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29.07.11Leser-Kommentare

Taxibestellung über das Smartphone: Wie myTaxi eine Branche erobert

Im März 2010 veröffentlichte Intelligent Apps seine Smartphone-App myTaxi zur Taxibestellung in Hamburg. Heute funktioniert das in zwölf deutschen Städten. Während jetzt die Expansion ins Ausland vor der Tür steht, geraten die lokalen Taxi-Zentralen unter Druck.

 

Während nahezu alle Internetdienste in gewissem Maße bestehende und traditionelle Branchen in Frage stellen und zu Umbrüchen zwingen, variiert der Disruptionsgrad von Startup zu Startup. Einer der jungen Dienste aus Deutschland mit tendenziell sehr weitreichenden Auswirkungen auf eine bestehende Industrie ist myTaxi.

Der im März 2010 von der Hamburger App-Schmiede Intelligent Apps unter dem Namen "1TouchTaxi" gestartete Dienst erlaubt Konsumenten, über ihr iPhone oder Android-Smartphone ein Taxi zu bestellen. Statt bei einer Taxizentrale anzurufen und dann auf die Ankunft des Fahrzeugs zu warten, können sie nach der Bestellung über eine Google Map auf ihrem Mobiltelefon die Anfahrt des Taxis verfolgen und erhalten außerdem eine unverbindliche Preisprognose auf Basis des jeweiligen Tarifs.

Momentan bietet myTaxi diesen Service in Berlin, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart an. Taxifahrer in diesen zwölf Städten können sich bei dem Dienst registrieren, die mobile myTaxi-App für Fahrer auf ihrem Smartphone installieren und sich anschließend Fahrten von der Anwendung vorschlagen lassen.

4000 Taxifahrer sind mittlerweile bei dem Unternehmen registriert. Für vermittelte Fahrten zahlen sie jeweils 79 Cent an das Startup aus der Stadt an der Elbe. Geld, das bisher an die örtlichen Rufzentralen floss. Deren Telefondienste werden durch myTaxi zunehmend überflüssig. In Dortmund, wo myTaxi seit wenigen Tagen verfügbar ist, sieht sich die lokale Taxizentrale Taxi Dortmund nun gezwungen, ebenfalls eine App auf den Markt zu bringen. Der Taxiverband Deutschland plant offenbar sogar eine deutschlandweite Bestellapp für Taxis.

Gewinner dieser Entwicklung sind die Kunden, die mehr Service und Transparenz erhalten und ihren Taxichauffeur nach erfolgter Fahrt auch gleich bewerten können. 250.000 Mal wurde die myTaxi-App für Fahrgäste bisher heruntergeladen.

Noch während die myTaxi-Gründer Jan-Niclaus Mewes und Sven Johannes Külper mit dem Rollout in weiteren deutschen Städten beschäftigt sind, feilen sie und ihr Team bereits an der internationalen Expansion. In Wien wird ein zweiköpfiges Team voraussichtlich Mitte August den Startschuss für die erste Auslandsdependance geben. Die Schweiz mit Zürich als Startpunkt  (wo mit cabtus bereits ein lokaler Konkurrent existiert) soll in Kürze folgen.

Außerhalb des deutschsprachigen Raumes wollen die myTaxi-Macher mit Hilfe von Lizenzpartnern durchstarten: In Australien und den Niederlanden sind diese bereits unter Dach und Fach, auch dort soll im August über die App erstmalig ein Taxi bestellt werden können. Zudem wird gerade der spanische Markt evaluiert.

An Investitionsmitteln für ein schnelles Wachstum mangelt es myTaxi-Mutter Intelligent Apps nicht: Die 2009 gegründete Firma hat gerade erst eine deftige Finanzierungsrunde im mittleren siebenstelligen Bereich verkündet.

Hinsichtlich funktioneller Erweiterungen steht der Launch einer browserbasierten Bestellmöglichkeit ganz oben auf der Roadmap - damit sich Taxis auch über andere mobile Plattformen sowie stationäre Rechner rufen lassen. In Planung ist zudem ein Business-Angebot, das Unternehmen und Intensivnutzern die Option einräumt, ihre anfallenden Taxirechnungen einmal monatlich zu begleichen, statt jeweils pro Fahrt beim Taxichauffeur zu zahlen.

Dass myTaxi das Tempo nach dem anfänglichen Testmodus mit alleiniger Verfügbarkeit in Hamburg merklich anzieht, ist aus zwei Gründen sinnvoll: Einerseits verlangen die Kunden nach einem zeitgemäßeren Verfahren für die Taxibestellung, andererseits ist der Markt bisher primär von lokalen Anbietern geprägt - für mobile Menschen und Geschäftsreisende ist dies deutlich weniger attraktiv als eine App, die in vielen Städten und Ländern einsetzbar ist.

