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02.02.11Leser-Kommentare

Symbolwirkung: Richard Gutjahr und sein Blogjournalismus aus Ägypten

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Mit seiner Blog- und Twitter-Berichterstattung aus Ägypten bricht Richard Gutjahr eine Lanze für alle, die sich für neue Formen von Journalismus und publizistischer Arbeit im digitalen Zeitalter einsetzen.

Richard Gutjahr, freier Journalist, Blogger (oder "Blogger, freier Journalist", je nach dem) und bekennender Apple-Verehrer (er war der erste Bewohner dieses Planeten, der ein käuflich erworbenes iPad in den Händen hielt), hat sich während eines privaten Aufenthalts in Israel dazu entschieden, auf eigene Faust nach Ägypten zu reisen, um sich vor Ort ein Bild der Lage in dem derzeit von teils blutigen Massenprotesten gegen die Regierung gezeichneten Land zu machen. Was er in Kairo erlebt, beobachtet und aus Gesprächen mit der Bevölkerung erfährt, schildert er gesammelt in seinem Blog sowie in Form zahlreichen kurzer Nachrichten bei Twitter.

Ich glaube, dass Richard Gutjahr dem Thema Blogging und dem Journalismus der Zukunft gerade einen enormen Dienst erweist. Ich rechne auch damit, dass die Aktion des Münchners auf lange Zeit hin als Beispiel für den strukturellen und technischen Wandel gelten wird, der die publizistische und journalistische Arbeit derzeit kräftig durcheinanderwirbelt.

Gutjahrs Reise nach Ägypten ist in Deutschland (und wahrscheinlich im gesamten deutschsprachigen Raum) nach meiner Beurteilung der erste Fall jemals, bei dem in der Berichterstattung über ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung ein unabhängig arbeitender Blogger den etablierten Medien mit einer umfangreichen Vor-Ort-Reportage ernsthaft Konkurrenz macht. Mir jedenfalls kommt kein vergleichbares Unterfangen in den Sinn.

Natürlich ist Gutjahr ausgebildeter Journalist. Zudem hat er Erfahrung mit der Arbeit in Krisengebieten, war sowohl im ehemaligen Jugoslawien als auch in Gaza vor Ort, als die Lage dort eskalierte. Er empfindet laut eigener Aussage nichts Ungewöhnliches dabei, sich vorbei an Barrikaden und Straßensperren ins Stadtzentrum von Kairo durchzuschlagen. Und sicherlich ist er ein gekonnter Selbstdarsteller (welche anderen Branchenkollegen präsentieren sich schon mit einem eigenen Markenzeichen?).

Aber dies, die Tatsache, dass Gutjahr über einen Presseausweis verfügt und dass er weiß, wie er sich in Krisengebieten zu verhalten hat, spielt an dieser Stelle keine Rolle. Was Gutjahr zum Blogger macht, ist die Tatsache, dass er sich nicht im Rahmen eines offiziellen Auftrags von einem Verlag in das nordafrikanische Land begeben hat und von dort exklusiv und traditionell für ein oder mehrere führende Nachrichtenangebote berichtet.

Stattdessen nutzt er seine eigene Plattform für die Berichte aus Ägypten, auf der er tun und lassen kann, was er will. Ungefiltert, ohne Redaktion und ohne Chefredakteur veröffentlicht er, was er für veröffentlichungswürdig und interessant hält, begleitet die Reportage mit stetigen Updates via Twitter, stellt seine Fotos unter einer CC-Lizenz ins Netz und verwendet für seine Arbeit nichts weiter als ein Notebook sowie ein iPhone mit T-Mobile-Vertrag, das er mittels Tethering (und Roaming) als Modem für den Rechner einsetzt.

Und weil ihn für die Veröffentlichung seiner Blogbeiträge und Tweets niemand bezahlt, bittet er die Leser um Mithilfe, in Form von Flattr-Klicks und über PayPal zu spenden. Über 700 Mal wurde sein Artikel "Unterwegs nach Kairo" bisher geflattert.

Die Motive, die Gutjahr zu der für Außenstehende abenteuerlich anmutenden Reise veranlassten, sind unwesentlich. Auch ist es egal, inwieweit der Journalist vor dem Trip die Gewissheit hatte, kommerzielle bzw. professionelle Abnehmer seiner Berichte aus Ägypten zu finden, die ihn direkt vergüten (mittlerweile berichtet er für die Tagesschau, für die er in der Vergangenheit bereits Material geliefert hat), oder ob sich im Nachhinein herausstellen wird, dass er für das Vorhaben einen Sponsor hatte (selbst wenn dies in so einem Fall besser vorab hätte deutlich gemacht werden müssen).

