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29.08.13Leser-Kommentare

"The Document App": Doo startet die Version 2.0, hofft auf den endgültigen Durchbruch

Das deutsche Dokumenten-Startup Doo startet die Version 2.0. Dass diese nur geringe Unterschiede zum Vorgänger aufweist, täuscht nicht über die starken Fortschritte der vergangenen Jahre hinweg - und darüber, dass den Anbietern das Lachen ein wenig vergangen ist.

DooIch verfolgte das Geschehen um das Bonner Dokumenten-Startup Doo nun schon seit gut anderthalb Jahren und ich gebe zu, dass Lokalpatriotismus hierbei eine Rolle spielt. Doo ist das einzige echte Startup aus meinem Wohn- und Arbeitsort Bonn, das über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist und eine beachtenswerte Finanzierung erhalten hat. Außerdem gefiel mir von Anfang an der Ansatz des Startups, das Papier töten und ein cleveres Dokumenten-Management-System aufbauen zu wollen. Alle Dokumente an einer Stelle - eigentlich genau das, was ich selber brauche.

Heute veröffentlicht Doo die Version 2.0 seiner Software, und das Team um die drei Gründer Frank Thelen, Marc Sieberger und Alex Koch hofft, damit endlich einmal durchzustarten. Bislang gab es Anerkennung von Techblogs, Nutzern und Investoren ob der schön designten Software, und einen Innovationspreis von der Kanzlerin. Mit den Zahlen allerdings ist CEO Frank Thelen, den ich in dieser Woche auf dem European Pirate Summit in Köln sprach, nicht zufrieden. Die Konversionsrate ist niedrig, die Zahl der bisherigen Downloads liegt im unteren sechsstelligen Bereich. Auch den fehlenden Mut deutscher Investoren kritisiert er. Meine Frage, ob er sich für Doo mehr erhofft habe, bejaht er. Mit Doo 2.0 will er nun endlich 1 Million Downloads schon in wenigen Tagen erreichen.

 

Nur marginale Änderungen

Der bisherige Zwang, Doos eigenen Cloud zu benutzen, entfällt in der Version 2.0. Am auffälligsten sind die Veränderungen in der iPhone-App, in der die neue Scan-Funktion nun Dokumente von beliebigen Oberflächen aufnehmen und per OCR automatisch taggen kann. Neu in der Version 2.0 für Mac OS X ist ein Document Stream, eine Art Unified Inbox für Dokumente aus verschiedenen Datenquellen wie Mail-Account, Dropbox, Google Drive oder Evernote. Schmuckstück bleibt die Suche, die nun um intelligentere Verknüpfungen erweitert worden sein soll. Doo 2.0 startet heute zeitgleich für Mac, Windows 8, iOS und Android. Neue Versionen für den Windows-Desktop und Android-Tablets sollen in Planung sein. Neue Premium-Features, die zuletzt eigentlich nur aus mehr Speicherplatz für die Doo-Cloud bestanden, sollen noch bis Jahresende folgen.

Neuer Document Stream in der Version 2.0, sonst nur geringfügige Änderungen Neuer Document Stream in der Version 2.0, sonst nur geringfügige Änderungen

Ich hatte ein wenig Mühe, herauszufinden, was sich zwischen der Version 1.3 und 2.0 bei Doo eigentlich getan hat. Die Android-App etwa erhielt eine Scan-Funktion mit OCR bereits Anfang August. Wer die letzte Mac-Version schon genutzt hatte, wird optisch bis auf den Document Stream auf den ersten Blick wenig Veränderungen feststellen. Es bleibt bei einer Darstellung, die an gängige Mail-Programme, den Finder oder auch Evernote erinnert. Die linke Menüleiste kann weiterhin verwirren. Worin zum Beispiel der Unterschied zwischen "Index", "Dokumenten" und "Arbeitsumgebungen" besteht, leuchtet dem Nutzer auf den ersten Blick nicht ein. Warum sich in die Rubrik "Schnellzugriff" so leicht keine weiteren Begriffe hinzufügen lassen, ist nicht unbedingt ersichtlich. Warum das System Duplikate erkennt (bei mir waren es fast 900), es aber nicht erlaubt, diese mit einem Klick zu löschen, hat dafür Sicherheitsgründe. Hier würden wohl aus Versehen zu viele Dateien über den Jordan gehen.

Die Suche bleibt das Schmuckstück

Der neue Document Stream zeigte mir beim Test auch E-Mails im HTML-Format an, die eigentlich keine Dokumente waren oder enthielten, darunter selbst einfache Freundschaftsanfragen auf Facebook oder Benachrichtigungen auf Twitter, die per Mail eingegangen waren. Bei der schieren Fülle an Datenquellen fühlte ich mich von den Dokumenten oder ähnlichen Dateitypen eher erschlagen. Bei der Suche und dem Zeitstrang allerdings spielt Doo nach wie vor seine ganze Klasse aus, wenn es etwa die Suche nach Dokumenten getrennt nach Speicherorten, Dokumenttypen, Dateiformaten oder Personen erlaubt und der Nutzer diesen auf einen selbst definierten Zeitraum festlegen kann. Ich finde es ein wenig schade, dass diese gigantische Möglichkeit in den Hintergrund gerückt ist.

