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11.06.09Leser-Kommentare

Tauschbörsen und Co.: Zeit, Tacheles zu reden

Immer wieder tauchen Studien auf, die belegen wollen, warum Filesharing und illegale Downloads sich doch nicht negativ auf die Medienbranche auswirken. Statt solche Märchen zu verbreiten, wäre es angebrachter, das Kind bei seinem Namen zu nennen.

(Foto: iStockphoto.com)Es hat sich zu einer Mode entwickelt, durch Studien oder Untersuchungen belegen zu wollen, dass Filesharing und "illegale" Downloads nur geringe, keine oder womögliche sogar positive Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Konsumenten haben. Und es ist durchaus legitim, die Folgen der Digitalisierung auf die Medienmärkte zu untersuchen, statt blind den Behauptungen der Betroffenen zu vertrauen.

Das Problem ist aber, dass nicht selten die eigene Interpretation der jeweiligen Studie dafür herhalten muss, um aufzuzeigen, wie harmlos Tauschbörsen & andere, nicht autorisierte Angebote für die Musik-, Film- und Buchindustrie angeblich sind. Wie oft bin ich in letzter Zeit nicht auf Berichte und Blogpostings mit Überschriften wie "Music Sale losses due to Gaming/DVDs, not P2P" (Sinngemäß: Einbruch im Musikgeschäft wegen Spielen und DVDs, nicht aufgrund von Tauschbörsen), "Musik-Piraten sind eifrigste Musik-Käufer" oder "Buch-Piraterie harmloser als gedacht" (ja das war bei uns) gestoßen.

Gut möglich, dass sich bei näherer Betrachtung tatsächlich einzelne Teile von allgemein akzeptierten Theorien widerlegen lassen. Dennoch halte ich eine Herangehensweise, bei der das Offensichtliche durch eine für die eigene These vorteilhafte Auslegung von teilweise völlig unwissenschaftlich durchgeführten Untersuchungen angezweifelt wird, für äußerst kontraproduktiv.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer von uns würde sich nicht überlegen, vom Kauf eines Musikstückes oder Buches abzusehen, wenn man bereits auf einem anderen Weg kostenlos in den Besitz der digitaler Version gelangt ist?! Wer käme nicht zumindest in die Versuchung?!

Ich kenne niemanden, den die Möglichkeiten von P2P und anderen Kanälen zur freien Beschaffung von urheberrechtlich geschütztem Content nicht im persönlichen Kaufverhalten beeinflusst haben.

Nur die Ausmaße dessen sind unterschiedlich. Einige haben schon seit Jahren kein Medienprodukt mehr käuflich erworben, andere sind noch immer treue Kunden der Musik-/Film-/Buchbranche und lassen sich nur gelegentlich und mit schlechtem Gewissen auf solche Dateien ein, für die sie nichts bezahlt haben.

Statt den konfliktscheuen Weg zu wählen und unentwegt ein Märchen zu erzählen, das sowieso niemand glaubt, sollte jeder, der sich für eine veränderte Sicht auf Medien und Inhalte im digitalen Zeitalter einsetzt, ganz einfach Tacheles reden:

Ja, wenn jeder kostenlos auf Musik, Filme und E-Books in rauen Mengen zugreifen kann, sinkt ganz natürlich die Bereitschaft, für derartige Produkte tief in die Tasche zu greifen. Ja, wenn man zwischen Millionen von Titeln wählen kann, sinkt der wahrgenommene Wert des einzelnen Produktes - das obendrein beliebig und ohne Qualitätsverlust kopiert werden kann. Ja, die für die Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material verantwortlichen Personen - oder auch Piraten - finden immer einen Weg und werden immer gewinnen. Ja, in Zukunft dient das unbegrenzt vorhandene Medienerzeugnis dazu, die Verkäufe knapper Güter anzukurbeln. Und nein, ein Zurück gibt es nicht mehr. Aber dafur genug Raum für Innovation und Experimente.

Vor einigen Monaten etwa hatte Marcel Weiß zum Film "The Dark Knight", welcher sowohl an den Kinokassen als auch in den Tauschbörsen ein großer Erfolg war, angemerkt:

Kommerzieller Erfolg und ‘Piraterie’ schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer einen Weg findet, einen Mehrwert zu schaffen, der nicht digital und ohne Kosten reproduzierbar ist und der eine Transaktion für viele Leute rechtfertigt, der wird von den Marketing-Effekten des illegalen Filesharings sogar noch profitieren.

Ich habe es bereits in meinem Artikel vom Dienstag angemahnt: Die Art der Argumentation ist das A und O. Solange wir Medienhäusern etwas weiss machen wollen, das sich mit einem kurzen Blick auf die Verkaufsstatistik und einem ebenso kurzen in den Alltag von Millionen von Computer- und Internetnutzern widerlegen lässt, wirken wir nicht sonderlich glaubwürdig. Dass muss man aber sein, um ernst genommen zu werden. Und nur wer ernst genommen wird, kann selbst Einfluss nehmen.

Kommentare

  • http://twitter.com/ithoughts_de

    11.06.09 (13:23:30)

    Soll das heißen, dass die gefälligst bessere Filme machen müssen, um erfolgreich zu sein? Musik so machen, dass man sie nur auf einem Plattenspieler geniessen kann? Hand aufs Herz: du hast einfach recht! Es gibt keine Lösung für dieses Problem, Raubkopien lassen sich einfach nicht verhindern.

  • derDaniel

    11.06.09 (13:54:09)

    Also ganz ehrlich und auch Hand aufs Herz. Ich gebe (und das obwohl ein Student bin) ziemlich viel Kohle für Medien aus, deren Inhalte ich auch kostenfrei und illegal bekommen kann. Ich gehe mindestens einmal im Monat ins Kino (obwohl ich die Filme im Netz schaun kann, manchmal sogar, obwohl ich sie schon im Netz gesehen habe). Kaufe im Monat mindestens 5 Zeitschriften. Kaufe immer noch CDs bei Konzerten und ab und zu MP3s bei Amazon. Hab Serien auf DVD rumstehen, obwohl ich bei allem, was hier rum steht, auch die Internetquelle kenne. So lange ich mich gut fühle, wenn ich etwas kaufe und damit unterstütze, so lange werde ich auch Geld für Medienprodukte ausgeben!