Was zählt, sind die Plattformen, die Gutjahr für seine Ägyptenberichte gewählt hat: sein privates Blog sowie Twitter. Dies verdeutlicht, dass selbst ausgebildete, erfahrene Journalisten nicht um jeden Preis an die Bedingungen von Verlagen und Medienhäusern gebunden und von ihrer Bezahlung abhängig sind. Zumindest nicht komplett.

Während der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV) gerade auf erschreckend manipulative Art und Weise versucht, Grundschüler für die vermeintlichen Schwächen von Blogs und Stärken von (Print-)Verlagsangeboten zu sensibilisieren, statuiert Gutjahr in Ägypten ein Exempel: Er zeigt, dass mit Blogs (nicht mehr länger "Internettagebücher" sondern ganz einfach "Onlinewerkzeuge zum eigenständigen Publizieren von Inhalten) handfester, professioneller und in neuen Bahnen denkender Journalismus gemacht werden kann.

Ich bin Richard Gutjahr dankbar - sowohl für die Einblicke in die ägyptische Revolution, aber vor allem dafür, dass er eine Lanze für all diejenigen bricht, die sich dafür einsetzen, aus den neuen, mit der Digitalisierung aufkommenden Möglichkeiten zur Publikation, Distribution und Aggregation von Informationen gesellschaftlichen Nutzen zu ziehen. Darum sollte sich die Debatte um die Zukunft des Journalismus und dessen Refinanzierung drehen, nicht um Maßnahmen, wie das altehrwürdige, teils starre und wenig visionäre Treiben mancher Verlage auch für die nächsten 50 Jahre in Stein gemeisselt werden kann.

Ich hoffe, dass Gutjahr anderen Journalisten als Vorbild dient. Egal ob er am Ende in der Lage ist, seine Kosten für Transport, Unterkunft und Roaming durch Leserspenden zu decken oder nicht: Gutjahrs Reise nach Ägypten ist ein hochinteressantes Experiment mit Symbolwirkung. Und ein Statement für Blogs als Form der persönlichen Publikationsplattform.

Kommentare

  • rob d

    02.02.11 (08:28:19)

    Mein größter Respekt an Richard Gutjahr und weiterhin viel Erfolg auf seiner Reise. Schön zu sehen dass es auch Menschen gibt die nicht nur jammern und kritisieren, sondern auch Taten sprechen lassen. Da könnte sich so mancher Blogger/Journalist ne Scheibe von abschneiden.

  • ralf schwartz

    02.02.11 (08:59:03)

    "Ich bin Richard Gutjahr dankbar ... vor allem dafür, dass er eine Lanze für all diejenigen bricht, die sich dafür einsetzen, aus den neuen, mit der Digitalisierung aufkommenden Möglichkeiten zur Publikation, Distribution und Aggregation von Informationen gesellschaftlichen Nutzen zu ziehen." Ich auch, deshalb möchte ich auch hier für meine Idee ("@oetting, @ufomedia, ich rege an, Eure Leistungsschutzrecht-Spende an @Gutjahr zu geben") werben! Danke.

  • eric poscher

    02.02.11 (09:28:43)

    Das wirklich neue an der sache ist flattr, dass gutjahr nutzt um seine reise zu finanzieren, nebenbei auch noch per paypal. Damit zeigt sich, dass das neue bezahlmodell durchaus chancen für unabhängige blogger/journalisten bietet. Dass Blogger über weltpolitische Änderungen berichten ist eigentlich nichts ganz so neues, mittlerweile sind Blogs auch schon seit >10 Jahren ein wichtiges Format im Netz. Durch Twitter bekommt das Bloggen natürlich noch mehr/schneller Aufmerksamkeit und Feedback. Einerseits ein positives Beispiel für einen erfolgreichen Selbständigen, andererseits zeigt es auch welches Einzelkämpfertum unser liberalisierter Arbeitsmarkt herbeigeführt hat. Die großen Medienanstalten hätten sowohl technisch als auch finanziell ganz andere Möglichkeiten. Es zeigt auch, dass sich die Öffentlichkeit durchaus auch für eine detailiertere, persönliche Form der Berichterstattung interessiert, die über die hochstilisierte Berichterstattung der Mainstream Medien hinausgeht. Und eine Anmerkung zu den Fotos: Gutjahrs Fotos sind leider nicht unter einer CC Lizenz, da steht ganz klar "Alle Rechte vorbehalten". Wenn er dann twittert "bedient euch", meint er wahrscheinlich auch, dass dafür bezahltwerden soll, was ihm natürlich auch zusteht angesichts der entstehenden Unkosten.