Killerfeature: Suche mit Auto Tagging Killerfeature: Suche mit Auto Tagging

Thelen stand beim European Pirate Summit mehrfach auf der Bühne und warb beispielhaft sowohl für Doo als auch seine weiteren Beteiligungen MyTaxi und Wunderlist um eine bessere Investitionskultur für Startups in Deutschland. Doo sicherte sich in mehreren Investitionsrunden rund 10 Millionen Euro, das Startup beschäftigt mittlerweile rund 40 Mitarbeiter. Auch wenn das Investitionskapital auf den ersten Blick nach einer Menge Geld klingt, reicht das Geld natürlich nicht für immer und wirkt geradezu bescheiden im Vergleich zur Milliardenbewertung des "digitalen Gedächtnisses" Evernote. "Der Standort Deutschland tut zu wenig, um mit Startups die eigene Zukunft zu fördern", sagte mir Thelen im Gespräch. "Ich bekomme schnell gutes Geld von VCs, wenn ich etwas mit E-Commerce mache. Aber wenn ich das Papier revolutionieren will, ist eine Finanzierung deutlich schwerer."

Verwirrende Oberfläche könnte Nutzer abschrecken

Ob das nun alles 2.0 ist oder ob nicht auch vieles davon schon in früheren Versionen verfügbar war, ist eigentlich einerlei, zumal die Software offenbar ohnehin noch kaum jemandem in Deutschland und dem Rest der Welt bekannt ist. Man sieht den hohen Funktionsumfang auf den ersten Blick. Man merkt der Software aber auch an, dass die Macher sie bereits mehrfach neu definiert haben und noch immer nicht so genau zu wissen scheinen, worauf sie eigentlich den Schwerpunkt setzen wollen. Und man merkt, dass eine ganze Menge Karacho unter der Haube steckt. Die leicht verwirrende Oberfläche hat allerdings den Nachteil, dass nicht jeder Anwender gleich von den Vorteilen der Software überzeugt sein dürfte, ja, vielleicht sogar ein wenig abgeschreckt wird.

Man munkelt, dass auch Doo-Mitbewerber Gini (ehemals Smarchive) mit der Deutschen Post als Partner kurz vor dem Start steht. Aktuell scheint es, als könnte Doo von einem weiteren Mitspieler eher profitieren als verlieren. Intelligente Dokumentenmanagement-Systeme sind beim Nutzer offenbar noch nicht angekommen, das Potenzial dürfte beachtlich sein, Konkurrenz das Geschäft beleben. Auch unabhängig von meinem persönlichen Interesse wünsche ich Doo, dass man die Kurve nun endlich kriegt. Egal ob mit der Version 2.0 oder einem späteren Update.

Kommentare

  • René Fischer

    29.08.13 (20:26:43)

    "Der bisherige Zwang, Doos eigenen Cloud zu benutzen, entfällt in der Version 2.0." Aber meinen eigener Speicherplatz bspw. auf einem HiDrive kann ich nicht verwenden, oder? Ich habe dazu jedenfalls nichts gefunden. Ansonsten für mich nach wie vor eine sehr spannende Alternative zu Evernote, auch wenn ich mir ein Wechsel derzeit nicht vorstellen kann. Gerade die von dir hier beschriebenen Probleme eine kritische Masse zu erreichen schrecken mich noch am meisten ab. Ich will meine Dokumente nicht bei einem Service speichern, der vielleicht in 2 Jahren seine Pforten schließt.

  • Lucas Rüngeler - doo

    30.08.13 (10:50:31)

    Hallo René, vielen Dank für dein Feedback! Wir haben uns erstmal entschieden Dropbox, Google Drive, Evernote und E-Mail Konten als Speicherorte zu verwenden. HiDrive ist aber auf unserer Liste und kommt auch bald dazu! Meld dich am besten zu unserem Newsletter an, dann erfährst du es sofort: https://doo.net/de/newsletter.html Hinsichtlich deiner Befürchtung, deine Dokumente bei uns langfristig nicht ablegen zu können: du bist in keiner Weise abhängig von doo. Du kannst deine Dokumente jederzeit wieder aus doo herausholen oder die verbundenen Cloud-Dienste von deinem doo Konto kappen. Zudem wirst du auch unabhängig von doo Tags weiter nutzen können, die ursprünglich einmal durch unsere intelligenten Algorithmen erstellt wurden. Mehr dazu erfährst du in unserem Blog-Post zu Open Meta: https://blog.doo.net/2013/04/12/doo-tech-openmeta.html Falls du noch weitere Fragen hast, kannst du dich natürlich jederzeit auch an support@doo.net wenden. Viele Grüße, Lucas