  • Christoph

    11.06.09 (14:49:58)

    Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte mal etwas gekauft hatte, was ich nicht schon vorher auf dem Rechner hatte.

  • JohnB

    11.06.09 (17:50:20)

    Mich kotzt diese ganze Musiklobby sowas von an. Es ist doch nicht so, als ob jemand um einen Beutel Reis bettelt. Sie machen den Mund auf und Frau Merkel erklärt es zur Chefsache.. Sie verdienen Millionen und wollen nur mehr mehr mehr... Denn eine Villa reicht ja nicht, man braucht eine Villa in jedem Land dazu ein Flugzeug, Yachten und Autos.

  • xconroy

    11.06.09 (20:08:15)

    Nicht jeder geht bei /allen/ Medien den kostenlosen Weg. Ich gehe gerne ins Kino, das ist halt doch was anderes als Filme am PC gucken. Das ganze Ritual das zusammen Weggehens, Popcorn kaufens etc. ist "Mehrwert", der nicht so einfach kopiert werden kan. Bücher lese ich generell lieber in Papierform, weil sie sich mitnehmen lassen und nicht flimmern. Kann sein, daß sich das ändert, wenn mir mal ein e-Reader in die Hände fällt. Aber ich kaufe (und verkaufe) Bücher fast nur auf amazon-Marketplace und habe somit kaum Kosten, was das angeht. Der größte Teil meiner MP3-Sammlung stammt dagegen von YouTube, via Audio Extraction Tool (von dvdvideosoft, wenns jemand runterladen will, kostet natürlich auch nix). Im Vergleich zu emule/bittorrent ist die Auswahl fast genauso groß, die Tonqualität oft besser, es geht schneller, man weiß vorher was man kriegt und es ist nicht illegal. Für Spiele bin ich im Prinzip gerne bereit, Geld auszugeben - aktuell "Cogs" für 8,99 € finde ich auch völlig angemessen für so ein geiles Ding, aber um die 40 € für ein NDS-Game? Nee, da ziehe ich mir lieber ne ROM, tut mir leid. Generell: ich glaube nicht, daß derart viele Leute eine Nur-Kostenlos-Mentalität haben - wer gute Spiele/Filme/Bücher/Musik wertschätzt, erkennt auch die Arbeit an, die drin steckt. Aber überzogene Preise, bei denen das meiste in der Verwertungskette* hängenbleibt, stoßen nicht nur mich ab. Und wenn man dann nur die Wahl hat zwischen dem Bezahlen dieser überzogenen Preise und dem Bezahlen von garnix, dann ist das schnell entschieden. *welche Teile dieser Verwertungskette jetzt tatsächlich Nutzen für den Künstler bringen und welche nur im eigenen Interesse abschöpfen und ersatzlos gestrichen gehören, ohne daß ihr Verschwinden dem Künstler schaden würde, wäre nochmal ne andere Diskussion. Ich erinnere mich vage an einen Artikel - vermutlich in der ZEIT, Link habe ich nicht zur Hand - in dem über die enorme Wichtigkeit von Verlegern und Agenten lamentiert wurde, ohne die der Künstler gar nichts wäre...

  • Swen

    11.06.09 (20:42:33)

    Jetzt mal Hand auf Herz: erst den Studien (die ich zugegebenermaßen nicht gelesen habe) unwissenschaftliche Methoden vorwerfen, diese "Märchen" zu nennen, dann aber selbst nur die eigene Meinung wiedergeben ist auch nicht wirklich besser. Zumal es mindesten drei Untersuchungen, denen man weder schlechte Methodik noch Parteilichkeit vorwerfen kann, ebenfalls belegen, dass es keinen (negativen) Zusammenhang zwischen Filesharing und verkauften CDs gibt. Diese sind: Eine 2009 im Auftrag niederländischer Ministerien durchgeführte Studie. Eine 2007 im Auftrag des kanadischen Wirtschaftsministeriums durchgeführte Untersuchung. Die beiden Wissenschaftler, Felix Oberholzer-Gee von der Harvard Business School und Koleman Strumpf von der University of North Carolina, ziehen aus ihrer erstmals empirischen Untersuchung, in der sie die Zahl von heruntergeladenen Musikdateien mit dem Verkauf von CDs verglichen haben, einen eindeutigen Schluss: Das Herunterladen von Dateien aus Tauschbörsen hat nach ihnen - zumindest statistisch gesehen - keinerlei Auswirkung auf die Zahl von verkauften CDs. Eine wirklich gründliche Betrachtung dieser und nahezu aller weiteren Studien leistet Prof. Tschmuck. Das es ganz offensichtlich genügend Menschen gibt, die trotz der Möglichkeit Musik kostenlos zu beziehen, diese kaufen zeigt das Album "Ghosts I-IV" der Nine Inch Nails. Dies gab es wie wohl jeder weiss ganz offiziell als kostenlosen Download. Trotzdem war es das meistgekaufte MP3 Album auf amazon.com im Jahr 2008. Oder die SciFi Bücher von Cory Doctorow. Dieser bietet alle seine Bücher auch als kostenlose PDF Dateien an, trotzdem (oder gerade deshalb) werden sie gekauft. Das Problem deiner Argumentation und der Vertreter der Musikindustrie ist, das sie auf lediglich eine Korrelation zwischen zwei Ereignissen, dem Erscheinen von Napster im Jahr 1999 und den einbrechenden Umsätzen der Musikbranche im selben Jahr bassiert. Mit der gleichen Logik kann man auch Geburtenraten und die Anzahl von Störchen in Verbindung bringen. Diese Betrachtung blendet die Welt um 1999 aus und richtet den Blick nur auf Napster. Seit Mitte der 90er Jahre gab es viele technische Neuerungen im Medienbereich und damit auch zwangsläufig Veränderungen in der Gesellschaft, im besonderen im Konsumverhalten. Zum Beispiel wäre da die DVD. Ihre Einführung Mitte der 90er Jahre fällt mit dem Niedergang der CD zusammen. DVDs verkaufen sich besser, als wohl jeder in der Filmbranche je erhoffte. Sie löste einen Boom aus, der 2006 in 100 Millionen (in Deutschland) verkauften DVDs gipfelte. Während die Umsätze der CD schwinden, verdreifachten sich die Umsätze von DVDs. Positiv entwickelten sich auch Computer- und Konsolenspiele. Zwischen 1994 und 1999 verdoppelte sich deren Umsatz. Das Handy ist ebenfalls ein Kind der frühen 90er Jahre. Verfügten 1999 gerade mal 14% der 12 bis 19 Jährigen über ein Handy, so sind es heute schon 94%. 2004 wurden in Deutschland 30 Milliarden SMS und MMS verschickt. Betrug der Umsatz der Mobilfunkbranche 1998 schon ca. 9,5 Mrd EUR, waren es 2004 immense 22,1 Mrd EUR. Die Deutschen gaben zwischen 1995 und 2005 jedes Jahr nahezu konstant 10 Milliarden Euro für Medien (hier sind Musik, Bücher, DVDs, Kino und Siele gemeint). Hierbei zeigt sich, dass es zu einer Verschiebung kommt. Verlierer ist die Musik, Gewinner DVDs und Videospiele.

