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30.05.08Leser-Kommentare

Telekom: "Wovon Schäuble noch träumt ..."

Bei den Spionage-Vorwürfen, die derzeit durch die Presse geistern, versackt mir bei dem folgenden Clip von "Extra 3" das Lachen zwischen Brust und Mund:

 

Das Video gibt es auch auf der NDR-Seite.

... großartiger Kommentar. Denn wenn sich nur die Hälfte der Vorwürfe bewahrheiten sollten, die gegen die Deutsche Telekom im Raum stehen, müssten erst noch neue Superlative geschaffen werden, um den Vorgang auf herkömmliche Art und Weise zu kommentieren. Diese Skrupellosigkeit im Umgang mit Managern und Pressevertretern, diese Verachtung des Post- und Fernmeldegesetzes, diesen ungeheuerlichen Vertrauensbruch. (Noch dazu kommt es bei großen Skandalen mit der Zeit, fortschreitenden Ermittlungen und ängstlichen oder mutigen Mitarbeiten mit einem gesteigerten Mitteilungsbedürfnis oft noch schlimmer.)

Hans Leyendecker kommentiert trocken in der Süddeutschen Zeitung:

Den Akteuren ist das Gefühl für Größenordnungen, für die Unterscheidung von Recht und Unrecht abhanden gekommen.

Anders kann man es derzeit kaum machen: Entweder kreischende Satire oder größtmögliche Zurückhaltung in der Wortwahl.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Wolf-Dieter Roth

    31.05.08 (16:00:42)

    LOL, das Video ist astrein! Danke! Ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte aber bei Kommentaren zu "Abhören", Fernmeldegeheimnis und Datenschutz zweimal nachdenken. Fritz Pleitgen ist mit Hilfe des eigentlich für kommerzielle Unternehmen gemachten Wettbewerbsrechts 2000 schon weiter gegangen als Schäuble oder Telekom je gehen wollen: nicht nur Mithören, nicht nur Verbindungsdaten anzapfen, sondern gleich die Inhalte - und die auch nicht nur kopieren, sondern gleich rauben. Und später dann nochmal 6 Monate alles mitgehört. Insofern kann ich nur den Kopf schütteln, wenn man jetzt auf einmal von Skandal spricht, noch dazu Schäuble, der ja eben selbst auch so gerne.... Die Telekom muß nur argumentieren, daß das wettbewerbsrechtlich ein notwendiger Schritt war - diese pöhsen Journalisten wollten ihr ja durch Offenlegung von Dingen wirtschaftlich schaden, und das mußte sie verhindern - und schon ist es plötzlich legal. Ebenso wie ein Rechtsanwalt, der einfach der taz sämtliche E-Mail-Adressen abnimmt oder ein Duftwasserunternehmen den Berliner Taxifahrern die Nummer ihrer Telefonzentrale. Die Telekom hat nur einen Fehler gemacht: heimlich zu agieren, statt erstmal irgendeinen Rechtsverdreher zu engangieren, der darlegt, wieso sie mit der Datenspeicherung ja nur ihre ureigenen Rechte verteidigt und geradezu dazu gezwungen ist, sich über das Fernmeldegeheimnis und damit die Verfassung hinwegzusetzen. Strafrechtlich ist die Aktion fragwürdig, zivilrechtlich ist sie dagegen leicht zu rechtfertigen. Was natürlich ein schrecklicher Zustand ist.

  • arbiter

    02.06.08 (11:23:16)

    George Orwell hat mit seinem Zahlendreher 1984 die Tendenz des 48er United Kingdom trefflich erfaßt, Arno Schmidt mit dem Dreher 1954 den bundesdeutschen Zustand von 45. Bertrand Russell bezeichnete Kommunismus und Faschismus als dem 20. Jahrhundert angemessene Gesellschaftsentwürfe, und Winston Churchill, Kommunistenfresser zum Schutz seiner Insel, ließ im Prinzip nur einen Entwurf übrig und gelten, auch wenn er mit dem Programm keine fremden Götter neben den Angelsachsen gedultet hat. Was also läßt sich erwarten nach gut 120 Jahren Wirtschaftsfaschismus und dem jungen Finanzfaschismus des 21. Jahrhunderts? Der Freiheitstraum der französischen Revolution war mit Napoleon ausgeträumt, derjenige der Demokratie spätestens mit Cäsar, der andere eines Voltaire mit dem Christentum und jeder der beiden anderen monotheistischen Bekenntnisse. Allenfalls könnte noch das Kontinuitätsmuster der Blockwartmentalität überraschen, hätte es für die geeinte Republik nicht BRD und DDR gegeben, wo die einen ihre Vasallentreue im Antikommunismus brav demonstrieren wollten, die anderen nur die Blockwarttradition zwangsweise fortsetzen mußten. Die Saat aus rund 130 Jahren gesellschaftlichem Bewußtsein, geprägt von Eliten, denen der elitäre Gestus für maximal drei Jahre nach dem Endsieg abhanden gekommen war, ist aufgegange. Die Enkelgeneration schlägt unbarmherziger und gieriger zu als die Großväter. Um so erstaunlicher, eigentlich unfaßbarer der Medienkurs in der Berichterstattung! Was läßt sich erwarten, wo der Aufsichtsrat Schadenersatzansprüche prüft, der Ex-Vorstandsvorsitzende im Hause immer noch ein Büro unterhält, unter den Augen der Strafjustiz Möglichkeiten zur Absprache mit den Beschuldigten unterhält, bevor er selbst dazu gehört? Da bemächtigt sich dann Justiz der illegalen Abhörergebnisse, um gegen einen der vom Abhören Betroffenen strafrechtlich zu ermitteln. Geht das durch, ist die Abhöraktion der Telecom, wie H. Höcherl formulieren würde, etwas außerhalb der Legalität. Ansonsten alles üblicher Geschäftsgang. Der Kommunismus, zumindest in Europa, scheint mausetot. Was bleibt von Russells zwei angemessenen Gesellschaftsentwürfen? Liktoren, Falange, Duce, Caudillo, Georg W.? Oder doch nur McKinsey? Zumwinkel war dort, Obermann auch.

  • Wolf-Dieter Roth

    02.06.08 (12:44:58)

    Nun, Kapitalismus und Faschismus sind die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Im Kommunismus ist es dagegen genau umgekehrt. Politiker und Vorstände sind Machtmenschen. Welchen Namen und welche Farbe das System hat, bleibt egal. Und jeder Versuch, es anzugreifen, führt nur zum Ausbessern der Schwachstellen. Das Donnerwetter im Hause Telekom lautete sicher nicht "Wie konntet ihr nur sowas tun???" sondern "Wie konntet ihr euch mit sowas bloß erwischen lassen???" "Aber ich liebe euch doch alle!" (Mielke) "ich habe es nur für mein Land getan" (Nixon) In den 70ern gab es diese Aufkleber für Telefonzellen: "Wird abgehört!" Vielleicht sollte der Foebud die mal nachdrucken...

  • arbiter

    02.06.08 (13:42:11)

    Na gut, seit Platons Demokratievorstellungen hat sich eh nichts geändert, weil die Erfinder an alles gedacht hatten, bloß nicht an die Abschaffung des Militärs, schon gar nicht an die Abschaffung des Sklaventums. Ist kein Trost zu wissen, Rom ist an der Dienstleistungsgesellschaft verreckt. Alle Welt bejammert Artensterben, keiner meckert, weil die Lemminge ums Verrecken nicht aussterben wollen. Was an der Chose besonders nervt, ist dieser dämliche Rechtstaatlichkeitsanstrich, mit dem alle die abgespeist werden, die sich mit der Paradiesverheißung für die Zukunft nicht abfinden wollen und immer noch darauf beharren, Hier, Heute, Jetzt zähle. Anstatt den Aufkleber nachdrucken, nicht doch vielleicht und lieber alle Schäbles und Nachrichtendienste abschaffen, Druck machen, daß sich diese Typen endlich t-rollen?!!! Hier läuft gerade das Rührstück, daß der LKW-Fahrer, der mit seinem Insiderwissen eine Fleischfirma hat hochgehen lassen, auf Bundesebene gelobt wird, Müllwerker, die mit ihrem Insiderwissen die Geschäftsführung illegaler Praktiken überführt haben, gefeuert werden, der Journalist des Berichtes darüber einen Preis erhält, seine Zeitung sich auf die Schulter klopft, aber nicht auf die Pauke haut, obwohl drei der Informationsweitergabe Beschuldigte nicht des Tatbestandes trotz Staatsanwalt überführt, aber fristlos entlassen sind. BRD = BananenRanch Deutschland!

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