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30.12.09

Tagcrumbs: Mit iPhone-Applikation zur eigentlichen Bestimmung

Bei Tagcrumbs können Nutzer ihre Lieblingsplätze speichern und mit anderen teilen. Ohne eine mobil nutzbare Anwendung brachte das bisher jedoch wenig. Mit dem anstehenden Launch einer iPhone-Applikation findet Tagcrumbs zu seiner eigentlichen Bestimmung – und trifft auf viel Konkurrenz.

TagcrumbsWelchen Nutzen hat man von einem digitalen Notizbuch für Plätze, wenn eine bequeme Möglichkeit fehlt, es unterwegs vom Mobiltelefon aus zu pflegen? Eben, keinen großen. Am 12. Januar wird sich Tagcrumbs , ein junger Dienst aus dem baden-württembergischen Sindelfingen, von diesem Handicap befreien und eine kostenlose Applikation für das iPhone veröffentlichen. Und obwohl Tagcrumbs bereits seit rund einem Jahr existiert, könnte der 12. Januar somit zum eigentlichen, offiziellen Launch-Termin des Dienstes werden; zum Tag, an dem Tagcrumbs zu einem sinnvollen Service mit Perspektive wird.

Bei Tagcrumbs können User Plätze merken, verschlagworten, diese mit Freunden teilen und die Plätze anderer Nutzer entdecken. Tagcrumbs setzt dabei auf das bekannte Follower-Prinzip. Tagcrumbs-Nutzer sollen keine Zeit mit Bewertungsseiten verschwenden, sondern sich stattdessen Empfehlungen von Personen geben lassen, die sie kennen, so wünschen es sich die Gründer.

Wir hatten Tagcrumbs bereits im Februar 2009 vorgestellt . Schon damals war eine Anwendung für das iPhone in Planung. Nun, elf Monate später, ist es soweit. In diesem Blogeintrag wird die neue Applikation vorgestellt. Mit ihr lassen sich von überall aus Plätze merken oder die bevorzugten Locations von Freunden einsehen. Um das Taggen von Orten auch in Funklöchern oder im Ausland zu ermöglichen, wurde die App mit einem Offline-Feature zum späteren Synchronisieren versehen. Wer will, kann die Applikation auch ohne Login als persönliches Notizbuch für Locations nutzen.

Tagcrumbs auf dem iPhoneUnklar ist, ob Tagcrumbs den GPS-Empfänger des iPhones einsetzt und ob sich mit der mobilen Version beliebige Plätze oder nur tatsächliche Aufenthaltsorte abspeichern lassen. Von dieser Frage hängt ab, welchen ähnlichen Services Tagcrumbs in Zukunft am ehesten in die Quere kommen könnte. Update: Mit der Tagcrumbs-Applikation können Nutzer sowohl den aktuellen Ort per GPS ermitteln und speichern als auch beliebige andere Plätze durch die Eingabe einer Adresse. Damit wildert Tagcrumbs in Zukunft in der Domäne einer ganzen Reihe anderer Services. [Update Ende] Der prominent auf der Hauptseite platzierte Aufruf, sich nicht unnötig mit Bewertungsseiten aufzuhalten, klingt nach einer klaren Kampfansage an Qype, das mit Qype Radar ebenfalls eine iPhone-Applikation anbietet.

Auch mit dailyplaces , das ich kürzlich vorstellte , hat Tagcrumbs Gemeinsamkeiten, wobei dort der Fokus eher auf mobilem, mit einer GPS-Koordinate verknüpftem Microblogging liegt, weniger auf bevorzugten Orten.

Klar ist, dass selbst die aktivsten iPhone-Nutzer nur ein begrenztes Zeitbudget für mobile Social-Web-Dienste haben. Zumal ein Großteil ihrer Aufmerksamkeit derzeit an Schwergewichte wie Facebook, Twitter, oder an beliebte Networking-Gaming-Zwitter wie Gowalla oder Foursquare geht. Den zuletzt genannten Sektor will demnächst auch aka-aki aus Berlin aufmischen .

Lässt man die Konkurrenz einmal außer Acht, so erhöht sich die Relevanz von Tagcrumbs durch die iPhone-App – die hoffentlich bald von einer Android-Variante gefolgt wird - erheblich. Nicht jeder Ort eignet sich zum Einchecken über Gowalla oder Foursquare, und auch nicht bei jeder Location bietet sich das Verfassen eines ausführlichen Qype-Review an.

Tagcrumbs, das auf Deutsch und Englisch verfügbar ist, könnte eine Lücke füllen, auch dank seines klaren Produktversprechens. Unterstrichen wird das positive Bild von einer benutzerfreundlichen Site sowie komfortablen Login-Optionen: Neunutzern bietet der Dienst das Anmelden über Facebook, Google, Yahoo, AOL oder OpenID an und senkt damit die Einstiegshürde deutlich. Entwicklern steht eine offene API zur Verfügung .

Bleibt die Frage, warum Tagcrumbs fast ein Jahr gebraucht hat, um die erste mobile Applikation zu launchen – bei einem "Notizbuch für Plätze" doch eigentlich ein essentielles Feature, das zum Startaufgebot gehören sollte. Ich tippe auf einen Engpass bei den Entwickler-Ressourcen. Der Preis dafür ist ein verschenktes Jahr. Glück für die Sindelfinger, dass der Zug noch nicht abgefahren ist.

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