  • Martin Weigert

    11.06.09 (21:02:59)

    @ derDaniel & xconroy Ihr gebt dort Geld für Medien aus, wo ihr einen Qualitätsvorteil (Magazine, deren Inhalte so [noch] nicht im Web vorhanden sind) bzw. ein (emotionales) Erlebnis (Kino, Konzert) erhaltet. Das dürfte für einen Großteil der Konsumenten gelten und zeigt, wie wichtig es ist, die Inhalte auf die richtige und für den jeweiligen Einsatzzweck passende Art zu produzieren und zu distribuieren. @ Swen Die Studien ziehen ihre Daten a) aus den Jahren 2004 bis 2006, haben b) keine Angaben zur Erhebungsart und Repräsentativität und werden c) mit Sätzen wie diesem kommentiert "So würden etwa Leute, die unautorisiert Musik aus dem Netz laden, nicht weniger CDs kaufen als Nicht-Downloader" Ahja. Und was sagt das über den Einfluss der Tauschbörsen auf das Kaufverhalten der einzelnen Personen über einen längeren Zeitraum? Nichts. Es sind genau solche Studien und ihre Interpretationen, die ich in obigem Artikel anzweifle. Und das, ohne hier irgendeine Partei für die Musikindustrie zu ergreifen. Wenn du ältere Artikel von mir liest, siehst du eindeutig, auf welcher Seite ich stehe. Die Argumentation, dass sich die Verteilung des Medienbudgets einzelner Personen verändert hat und z.B. weniger für Musik und mehr für Spiele oder DVDs ausgegeben wird, teile ich. Aber was diese Annahme nicht zulässt, ist der Schluss, dass deshalb nicht der illegale Download von Musik aus dem Web (glaub mir, mir fällt es nicht leicht, das Vokabular der Musikbranche zu verwenden) für die sinkenden Musikverkäufe verantwortlich ist. Bedenke, dass vielleicht gerade die Möglichkeit, Musik einfach herunterzuladen, die Umschichtung hin zu mehr Spielen/DVDs ermöglicht hat. Sprich, Konsumenten kommen nun kostenlos an Musik, deshalb können sie es sich leisten, bisher weniger priorisierten Kategorien wie DVDs oder Spiele mehr von ihrem Medienbudget zu geben. Das nur als Beispiel. Ohne hier irgendeine Partei zu ergreifen (ich muss das einfach noch mal wiederholen), will ich damit nur aufzeigen, dass sämtliche dieser Studien immer nur die halbe Wahrheit erzählen (wenn überhaupt - wir wissen doch, wie schnell auch etablierte Medien die Resultate von eigentlich völlig korrekten Studien umdichten und damit falsch interpretieren), und dass mir das persönlich auf die Nerven geht. Und wenn ich mich in meinem sehr heterogenen Bekannten-, Freundes- und Familienkreis umschaue, ist es nun mal mehr als offensichtlich, dass Filesharing, Rapidshare & Co ihre Spuren hinterlassen und das Kaufverhalten negativ beeinflusst haben. Und ich nehme einfach niemandem ab, ähnliche Beobachten in seinem Umkreis nicht gemacht zu haben. Außer die gesamte Sippschaft wohnt auf einem Dorf ohne Internet.

  • Hier_mal_anonym

    11.06.09 (21:28:46)

    Also hier mal anonym und ganz ehrlich: 1. Seit dem ich P2P-Börsen nutze, habe ich öfter viel unbekannte Musik runtergeladen und von den interssanten Gruppen, die mir gut gefielen, dann auch immer wieder mal was gekauft. 2. Als Radiohead das letzte Album quasi kostenlos anbot, habe ich es trotzdem bei BitTorrent gezogen, weil das viel (!) schneller und einfacher war. 3. Bei iTunes habe ich noch nie gekauft, weil ich den DRM-Quatsch und die mangelnde Qualität nicht mag. Bei BitTorrent bekomme ich 320 Kbs, die mit dem amtlichen Lame codiert worden sind. 4. Filme ziehe ich bei BitTorrent, weil sie dort viel eher (!) verfügbar sind. Aufgrund der mangelnden Qualität kaufe ich gute Filme dann trotzdem, wenn sie auf Blueray erscheinen. So z.B. bei dem Beispiel Dark Knigth, bei dem dann leider der Ton bei dem DVD-Screener viel besser abgemsicht war, als auf der Blueray.

