coolsten Berliner Startups, die man kennen sollte", vorgesehen. Ein Vierteljahr später sollen Leser dann mehr über die Fehler lernen können, die 100 Online-Unternehmer in ihrer Vergangenheit gemacht haben. Zwar halten sich Thomas und Iwanow abhängig vom Feedback zur Erstausgabe die Option für Änderungen dieses Publikationsplans offen, haben aber das klare Ziel, The Hundert zu einer regelmäßigen Publikation zu machen. Ob ihnen dies gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob sie ein nachhaltiges Geschäftsmodell finden.

Auf das Erstlingswerk ist das Duo jedenfalls ziemlich stolz. Nicht nur, weil die Zwei all ihre Energie und ihr Herzblut in das Projekt gesteckt haben, sondern auch, weil die Resonanz der 100 partizipierenden Köpfe vom ersten Tag an riesig gewesen sei. "Insgesamt waren wir vom Enthusiasmus und der Hilfsbereitschaft vieler Teilnehmer überrascht", so Thomas - selbst wenn es natürlich auch einige kleinere Schwierigkeiten und kurzfristige Absagen gab. "Wahrscheinlich könnten wir über unsere Erkenntnisse ein kleines Buch schreiben", sagt er. Ein wenig klingt auch das wieder nach solch einer "Schnapsidee"...

Aktuell existiert The Hundert nur in einer deutschsprachigen Version. Spätestens gegen Ende der Woche erhält es Gesellschaft von einer ins Englische übersetzten Ausgabe. /mw

Link: The Hundert

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