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24.11.10Leser-Kommentare

T-Online Mediencenter: Telekom prescht beim Onlinespeicher vor

Mit dem Mediencenter bietet T-Online eine moderne und funktionelle Alternative zu populären Onlinespeicherlösungen für Privatanwender. 25 Gigabyte kostenlos, Desktop-Zugriff und mobile Apps sollen Nutzer überzeugen.

 

Wenn wir an Lösungen zum Speichern von Dateien in der Cloud denken, fallen zumeist Namen wie Dropbox, Windows Live SkyDrive oder box. In diesem Spezial hatten wir vor einigen Monaten 12 Dienste vorgestellt, um Daten online zu speichern und von verschiedenen Geräten abrufen zu können.

Doch nicht immer muss man in die Weite schweifen, um auf eine interessante Lösung zu stoßen (wie zum Beispiel auch das Schweizer Wuala zeigt). Dank diesem Artikel der Computerwoche bin ich auf das T-Online Mediencenter aufmerksam geworden. Was angesichts des fehlenden Rufes von T-Online als Hort der Webinnovation und aufgrund des einfallslosen (aber sehr beschreibenden) Namens recht uninspirierend klingen mag, entpuppt sich als nützlicher Dienst, der in einigen Anwendungsszenarien durchaus eine Alternative zu den etablierten Storage-Lösungen darstellen könnte.

Schon die Rahmenbedingungen haben es in sich: Jeder Nutzer des T-Online Mediencenter erhält 25 Gigabyte kostenlosen Speicherplatz für Mediendatein und beliebige andere Formate (früher gab es lediglich 1 Gigabyte). Das monatliche Transfervolumen ist auf 100 Gigabyte pro Monat begrenzt, wovon 30 Gigabyte/Monat für Gäste reserviert sind. Für 2,99 Euro pro Monat lässt sich der Speicherplatz um jeweils 5 Gigabyte erweitern.

Was die Menge des Gratis-Speichers betrifft, kann lediglich Microsofts Windows Live SkyDrive mit dem T-Online Mediencenter mithalten. Das jedoch präsentiert sich weit weniger benutzerfreundlich und optisch ansprechend als das T-Online-Angebot.

Der Zugriff auf das T-Online Mediencenter erfolgt entweder aus dem Browser, über einen WebDAV-Zugriff unter Windows und Mac, per speziellem Windows-Client, über Applikationen (zum Betrachten) für iPhone, Android und Windows Mobile, über eine mobile Browserseite oder über den kostenpflichtigen T-Online-Service Entertain von ausgewählten Fernsehgeräten aus.

Medieninhalte wie Fotos, Musik und Videos lassen sich direkt über das Mediencenter abspielen und per Drag'n'Drop in Playlisten bzw. Kollektionen ablegen. Alle anderen Dateien können über die Ordnerstruktur angesteuert werden. Dateien bis zu 20 Megabyte können direkt aus dem Mediencenter per Anhang an beliebige E-Mail-Adressen verschickt werden. Auch das kollaborative Befüllen von Medien-Kollektionen mit anderen Nutzern ist möglich.

Die Browseroberfläche wirkt modern und geizt nicht mit Gimmicks, was gleichzeitig positiv und negativ ist. Einerseits sieht es schick aus, andererseits findet man sich nicht ganz so gut zurecht wie bei vergleichbaren Services, die sich weniger in Schale geworfenen haben.

Wer es minimaler möchte, integriert die 25 Gigabyte Cloud-Speicher lieber per WebDAV als virtuelles Laufwerk in das eigene Betriebssystem oder installiert den angebotenen Windows-Client.

Ich habe das T-Online Mediencenter eine halbe Stunde lang ausprobiert und kann insofern nicht mit einer detaillierten Auflistung von Stärken und Schwächen aufwarten. Für den Dienst spricht aber in jedem Fall die enorme Menge an kostenlosem Speicherplatz und das dazugehörige großzügige Trafficvolumen, die vielseitigen Wege, um auf den Service zuzugreifen, sowie der wahrscheinliche Server-Standort Deutschland (für alle, die Wert darauf legen). Und wen eine moderne, mit diversen Spielereien versehene Benutzeroberfläche anspricht, der wird ebenfalls auf seine Kosten kommen. Angaben zur maximalen Größe von hochzuladenden Dateien konnte ich nicht aufspüren, der Upload ein 40-Megabyte-Datei funktionierte jedenfalls problemlos.

Eher unpraktisch erscheint mir das Teilen von Dateien mit anderen Usern ohne Mediencenter-Konto. Beispielsweise konnte ich ein Musikstück lediglich als E-Mail-Anhang verschicken, nicht jedoch als Link in einer E-Mail. Und Dateien, die 20 Megabyte überschreiten, lassen sich gar nicht "extern" teilen. Dropbox mit seiner Option, zu beliebigen Dateien einen http-Link erhalten zu können, macht das deutlich besser. Etwas umständlich ist auch der Registrierungsprozess, bei dem einem zudem eine T-Online-Mailadresse aufgezwungen wird, mit der man sich anschließend einloggen muss. Und natürlich fehlt dem T-Online Mediencenter eine Sync-Funktion, wie sie Dropbox, Syncplicity und einige andere Services bieten.

Insgesamt jedoch bleibt ein positives Gefühl und eine aufkeimende Hoffnung, in Zukunft von einer der größten Websites in Deutschland vielleicht häufiger auf derartige Weise überrascht zu werden.

Kommentare

  • Frank Hamm

    24.11.10 (09:48:11)

    Hm, welchen Account hast Du bei der Telekom? Ich habe "nur" 11GB ...sehe gerade: "Das Mediencenter bietet 25 GB kostenfreien Speicherplatz. Nutzern des E-Mail Pakets stehen zusätzlich weitere 10 GB Speicherplatz im Mediencenter zur Verfügung. Bei Bestandskunden wird der Speicherplatz im Mediencenter voraussichtlich ab Mitte November 2010 automatisch auf den neuen Wert erhöht." http://hilfe.telekom.de/hsp/cms/content/HSP/de/3378/faq-125077035

  • Marcus

    24.11.10 (11:59:28)

    Schön das die Telekom ihren Speicher los werden will... Mindestens genauso gut arbeitet allerdings wie ich finde Microsoft Live Mesh 2011 (deutlich besser als die Beta). Da gibts nur 2 GB Speicher, aber dafür vom Programm gut aufbereitet, mit virtuellem Desktop etc.

  • Marcel Böttcher

    24.11.10 (14:55:14)

    Bei aller Liebe, die Oberfläche macht absolut keinen Spaß. Echt nicht. Bevor ich gar nicht mehr aufhöre, fange ich lieber gar nicht erst an.

  • Frank S.

    24.11.10 (15:12:29)

    Sieht interessant aus und sharing scheint auch möglich zu sein, zumindest zeigt ein iPhone app screenshot einen eigenen share folder und für einen selbst freigegebene shares.

  • Tilman

    24.11.10 (18:53:28)

    Vielleicht probiere ich es mal aus. Aber irgendwie sehe ich den Vorteil zur Dropbox nicht. Zumal die wenigstens auch bald für's N900 von Nokia kommt! Vorausgesetzt man braucht nicht Unmengen Speicher natürlich...

  • naturstein

    24.11.10 (19:15:06)

    Abolut interessant. Sowohl die kostenlose Bereitstellung als auch die preiswerte Erweiterung von 2,99 € je 5 Gigabyte. Allerdings sollte man bei der ganzen Euphorie nicht vergessen, dass man, um das Mediencenter nutzen zu können, Online-Kunde sein muss. Und da gehört T-Online bei aller Liebe nicht zu den günstigsten Anbietern. Qualität hat nunmal wie so oft einen Preis.

  • Matthias Jakel

    24.11.10 (20:34:36)

    Klingt alles gut und schön, doch aus meiner Sicht wurden so einige Fehler gemacht. Ich mir den Dienst bisher nicht angeschaut sondern nur den Artikel gelesen. 1. Warum bringt die Telekom einen Dienst an den Start und preist diesen explizit als Telekom Produkt an? Das ist aus meiner Sicht der größte Fehler, den man machen kann. Ich traue einem deutschen Telekommunikationskonzern einfach keine Innovation zu nach all dem, was sie zuvor verbockt haben. Da nutze ich lieber Dropbox, AWS oder sonstiges statt einen Dienst der Telekom zu verwenden. 2. Dieses aufdrücken von irgendwelchen E-Mail-Adressen ist sowieso der größte Scheiß. Das gilt genauso für Yahoo, wo man sich eine Mail-Adresse machen muss wenn man einen Flickr Account haben will. Ich habe genau eine einzige Mailadresse und brauch nicht so eine bei T-Online, Yahoo etc. Update: Ich sehe grade, dass der Dienst vom TÜV Süd zertifiziert wurde. Das ist ja wohl ein Witz hoch drei nachdem TÜV Süd auch StudiVZ zertifiziert hatte und später die Crawler deren Datenbank abgefischt haben :D TÜV bei Internetseiten erweckt mehr Misstrauen als Vertrauen.

  • Martin Weigert

    25.11.10 (00:27:21)

    @ naturstein Nope du musst nicht T-Online-Internetkunde sein. Jeder kann das Medinecenter kostenlos nutzen. @ Matthias Jakel Zu 1. Genau mein Gedanke! Ich habe auch darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre, so einen Dienst unter eigener Marke anzubieten. Aber das ist eine schwierige Frage. Während "wir" die Telekom als Dachmarke eher unsexy finden, gibt es mit Sicherheit Anwendergruppen, denen dies Stabilität und Sicherheit vermittelt. Und zu "TÜV bei Internetseiten erweckt mehr Misstrauen als Vertrauen." lol! Ist was dran.

  • Matthias Jakel

    25.11.10 (00:45:32)

    Sicherlich mag die Telekom auf einige Zielgruppen vertrauenserweckend wirken, allerdings nicht auf die Zielgruppe dieses Dienstes. Ich mein, wer nutzt denn solch einen Dienst? Menschen wie du und ich. Netzaffine Menschen, Early Adopter, die keine Angst haben wenn ihre privaten Daten auf irgendwelchen Cloudspeichern und Serverfarmen in den USA liegen. Also entweder eigenen Namen und auf Early Adopters und Digital Natives (Haha, wie ich diesen Retorten-Begriff liebe :D) oder aus meiner Sicht noch 5 Jahre warten bis andere Menschen in Sachen Cloud angekommen sind. Das wäre so als würde Apple mit dem Macbook Air auf normale Gelegenheitssurfer ohne technische Kenntnisse abzielen. Aus meiner Sicht ist das Gerät aber nur was für Hardcore-Netzmenschen, die all ihre Daten auf irgendwelchen Servern rumzuliegen haben, sowieso vollkommen digital leben, dass selbst eine DVD für sie veraltet ist und immer online sind. Übrigens löst nicht nur Telekom bei mir Unbehagen aus. Auch bei Strato, 1und1 und wie sie alle heißen, würde ich mir niemals Online-Speicher kaufen.

  • Martin Weigert

    25.11.10 (01:33:35)

    Klingt nach einem heftigen Image-Problem der genannten Firmen... Dennoch bin ich nicht ganz deiner Meinung, was die Zielgruppe betrifft. Zumindest zukünftig wird Onlinespeicher auch für den Durchschnittsnutzer interessant, davon bin ich überzeugt. Und: Eben der Serverstandort Deutschland (von dem ich bei T-Online einfach mal ausgehe) ist ein Vorteil gegenüber den Serverfarmen in der USA. Zumindest Lieschen Müller könnte das so so sehen ;)

  • xyz

    25.11.10 (17:19:16)

    @Matthias Jakel Early Adopter? Du traust einem Telekomkonzern keine Innovation zu? Melde dich einfach mal an - klicke auf Fotos - lad ein paar hoch - zeig sie deinen Eltern auf ihrem Rechner. Sollte funktionieren: Innovation gelungen. Den Algorithmus bekommen bekommen deine Eltern sicher auch hin, du early adopter du... Strato ist übrigens ne Tochter der Telekom und 1&1 mietet Netz und Server bei ihr, wie fast jeder andere deutsche Webhoster.

  • Matthias Jakel

    25.11.10 (23:55:47)

    Fotos per E-Mail versenden zu können nennst du Innovation? Das kann man seit Jahren machen und Fotos mit anderen teilen kann man mit Flickr & Co auch schon seit Jahren. Also was ist an dem Telekom Dienst anders, besser, innovativ, einfacher, simpler, durchdachter, leichter nutzbar, schneller...? Ich weiß, dass Strato inzwischen zur Telekom gehört, aber auch davor waren sie weder innovativ noch vertrauenserweckend.

  • Dennis

    26.11.10 (10:23:14)

    Ihr seid ja Klasse... Was macht es denn schon aus ob wir die Telekom für vertrauenswürdig halten oder nicht? Und was macht es aus ob wir von der Telekom Innovationen erwarten? Nach meiner Meinung gar nichts... Fest steht: Die Telekom hat immer noch eine recht hohe Marktdurchdringung. Mit Angeboten wie Entertain hat die Telekom sogar ein recht einzigartiges Angebot (korrigiert mich, wenn ihr einen anderen Anbieter kennt) und ist mit diesen schon in vielen Wohnzimmern angekommen (Gut. Ich gebe zu, dass der Medienreceiver gerne noch innovativer genutzt werden könnte.). Für mich ist das Angebot "Mediencenter" im Moment noch nicht richtig interessant. Dies aber nicht weil es von der Telekom stammt, sondern ganz einfach weil ich meine Arbeitsweise noch nicht darauf abgestimmt habe. Aber grade in Hinblick auf Musik- und Filmdaten wird sich das in Zukunft ganz sicher ändern. Is ja schon cool, seine MP3-Sammlung überall verfügbar zu haben...

  • Momo

    29.11.10 (19:44:28)

    @Matthias Jakel Ich denke die wichtigste Innovation des Mediencenters ist die Verfügbarkeit der Dateien auf anderen Ausgabegeräten wie Handy und TV. Ich bin zwar kein Telekom Entertain Kunde, aber ich glaube es macht schon Sinn, Fotos und Videos (klappt das?) im Mediencenter am TV abrufen zu können, ohne einen Home Server oder eine weitere Settop-Box "betreiben" zu müssen...

  • Andy

    08.11.12 (12:32:00)

    Kleines Update, da ich hier im Artikel (von 2010!) lese: "Und natürlich fehlt dem T-Online Mediencenter eine Sync-Funktion" Die gibt es inzwischen mit der "Mediencenter Software mit Synchronisationsfunktion", d.h. eine bidirektionaler Austauch mit dem Mediencenter und Offlineverfügbarkeit des entsprechenden Ordners, falls der Rechner nicht am Netz ist.

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