  • Swen

    11.06.09 (22:59:27)

    @ Martin gerade die Oerholzer/Strumpf ist doch sehr transparent. Zwar sind die Daten schon etwas älter, "beobachtet" wurden Open Napster User, aber sie ist meines Wissens die einzige Studie die direkt aus einem Filesharing Netzwerk runtergeladene Lieder mit der Entwicklung deren Chartpositionirung vergleicht. Ich sehe keinen Grund warum deren Erkenntnisse heute keine Gültigkeit mehr haben sollten. Zuvor erwähnter Dr. Tschmuck merkt zu dieser Studie an: "Die Oberholzer-Gee/Strumpf-Studie ist trotz gegenteiliger Behauptungen von Industrievertretern immer noch gültig und ist methodisch einwandfrei erstellt worden. Die ökonometrischen Tests beziehen sich auf ein hochwertiges Datenmaterial, zu dem man als Wissenschaftler ansonsten keinen Zugriff hat. Noch dazu sind die Ergebnisse repräsentativ und zwar für das File-Sharing insgesamt und für den Untersuchungszeitraum auch weltweit. Allerdings gelten die Ergebnisse nicht für alle Zeiten, sondern nur für September bis Dezember 2002. Über diesen Zeitabschnitt hinaus muss man sich mit Plausibilitätsvergleichen helfen, die wiederum sehr leicht anfechtbar sind. Die Studie müsste in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um die Ergebnisse auch auf einen längeren Zeitraum beziehen zu können." Auch die holländische Studie wird von Prof. Dr. Tschmuck "gelobt": "Von kleinen Unsauberkeiten bei der Fragestellung und der Auswertung einmal abgesehen, ist diese Studie der derzeit vertrauenswürdigste und wissenschaftlich fundierteste Beitrag zur Diskussion rund um die Wirkungen von File-Sharing." Deine Ansicht "Konsumenten kommen nun kostenlos an Musik, deshalb können sie es sich leisten, bisher weniger priorisierten Kategorien wie DVDs oder Spiele mehr von ihrem Medienbudget zu geben" teile ich nicht, da die Ausgaben für Medien insgesamt von Jahr zu Jahr steigen. 2008 war das bisher Umsatzstärkste Jahr seit 1995. Siehe BVV Businessreport 2008/ 2009 Seite 12 Träfe deine Annahme zu, leuchtete mir nicht ein, warum die "Downloader" mehr für Spiele und DVDs ausgeben als sie durch die "kostenlose" Musik per Fileharing sparen. Mir leuchtet auch nicht ein, warum Musik aufgrund Filesharing nicht mehr gekauft werden sollte, von DVDs jährlich aber mehr als 10 Millioen verkauft werden, und das obwohl sie exorbitant aus Fileharingnetzen bezogen werden. Auch die meisten Spiele kann man per Flesharing bekommen. Siehe http://thepiratebay.org/top/all Ein gutes Beisiel ist die TV Serie Battlestar Galactica. Eine British/US-amarikanische Coproduction, die in UK um einiges früher startete. Natürlich haben zahlreiche amerikanische Fans die Serie vor dem US Start per BitTorrent bezogen, was dem Erfold der Serie allerdings keinerlei Schaden zufügte. Siehe mindjack.com Meiner Meinung nach konnte die Spiele- und Videobranche gestiegene Umsätze verzeichnen, da sie neue interessante Produkte entwickeln und auch neue Käuferschichten erschließen konnte. Spielgrafik wird generell immer realistischer, Nintendo konnte mit der Wii auch Mädchen als Kunden gewinnen. Die Spielebranche liefert immer wieder neue Gründe neue Hardware und Software zu kaufen. Die Musikbranche hat seit der Einführung der CD nichts hervorgebracht was es rechtfertigen würde neue "Medien" zu kaufen. Alle Nachfolger der CD, z.B. Minidisc, DAT oder die Audio DVD sind gefloppt. Die einzige Innovation war das MP3 Format, allerdings musste niemand ein neues Medium erwerben um in die Vorzüge des MP3 Formats zu kommen. Der Wechsel von LPs zu CDs verschaffte der Musikbranche einen unglaublichen Schub, der beim Wechsel von CD zu MP3 nicht stattfand, da die dazu benötigte Hardware Computer schon in jedem Haushalt vorhanden war und auch das neue Trägermedium "MP3" kostenlos zu haben war. Geld kann man sicherlich dadurch sparen, dass nun in den legalen MP3 Shops (ITunes) jeder Song auch einzeln gekauft werden kann und man nicht mehr gezwungen ist, ein ganzes Album zu kaufen, obwohl eigentlich nur wenige Lieder interessant sind. Der Erfolg von DVDs und Spielen stellt eine positive Rückkopplung dar. Das heisst ihr eigener Erfolg sichert den weiteren Erfolg. DVDs, Spiele und CDs werden hauptsächlich über Großmärkte wie den Mediamarkt und Saturn verkauft. Deren Erfolg führte dazu, dass die Verkaufsflächen hierfür zu Lasten der CD erhöht wurde. Die Auswahl an DVDs steigt, was sicherlich positiv auf den Absatz wirkt, da die Verkaufsfläche der CDs somit kleiner wird, sinkt als Folge wahrscheinlich auch der Absatz. Gleiches gilt für Videospiele. Änlich sieht man das auch in der aktuellen Ausgabe der Brand Eins.

  • Martin Weigert

    12.06.09 (05:53:03)

