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14.05.12

tado: Smarte Fernsteuerung für die Heizung

Das Münchner Startup tado entwickelt ein mit dem Internet verbundenes Thermostat, das über Smartphones und Tablets von jedem Ort der Welt aus bedient werden kann und die Temperatur in der Wohnung automatisch reguliert.

Eines der sinnvollsten Einsatzgebiete digitaler Technologien ist es, begrenzte Ressourcen effizienter nutzbar zu machen. In vielen Bereichen wie Mobilität oder Wohnraum geschieht dies bereits erfolgreich. Beim Thema Energie werden zwar schon seit langem Visionen herumgereicht, wie sich mittels smarter Geräte und intelligenter Haussteuerungstechnologien die Strom- und Heizkosten senken lassen - attraktive, marktreife Lösungen mit Massentauglichkeit sind jedoch bisher zumindest in Deutschland Mangelware. In den südlichen Nachbarländern stehen mit Ecowizz aus der Schweiz und QGate aus Österreich dagegen schon zwei an Endverbraucher gerichtete Systeme zum onlinegestützten Energiesparen in den Startlöchern.

Doch etwas tut sich auch hierzulande: Mit tado bringt sich nämlich derzeit ein neues Startup aus München in Stellung, die Wärmesteuerung in Wohnungen und Büros neu zu definieren. "Cloud Climate Control" prangt als zentraler Slogan auf der Website des aus dem EC Lab der Ludwig-Maximilians-Universität München hervorgegangenen Unternehmens, und damit dürfte auch sofort klar sein, was das derzeit im Entwicklungsstadium befindliche Vorhaben seinen Nutzern ermöglichen möchte: eine smarte Temperatursteuerung von überall.

Mit Energieeffizienz Geld sparen

Das klingt vielleicht weniger aufregend als die auf menschliche Interaktion, Selbstverwirklichung oder modernde Mediennutzung fokussierten Webstartups, die sonst im Rampenlicht der Internetwirtschaft stehen. Doch die von Christian Deilmann, Johannes Schwarz und Valentin Sawadski gegründete Firma hat ein Argument auf ihrer Seite, welches problemlos das Interesse auf sich ziehen kann: Wer das von tado entwickelte, mit dem Internet verbundene Thermostat einsetzt, wird bares Geld sparen und der Umwelt etwas Gutes tun können. Mehr als 200.000 Kilowattstunden sollen von den über 50 Testsystemen, die derzeit in München, Berlin, Hamburg und Köln im Einsatz sind, bereits eingespart worden sein.

Das Grundproblem, das tado lösen möchte, ist die stetige Erwärmung von Räumen und Gebäuden unabhängig davon, ob sich gerade Personen dort aufhalten. In vielen Haushalten laufen die Heizungen einfach durchgängig, selbst wenn niemand zu Hause ist. Andere Menschen denken zwar daran, beim Verlassen des Heims die Wärme zu senken, kommen dann jedoch in eine ausgekühlte Wohnung zurück. Wer ein Thermostat besitzt, kann dies zwar programmieren. Ändert sich jedoch der Tagsablauf, ist auch das für die Katz.

tado weiß, wann weniger geheizt werden muss

tados smarter Heizkörperregler in Verbindung mit mobilen Apps für iOS, Android, BlackBerry und andere Plattformen weiß, wann die Mitglieder des Haushalts die Wohnung verlassen oder sich ihr nähern, und reguliert davon ausgehend automatisch die Raumtemperatur. Auch aktuelle Wetterbedingungen sowie andere Charaktermerkmale der Umgebung werden von tado berücksichtigt. Nutzer, die dem Automatismus nicht trauen, können die Temperatur auch ganz einfach manuell verändern, egal wo in der Welt sie sich gerade befinden. Statistiken und Visualisierungen liefern Echtzeit-Informationen über Heizleistung und Einsparungen.

Noch scheut sich das siebenköpfige tado-Team, das im Februar eine Kapitalspritze von Target Partners erhielt, seinen Microcontroller für die Heizregulierung vorzuzeigen. Es erklärt aber, dass er dünn, weiß und optisch so ansprechend sei, dass Anwender ihn nur allzugerne an der Wand befestigen würden. Auch konkrete Angaben zur Installation sind bisher von tado nicht zu bekommen. Das Unternehmen verspricht aber eine einfache Einrichtung und intuitive Bedienung.

Tonalität und Aufmachung von tados Website deuten auf einen hohen Ästhetik- und Simplizitäts-Fokus hin - was konzeptionell damit umso mehr an Nest erinnert, das smarte, designstarke Thermostat, das auf dem US-Markt bereits erhältlich ist. Bedenkt man, dass auch Nest das Thermostat nicht erfunden hat und dass die Kombination von Wärmeregulierung mit Onlinefunktionalität schon seit Jahren als Teil des "Smart Home"-Gedankens diskutiert wird, bleibt zu hoffen, dass tado nicht sofort wieder der häufig vorschnelle Copycat-Stempel aufgedrückt wird (zumindest sollte man damit warten, bis man Hard- und Software gesehen hat).

Marktstart im Oktober

Im Oktober will tado mit dem Verkauf einer begrenzten Zahl an Thermostaten beginnen, die Phase für Voranmeldungen soll in Kürze starten. Der Preis steht bisher nicht fest. Anfänglich wird sich die Zielgruppe wohl auf experimentierfreudige Besitzer von Häusern und großer Apartments beschränken. Eine Prognose darüber, wann der Tag kommt, an dem selbst die Bewohner von kleinen Ein- und Zweiraumwohnungen ihre Heizung aus der Ferne regeln werden, fällt schwer. Je weniger Fläche beheizt werden muss, desto geringer ist der Effekt einer automatisierten und ferngesteuerten Heizung, und desto weniger attraktiv erscheint für Verbraucher die Anschaffung entsprechender Technologie. Mit steigenden Heizkosten allerdings könnten sich auch diese Vorbehalte in Luft auflösen.

Ein Dank für den Tipp geht an Thassilo Vogt

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