  • Bätschman

    02.02.11 (09:38:52)

    Auch auf anderen Blogs geht es heiss her was die Reise von Richard Gutjahr angeht. Nicht alle Personen im Internet sind der Meinung, dass das eine gute Idee war bzw. unterstellen Gutjahr Geltungssucht. Ich für meinen Teil simme zu, dass diese Aktion etwas neues ist. Ob sie die angesprochene Wirkung bringt kann ich nur hoffen. Allerdings fällt mir ein, dass es diese Art des Journalismus bereits früher gab. Anfang bis Mitte des Jahrhunderts reisten viele Journalisten auf eigene Faust in Krisen- und Kriegsgebiete und schrieben von dort Artikel. Der Unterschied zu heute sind die Redaktionen. Als ich einmal bei einer Redaktion Infos bzw. einen Artikel verkaufen wollte, war deren größtes Problem, wie sie mich in ihre Buchhaltung einfliessen lassen können. Die Frage, ob meine Infos gut waren, wurde gar nicht gestellt. Es ging rein um die steuerliche Abrechnung von einer eventuellen Bezahlung. Sicherlich ist das nur ein kleines Beispiel aus der Provinz, aber bei so großer Engstirnigkeit ist der Journalist von heute gut beraten, wenn er sich auf seinen eigenen Blog verlässt und dann erst etwas an die großen Verlage verkauft. Diese sind es nämlich, die immer noch nicht mit der neuen Art des Journalismus umgehen können. mfg Bätschman

  • Inge Seibel

    02.02.11 (09:58:57)

    Toller Text und interessante Kommentare! Verstehe allerdings nicht die Anspielung, welchen Sponsor Richard Gutjahr im Rücken haben sollte, wie dort angedeutet wird. Wäre dem so, hätte er das nicht verschwiegen. Das würde enorm der Glaubwürdigkeit schaden, wenn er gleichzeitig um Flattrzuwendungen bittet. Auch die Aussage "bedient Euch", was die Fotos betrifft: ich denke kaum, dass im nachhinein auf die Blogger eine Kostennote zukommt.Wenn seine Fotos allerdings in Zeitungen erscheinen, dann sollte das auch vergütet werden. Was anderes treibt mich um: Wir brauchen endlich eine Definition und einen eigenen Begriff für bloggende Journalisten. Im Allgemeinen herrscht die Meinung, als Blogger habe man keine journalistische Sorgfaltspflicht und daher sei das ein Publizieren 2. Klasse. Das mag auf Hobbyblogger zutreffen, die schlicht von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen. Ich möchte das keineswegs disqualifizieren. Aber Journalisten, die "frei" im Web publizieren, bloggen nicht nur zum Spaß. Sie investieren in ihre journalistische Zukunft. Sie bürgen für ihre Texte mit ihrem Namen! Sie sind "selbstpublizierende Journalisten" mit dem Vorteil, die Themen zu bearbeiten, die sie selbst für relevant halten, und nicht der Redaktionsleiter. Ohne "rigide redigierende Redakteure", wie der "Journalist" kürzlich schrieb. Die Vorteile hat Martin Weigert im Text ja ausführlich dargelegt. Zu bloggenden Journalisten, die sich auf eigene Faust auf den Weg machen und erst dann ihre Auftraggeber finden, habe ich im Zusammenhang mit Richard Gutjahrs Ägyptenreise einen treffenden Text von Andreas Hahn gelesen. Nur ein Auszug: "So sieht also ein moderner Revolutionsreporter aus. Er kümmert sich um alles auf eigene Faust. Geht ein immenses finanzielles und persönliches Risiko ein und veröffentlicht seine Berichte auf eigene Faust. Dann erst entdecken die großen Medienanstalten, dass es abseits der längst etablierten Kanäle fähige Journalisten gibt, die ihnen längerfristig den Rang ablaufen könnten." In der Tat, was hier momentan geschieht ist spannend und richtungsweisend und wird hoffentlich Anstoß für eine neue Diskussion zum Digital-Journalismus sein.

  • Christoph Elzer

    02.02.11 (10:07:40)

    @eric poscher: Richard schreibt in seinem Blog ausdrücklich "Bilder dürfen unter CC-Lizenz verwendet werden. Quellenangabe wäre nett." (http://gutjahr.biz/blog/2011/02/kairo-millionen) Wahrscheinlich hat er mit seiner schlechten Internet-Verbindung einfach vergessen, bei Flickr die entsprechenden Einstellungen vorzunehmen.