  • René Fischer

    30.08.13 (14:12:17)

    Hallo Lucas, für mich ist das Thema ultraspannend und ich würde meine Dokumente auch gern lieber (zur Sicherheit, aufgrund der fehlenden Verschlüsselung) außerhalb von Evernote speichern. Was mir fehlt, ist wie gesagt die Möglichkeit mit eigenem Speicherplatz zu arbeiten (also auch ein eigener Root-Server in der Cloud, oder Webspace). Für den Anfang wäre ich auch mit HiDrive zufrieden. Was mir dann noch fehlt, ist eine klassische Windows-App. Ich hatte eure App für Windows 8 mal getestet, kann damit aber nicht produktiv arbeiten (ähnlich wie mit der Windows 8 (RT)-App von Evernote). Die Unterstützung von OpenMeta ist begrüßenswert. Wusste ich gar nicht das ihr da mit macht. Auf jeden Fall weiter so und alles Gute. Ich habe den Newsletter abonniert und behalte euch im Auge. Viele Grüße René

  • Lucas Rüngeler - doo

    30.08.13 (17:00:17)

    Hallo René, danke für deine Antwort! An der Windows Desktop App arbeiten wir bereits und werden sie relativ bald veröffentlichen. Bitte noch um etwas Geduld. :) Wir freuen uns, wenn du uns gewogen bleibst! Viele Grüße, Lucas

  • Patrick

    31.08.13 (16:11:14)

    Ich würde doo schon längst nutzen, wenn es eine Version für Windows 7 gäbe. Ich kann gar nicht verstehen, wieso dem so niedrige Priorität eingeräumt wird.

  • SM

    02.09.13 (10:08:04)

    Genau so ist es, Patrick. Bereits Version 2.0 vorlegen, aber noch nicht mal das verbreitetste OS überhaupt unterstützen. Stattdessen Mac OS X mit einem Marktanteil von vielleicht 7%. Wie kann man sich da ernsthaft über niedrige Nutzerzahlen wundern?

  • Patrick

    02.09.13 (10:36:04)

    Genau!

  • Lucas Rüngeler - doo

    02.09.13 (18:31:14)

    Hallo Patrick und SM, vielen Dank für Euer Feedback! Uns wäre es auch lieber, wenn wir doo für Windows 7 schon heraus gebracht hätten. Ich kann euch aber versichern, dass unsere Entwickler mit Hochtouren an doo für Windows 7 arbeiten und wir bald eine erste Version veröffentlichen werden. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr gerne bei uns als Beta-Tester mitmachen? Falls ja, melde euch gerne bei mir! Viele Grüße aus Bonn, Lucas

  • Patrick

    05.09.13 (08:40:56)

    Hi Lucas, würde gerne testen. Wie kann ich mit dir in Kontakt treten?

  • Georg

    06.09.13 (08:32:14)

    Weder Windows 7 noch Linux. Von Smartphone-Systemen abseits von Android fangen wir besser gar nicht erst an. So kann ich Doo leider nicht nutzen, zumindest Windows 7 und Linux wären notwendig!

  • Lucas Rüngeler - doo

    06.09.13 (09:56:00)

    Hi Patrick, hattest du meinen Reply bei Twitter nicht bekommen? Schick mir gerne eine E-Mail an support@doo.net - ich nehme dich dann in unseren Beta-Tester-Kreis auf! Viele Grüße, Lucas

  • Lucas Rüngeler - doo

    06.09.13 (10:00:09)

    Hallo Georg, vielen Dank für dein Feedback. Tut mir Leid, dass wir für deine Bedürfnisse noch nicht alles auf den Markt gebracht haben. Hinsichtlich Windows 7 kann ich dir versichern, dass wir in den nächsten Wochen eine erste Version veröffentlichen werden. Deinen Wunsch bzgl Linux gebe ich weiter. Welche Plattformen abseits von Android fehlen dir noch? Viele Grüße, Lucas

  • Georg

    06.09.13 (15:24:01)

    Hallo Lucas, schön zu sehen, dass ihr auch Blogs lest und auf interessierte User hört! Nun ja, was heißt hier fehlen, ich nutze noch Meego auf einem Gerät, das ist nicht gerade ein populäres System. Ich denke nicht, dass sich da Support lohnen würde. Ein Linux-Client würde sich jedoch portieren lassen, von daher ist es auch nicht so wichtig. Linux (insbesondere Ubuntu, OpenSuse, Fedora) sollten jedoch unterstützt werden. Falls ihr den Client im Quellcode zur Verfügung stellt, würden die Nutzer vieler Systeme (bspw. Slackware, Arch) selber Pakete bauen, wenn Bedarf besteht. Von daher hält sich der Support-Aufwand für euch in Grenzen.

  • Lucas Rüngeler - doo

    09.09.13 (11:43:12)

    Hallo Georg, vielen Dank noch mal für deine Antwort - ich habe sie entsprechend weitergegeben! Guten Start in die Woche und viele Grüße, Lucas

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