    Wie gesagt - die Studien haben für mich keinerlei Relevanz, da sie uralt sind. Zudem gebe ich mich nicht damit zufrieden, dass ein einzelner Professor behauptet, sie wären korrekt. Deine Ansicht “Konsumenten kommen nun kostenlos an Musik, deshalb können sie es sich leisten, bisher weniger priorisierten Kategorien wie DVDs oder Spiele mehr von ihrem Medienbudget zu geben” teile ich nicht, da die Ausgaben für Medien insgesamt von Jahr zu Jahr steigen. 2008 war das bisher Umsatzstärkste Jahr seit 1995. Siehe BVV Businessreport 2008/ 2009 Seite 12 Träfe deine Annahme zu, leuchtete mir nicht ein, warum die “Downloader” mehr für Spiele und DVDs ausgeben als sie durch die “kostenlose” Musik per Fileharing sparen. Weiter oben schreibst du, es wären konstant 10 Milliarden Euro pro Jahr. Nun sprichst du plötzlich von einem Anstieg. Aber selbst wenn die Ausgaben für Medien gestiegen sind, wäre dies nicht verwunderlich: Der Medienmarkt als solches wächst, es kommen immer neue Produktgattungen hinzu, die mit den klassischen Medien nicht mehr viel gemeinsam haben. Ein Spiel hat faktisch sehr wenig mit einem Musikalbum gemeinsam. Mir leuchtet auch nicht ein, warum Musik aufgrund Filesharing nicht mehr gekauft werden sollte, von DVDs jährlich aber mehr als 10 Millioen verkauft werden, und das obwohl sie exorbitant aus Fileharingnetzen bezogen werden. Auch die meisten Spiele kann man per Flesharing bekommen. Siehe http://thepiratebay.org/top/all Wenn ich behaupte, dass sich Tauschbörsen auf den Medienkonsum ausgewirkt haben, heißt das doch nicht sofort, dass niemand mehr DVDs kauft. Natürlich gibt es noch genug Leute, die sich DVDs lieber kaufen, als sie zu saugen. Das variiert von Person zu Person. Schon weil es ein bisschen Know-how benötigt, einen Film in DVD-Qualität herunterzuladen und zu brennen. Und weil genug Menschen von ihrem Unrechtsbewusstsein daran gehindert werden. Ein gutes Beisiel ist die TV Serie Battlestar Galactica. Eine British/US-amarikanische Coproduction, die in UK um einiges früher startete. Natürlich haben zahlreiche amerikanische Fans die Serie vor dem US Start per BitTorrent bezogen, was dem Erfold der Serie allerdings keinerlei Schaden zufügte. Siehe mindjack.com Ich habe auch noch nie gehört, dass eine TV-Serie unter illegalen Downloads gelitten hat. Ich denke, soweit sind wir noch nicht, und TV hat eine zu große Reichweite, um durch ein paar zehn- oder hundertausend Downloads Quoteneinbrüche zu erleiden. Die restlichen Schilderungen finde ich schlüssig. Und trotzdem halte ich es für gut, zu schauen, was der eigentliche Grund für die z.B. verringerte Verkaufsfläche von Musik war - das Aufkommen anderer Mediengattungen, oder die gesunkene Nachfrage als Folge einer verstärkten Verfügbarkeit illegaler und legaler Downloadmöglichkeiten?!

  • Swen

    12.06.09 (07:48:09)

    @Martin Die Studie ist von 2004, aber was ändert dies an deren Aussagekraft? Damals Napster heute Bittorrent. Die beiden anderen Studien sind von 2007 und 2009. Und damit definitiv nicht "uralt". Gerade die Studie aus 2004 musste sich einiges an Kritik gefallen lassen, alle Punkte wurden in der finalen Version berücksichtigt, was aber zu keinem anderen Ergebnis führte. Alle drei Studien sind frei verfügbar. Dr. Tschmuck hält die Studien für belastbar. Nenne du bitte eine glaubwürdige Person die sie für nicht belastbar hält! Meine Frage an dich, was ist konkret an diesen Studien falsch? Ich traue es mir nicht zu dies zu beurteilen. Wie gesagt finde auch nur eine gut begründete Kritik an einer der Studien! Die Zahl 10 Milliarden zu dem Medienbudget variiert natürlich von Jahr zu Jahr. Lass uns sagen der Wert beträgt durchschnittlich 9,5 mrd und schwankt zwischen 9 und 10 mrd Euro. Seltsamerweise ändern sich diese Zahlen von einer GFK Veröffentlichung zur nächsten. Im GFK Consumer Report von 2006 sind die Zahlen generell höher als die Zahlen der GFK im BVV Bericht. Im letzeren ist der generelle Anstieg auszumachen. Demnach war 2008 mit 9,67 mrd Euro das erfolgreichste Jahr zwischen 1999 und 2008. - GFK 2006 - GFK 2009 "Schon weil es ein bisschen Know-how benötigt, einen Film in DVD-Qualität herunterzuladen und zu brennen. Und weil genug Menschen von ihrem Unrechtsbewusstsein daran gehindert werden." Das gleiche Unrechtsbewußtsein sollte dann doch auch die Menschen davon abhalten Musik illegal runterzuladen, oder nicht?. Ich gehe davon aus, das der größte Teil der illegal bezogenen Filme direkt am Computer angeschaut werden und somit kein weiteres Wissen notwendig ist diese als DVD zu brennen. Und selbst wenn, die Brennsoftware macht doch alles notwendige. Zumal sehe ich keine neuen Medienkategorien. Gestern VHS heute DVD, ein Film bleibt ein Film egal ob auf Kassette oder auf einer Scheibe. Gleiches gilt für Spiele, gestern Diskette heute DVD. Der Datenträger ändert sich, das Medium bleibt gleich. Das Serien im TV unter den Downloads leiden glaube ich auch nicht, allerdings sollte dann doch gemäß deiner Aussage "vom Kauf eines Musikstückes oder Buches abzusehen, wenn man bereits auf einem anderen Weg kostenlos in den Besitz der digitaler Version gelangt ist" auch der DVD Markt unter illegalen Downloads leiden, was er offensichtlich nicht macht. Das einzig neue Medium das ich sehe ist das Handy, und ich glaube kaum, dass das Handy deshalb so erfolgreich ist, da die Menschen Geld was sie durch illegale Downloads von Musik sparen nun zum telefonieren verwenden. Die große Frage ist, ersetzten illegale Downloads gekaufte CDs? Ich glaube nicht, wenn dann nur zu einem geringen Teil. Denn nicht alles was man umsonst bekommt würde man ansonsten auch kaufen. Bekomme ich einen Flug nach Australien geschenkt, würde ich ihn antreten, bekomme ich ich ihn nicht geschent, trete ich ihn nicht an. Filesharing ist für viele Mensche eine weitere Option geworden. Dürfte ich kostenlos bei McDonalds essen, würde ich wahrscheinlich oft bei McDonalds essen, meine Besuche in meinem Liebligsrestaurant würden dadurch nicht weniger werden. Den sinkenden Umsatz von Musik wird man nie verstehen wenn man versucht ihn lediglich mit Filesharing zu erklären da somit Drittvariablen und Rückkopplungen unberücksichtigt werden.

