<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

29.10.13Leser-Kommentare

TechCrunch Disrupt in Berlin: 11 charmante Hacks, aus denen Startups werden sollten

Auf Startup-Konferenzen vorgelagerten Hackathons findet man oft charmantere Ideen als auf den Hauptveranstaltungen. Dies gilt auch für TechCrunch Disrupt in Berlin. Elf pfiffige Hacks stellen wir hier vor.

Eventmood, Teilnehmer des TC Disrupt Hackathon

Vielleicht geht es nur mir so, aber mir rollen sich in den meisten Fällen die Fingernägel auf, wenn ich vom "Startup" eines Inkubator-Programms lese, das der nächste Design-Shop, das nächste Curated-Shopping-Portal oder der übernächste Etsy-Klon sein soll. Ja, meinetwegen ist das gut für die Netzökonomie, es hat aber den Charme eines Fabrikgeländes.

Wenn wieder einmal eine Startup-Konferenz stattfindet, schaue ich deswegen in letzter Zeit lieber in Richtung der Hackathons. Hier, wo man sich noch traut, Ideen einfach mal auszuprobieren, so verrückt sie auch sein mögen. Auf der ersten TechCrunch Disrupt in Berlin haben am vergangenen Wochenende über 80 Teams ihre Hacks vorgestellt. Das meiste davon hat man schon einmal gesehen oder es reizt den Betrachter nicht. Wir haben jedoch elf kuriose Hacks gesichtet, bei denen wir uns wünschten, dass es nicht nur bei einer Idee bliebe. FeedMash: Feeds nach Themen sortieren

Wir haben oft darüber diskutiert, dass im Techjournalismus dutzende Magazine über das gleiche schreiben. Man kämpft sich trotzdem chronologisch oder von Magazin zu Magazin durch die Nachrichtenflut. Warum nicht einfach Feed-Meldungen thematisch sortieren? Wenn Apple ein neues iPhone vorstellt, erfahren wir das nur einmal und nicht zwanzig Mal. Interessanter Ansatz des Hacks FeedMash, der unseren Nachrichteneingang durchaus aufräumen könnte.

Okapi: Die PayWall für E-Mails

Hier bin ich mir ziemlich sicher, dass daraus - leider - in der Praxis nie etwas werden wird. Und doch habe ich mich bei der Idee königlich amüsiert: Okapi will eine PayWall für E-Mails aufbauen. Wenn ihr in der täglichen Spam-Flut versinkt, könnt ihr eine Art Autoresponder einrichten, der den Absendern mitteilt, dass ihre Mail nur gegen die Zahlung eines Geldbetrags zugestellt wird. Im Posteingang wäre plötzlich Ruhe. Auf die Gesichter derer, die diese automatische Nachricht erhalten, wäre ich gespannt.

Moodmap: Wer fühlt sich gerade wo am besten?

Facebook hat vor wenigen Wochen die neue Möglichkeit eingeführt, jeder Statusmeldung das aktuelle Befinden hinzuzufügen: traurig, müde, großartig, genervt. Moodmap will diese Gefühlsmeldungen auf einer Karte zusammentragen und damit zum einen auflisten, wer von unseren Freunden gerade gut oder schlecht drauf ist (vielleicht sogar dauerhaft) und dazu noch herausfinden, ob die Stimmung sich gar auf ein ganzes Land beziehen kann (Staatstrauer). Ein interessanter Indikator für das globale Befinden.

EventMood: Wie ist die Stimmung auf der Party?

Ähnlich wie Moodmap will auch EventMood die Stimmungen von Menschen aggregieren und damit für die Daheimgebliebenen etwa aufzeigen, ob auf einer Party gute Stimmung herrscht oder nicht. Dazu will die App Daten von Flickr, Instagram, Twitter und Dropbox zusammentragen. Über eine API sollen Bilder von Personen in Echtzeit durch eine biometrische Datenbank laufen, die Gesichtsausdrücke entschlüsseln will. Wird auf den Bildern viel gelacht, dann steigt der Wert, der die Stimmung misst. Das kann in der Praxis überhaupt nur funktionieren, wenn die Besucher einer Veranstaltung zahlreiche Bilder von Personen schießen. Sehr viele Bilder müssten dafür aufgenommen und freigegeben werden. Genaue Daten würde eine solche App nur schwer liefern können. Deswegen: eine interessante Idee, die wir in der Praxis so aber wohl nie sehen werden.

