Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.
 
 
11.06.12 08:30, von Karsten Werner

Tasker, Llama & Co: Produktivität durch die Automatisierung von Android

Im Google Play-Store findet sich diverse Applikationen, die es Android-Nutzern ermöglichen, ganze Prozessabläufe zu automatisieren. Wer sein Smartphone als Arbeitsgerät nutzt, dem eröffnet sich dabei ein spannendes Anwendungsfeld, um sich von vielen der täglich wiederkehrenden Handgriffe zu befreien.


Wer kennt das nicht: Das Telefon klingelt, wenn es nicht soll, oder aber man hat den einzig wichtigen Anruf des Tages verpasst, weil das Gerät „stumm“ gestellt war. Das mobile Datenvolumen ist, trotz vermeintlich geringer Nutzung, mal wieder bereits zur Monatsmitte aufgebraucht und man kann sich den Rest des Zeitraums unterwegs mit Modem-Geschwindigkeit herumquälen. Der Akku ist unterwegs viel zu schnell leer, da man vergessen hatte, die GPS-Suche zu deaktivieren. Der Tag neigt sich dem Ende, und der digitale Mensch schreckt – bereits im Halbschlaf – noch einmal hoch, denn irgendein Dienst möchte ihn noch schnell mit einer Push-Meldung beglücken…

Individualisiertes Task-Management für gestresste Digital Arbeiter

Während über standardisierte Widgets lediglich Einzel-Aktionen ausgelöst beziehungsweise beendet werden können, bietet das Android-Ökosystem den Nutzern viele Möglichkeiten, Tasks zu definieren, die mehrere Aktionen miteinander verknüpfen. Hier sorgen Apps wie z.B. Tasker für Abhilfe: Wenn das OS oder eine herstellerseitige Erweiterung dessen es nicht ermöglicht, dass der Nutzer ganze Einstellungsprozesse miteinander verknüpft, dann kann er dieses nach seinen eigenen Vorstellungen selbst realisieren, so dass Aktionen automatisch ausgelöst werden.

Bereits an dem abgebildeten, sehr einfach gehaltenen  Beispiel der manuellen Erstellung eines Bookmarks mit Tasker (vergleiche „Home-Button“ unter iOS) für einen direkten Zugriff auf unser Blog zeigt sich, dass die offene Android-Struktur dem Nutzer weit mehr Möglichkeiten bietet, als dass auf Apple-Geräten – werksseitig konfiguriert– möglich ist.

Das von uns jüngst vorgestellte Automatisierungs-Tool Triggers für iPhone krankt eben an diesen Restriktionen, so dass sich die Anzahl der Use Cases und deren praktischer Nutzen bisher in Grenzen hält. Für Android-Nutzer stellt sich die Situation jedoch anders dar: Mit etwas Einarbeitungszeit und einer gezielten Auswahl an zu automatisierenden Tätigkeiten machen Tasker und C, das eigene Smartphone zu einem helfenden Begleiter im Alltag, ohne dass man sich diesem jedoch fortlaufend widmen müsste, um den ganzen Tag über einzelne Funktionen und Tasks manuell zu starten und zu beenden.

Eine Auswahl nützlicher Tasks für den mobilen Alltag

  • Einrichtung eines VIP-Modus für Telefonate: Die Anrufe bestimmter Kontakte werden auch bei stumm geschaltetem Gerät per Klingelton oder Vibration angezeigt.
  • Ortbezogene Profilsteuerung zur Einsparung mobiler Datenvolumina: Anhand einer Funkmast-Zuordnung im eigenen zu Haus wechselt das Gerät automatisch ins Home-Profil und deaktiviert zwangsweise mobile Datenverbindungen. Für weniger technisch interessierte Nutzer eignet sich hierfür auch die etwas übersichtlicher zu handhabende Anwendung Llama, die sich auf diesen Use Case spezialisiert hat, sowie dessen Wettbewerber Locale und Setting Profiles.
  • Verknüpfung von ortsbasierten Anwendungen und der GPS-Funktion: Zur Automatisierung der Aktivierung/Deaktivierung der GPS-Funktion lässt sich diese Aktion direkt mit Öffnen/Beenden entsprechender LBS-Applikationen verknüpfen. Eine manuelle Handhabung und Kontrolle dieses Energie-Räubers wird damit hinfällig.
  • Automatisierung von Benachrichtigungsfunktionen: Wiederkehrende Push-Meldungen zu Anrufen oder Nachrichten-Eingängen bestimmter Kontakte, oder aber ein temporäres Deaktivieren von bestimmten Benachrichtigungsfunktionen in vordefinierten Zeitfenstern, ohne dabei die teils umständliche Handhabung verschiedener Nutzerprofile seitens der Hardware-Hersteller in Kauf nehmen zu müssen.

Nützlich, aber nicht immer einfach

In der praktischen Anwendung dieser „Konstruktions-Kits für individuelle Widgets“ mit jeweils individualisierten Prozessabläufen, die im Hintergrund ihr Werk verrichten sollen, zeigt sich zwar die höhere Funktionalität des Android-Systems gegenüber geschlossenen Plattformen, allerdings wird auch deutlich, dass ein erweitertes Niveau an User-Rechten mit einem Anstieg der Komplexität einhergeht: Wo versierte Android-Nutzer wahrscheinlich lediglich ins Schmunzeln geraten, da steht der Laie, der lediglich von den Vorteilen profitieren möchte, vielleicht hilflos vor den GUIs und der Vielfalt an Einstellungs-Optionen dieser Tools. Selbst weniger komplexe Helfer, wie das genannte Llama, fordern vom Nutzer zumindest die Kenntnis Android-spezifischer Fachbegriffe. Für den Umgang mit Tasker, dem funktional nahezu unbegrenzten, aber auch komplexesten Tool, sollten Nutzer gar logische und strukturelle Kenntnisse zum grundlegenden Aufbau von Computerprogrammen mitbringen.

Produktivitätsgewinn für jeden, aber – noch – nicht für jedermann

Hier würden die Entwickler dieser Tools sich und der Masse technisch weniger interessierter Nutzer ein großen Gefallen tun, wenn sie mit verbesserten Oberflächen, weniger Fachtermini und jeweils einem Auswahlkatalog an nützlichen Default-Tasks versuchen würden, den Massenmarkt zu adressieren. Die einfache Benutzeroberfläche des webbasierten Automatisierungstools ifttt und die Grundidee, ein von einer Community erstelltes Portfolio an nützlichen Tasks zur Verfügung zu stellen, sollte ihnen dabei als Referenz dienen.

Insbesondere Tasker offeriert im Bereich des individualisierten Einstellungsmanagements erstaunliche Möglichkeiten, die den Einsatz eines Androiden als Produktivitätstool im digitalen Alltag gegenüber der Arbeit mit einem iPhone deutlich aufwerten können. Aber genau das ist das Problem. Das (eigene) Können. Dennoch sollten auch weniger technisch interessierte Digital Worker einen Blick in den Automatisierungs-Kosmos unter Android wagen, denn je nach Nutzungsart- und Intensität könnte sich dieser Einmal-Aufwand in der Einarbeitung für den Einzelnen wirklich lohnen. Als Lohn der Mühe ist zudem auch der Vorzeige-Effekt der Ergebnisse seiner Arbeit mit derlei „Chuck-Norris“-Apps gegenüber etwaigen Android-Nörglern im eigenen Bekanntenkreis sicherlich nicht zu verachten.

© 2015 förderland
  drucken
RSS Feed Beobachten

Kommentare: Tasker, Llama & Co: Produktivität durch die Automatisierung von Android

Eine schöne Idee, angelehnt an die Überlegungen von "ifttt". Einen erweiterten Ansatz zur automatisierten Steuerung von Tasks auf Android Phones, jedoch unter Einbeziehung weiterer Informationen wie z.B. Sensoren des Telefons, Wetterinformationen, aktuellen News, etc... verfolgt Microsoft's "on{X}", das diese Woche in die Public Beta ging: http://www.technologyreview.com/news/428135/an-app-to-automate-lifes-little-tasks/

Diese Nachricht wurde von Oliver am 11.06.12 (18:08:54) kommentiert.

Hi, also in der Kombination mit Tasker, einer Fritzbox und der Fritz.Fon Android App spare ich mir schon seit 2 Jahren ein Festnetztelefon (Single-Haushalt ;) ). Sobald Tasker über die CellId feststellt, dass ich in der nähe meiner Wohnung bin, scannt er die WLANs und loggt sich automatisch ins WLAN ein. Ist dies geschehen wird die Fritz.Fon App gestartet und mein Smartphone ist auch mein Festnetztelefon. Und das ohne ein Zutun meinerseits. Außer dass ich über die CellId mein Telefon auf der Arbeit lautlos stelle habe ich aber noch keine wirklich nützlichen Tasker Script gefunden. Gruß

Diese Nachricht wurde von Fab am 11.06.12 (18:16:09) kommentiert.
Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Titel*

Name*

E-Mail*

(Wird nicht veröffentlicht!)

URL

Kommentar*

Um Spam zu vermeiden, lösen Sie bitte folgende Rechenaufgabe:

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer