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24.10.14Leser-Kommentare

Tablets only: Das Smartphone stirbt aus

Hersteller wollen Smartphones, Tablets und Phablets langfristig unter einer einzigen Kategorie zusammenfassen. Nur um das zu erreichen, müssten sie das Einhand-Smartphone eigentlich nicht aussterben lassen. Doch dahin geht unzweifelhaft der Trend.

Google Nexus 9 und Nexus 6. Das &quot;Kleine&quot; im Vordergrund hat schon einen 6-Zoll-Screen. Google Nexus 9 und Nexus 6. Das "Kleine" im Vordergrund hat schon einen 6-Zoll-Screen.

HTC hat jüngst den Vogel abgeschossen. Das Desire 820 Mini des taiwanischen IT-Herstellers hat ein 5,0-Zoll-Display, ist kaum mit einer Hand zu bedienen, soll aber trotzdem als Mini-Smartphone herhalten – weil es ein wenig kleiner ist als das 5,5 Zoll große Desire 820. "Normale" Smartphones, so der Gedanke der Hersteller, haben heute also 5-Zoll-Displays und mehr.

Smartphones sind sie damit eigentlich nicht mehr. Es liegt in der Definition des Anbieters, doch alles, was sich nicht mehr mit einer Hand bedienen lässt, müsste aus Gründen der Abgrenzung eigentlich in die Kategorie Tablet fallen. Lediglich die Bauweise variiert und gaukelt dem Nutzer zwischen 5,0 und 7,0 Zoll ein Smartphone vor, zwei Hände oder zumindest einen Stylus braucht man für die Bedienung aber eigentlich immer. Wenn nun aber bald alles mindestens 5,0 Zoll groß ist, wozu braucht es dann eigentlich noch unterschiedliche Kategorien? www.youtube.com/watch

Mit der Begründung, die perfekte Display-Größe gefunden zu haben, hatte Apple vor zwei Jahren das iPhone 5 ein wenig größer gemacht: 4,0 Zoll seien die optimale Länge, um das Gerät mit einer Hand zu bedienen, sagte der Konzern in einem Video und nannte das sogar "gesunden Menschenverstand":

www.youtube.com/watch

Schaut man sich die heutigen Smartphone-Spitzenmodelle an, dann hat dieser Verstand wohl ausgesetzt, auch bei Apple selbst. Als Beispiele: HTC One M8 (5,0 Zoll), LG G3 (5,5), Sony Xperia Z3 (5,2), Samsung Galaxy S5 (5,1), Huawei Ascend P7 (5,0), Microsoft (Nokia) Lumia 930 (5,0), OnePlus One (5,5), Motorola Moto X2 (5,2). Fast schon zurückhaltend: Apple mit dem inzwischen 4,7 Zoll großen iPhone 6.

Mit dem iPhone 6 Plus hat Apple ein eigenes Phablet im Programm, das 5,5 Zoll misst. Ähnlich groß ist Samsungs Vorzeigemodell Galaxy Note, das mittlerweile in der vierten Generation vorliegt und reißenden Absatz verzeichnet. Der Erfolg blieb bei den Apples, Sony und HTCs nicht unbeobachtet und so zogen sie nach. Erste Parodien ließen nicht lange auf sich warten:

www.youtube.com/watch

Doch selbst Einstiegsgeräte und "Mini"-Versionen von Smartphones werden heute praktisch nicht mehr unter 4,5 Zoll aufgelegt. Wer von der Natur mit echten Pranken ausgestattet ist, kann das vielleicht gerade noch mit einer Hand bedienen.

Noch, denn der Trend ist unverkennbar: Selbst "Mini"-Geräte wie das Sony Xperia Z1 Compact (4,3 Zoll) werden im nächsten Schritt meist etwas größer: Sony stattete den Nachfolger Xperia Z3 Compact gleich mit einem 4,6-Zoll-Display aus. Es ist eine Frage von Definition und Vermarktung, aber wenn sich alles ab 4,5 Zoll nur noch mit zwei Händen bedienen lässt, dann haben wir schon jetzt eigentlich nur noch Tablets im Mini- und Maxiformat, keine Smartphones mehr.

www.youtube.com/watch

Google unterstützt diese Entwicklung aktiv: Im neuen Android 5.0 Lollipop soll die Designsprache Material Design keinen Unterschied mehr zwischen Tablets und Smartphones machen. Und um das zu unterstreichen, fand man mit dem neuen Nexus 6 (6,0 Zoll) praktisch die Mitte zwischen dem 5,0-Zoll-Smartphone Nexus 5 und dem 7,0-Zoll-Tablet Nexus 7 aus dem vergangenen Jahr, die beide nicht mehr neu aufgelegt wurden. Motto: Eins reicht ja auch.

Microsoft schlägt mit Windows 10 in eine ähnliche Kerbe: Egal ob Tablet oder Smartphone, das System darauf soll künftig "Windows" heißen. Zumindest der Name "Windows Phone" solle verschwinden. Googles und Microsofts ähnliche Absicht: Entwickler müssten Apps nur noch einmal programmieren und hierbei nur noch skalierende Größen zur Verfügung stellen.

youtu.be/74NnHbJwKt8

Für die Hersteller ist das nachvollziehbar: Gerade Riesen-Smartphones, Phablets, Mini-Tablets oder wie immer man sie nennen mag verkaufen sich schon jetzt besser. Findige Kunden haben erkannt, dass sie nur noch eins statt zwei Geräte kaufen müssen, wenn sie einfach einen Weg in der Mitte wählen. Die Wachstumszahlen von Tablets sahen zuletzt laut einschlägiger Marktforscher nicht mehr so rosig aus und selbst Apple verlor in seinem jüngsten Quartalsergebnis erneut bei den iPads – was mit dazu beigetragen haben könnte, mit dem iPhone 6 Plus nun ebenfalls die "Phablet"-Nische zu betreten. Ein Segen ist das auch für die Software-Anbieter, egal ob bei Betriebssystemen oder Apps: eins statt zwei reduziert den Aufwand.

youtu.be/PAHRBOYG8sg

Von daher also nachvollziehbar und eigentlich auch überfällig: Künftig gibt es keine Smartphones, Phablets und Tablets mehr. Es gibt nur noch eine Kategorie – wie immer man sie dann auch nennen mag. Und die Vorteile liegen zum Beispiel in größeren Displays, auf denen es - logisch - mehr zu sehen gibt, mit denen man aber auch leichter tippen kann, weil man die einzelnen Zeichen der virtuellen Tastatur auch mit Wurstfingern besser trifft. Um nur einige Vorteile zu nennen.

Und natürlich erhoffen die Hersteller sich auch Wachstum durch Smartwatches. Ihr Wunsch ist ohnehin, dass Kunden ihr Smartphone oder Tablet öfter in der Tasche lassen und sich über Neuigkeiten auf dem Handgelenk informieren. Zum Zweitgerät würde dann die Uhr werden.

www.youtube.com/watch

Alle also zufrieden, alles gut? Nein, nicht ganz. Denn "Einhand-Smartphones" hatten durchaus ihre Vorteile und deswegen viele Fans. Dass man ein solches Gerät auch mit einer Hand bedienen kann, ist ein Pluspunkt. Ein weiterer ist, dass man es problemlos in der Hosentasche verschwinden lassen und unauffällig benutzen kann. Ich sage nicht, dass jeder ein kleines Smartphone benutzen sollte. Aber dass die Hersteller sich von dieser Kategorie beinahe kollektiv verabschieden, lässt Abermillionen Nutzer enttäuscht zurück. Schade.

Kommentare

  • Michael Gisiger

    24.10.14 (07:15:54)

    Ach, die selbe Litanei gab es schon mal zu hören, nur dass es damals um Smartphones mit Hardware-Tastatur ging ... Was sich am Markt durchsetzt, bestimmen zum Glück immer noch die Kunden und nicht die IT-Dinosaurier in Shorts, Sandalen und mit Pferdeschwanz. Und auch keine Tech-Journis ;)

  • TvF

    24.10.14 (09:23:39)

    Ich vermute, sehr bald wird es Software-Tastaturen geben, die in der unteren Ecke angeordnet sind und sich mit einer Hand bedienen lassen. Und auch Launcher u.ä., die einhändig benutzbar sind. Eigentlich kein Problem. Für mich war das Hauptargument für ein kleineres Smartphone immer, dass es noch gut in die Hosentasche passt. Mein Z1 compact finde ich da perfekt.

  • Hannes

    24.10.14 (11:40:27)

    Mh.. ein bisschen die persönlichen Vorlieben auf die Allgemeinheit übertragen. Ich kenne genügend Nutzer, die ein großes Display vorziehen. Ich nutze selbst auch 6". Meistens einhändig. Nur für längere Texte nehme ich dann mal die zweite Hand dazu. Eigentlich kenne ich sogar mehr Leute, deren Smartphones größer werden, als Leute, die ein kleines wollen. Aber nun gut, ist nur meine Erfahrung, kann man auch nicht verallgemeinern. Um das Thema wird mMn. zu viel Drama gemacht. Kleine Geräte gibt es und wird es weiterhin geben. Dennoch verkaufen sich offenbar die großen besser.

  • Kobi

    24.10.14 (11:49:45)

    Wenn so viele deiner Meinung wären und somit lieber kleine Smartphones kaufen würden, dann würde kein Hersteller diese angeblich so große Kundengrupper links liegen lassen. Denn wie Michael schon geschrieben hat - wir (inkl. dir) machen den Markt. In meinem Umfeld hat sich noch keiner beschwert, dass man 2 Hände braucht. Ich habe auch schon meine kleinen Siemens-Sxx Hardwaretasten mit 2 Daumen bedient - weil es einfach schneller geht und ich sehe auch keinen Grund, warum ich meine 2. Hand möglichst unbenutzt lassen sollte.

  • Jürgen Vielmeier

    24.10.14 (14:57:34)

    Mit der gleichen Argumentation könntest du auch verlangen, dass Gläser größer werden sollten, damit du dein Bier möglichst mit zwei Händen trinken kannst. Passt dann ja auch mehr rein und deine zweite Hand baumelt nicht mehr nutzlos unter dem Tisch rum.

  • Musenrössle

    24.10.14 (16:56:12)

    @Jürgen: Das gibt's schon... nennt sich "Maß" ;-).

  • Kobi

    24.10.14 (17:28:29)

    Ach je, das meinst du hoffentlich jetzt nicht ernst. Wenn ich dich gekränkt habe tut es mir leid, aber wir müssen jetzt nicht buchstäblich auf Stammtisch-Niveau sinken. Ich nehme meine zweite Hand ja nicht aus Langeweile sondern weil es natürlich Sinn macht, sie zu verwenden - und nicht weil mich die Größe dazu zwingt. Ich dachte ich habe das klar gemacht. Nochmal: Ich habe das auch schon so gemacht, als die Telefone kleiner waren - weil es für mich einfach die Bedienung beschleunigt. Sei es tippen auf der Tastatur oder das Erreichen eines Punktes weiter oben - bei 2 Daumen ist einer immer näher dran. Prost.

  • Jürgen Vielmeier

    24.10.14 (21:27:48)

    ;) Happy typing!

  • Nick

    25.10.14 (11:56:10)

    Ich stimme dem Artikel zu. Ich will eigentlich ein kleines Smartphone... Wenn ich mich so umsehe, wird das Angebot immer kleiner. Ich lese auch keine Zeitung etc. auf dem Smartphone. Mein ideales Smartphone passt in meine (linke, hintere) Jeans Tasche. Wenn es genug Menschen mit meinem Anspruch gibt, wird es wohl auch ein Angebot am Markt geben.

  • Michael

    26.10.14 (08:54:34)

    Dass immer alles gleich aussterben muß ... Die Beantwortung der Frage ist ohnehin abhängig davon, ab welcher Größe Smartphones aufhören. Ich würde die Grenze bei ungefähr knapp 6 Zoll sehen. Abgesehen davon, dass ich mir höchstwahrscheinlich kein neues Smartphone kaufen werde, wenn es irgendwann kaputt geht, glaube ich nicht, dass das Smartphone ausstirbt. Weil die Nutzerbedürfnisse fürs Internet dafür viel zu verschieden sind. Das ist sicher vor allem abhängig von den mobilen Bedürfnissen unterwegs - und dafür werden, glaube ich, viele auch weiterhin gerne ein kleines handliches Smartphone nutzen wollen. Fängt an beim schnellen Foto und Selfie, dafür ist ein Tablet schon viel unpraktischer. Smartphones sind kleine praktische Alleskönner und Alltagsmanager, die weiterhin eine Nachfrage finden dürften, glaube ich. So fehlen denn, wenn ich nichts überlesen habe, auch belastbare Statistiken zu der Frage im Artikel.

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