Robbonect: Mit allen Besuchern einer Veranstaltung vernetzen

A propos Veranstaltung: Auf einem Kongress oder BarCamp trifft man viele interessante Leute. Will man sich mit ihnen vernetzen, muss man sich durch Visitenkarten oder etliche Profile kämpfen. Robbonect will das vereinfachen und uns automatisch alle Teilnehmer einer Veranstaltung auflisten. Dort brauchen wir nur noch auf "Folgen" oder "Befreunden" klicken und können dann alle Kontakte auf einen Schlag abarbeiten. Das soll über Twitter-Hashtags, Foursquare oder Facebook gelingen. Eine Idee, die Visitenkarten wieder ein Stück überflüssiger machen würde. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir davon noch etwas hören werden.

Party Remote: Musik des DJs einfach abwählen

Dem DJ einfach mal mitteilen, wenn seine Musik die Leute von der Tanzfläche scheucht, statt sie dorthin zu ziehen. Oder besser noch: Die Musik automatisch beenden, wenn genug Clubgänger der gleichen Meinung sind. Das ist die Idee des Hacks Party Remote. DJs, die sich trauen, könnten ihre Musik mit Hilfe einer App live mit dem Publikum teilen. Die Discogänger sähen darauf nicht nur, was gerade gespielt wird, sondern könnten die Musik auch bewerten. Bei positivem Feedback weiß der DJ, dass er seine Sache gut macht. Häufen sich die negativen Kommentare, springt die App automatisch zum nächsten Song. Das kann bei kritischem Publikum natürlich für Chaos sorgen, ist laut den Hackern aber auch eher für Privatpartys gedacht.

BeatCoin: Jukebox aus der Ferne füttern

In eine ähnliche Richtung wie Party Remote geht BeatCoin. Gaststätten könnten ihre Musikanlage damit crowdsourcen. Sie lassen ihre Playlist über eine BeatCoin-Seite laufen, Nutzer könnten gegen die Zahlung eines geringen Betrags mit der virtuellen Währung Bitcoin einen Song bestimmen. Klingt nach einer Idee, die ihrer Zeit noch ein wenig voraus ist.

SmokeFree: Der Tracker für E-Zigaretten

Ihr wollt euch das Rauchen abgewöhnen? Dann wäre ein Anfang vielleicht, schon einmal zu notieren, mit wie vielen Zigaretten am Tag ihr wie viele Züge tätigt und den Konsum dann schrittweise zu reduzieren. Die Erfinder von SmokeFree wollen das automatisch tracken: mit einem Zähler in der E-Zigarette oder einer Pfeife. Ähnlich wie Nike Fuelband oder Fitbit Ultra eure Schritte zählen, würde SmokeFree die Zahl der Züge messen und auch, wie viel Nikotin und Kondensat ihr dabei aufnehmt. Einen Prototypen des Trackers haben die Jungs bereits in einem Video vorgestellt. Und Zigaretten? Hier fehlt noch das notwendige Endstück. Noch.

Fork My Religion: Neue Glaubensrichtungen "für einen modernen Planeten"

Vielleicht ein Partyscherz, vielleicht eine böse Kritik an der harten Realität: Die Macher von Fork My Religion waren offenbar unzufrieden mit aktuellen Weltreligionen. Sie arbeiten deswegen an einer Plattform, auf der jedermann neue Religionen vorstellen, Anhänger dafür gewinnen oder eigene Abspaltungen (forks) davon gründen kann. Bisher vorgestellte Religionen sind unter anderem: Yaohnanen ("Prinz Philipp ist der Messias"), Iglesia Maradoniana ("Liebe Fußball mehr als alles andere") oder, leider auch, die Kirche der Euthanasie. Na, das fängt ja gut an... Das fliegende Spaghettimonster wurde dort bisher nicht gesichtet.

DoctorPush: Nie mehr beim Arzt warten

Die Tüftler von DoctorPush haben sich an die ebenso schwierige wie überfällige Herausforderung gemacht, das Warten beim Arzt abzuschaffen - oder Wartezeiten zumindest transparenter zu machen. Praxis und Patienten würden die gleiche App einsetzen, die dem Patienten mitteilt, wie viele Personen noch vor ihm dran sind und wie lange die ungefähre Wartezeit ist. Noch zu Hause oder unterwegs könnte man sich in die Schlange setzen lassen und der Praxis auf Basis der wahrscheinlichen Krankheit einen Richtwert für die Wartezeit geben (Vorsorgeuntersuchung dauert länger als die Diagnose einer Erkältung, alte Menschen bringen meist mehr Zeit mit als junge). Problem dürfte sein, dass sich so eine Software erst einmal durchsetzen und dann hohe Anforderungen an den Datenschutz erfüllen muss. Dauert trotzdem hoffentlich nicht mehr so lange, bis das wirklich kommt, egal ob von diesem Team oder einem Mitbewerber.

MySwimLane: Freie Bahn im Hallenbad

Ein Königreich für eine freie Bahn im Hallenbad - oder zumindest ein paar Euro dafür. In jeder Stadt dürfte es anders aussehen, aber beim Schwimmbad vor meiner Haustür etwa kann man es zur Feierabendzeit vergessen, mal in Ruhe ein paar Bahnen zu schwimmen, wenn sich fünf Leute gleichzeitig eine Bahn teilen. MySwimLane ist die Idee, ganze Bahnen für sich zu mieten, zur Not auch gegen Geld. Würde ein Startup daraus, könnten Hallenbäder die Bahnen vermieten und so den Bedarf besser planen. Schwimmfreunde müssten nicht erst ins Bad fahren um festzustellen, dass doch wieder das ganze Becken belegt ist. Schöne Idee, die Umsetzung wird nicht leicht, kommt aber hoffentlich trotzdem.

Natürlich gibt es auch einige interessante Startups auf der TC Disrupt, die über den Status eines Hacks hinaus sind. Sollte es dort etwas spannendes Neues geben, haben wir da natürlich ebenfalls ein Auge drauf.

Kommentare

  • Patrick

    29.10.13 (10:21:51)

    Die Idee von feedMash hatte ich auch schon. Ein intelligenter Algorithmus erkennt zB, dass vier Artikel über nicht mehr berichten als über die Auflösung des Displays des kommenden iPhones oder die Taktung des nächsten Nexus-Devices. Davon wird dann einer ausgewählt und angezeigt, der Rest archiviert. Denn genau das muss ich tagtäglich so oft tun. Leider fehlen mir Zeit und Know-How (und letzteres ließe sich nur mit mehr Zeit aneignen), um das selbst zu realisieren. Sonst wäre ich schon am programmieren. :)

  • Manuel Reinhard

    29.10.13 (15:55:38)

    Okapi find ich faszinierend … Mit der Zielgruppe von topgefragten Leuten oder für Auskunftsdienste, warum nicht?

  • Robert Frunzke

    29.10.13 (18:54:02)

    Klingt füpr mich eher nach dem Ende von Techjournalismus, oder dem Ende der Startup-Hysterie. An diesen Hacks ist nichts charmant. Es liest sich eher, als wenn da noch die letzten toten Pferde geritten werden ;) Aber nur meine Meinung.

  • Martin Weigert

    29.10.13 (22:06:55)

    So wie ich dich aus den Kommentaren kenne, bist du aber auch wirklich nicht leicht zu begeistern. Ich finde einige dieser Hacks wie Jürgen äußerst spannend.

  • Robert Frunzke

    29.10.13 (22:43:22)

    Ja gut. Ist ja auch nur meine Meinung, und ich sehe halt nicht wie man damit erfolgreiche Startups aufbauen will. Ich meine natürlich erfolgreich im Sinne von erfolgreichem Geschäft, nicht erfolgreicher Kapitalisierung.

  • Robert Frunzke

    29.10.13 (23:05:34)

    Oder anders ausgedrückt: was mich verwundert, ist dass Ihr, die "Techjournalisten", mehr Interesse an den Hacks, als an den eigentlichen Startups zeigt. Das sollte doch zumindest ein klein wenig zu denken geben. Zumal die Hacks eben nichts wirklich bahnbrechendes beinhalten.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer