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02.08.13Leser-Kommentare

Testprojekt mit Media Märkten: myTaxi macht Taxis zu Kurieren

myTaxi stößt in ein neues Geschäftsfeld vor: In Hamburg können an das automatisierte Taxivermittlungssystem angeschlossene Fahrer künftig auch Waren transportieren.

Die Lieferung am selben Tag könnte sich zu einem potenziellen Megatrend im E-Commerce entwickeln, so prognostizierte es Kollege Karsten Werner Ende vergangenen Jahres mit Blick auf die wachsende Zahl an Logistikdienstleistern, die E-Commerce-Anbietern bei der schnellen Auslieferung ihrer Produkte an die Kunden unter die Arme greifen wollen. Shutl, Postmates und das deutsche Startup tiramizoo sind unter anderem in diesem Segment tätig. Letztgenanntes Unternehmen konnte sich gerade über eine millionenschwere Beteiligung des Paketdienstes DPD freuen.

In seinem Beitrag verglich Karsten Werner das Prinzip von tiramizoo & Co mit dem von myTaxi. Analog zu dem aus Hamburg stammenden Taxivermittler sind bei den Logistikdienstleistern Händler und über ein Netzwerk verbundene Kurierfahrer an ein Fahrtenvermittlungssystem angebunden, über das die jeweiligen Abhol- und Zustellaufträge möglichst automatisiert vergeben werden. "myTaxi für Güter"

Diese Parallele zeigt: Eigentlich unterscheiden sich Taxi- und Kurierfahrer nur in dem Gut, das sie befördern: bei den einen sind es Menschen, bei den anderen Güter. Wieso kombiniert man nicht einfach beides, anstatt Fahrzeuge jeweils nur für eine der zweite Kategorien zu nutzen? Genau diese Frage haben sich die myTaxi-Macher gestellt. Ihre Überlegungen führten sie zu der Erkenntnis, dass die an ihr System angeschlossenen mittlerweile 35.000 Taxifahrer durchaus auch Kurierfahrten erledigen könnten.

Pilotprojekt mit Media Markt in Hamburg

In der myTaxi-Heimatstadt Hamburg hat in diesen Tag ein erster Test begonnen, mit dem das Jungunternehmen herausfinden möchte, wie gut Fahrgast- und Warentransport in der Praxis vereinbar sind. Partner für das Projekt sind zwei Media Märkte in der Hansestadt, die myTaxi-Fahrzeuge dafür nutzen, um von Kunden bestellte Ware innerhalb kürzester Zeit an sie auszuliefern (mutmaßlich im Rahmen des "Powerservice zum Festpreis").

Offiziell will sich das Startup bisher nicht zu dem Projekt äußern, unter diesem Link lassen sich aber bereits die wichtigsten Informationen aus Fahrersicht einsehen. Ein in der Fahrer-App erscheinendes Kurierfahrt-Symbol informiert Fahrer in Hamburg künftig über eine anstehende Abholung. Fahrer, die interessiert sind, holen die jeweilige Lieferung an der Warenabgabe ab und liefern sie so schnell wie möglich an die angegebene Adresse. Gemäß der verlinkten Instruktionen wird eine Kurierfahrt zu herkömmlichen Taxipreisen abgerechnet. myTaxi bittet darum, dass Aufträge nur von Fahrern angenommen werden, die bereit sind, einen Flachbildfernseher oder einen Laptop zu tragen.

Der Beschreibung erklärt nicht, inwieweit es für Fahrer möglich ist, gleichzeitig Passagiere und Waren zu befördern. Da Fahrer jedoch gebeten werden, für eine Tour ganz normal das Taxameter einzuschalten, dürfte dies zumindest für die aktuelle Kooperation nicht möglich sein.

Logischer und provokativer Schritt

Taxifahrer in Kurierfahrer zu verwandeln, ist ein eigentlich vollkommen logischer, aber auch provokativer Schritt. Denn damit erhält die Branche der Logistikdienstleister auf einen Schlag Wettbewerb aus unerwarteter Richtung. Sofern die häufig recht kostenintensive Same-Day-Lieferung sich allerdings tatsächlich auch in Deutschland zu einem oft nachgefragten Service entwickelt, dann wird das Wachstum der Branche allen Akteuren nützen, egal ob plötzlich auch Taxis mit Waren durch die Gegend rollen.

Verläuft der Test mit den Hamburger Media Märkten erfolgreich, dann darf man sich darauf einstellen, dass die Ära von Taxis als primäres Personenbeförderungsmittel endgültig vorbei ist. Zwar bieten diverse Taxiunternehmen schon länger Botenfahrten als Spezialdienstleistung. Doch mit dem automatisierten myTaxi-Ansatz und festen Kooperationspartnern aus dem Handel erhält das Thema einen offiziellen Anstrich. /mw

Kommentare

  • Sebastian Kurt

    02.08.13 (12:43:27)

    Großartige Idee hier eine Kombination anzubringen!

  • _heiko

    02.08.13 (21:09:03)

    Taxi- und Kurierfahrer unterscheiden sich in einem ganz anderen Punkt. Und zwar in der Größe des Transportfahrzeugs. Mit einem Laptop oder der Kaffemaschine mag das funktionieren. Doch spätestens beim Flat-TV macht sich das Größenproblem bemerkbar und der Taxifahrer fällt als Kurier aus.

  • Andreas Säger

    03.08.13 (10:49:26)

    Das kenne ich aus dem Berlin des letzten Jahrhunderts. Wenn Freitag abend die Fahrradkuriere nicht mehr flächendeckend verfügbar waren, haben bisweilen die Kurierzentralen selbst Taxen bestellt und draufgezahlt, um ihre Stammkunden zu halten. Taxifahrer hassen es, in Gebäuden herumzulaufen weil das Transportgut nicht von alleine ins Fahrzeug steigt und auch nicht den Empfang selber quittiert.

  • Max

    03.08.13 (22:12:55)

    Grundsätzlich keine schlechte Idee, solange wie _heiko schon sagte die Abmessungen eine gewisse Grösse nicht überschreiten. Ausserdem wie sieht es mit der Haftung aus wenn einer der Taxifahrer beschliesst den Plasmafernseher liegend zu transportieren?

  • jhc

    20.08.13 (14:23:41)

    Die Idee ist super - die in den Kommentaren vorgeschobenen Hürden (Fahrzeuggröße/Haftung/Servicebereitschaft ) leicht zu nehmen. Die Taxifahrer müssen ja keine Waren transportieren: sie dürfen, wenn sie wollen. Spannend wäre es noch weiter zu denken: Kombifahrten von "Ware(n)" und "Kunde(n)" durch intelligente automatisierte Routenplanung (Die Ware "Laptop" kann ruhig ne Stunde im Taxi liegen) oder ... Warum nicht gleich Kunde + Ware gemeinsam per Taxi (vom Media-Markt) nach Hause bringen – zum Powerservice-Festpreis inkl. Hilfe beim Hochtragen in die Wohnung. Das könnte ein attraktives Angebot, für viele ältere und auch jüngere (alleinstehende) ohne eigenes Auto sein – und die Zahl derer wächst.

  • Christoph

    05.10.13 (18:29:39)

    Coole innovative Idee ist das! Bestehende Strukturen nutzen und durch gemeinsames Personen/Güter sharing Kosten und Umweltbelastung senken. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das auch preislich für die Menschen niederschlägt - weil Taxifahren ist zumindest hier in Wien nicht ganz billig. Hoffe auf Erfolg des Projekts! LG christoph

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