  • Martin Weigert

    12.06.09 (07:55:52)

    Leider fehlt mir die Zeit, um jetzt hier bis in kleinste Detail mit dir über die Studien zu diskutieren, zumal die Länge deiner Kommentare und die Art der Argumentation darauf schließen lässt, dass du ein ganz Hartnäckiger bist, weshalb wir sonst hier noch wochenlang diskutieren könnten. Ich denke, ich kann die Entwicklung der letzten Jahren im Medienbereich gut genug beurteilen, um sagen zu können, dass mir Argumentationen, die Zusammenhänge zwischen der Digitalisierung, illegalen Downloads und Verkäufen komplett von der Hand weisen, suspekt sind. Dass man Rückkopplungen berücksichtigen muss, stimmt - aber in beide Richtungen. Was du auch nicht machst, denn du willst die Rückkopplungen als einzigen Grund für verändertes Kaufverhalten anbringen, was bei mir den Eindruck hinterlässt, dass du keineswegs objektiv an das Thema herangehst. Du bist nicht zufällig Mitglied bei der Piratenpartei? Und mal ehrlich: zwischen dem illegalen Download eines Musikstücks und einer abspielbaren DVD liegen in den Augen der meisten "herkömmlichen" User Welten. Das eine dauert 30 Sekunden, das andere Stunden in beinhaltet Kenntnis über Formate, Konvertierungen etc. Dass du das völlig ausblendest und stattdessen beides vergleichst, zeugt nicht gerade von einer wirklichkeitsgetreuen Sicht.

  • Swen

    19.01.16 (11:31:32)

    Warum es mir geht ist, für die Krise der Musikwirtschaft wird in der öffentlichen Diskussion in der Regel lediglich Filesharing verantwortlich gemacht. Es gibt ernstzunehmende Studien die keinen Zusammenhang zwischen Filesharing und den Rückläufigen Umsätzen sehen. Diese werden übergangen da sie wenn sie nicht der eigenen Meinung entsprechen. Ist man der Meinung, diese Ergebnisse würden nicht stimmen, dann bringt es nichts, diese als Märchen abzutun, sondern muss sich konstruktiv mit diesen auseinandersetzen. Es gibt "Phänomene" die widersprüchlich sind, aber auch gerne übergangen werden. Was man kostenlos bekommt, kauft man angeblich nicht. Selbst wenn dies auf CDS zutreffen sollte, warum trifft es auf Filme und Serien nicht zu? Die unterschiedlichen Videoformate sehe ich nicht als großes Problem. Ich gehe davon aus, dass der Großteil der Videos als avi/divx Datei runtergeladen werden und nicht in eine DVD umzuwandeln angeschaut wird. Zumal mittlerweile die meisten Geräte auch avi/divx Dateien abspielen können. Wahrscheinlich kann heute schon jeder Zehnjährige avi Dateien als DVD brennen. Den wahren Grund für den Rückgang der CD Verkäufe kenne ich selbstverständlich auch nicht, ich bin nur der Meinung, dass eine Reduzierung des Problems auf "Filesharing" ein absoluter Holzweg ist. Ein Beispiel bei dem auch ich sage, hier kann nur Filesharing schuld sein, ist der kollabierende Markt für Anme DVDs in Deutschland. Und nein, ein Mitglied der Piratenpartei bin ich nicht. Zumal ich von Aussagen "alle Information muss frei sein" auch nichts halte. Künstler müssen von ihrem Output leben können. Auf Seiten der Filesharingbefürworter gibt mindetens genau so viele dumme Aussagen wie von Seiten der Musikbranche. Gerne wird der zu hohe Preis angeführt. Wer findet CDs seien in Deutschland zu teuer, der soll doch mal nach Holland oder in die Schweiz fahren. Auch hört man gerne es werden doch nur nicht mehr erhältliche Veröffentlichungen runtergeladen. Das dies natürlich totaler Quatsch ist, sieht man auf den ersten Blick auf den "Top 100" Rubriken der Bittorrent Seiten.

  • Martin Weigert

    12.06.09 (10:12:59)

    Einigen wir uns darauf, dass neben Filesharing auch noch andere Faktoren für die Krise der Musikindustrie (und eventuell anderer Mediengattungen) verantwortlich sein können ;)

  • Martin

    12.06.09 (22:08:45)

    Und wieso, Martin, kommst du erst jetzt dazu "Tacheles" zu reden? Den Quatsch das Napster dazu führt das mehr Musik gekauft wird wurde schon 2000 als Argument von den Saugern vorgeschoben. Mir reichen schon die Youtube Videos in meiner Playlist für Audio und wenn ich High Quality Streams zur Verfügung habe kaufe ich mir sicher keine DVD. Ich gebe es aber zumindest zu.

  • Oliver

    15.06.09 (08:14:13)

    "Und nein, ein Mitglied der Piratenpartei bin ich nicht. Zumal ich von Aussagen “alle Information muss frei sein” auch nichts halte. Künstler müssen von ihrem Output leben können." Die Piratenpartei ist keineswegs der Meinung, dass Künstler ihre Werke gratis zur Verfügung stellen sollen. Wer das glaubt, liegt einem Vorurteil auf und sollte sich nochmal näher mit ihren Positionen auseinandersetzen, bevor er sie pauschal aburteilt. Verteidigt werden dagegen zum Beispiel das (eigentlich selbstverständliche) Recht auf Privatkopie und die gesunde Entwicklung von neuen Verteilungsmodellen von Künstler zu Endverbraucher - Entwicklungen, die von einer Industrie, die gerade vom Überleben und Dominieren der alten Modelle lebt, bisher aggressiv bekämpft und kriminalisiert werden. Dass hier Verkäufe zurückgehen, ist nichts weiter als das normale Symptom eines sich verändernden Marktes - würden die Menschen wieder mehr Audio-CDs kaufen, würden automatisch die Umsätze bei Filmen und Spielen nachlassen und diese Industriezweige würden (noch mehr) anfangen über Kopierer zu jammern. Fakt ist, dass die Leute nicht mehr Geld für Medien ausgeben können als sie haben, weil niemand anfangen wird zu hungern oder in eine kleinere Wohnung zieht, damit er sich 10 Alben pro Monat kaufen kann. Wer wirklich gute Musik macht, die die Leute erreicht, der wird trotzdem weiterhin verkaufen - ein Gesund-Schrumpfen der total überzogen großen Populärmusiksparte kann ich nicht mit den Armageddonsposaunen in Einklang bringen, die bei dem Thema gezückt werden. Marktsättigung ist nichts Ungewöhnliches.

