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06.08.12

"Terms of Service; Didn't Read": Für transparente, besser verständliche Geschäftsbedingungen

Terms of Service; Didn't Read - kurz ToS;DR - heißt ein neues, nicht kommerzielles Webangebot, das die Geschäftsbedingungen einschlägiger Onlineangebote analysieren und bewerten will. Mit der richtigen Unterstützung im Rücken könnte es die Netzriesen zu verständlicheren, benutzerfreundlicheren AGB zwingen.

Geschäftsbedingungen, auf Deutsch AGB oder im Englischen TOS ("Terms of Service"), sind die wahrscheinlich langweiligste Information, die auf der Website eines jeden Web- oder Mobile-Startups gefunden werden kann beziehungsweise sollte. Nur ein Bruchteil der Nutzer liest sich die entsprechenden Absätze überhaupt durch. Das ist angesichts der trockenen AGB-Texte verständlich, kann aber zur Folge haben, dass potenziell kritische Details unter den Tisch fallen und mitunter erst Monate später von irgendeinem Blogger oder Journalist "entlarvt" werden.

Verständliche, nicht in dröger Juristensprache verfasste Richtlinien würden sicher dabei helfen, einige zusätzliche Internetnutzer zu einem Blick in die AGB zu bewegen. Doch dass sich ein derartiges Verhalten zum Standard vor der Verwendung eines Onlineangebots etabliert, erscheint trotzdem illusorisch. Unhosted, eine Initiative, die dezentrale Webanwendungen propagiert, hat sich daher eine andere Lösung einfallen lassen, um die Allgemeinheit besser über die AGB bekannter und populärer Internetservices in Kenntnis zu setzen: Terms of Service; Didn't Read - kurz "ToS;DR".

Die im Aufbau befindliche Website listet momentan 32 bekannte Dienste, von Facebook über Google und foursquare bis zu Twitter und Dropbox, und versucht sich an einer kompakten Zusammenfassung der wichtigsten Bedingungen sowie an einer Kategorisierung der einzelnen Anforderungen ausgehend von den vier Attributen "gut", "mittelmäßig", "alarmierend" und "informativ". Das Ziel der Macher ist es, für jeden aufgeführten Service ein Gesamtprädikat zu vergeben, das einen Eindruck über die Aggressivität und Benutzerfreundlichkeit der jeweiligen Geschäftsbedingungen vermittelt.

googletosDerzeit ist eine Partizipation von Anwendern an der ToS,DR-Übersicht nur indirekt über eine Google-Gruppe möglich, ab Mitte August soll die Site aber als Crowdsourcing-Projekt geführt werden und auch eine eigene API erhalten. User direkt Ergänzungen machen zu lassen, erscheint sinnvoll, da es dem Projekt derzeit noch an Vollständigkeit mangelt, muss jedoch von einem durchdachten Qualitätssicherungsprozess begleitet werden. Immerhin fehlt es vielen Laien an dem notwendigen juristischen Wissen, um die manchmal stark verklausulierten Formulierungen aus AGB korrekt zu interpretieren.

Zahlreichen der bisher eingetragenen Dienste fehlt zum aktuellen Zeitpunkt ein endgültiges Prädikant, weil die jeweiligen AGB noch nicht komplett interpretiert und analysiert wurden. Von den fertig evaluierten Diensten schneiden beispielsweise die Berliner Audioplattform SoundCloud ("Class B") und die alternative Suchmaschine DuckDuckGo ("Class A") gut ab, während die Geschäftsbedingungen des Fotodienstes Twitpic ein eher trauriges Bild abliefern. Der Service erhält mit "Class E" die schlechteste Note. Diese ist mit der Empfehlung verbunden, sich nicht bei dem entsprechenden Dienst zu registrieren.

Facebook, Twitter und Google - Firmen, deren Geschäftsbedingungen besonders viele Menschen betreffen, fehlt ebenfalls eine finale Benotung. Ein schneller Blick auf die bisher untersuchten Aspekte zeigt jedoch, dass sich bei Facebook und Twitter anwenderfreundliche mit eher fragwürdigen Nutzungsrichtlinien abwechseln, und dass Google hier besser abschneidet als die zwei Social-Web-Riesen.

Schon weil nicht deutlich wird, welche juristischen Qualifikationen die Initiatoren von ToS;DR besitzen, sollte man die präsentierten Informationen auf der Site nicht per se für der Weisheit letzter Schluss halten. Doch als ungefähre Orientierung für besorgte Nutzer, die sich von ausschweifenden AGB-Texten überfordert fühlen, eignet sich das Projekt durchaus. Zudem wird es im Falle einer konsequenten Weiterentwicklung mit der zu erwartenden medialen Aufmerksamkeit im Rücken in der Lage sein, Druck auf die Webunternehmen auszuüben, ihre AGB in einer für den Otto-Normal-Nutzer verständlicheren Form aufzubereiten.

Die Macher des Zeiterfassungstools mite, die uns auf ToS;DR aufmerksam gemacht haben, sahen sich beispielsweise durch das Projekt animiert, die Verständlichkeit ihrer Bedingungen zu verbessern. Laut mite-Chefin Julia Soergel erhielten die Berliner daraufhin viel positives Feedback von ihren Anwendern. "Nutzer scheinen solch eine verbesserte Zugänglichkeit sehr zu schätzen. Es fördert das Vertrauen, wenn man denn nichts zu verstecken hat", so Soergel.

Ende August soll ToS;DR auf der Digital-Konferenz Campus Party in Berlin einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Link: Terms of Service; Didn't Read

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