Mit dem israelischen Startup GetTaxi als neuer potenzieller Konkurrent ist myTaxi mittlerweile nicht mehr das einzige europäische Unternehmen aus dem EMEA-Raum, das es auf eine länderübergreifende Präsenz abgesehen hat. In Hamburg zeigt man sich ob des neuen Wettbewerbers aber gelassen: "Natürlich erkennen auch andere das Marktpotential. Im Heimatmarkt sind wir gut aufgestellt und arbeiten mit Hochdruck an der Expansion ins Ausland. Wir sind gespannt, welche Strategie GetTaxi hier verfolgen wird", so Claas Heiland, bei myTaxi für das Business Development und die Internationalisierung zuständig. Wir sind dies auch.

Kommentare

  • Ivan

    29.07.11 (14:05:07)

    Wollte mir die Adroid-App installieren, habe aber davon abgesehen, weil diese sich die weitgehenden Rechte einholen will für - Auslesen der Telefonnummer und Seriennummer - Zugriff auf alle meine Kontaktdaten Vertrauen verspielt, Kunden verloren.

  • Peter

    29.07.11 (20:13:31)

    @Ivan: Das Musterbeispiel eines ur-deutschen Datenschutzverfechters - am besten gibst du dein handy zurück, machst die Rolläden zu und surfst über das WLAN vom Nacharn. Unglaublich nervig solche Freaks. Und nein, ich bein kein mytaxi Mitarbeiter ;)

  • Anonymous

    30.07.11 (00:00:32)

    @ Peter Das Musterbeispiel eines naiven Offenheits-Verfechters - am besten du postet zukünftig mit vollem Namen, angegebener Email und Post-Adresse und im Anhang bitte noch die Daten aller deiner Kontakte, das scheint dann ja kein Problem zu sein. Unglaublich nervig. und ja, ich bin ein "ur-deutscher Datenschutzverfechter".

  • Derego

    31.07.11 (08:59:45)

    Bei diesem Dienst melden sich hauptsächlich nur Fahrer an, welche bei einer professionellen Taxizentrale nicht fahren dürften. Weiters wird den Fahrern meine Telefonnummer übermittelt, mehrmals wurde ich dann bei einer Bestellung zurückgerufen und belästigt. Fazit : mytaxi nervt.. Finger weg von diesem "Service"!

  • Martin Weigert

    31.07.11 (09:35:22)

    Was war das denn für eine "Belästigung"?

  • Gitarre

    31.07.11 (11:22:48)

    Knapp 80 Cent für einen Auftrag zu entrichten, ist schon unglaublich. Bei meistenteils Fahrten im Stadtbereich im Wert von ca. 8 Euro pro Fahrt bleibt dem Unternehmer nach Abzug von 10% Vermittlung, 10% Spritkosten, 7% MwSt, 50% Fahrerlohn ja fast nix mehr. Fazit - so teuer ist nicht mal die teuerste Taxizentrale.

  • Michael

    01.08.11 (12:26:31)

    Unsinn - nutze die App regelmäßig und habe bisher nur sehr freundliche Fahrer kennen gelernt.

  • Thomas

    02.08.11 (23:55:13)

    Die Rechte bekommt die App sicher deswegen, um die Adresse zum Abholen aus den Kontakten auszulesen. Vermutlich wird die Seriennummer und Telefonnummer zum Sperren bei Missbrauch benötigt. Geschenkt! Ich bin in Berlin bisher gut gefahren mit diesen Fahrern. Und ob ein Fahrer bereit ist, 80 cent zu zahlen, muss er selbst wissen.

  • Leander Wattig

    03.08.11 (12:37:39)

    "Mit dem israelischen Startup GetTaxi als neuer potenzieller Konkurrent ist myTaxi mittlerweile nicht mehr das einzige europäische Unternehmen, das es auf eine länderübergreifende Präsenz abgesehen hat." Liegt Israel jetzt in Europa? :)

  • Martin Weigert

    03.08.11 (12:43:28)

    Genau genommen has du recht. Aber hey, es ist auch beim Eurovision Song Contest dabei ;)

  • Richard

    03.08.11 (12:44:36)

    Also ich habe die App einmal in Hamburg getestet. Der Fahrer kam zu meiner Überraschung wirklich schnell und ich musste mich mit keiner Telefonistin rumärgern. Ich finde den Service ziemlich gut.

  • Leander Wattig

    03.08.11 (12:47:47)

    Und beim europ. Fußball auch :)

  • Kurt

    24.11.11 (02:34:55)

    "Ivan schrieb am 29. Juli 2011 um 14:05 Uhr (#) Wollte mir die Adroid-App installieren, habe aber davon abgesehen, weil diese sich die weitgehenden Rechte einholen will für - Auslesen der Telefonnummer und Seriennummer - Zugriff auf alle meine Kontaktdaten Vertrauen verspielt, Kunden verloren." Mich auch. Nutze jetzt http://www.taxi.eu

  • Kai M.

    12.12.13 (12:52:40)

    Ich finde solche Apps gar nicht mal so schlecht, klar ist die ganze Geschichte mit dem Datenschutz und der Verwendung von sensiblen Daten immer eine Sache für sich. Aber letztenendes werden solche Daten benötigt und die Echtheit der "Bestellung" zu überprüfen udn Standorte besser und effizienter den Fahrern zuzuordnen. Es sollten mehrere private Taxiunternehmen saran teilhaben. Grüße, Kai von Taxiservice München

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