  • David Bauer

    15.06.09 (08:40:21)

    Vielleicht sollte man erwähnen, dass Kollege Marcel Weiss bei Netzwertig immer wieder gerne genau solche Studien beizieht, um seine pauschalen Meinungen zu "untermauern", z.B. http://netzwertig.com/2009/04/09/studie-musikvideos-auf-youtube-steigern-einkuenfte-fuer-musiker/

  • Kai Weber

    04.07.09 (21:18:55)

    Danke für's Tacheles Reden, Martin Weigert! Lass Dich nicht kleinkriegen. Natürlich ist es Quatsch, alle illegalen Downloads als entgangenen Umsatz der Musikindustrie zu werten. Aber ebenso selbstverständlich ist es doch, dass es durchaus gegenseitige Beeinflussungen gibt. Ich bin seit einigen Monaten auf den legalen Musikerwerb umgestiegen. Ich habe früher nie Musik gekauft, die ich umsonst im Netz bekommen konnte und ich glaube auch nicht, dass das viele Leute getan haben. Was mich bei der ganzen Filesharing-Diskussion (u.a. an einigen Kommentaren oben) so sehr stört, ist auch die Kurzsichtigkeit der Filesharing-Befürworter. Sie reden immer von Musikindustrie und meinem damit ca. 5 Major-Labels. Dabei haben diese ca. 5 Major-Labels schon immer die uninterssantesten Produkte im Angebot gehabt. Ich bin einfach traurig, dass immer nur von den großen Haien gesprochen wird, aber wer denkt denn mal an die kulturelle Vielfalt, für die 10000 kleine Independent-Labels sorgen, denen man keine Profitgier vorwerfen kann, die keine Lobby haben, und denen bei einer Aufweichung des Urheberrechts genauso die Überlebensgrundlage entzogen würde wie den Großen?

  • Martin Weigert

    05.07.09 (11:39:03)

    Ich glaube, gerade für kleinere Labels und unabhängige Acts verändert sich wenig. Zwar sind auch diese von illegalen Downloads betroffen, aber gleichzeitig können sie mit Hilfe des Webs eine globale Hörerschaft erreichen. Früher war das unmöglich bzw. äußerst teuer. Zudem haben gerade Independents häufig einen sehr loyalen Anhang, der gerne bereit ist, für Tonträger (ob physisch oder digital), Merchandising etc zu bezahlen.

  • Swen

    05.07.09 (15:40:58)

    Schaut man sich die Aussagen unterschiedlicher Vertreter der Indies an, hört man unterschiedliche Meinungen. 2005 war die Indiewelt noch in Ordnung, 2007 nach dem Wegfall des Vertriebs Hausmusik "katastrophal", den Download Vertrieb habe man verschlafen, 2008 ist es hingegen "nicht überraschend" das die Indies "zu den ersten zählen" die den Onlinemarkt besiedeln. In einer Studie des VUT (Verband unabhängiger Musikunternehmen) die 2005 unter den Verbandsmitgliedern durchgeführt wurde, sahen diese "Ihre Zukunftsaussichten überwiegend positiv und erwarten weiteres Wachstum. Dagegen scheinen...Probleme mit dem Schutz geistigen Eigentums derzeit nicht vorrangig." Die Studie als PDF Datei 2007 Der Marktanteil der unabhängig vertriebenen Musikproduktionen stieg 2007 auf mehr als 25% des Gesamtmarktes. Seit 2002 hat sich der Marktanteil der Independents damit um mehr als 60% gesteigert. http://www.vut-online.de/cms/?p=501 eine weiteres Kommentar zur Lage: "Die Lage ist katastrophal", sagt Gudrun Gut, Labelchefin von Monika Enterprise. "Der Markt ist völlig zusammengebrochen. Man kann heute als kleines Label einfach so gut wie keine Platten mehr verkaufen." [...] "Die Ankunft der Krise hat sich bei uns einfach nur um ein paar Jahre verzögert", stellt Thomas Morr rückblickend fest. "Das hat dazu geführt, dass man teilweise wichtige Entwicklungen, wie die Umstellung auf den digitalen Download-Vertrieb, verschlafen hat. Die Major-Labels sind heute vielfach besser auf die neue Situation eingestellt als wir." Weiter auf TAZ.de 2008 "Nach wie vor gehen die Umsätze vor allem der Tonträgerbranche zurück und noch ist der Sprung ins neue Zeitalter nicht abgeschlossen, ... Dennoch, der Onlinemarkt wächst und wenn man sie lässt, wird es nicht überraschen, dass gerade VUT Mitglieder zu den ersten zählen, die neues Territorium besiedeln." Weiter auf http://www.vut-online.de/cms/?p=672 Der letzte Link ist sehr lesenswert. Er bietet einen Blick in die Praktiken von Mediamarkt/Saturn und Amazon.

