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04.12.13Leser-Kommentare

Tablet-Magazine: Warum Googles digitaler Kiosk Apples Modell überlegen ist

Mit dem neuen "Play Newsstand" holt Google digitale Magazine und Bezahlinhalte aus ihrer Nische, in der sie bislang stecken. Und damit hat das Unternehmen eine sehr viel sinnvollere Lösung parat als Konkurrent Apple. Jetzt müssen allerdings noch die Inhalteanbieter mitziehen.

Für den klassischen Zeitungskiosk gibt es bislang keine digitale Entsprechung. Für den klassischen Zeitungskiosk gibt es bislang keine digitale Entsprechung.

Eigentlich haben digitale Magazine sowohl für die Leser als auch für die Macher zahlreiche Vorteile. So kann man beispielsweise etliche von ihnen jederzeit dabei haben. Inhalte lassen sich zudem multimedial aufbereiten, auch im Nachhinein aktualisieren sowie erweitern und sie sind generell nicht den Restriktionen des Mediums Papier unterworfen. Nicht zuletzt kann man sie auch unterwegs jederzeit herunterladen und sofort lesen.

Dass trotzdem noch so viele Magazine gedruckt erscheinen und so wenige digital gekauft werden, dürfte auch mit Gewohnheiten zu tun haben. Mit bedrucktem Papier lässt sich beispielsweise noch immer ein Vielfaches an Werbeeinnahmen erzielen, obwohl (oder weil) die Werbekunden den Erfolg viel weniger messen können und obwohl die Aufmerksamkeit schon längst deutlich in Richtung Internet abgewandert ist.

Aber "Internet" bedeutet eben noch lange nicht "digitales Magazin". Selbst der Siegeszug der Tablets scheint daran bislang wenig geändert zu haben. Und dass sich deren Format gut zum Lesen verwenden lässt, zeigt die steigende Erfolgskurve der E-Books im Buchmarkt. Drei Probleme heutiger digitaler Magazine

In Apples Modell sind Magazine spezielle Apps in einem eigenen Ordner. In Apples Modell sind Magazine spezielle Apps in einem eigenen Ordner.

Insofern stellt sich die Frage, woran es bei digitalen Magazinen hapert. Drei Problemfelder zeigen sich dabei:

     

  1. Die Darstellung und Umsetzung der Inhalte in den Magazinen spricht die Leser oftmals nicht an. Nach wie vor scheint es im Wesentlichen zwei Klassen zu geben: Die in eine App gekleideten Druck-PDFs oder die viele Megabyte schweren Multimediawelten. Die Druck-PDFs sind weder inhaltlich noch formal für das digitale Medium gedacht, was man ihnen auch sofort anmerkt. Die Multimedia-Magazine wiederum wollen das genaue Gegenteil und nerven dafür vielfach mit langen Ladezeiten und undurchsichtigen Navigationskonzepten. Ein wenig Licht und Hoffnung gibt es hier aber, seitdem Marco Arments "The Magazine" gezeigt hat, dass man ein Magazin mit vergleichsweise geringem Aufwand so umsetzen kann, dass auch das Benutzen und Lesen Spaß macht.
  2. Man stößt nicht auf die Magazine. Es gibt noch immer kein Äquivalent zum physischen Zeitungskiosk, auch wenn sich manche Projekte so nennen. Es fehlt somit an Orten, an denen man herumstöbern, reinblättern und generell auch einmal etwas zufällig entdecken kann.
  3. Die Magazine geraten schnell in Vergessenheit. Ich persönlich bin ein großer Fan digitaler Magazine, weil ich das enorme Potenzial sehe. Und dennoch vergesse ich auf meinem iPad oft, dass ich sie überhaupt habe und was ich darin lesen wollte.

Apples Zeitungskiosk enttäuschte als Hoffnungsträger

Bei Apple sind Magazine eine Rubrik des App Stores. Magazininhalte finden sich bei iOS in einer speziellen Rubrik des App Store.

Das iPad war dabei ursprünglich der große Hoffnungsträger. Apples Zeitungskiosk war aber von Anfang an halbherzig umgesetzt und von den Nutzern ungeliebt. Er ist letztlich nichts weiter als ein Ordner für Magazin-Apps, in denen wiederum die Inhalte stecken. Seit iOS 7 tut dieser Ordner zudem so, als sei er selbst eine App, und zeigt das immer gleiche Icon. Zudem können nun auch reguläre Apps viel von dem, was bislang nur Magazin-Apps konnten.

Um auf neue Magazine zu stoßen, soll man nach Apples Logik in den App Store schauen. Hier gibt es eine spezielle Abteilung dafür, die sich aus dem Zeitungskiosk-Ordner heraus auch direkt aufrufen lässt. Technisch richtig, denn die Magazine sind Apps. Aber es ist weder für den Nutzer nachvollziehbar noch sonderlich ansprechend.

Da wundert es kaum, dass beispielsweise der Digital-Magazin-Berater Marko Karppinen inzwischen empfiehlt, Apples Newsstand den Rücken zu kehren und stattdessen eine reguläre App zu veröffentlichen. Und auch Marco Arment pflichtet dem bei.

Google Play Newsstand: Eine App für News statt vieler einzelner Apps

Googles Play Newsstand will zur zentralen Anlaufstelle für Nachrichten und ähnliche Inhalte werden. Googles Play Newsstand will zur zentralen Anlaufstelle für Nachrichten und ähnliche Inhalte werden.

Google hat mit dem neuen Play Newsstand nun einen Ansatz vorgestellt, der wesentlich sinnvoller und interessanter scheint. Google hat kurzerhand seine bisherige App "Currents" und das Magazin-Angebot zusammengelegt. Die Idee: ein Ort für News und andere Artikel unter Android.

Google Currents funktioniert nach dem Vorbild von Flipboard und vereinigt aktuelle Webinhalte in einer Magazin-artigen Oberfläche. Die Nutzer können sich ihr individuelles Nachrichtenmenü aus Themenblöcken oder auch einzelnen Inhalteangeboten selbst zusammenstellen. Das soll nun in Play Newsstand aufgehen. Verlage und andere Anbieter können an gleicher Stelle Bezahlinhalte sowohl im Einzelabruf als auch im Abo anbieten. Auch das etwas, was Flipboard zumindest in kleinem Rahmen vorgemacht hat.

Aus meiner Sicht sind diese Inhalte hier viel besser aufgehoben als in Apples Modell. Schließlich könnte sich Play Newsstand als die eine App etablieren, in der man auf interessante Nachrichten und andere Inhalte stoßen kann. Hier bietet sich zugleich das Potenzial, wie bei einem Kiosk zufällig auf einen Beitrag oder ein Magazin zu treffen.

Nicht zuletzt vereinheitlicht Googles Newsstand Optik und Navigation. Das Rätselraten über das Bedienkonzept, wie man es von manchen Magazin-Apps kennt, fällt hier für die Nutzer also weg.

Für so manchen Verlag wohl schwer verdaulich

Für so manchen Verlag dürfte diese Vorstellung allerdings alles in allem nur schwer verdaulich sein. Zum einen konkurrieren die eigenen Bezahlinhalte direkt mit einer großen Auswahl kostenloser Angebote. Zum anderen ist es in einer standardisierten Umgebung schwieriger, als eigene Marke erkennbar zu bleiben und sich von der Konkurrenz abzuheben.

Stellt sich also die Frage, wie gut Googles Konzept von den Inhalteanbietern angenommen wird. Wie bei Android üblich, gibt es keinen Zwang, auf Googles Newsstand zu setzen. Entsprechend ist das Angebot zum Start uneinheitlich und unvollständig.

Aus meiner Sicht zeigt Googles Play Newsstand aber, in welche Richtung der Vertrieb digitaler Inhalte gehen sollte und wie man sowohl tagesaktuelle Nachrichten aus dem Web als auch aufwändige Essays aus Magazinen unter einem Dach vereinen kann. Für die Nutzer ist dieser Ansatz viel logischer und praktischer.

Kommentare

  • Jens Mertens

    04.12.13 (17:57:22)

    Gute Darstellung des Kiosk-Modells für die Zeitschriften-Gattung. Der Clou des Kiosk/Newsstand wird aber m.E. die individuelle thematische Lese-Empfehlung aufgrund des Nutzungs- bzw. Leseverhaltens im Kiosk selber und sicherlich auch entsprechend der persönlichen Suchbegriffe aus Google sein. Da müssen die Verlage aufpassen, die Hoheit über die Leser-Blatt-Bindung nicht zu verlieren. Was das für die Zeitungen bedeuten kann, habe ich in meinem Blog http://zeitungsgedanken.jimdo.com beschrieben.

  • Christian Puricelli

    05.12.13 (11:04:58)

    Täusche ich mich, oder sieht der Google Newstand Screenshoot nicht MyNews.is verdammt ähnlich?!? Und die nennen das dann auch noch My News?!?

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