  • Wolf

    02.02.11 (10:20:19)

    Richard Gutjahr nutzt die vorhandenen Onlinewerkzeuge. Und zwar frei von allen Vorurteilen un d redaktionellen Vorgaben. Währenddessen wird in manchen deutschen Verlagen Funkhäusern noch naserümpfend auf Twitter geschaut und YouTube als "Mülltonne" bezeichnet. Sicher ist eines: Twitter und Facebook- Pflege ist kein Nebenher-Job der Redaktionssekretärin und auch für YouTube muss man auch in Arbeitskräfte investieren.... Als die ersten Journalisten mit dem Kassettenrecorder in Funkhäusern auftauchten, beschwerten sich einige Techniker "Jetzt kommen die schon mit Diktiergeräten" und wollten "so einen Kinderkram" nicht an ihr teures Mischpult anschließen. Mitte der 80er Jahre berichtete der erste Journalist mit einem, auf seinem Klappfahrrad montierten 16 Kilo schweren Funktelefon live von den Demonstrationen gegen die Startbahn West und aus Wackersdorf. Am Telefon die erste Schnittstelle zum Einspielen von O-Tönen. Wenige Monate später wurde diese Schnittstelle ARD- Standard. Ohne den technisch versierten Reporter hätte dieser Standard zehn und mehr Jahre auf sich warten lassen, vergleichbar mit der Erlaubnis, ohne "vorherigen schriftlichen Antrag" eigene Bänder selbst(!) schneiden zu dürfen. Ohne noch weitere Beispiele etablierter Trägheitsfaktoren aufzuzählen, wurden auch in der Zeit vor Gutjahr technische Möglichkeiten nur durch fern jeglicher Bürokratie agierender Pioniere forciert. Einfach mal machen funktioniert prächtig und bringt wegen der unbekümmerten Reportagen auch journalistisch frischen Wind in die Berichterstattung. Und der beeinflusst bereits inhaltlich sogar die Reportagen der üblichen Nahostexperten, die in erfreulicher Weise abrücken vom in Deutschland überwiegend verbreiteten Angszsenario dieses Volksaufstands.

  • Martin Weigert

    02.02.11 (10:44:06)

    Verstehe allerdings nicht die Anspielung, welchen Sponsor Richard Gutjahr im Rücken haben sollte, wie dort angedeutet wird Das war nicht als Anspielung gemeint, sondern soll verdeutlichen, dass die Aktion selbst in solch einem Falle richtungsweisend wäre. Präventivargumentation sozusagen.

  • Markus

    02.02.11 (12:01:22)

    Danke für diesen Text. Hoffentlich dient diese Aktion einigen Leuten als Vorbild & wird entsprechend nachgeahmt – natürlich nicht immer und überall, aber gerne beim passenden Kontext. OT: Wie gut ist – im Rahmen der aktuellen Situation in Ägypten mit (teils) abgeschaltetem Internet & Handynetz – der Verschreiber "Notbook"? ;)

  • Dennis Sulzmann

    02.02.11 (12:13:09)

    Zunächst einmal: Richard Gutjahr ist einer meiner geschätzten Kollegen aus der großen, weiten ARD-Familie. Er ist auf eigene Faust nach Kairo und berichtet dank seiner journalistischen Ausbildung fundiert und engagiert. Allerdings kann ich auch das Misstrauen der Journalisten Twitter und Facebook gegenüber verstehen. Diese Kanäle sind keine sicheren Quellen - und es werden in aller Regel keine Sachinformationen publiziert, sondern Meinungen. Vorsicht und Absicherung durch andere Quellen ist dringend geboten. Da lobe ich mir nach wie vor die - manchmal mühsame - Arbeit in einer Redaktion, bis Informationen wirklich veröffentlicht werden. Ich selbst nutze in meiner Arbeit als Journalist natürlich auch Twitter - aber ich weiß, wie ich den Kanal zu nehmen habe. Überkritisch und als Quelle von Meinungen, Eindrücken und Emotionen.

  • Martin Weigert

    02.02.11 (12:45:45)

    @ Markus Das war natürlich reine Absicht ;) @ Dennis Sulzmann Es ist schon lange her, dass ich echten objektiven Journalismus ohne Meinung erlebt habe.

  • Sven Drieling

    02.02.11 (13:32:26)

    Ich war zuerst etwas skeptisch aber so wie Richard Gutjahr jetzt berichtet ist eine Bereicherung der Berichterstattung. Was ich bisher im Internet noch vermisse sind regelmäßig aktualisierte Übersichten über das große Ganze. Ein roter Faden, der einen durch die verschiedenen aktuellen und geschichtlichen Ereignisse führt und sie miteinander verbindet. Blogger könnten diese Form des Journalismus auch nutzen, um vernachlässigte Themen aufzugreifen: http://blog.kooptech.de/tag/initiative-nachrichtenaufklaerung/

  • Rainer

    02.02.11 (13:51:00)

    Dem Artikel kann ich nur zustimmen. Ich empfinde das als eine moderne und bereichernde Form der Berichterstattung. Und egal, ob man nun Inszenierung der eigenen Person unterstellt oder nicht: Shit, ist das spannend!!! Dieses Unmittelbare vermitteln mir Tageschau und Co nicht. Trotzdem sind diese klassichen Nachrichten-Formen weiterhin wichtig und notwendig und keinesfalls obsolet.

  • eric poscher

    02.02.11 (13:52:57)

    @Christoph bezgl CC Lizenz. Bei flickr hat er das nicht eingestellt, unter den umständen gut möglich dass es nicht mögl. war. Jedoch ist bei jeder CC Lizenz Attribution nötig, d.h. wer die Bilder nutzt ist gut beraten die quelle auch anzugeben! Die Angabe "unter CC Lizenz" bleibt unklar, denn es gibt ja mehrere varianten CC-by, CC-by-sa etc..

  • Peter Mueller

    02.02.11 (14:42:28)

    Kann ich nur zustimmen. Danke für den Artikel.

  • Silke Liebig-Braunholz

    02.02.11 (17:09:24)

    Eine sehr gute Zusammenfassung, die unsere Situation als Journalisten vollends auf den Punkt bringt. Mit derartigen Aktionen haben wir vor allem die Möglichkeiten, die Kernaufgabe des Journalismus wieder mehr in den Blickwinkel der Öffentlichkeit zu rücken. Denn: Dank Richard Gutjahr wird auch deutlich, dass eine fundierte Berichterstattung eines erlernten Handwerks bedarf. In der Tat sollte diese Aktion für alle engagierten Kollegen ein Vorbild sein.

  • Hardy Prothmann

    02.02.11 (17:17:24)

    Guten Tag! was der Kollege Gutjahr gemacht hat, ist nicht wirklich neu und nicht zur Nachahmung empfohlen für Leute, die nicht wissen was sie tun. Die Inhalte haben mich nicht überzeugt. Sie waren sicher "exklusiv", waren sie aber auch wirklich hintergründig? Bei aller Euphorie sollte man auf das Ergebnis achten. Ohne die Leistungsbereitschaft von Herrn Gutjahr schmälern zu wollen, reicht es nicht aus, einfach nur vor Ort zu sein. Man muss auch wissen, warum man da ist, mit wem man spricht, was man an Vorwissen unbedingt braucht und wie man das alles zusammenfügt. Nichtsdestrotrotz ist Herr Gutjahr ein Beispiel für künftige professionelle und unabhängige Berichterstattung, die, wenn erst richtig professionalisiert, den etablierten Medien das Fürchten lernen wird und hoffentlich das tut, was wir erwarten: ordentlich zu berichten. Schöne Grüße Hardy Prothmann

  • Silke Liebig-Braunholz

    02.02.11 (17:37:31)

    Auch dem Kommentar von Hardy Prothmann kann ich nur zustimmen. Die große Aufgabe wird zukünftig darin bestehen, journalistische Qualität in Blogs darzustellen. Eine über sich selbst stolpernde Berichterstattung, die nur Fakten transportiert und nicht einordnet, nützt niemandem.

  • Moritz Adler

    02.02.11 (17:41:01)

    ich finde Blogposts mit "Guten Tag!" und "Schöne Grüsse" ganz hervorragend. Endlich mal jemand mit Manieren in diesem Internetz.

  • Sonja Bettel

    02.02.11 (20:53:57)

    Ich kann die hier geäußerte Begeisterung für Richard Gutjahrs Blog aus Kairo nicht ganz nachvollziehen. Richard Gutjahr ist laut seiner eigenen Website und seinem CV ein ausgebildeter Journalist, der seit 1993 schon in zahlreichen Medienunternehmen und Medienbereichen gearbeitet hat. Er lebt nach eigenen Angaben zum Teil in Tel Aviv und schreibt selbst in seinem Blog, dass er quasi nur 150 km Luftlinie von den Ereignissen entfernt war. Außerdem schreibt er auf seiner Website, dass er beim Fall der Mauer in Berlin in den USA gewesen war und damals beschlossen hatte, Journalist zu werden. Sein Traum sei es, heißt es weiter “eines Tages selbst einmal von fallenden Mauern zu berichten. Es sind noch viele übrig, die meisten in unserem Kopf.” Richard Gutjahr hat nun also die Chance genützt, seinen Traum zu verwirklichen, denn in Ägypten wird derzeit unbestreitbar Geschichte geschrieben. Jeder Journalist, der seinen Beruf mit Begeisterung und Überzeugung ausübt (und das sind doch einige), würde dort sein wollen, wo wichtige und aufregende Dinge passieren, und die Chance nützen, wenn es möglich ist. Richard Gutjahr war nicht ganz drei Tage lang in Kairo und hat in seinem Blog beschrieben, was er gesehen hat und was ihm die befragten Leute erzählt haben. Seine Beschreibungen tragen sicherlich zum Bild der Ereignisse bei, aber sie wären allein nicht ausreichend. Gerade bei solchen Ereignissen ist es gut, wenn wir uns über verschiedenste Quellen informieren. Jedenfalls hat er um ca. 15 Uhr Ortszeit getwittert, dass er Kairo verlässt und nach Deutschland fliegt, weil es ihm “zu heiß” wird. Die “richtigen” Journalisten, die dort auf Auftrag für Medienunternehmen arbeiten, bleiben dort und werden weiterhin berichten. Ein Blog ist eine Plattform zum Veröffentlichen von Texten, Bildern, Video, Audio usw. Das Werkzeug selbst sagt nichts über die Inhalte aus, ich kann damit genauso ein sehr privates Tagebuch veröffentlichen wie kitschige Gedichte oder einen exzellent recherchierten und geschriebenen Artikel. Die Unterscheidung zwischen Blog und “klassischem Medium” ist daher einfach willkürlich und nicht aussagekräftig und lässt für sich betrachtet noch kein Qualitätsurteil zu – weder für das eine, noch für das andere. Ich fände es nicht erstrebenswert, dass Richard Gutjahr “anderen Journalisten als Vorbild dient”. Erstens gibt es genug Journalisten, die auch bloggen. Zweitens gibt es genug Journalisten, die als Freie arbeiten und auf eigene Faust unterwegs sind. Drittens könnten wir mit lauter Einzelgängern keine ausreichende Berichterstattung gewährleisten, schon gar nicht aus Krisengebieten. Von dort zu berichten erfordert Können, Wissen, Kontakte, Unterstützung vor Ort und aus der Heimatredaktion, technische Infrastruktur, Geld, die Unterstützung der Heimat-Botschaft oder von Rechtsanwälten (in Kairo wurden am Montag zB ausländische JournalistInnen verhaftet und ihr Drehmaterial konfisziert), eine Kranken- und Lebensversicherung und und und. Das ist kein Spaziergang und es wäre auch unverantwortlich für die Menschen vor Ort, wenn Hunderte und Tausende von herumirrenden Bloggern quasi über sie herfallen würden. Dazu kommt, dass wir bei etablierten Medien wissen, mit wem wir es zu tun haben. Als erfahrene Medienkonsumenten wissen wir, dass wir einen Bericht von Fox anders beurteilen müssen, als von ARD oder Al Jazeera usw. Bei einzelnen Bloggern wissen wir das vielleicht nicht, sofern sie nicht schon bekannt sind. Journalisten haben außerdem Berufsregeln, eine Ethik, Kontrollinstanzen usw. Deshalb ist es einfach völlig falsch, “Blogger” (dieser verallgemeinernde Begriff ist heute schon problemtisch) als “neue Journalisten” hinzustellen. Und noch ein Letztes: Richard Gutjahr ist nicht der Erste, der in seinem Blog von einem Krisengebiet berichtet. Exemplarisch möchte ich nur auf “Salam Pax” hinweisen, der mit seinem Blog “Where is Raed?” aus dem Irak im Jahr 2003 und später für Aufmerksamkeit gesorgt hat, siehe http://dear_raed.blogspot.com/ und http://en.wikipedia.org/wiki/Salam_Pax

  • Martin Weigert

    03.02.11 (01:32:31)

    @ Hardy Prothmann Ja ein Ein-Mann-Team mit begrenzten Ressourcen und einer mutmaßlich nicht an Experten-Status heranreichenden Kenntnis in Bezug auf das jeweilige Thema hat natürlich gewisse Grenzen. Deshalb sollte das Ziel nicht ein Gutjahr sein, sondern Hunderte (bitte im übertragenen Sinne zu verstehen). @ Sonja Bettel Die Unterscheidung zwischen Blog und “klassischem Medium” ist daher einfach willkürlich und nicht aussagekräftig. Dem stimme ich nicht zu. Die Unterschiede sind im Artikel beschrieben. Ein freier Journalist, der seine Arbeit im Blog oder per Twitter veröffentlicht, hat 1000fach mehr Freiheit in seiner Arbeit. Der offensichtlichste Nachteil ist das fehlende Honorar. Und ja, ein Qualitätsurteil ist es nicht, aber die Qualität der Arbeit von Gutjahr will und kann ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Ein Journalist, der den Großteil seiner Arbeit im Rahmen eines Ereignisses von weltpolitischer Bedeutung eigenständig im Blog und bei Twitter veröffentlicht (unabhängig des Niveaus und der Tiefe) ist im deutschsprachigen Raum ein Novum und eine willkommene Ergänzung zum klassischen journalistischen Ansatz. Ergänzung wohlgemerkt, nicht Ersatz (ja ich habe den Begriff "Konkurrenz" im Beitrag erwähnt - meinte dies jedoch nicht als "ersetzend", sondern "positiv ergänzend und herausfordernd".)

  • Hardy Prothmann

    03.02.11 (01:47:30)

    Guten Tag! @sonja Ich habe mit dem sehr erfahrenen Krisenreporter Christoph Maria Fröhder (67) ein Interview zu Ägypten gemacht, der vollkommen unverdächtig ist, "Karriere" machen zu wollen. Der Mann weiß absolut, wovon er redet und ist einer, von dem ich in vielen Gespräche immer was gelernt habe. Er ist halt "old school" - was ein Kompliment ist. Er hat mit "Film" angefangen, irgendwann wurde die Entwicklung digital, aktuell erzählt er mir was von "Codes-Wandlungen" über Satellitentelefon und Skype und was er gerade ausprobiert. Technik ist ein Transportweg, nichts anderes. Journalismus ist der Inhalt, der darüber transportiert wird. Gut oder schlecht. Gutjahr hat mich auch nicht überzeugt - viele der Gründe stehen im Interview mit Fröhder. Ich glaube aber, dass neue Techniken neuen Journalismus ermöglichen. Man muss das ausprobieren und daraus lernen, ist, was ich positiv über Gutjahr in Kairo denke. Immmerhin - er hat unter anderem ARD und ZDF gezeigt, wo der Hammer hängt. Er war da, wo die exzellent bezahlten Korrespondenten nur "Stringer" hinschicken, während sie im Hotel warten. Aber das ist nur ein eingeschränkter Vorwurf. Nachvollziehbar ist, nur das zu tun, was man kann. Wenn durch das Rumhängen an der Hotelbar und auf Hausdächern die eigenen Fähigkeiten erschöpft sind, dann ist das so. Man sollte niemanden zwingen, für Geld oder den Erfolg Risiken einzugehen, die man nicht im Ansatz beherrscht. Fröhder ist ein gutes Beispiel. Seit 40 Jahren mittendrin aber nie dabei hat er kaum eine Schramme abbekommen, aber es war oft knapp. Die steigende Zahl der in den Krisenregionen dieser Welt getöteten Journalisten zeigt, dass immer mehr sich Risiken aussetzen, die sie nicht im Ansatz beherrschen. Gutjahr hat sich abgesetzt und das muss man respektieren, wenn man annimmt, dass er sein Risiko korrekt eingeschätzt hat. Beste Grüße Hardy Prothmann http://rheinneckarblog.de/2011/02/02/agypten-vermutungen-und-klischees-sind-immer-das-gegenteil-von-information/

  • Hardy Prothmann

    03.02.11 (02:26:21)

    Guten Tag! @martin Er hat nicht "gewisse Grenezen", sondern absolute, die durch die Situation vor Ort - alleine, ohne Austausch im Team, ohne Ressourcen noch relevanter werden. "Hunderte" davon erhöhen die Zahl der "gewissen Grenzen", überwinden sie aber nicht. Die Freiheit ist ein hohes Gut - aber Freiheit ohne Rückkopplung ist nichts wert. Damit meine ich NICHT, dass ein Bericht eines "offiziellen" Korrespondenten, der von seiner Heimatredaktion die "Agenturberichte" zugespielt bekommt und eine schlechte Zusammenfassung per Aufsager zum besten gibt, durch diese Rückkopplung mehr wert ist. Novum? Ich habe Anfang Oktober ebenfalls fünf Tage lang aus Kairo gebloggt. Eigenständig und frei. Da gings um Hintergründe, Erfahrungen, Bloggen in arabischen Ländern und Deutschland. Keine Krise. Nichts besonderes. Andere Kollegen haben das zur selben Zeit auch gemacht - wir hatten freies Wlan. Dahinter standen eindrucksvolle Erfahrungen, Begegnungen, intensiver Austausch. Für mich und die anderen waren diese Erfahrungen sicherlich sehr viel wertvoller, als das, was wir gerade angeboten bekommen. Was ich gelernt habe - die arabischen Kollegen bloggen seit Jahren unter teils wirklich schwierigen Bedingungen. Die Frage nach einem Honorar spielt dabei kaum eine Rolle. Journalismus allerdings ist eine Dienstleistung, für die ein gewisses Honorar notwendig ist, um sie nachhaltig zu betreiben. Ein gewisses Honorar ist aber keine Garantie für guten Journalismus. Gutjahr hat Eindrücke geliefert. Das war interessant. Mehr aber auch nicht. Ich habe auch überlegt, ob ich nach Kairo gehe. Ich habe seit Oktober intensiven Kontakt zu Arabern, hätte Kontakte vor Ort, "kenne" mich ein bisschen in der Stadt aus, habe Auslandserfahrung - ich war mir aber sicher, dass ich meine eigenen Qualitätsmassstäbe nicht hätte erfüllen können. Und, Herr Weigert, journalistische Arbeit ist immer nur "ergänzend". By the way - was ist der "klassische journalistische Ansatz"? Schöne Grüße Hardy Prothmann

  • Martin Weigert

    03.02.11 (06:12:38)

    was ist der “klassische journalistische Ansatz” Das Gegenteil von jemandem, der auf eigene Faust ein Thema beleuchtet, dies auf eigenen Plattformen und Kanälen selbstständig publiziert, den intensiven Dialog mit den Lesern sucht, seine Inhalte ganz oder in Teilen unter eine Creative-Commons-Lizenz stellt und versucht, neue Wege der Refinanzierung für seine Arbeit zu finden. Hätten Ihnen eigentlich bereits nach dem Lesen des Artikels klar sein müssen. Aber zum Glück für Sie pflegen wir hier auch einen engen Dialog mit Lesern, weshalb wir gerne nachträglich nochmals zusammenfassen und erläutern.

  • Franz

    03.02.11 (11:37:51)

    Gute Idee! Ich als Spender schliesse mich an.

  • Dennis Sulzmann

    05.02.11 (06:57:11)

    @Martin: Interessant wäre jetzt natürlich zu erfahren, welche Medien Du so konsumierst. Für den öffentlich-rechtlichen Bereich ist Objektivität nicht nur ein leeres Versprechen (ich bin selbst für den ÖR tätig und weiß, wie man sich da einem Thema nähert). Allerdings: reine, unbefleckte Objektivität ist im Journalismus vermutlich auch nicht möglich. Wenn ein Journalist ein Thema recherchiert, schleicht sich immer eine gewisse Subjektivität ein - wo recherchiere ich, welche Quellen nutze ich und was erachte ich persönlich als wichtig?

  • Martin Weigert

    05.02.11 (09:58:35)

    Im Prinzip muss ich ja gar nicht auf deine Frage antworten, da du im zweiten Teil deines Kommentares selbst erklärst, dass reine Objektivität nicht möglich ist :) Manche Medien sind subjektiver als andere. Auf der Subjektivitätsskala ganz links steht vielleicht die Bild, in der Mitte SPON, und ganz rechts die ÖR. Aber selbst beim ÖR ist vollständige Objektivität eben nicht möglich. Allein die Auswahl der Themen für die Tagesschau ist ein Statement der Subjektivität. Das Berichten oder Nichtberichten über eine Sache ist ein Akt der Subjektivität, speziell bei "Nischenthemen", bei denen kein öffentlicher Druck zu einer Berichterstattung besteht.

  • Dennis Sulzmann

    09.02.11 (20:18:11)

    "...Das Berichten oder Nichtberichten über eine Sache ist ein Akt der Subjektivität..." Eben! Das ist aber nicht schlimm, weil es nicht zu ändern ist.

  • Marian

    18.05.11 (14:08:51)

    Nur ne Kleinigkeit: "erste Fall jemals" steht oben. Das ist Denglisch ("first time ever"). Korrektes Deutsch wäre: "der allererste Fall". Es gibt ja viele Anglizismen, die als Fachausdrücke Sinn machen. Deshalb muss man aber noch lange nicht die amerikanische Grammatik übernehmen...Gruss Marian

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