  • Kai

    05.07.09 (17:01:00)

    Danke für die vielen Infos. Klar, ich beobachte inzwischen auch mit Interesse die Entwicklung von kleinen, unabhängigen, oft von KünstlerInnen selbst betriebenen Weblabels und öffne auch gerne hier und da mal meine Geldbörse. Was ich aber nicht so ganz nachvollziehen ist, ist die moralische Seite der Argumente der Filesharing-Befürworter. Ich höre da immer wieder, die Künstler sollten halt auf Konzerten Geld verdienen. Mit einer Legalisierung des derzeitigen Filesharing-Status-Quo würde man das dann offiziell machen. Ich finde, ein System muss einen produktiv Tätigen insofern schützen, als er/sie eine gewisse Entscheidungsfreiheit hat, wie er/sie mit seinem Produkt seinen Lebensunterhalt sichern kann. Meine Probleme mit den Filesharing-Befürwortern und den wissenschaftlichen Studien, die positive Effekte des Filesharing bestätigen, ist auch nur, dass ich sie leider nicht empirisch bestätigen kann. Zum einen habe ich selbst eine Weile als "Musikschmarotzer" gelebt, bin ziemlich plötzlich von ca. 50 CD-Käufen pro Jahr in den 90ern auf 0 CD-Käufe pro Jahr gefallen, ohne dass ich deswegen öfters auf Konzerte gegangen wäre - und Videospiele habe ich nie gekauft. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis bestätigt sich diese Selbstbeobachtung. Nun frage ich mich, wie es sein kann, dass ich und mein Bekanntenkreis so viel asozialer sein sollen als der Rest der Menschheit. Mich jedenfalls hat es inzwischen angekotzt, dass ich für alles mögliche Geld ausgegeben habe, aber nicht für Musik, obwohl ich in jeder freien Minute Musik höre. Seitdem kaufe ich nicht nur selbst wieder Musik, sondern ich versuche auch, andere dazu zu überreden. Mit Reaktionen wie: Ich kaufe mir nur Second Hand-CDs; für digitale Bits und Bytes würde ich nie Geld ausgeben; an mir verdienen die Künstler halt nix. Was mich bewegt ist halt: Angesichts diese von mir als desolat erfahrenen Lage, wie soll diese Gesellschaft in Zukunft Qualität und Quantität von Kunstproduktion sicherstellen?

  • Boris

    12.07.09 (06:42:09)

    Ich möchte an dieser Stelle mal die Preisdifferenzierung mit in die Diskussion einbringen, da diese viel zu selten beachtet wird. Im Gegensatz zu (z.B.) Konsumgütern gibt es bisher keine sinnvolle Preis- und Produktdifferenzierung für digitale Musik. Möchte/kann man sich kein Rinderfilet leisten, kann man sich statt dessen ja auch Schweinefilet kaufen. Möchte/kann man sich ein Musikstück nicht leisten, verzichtet man entweder ganz ("Luxusprodukt") oder besorgt es sich kostenlos auf illegalem Weg. - DRM war ein Ansatz, welcher jedoch aufgrund der (berechtigten) mangelnden Akzeptanz schnell wieder vom Markt verschwunden war. Hier hätte man nacharbeiten können und den Nutzer in den Mittelpunkt stellen können, anstatt nur restriktive Kopierschutzmechanismen zu implementieren. - Die Qualität der neuen mp3-Codecs ist inzwischen so gut, das eine Differenzierung über die Bitrate für einen Großteil der potenziellen/tatsächlichen Kunden kaum von Bedeutung ist. - Die meisten Endgeräte unterstützen das unabhängige mp3-Format, weshalb eine Differenzierung über unterschiedliche Formate ebenfalls schwer fallen wird. Hier könnte man allerdings bei den verlustfreien Komprimierungsverfahren (z.B. FLAC) eine weitere Abschöpfung der Konsumentenrente realisieren, ohne weitere restriktive Maßnahmen implementieren zu müssen. Was hat aber nun die fehlende Produktdifferenzierung mit dem Raubkopierproblem zu tun ? Die fehlende Möglichkeit der Produktdifferenzierung in Verbindung mit der durch die Musikindustrie gewählten Hochpreisstrategie führt letztendlich zu einem Marktversagen. Als externen Effekt kann man hier die "kostenlose Alternative" in illegalen Tauschbörsen ansehen. Dies führt dazu, das man bei den zahlenden Kunden die maximale Rente abschöpft, aber auf der anderen Seite einen Großteil der potenziellen Kunden nicht in den Markt holt. Die Zahlungsbereitschaft der potenziellen Kunden ist geringer als die üblichen 1€/Musikstück, weshalb man hier auch nicht von entgangenem Umsatz für die Labels reden kann. Da es sich bei Musik um ein "Luxusprodukt" (im weiteren Sinne) handelt, ist die Preiselastizität der Nachfrage sehr hoch und führt zu einer überproportional stark abfallenden Nachfragekurve. Bei gleichbleibenden Bedingungen wird man durch die Hochpreisstrategie also niemals ein Marktoptimum erreichen können. Welche Lösungen gibt es? - Man könnte zum einen die "kostenlose Alternative" durch staatliche Eingriffe mit stärkeren Sanktionen belegen. Durch die starke Lobbyarbeit der Musikindustrie wurden hier bereits einige Sanktionen eingeführt. Ob eine weitere Kriminalisierung breiter Bevölkerungsschichten jedoch der richtige Ansatz ist, sei einmal dahingestellt. - Es sollten angereicherte Medien entwickelt werden, um den Kaufanreiz zu steigern und darüber hinaus eine Produkt- und Preisdifferenzierung zu ermöglichen. - Es könnten neue Geschäftsmodelle etabliert werden, welche dieser Problematik entgegenwirken. Ein Ansatz ist hier die sogenannte Flatrate, welche bei Streamingdiensten zunehmend zum Einsatz kommt. Jedoch entsteht hierbei wieder das Problem der selbstbestimmten Nutzung der Medien. Ferner widerspricht die Flatrate der Hochpreisstrategie der Musikindustrie. Auf der einen Seite macht man sich die Probleme durch hohe Preise (exakter: fehlende Preisdifferenzierung) selbst und auf der anderen Seite versucht man diese dann durch ein Modell zu lösen, welches die Abschöpfung der Rente weiter reduziert als dies überhaupt notwendig ist. Meiner Meinung nach ist der einzige richtige Lösungsansatz für das bestehende Problem eine dynamische Preisdifferenzierung.

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