<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

27.11.08Leser-Kommentare

Swiss Press Photo 2008: Die Fotos des Jahres

In Bern wütet eine Demonstration, das enfant terrible sitzt still am Rand: Das Swiss Press Photo des Jahres 2008 zeigt Christoph und Silvia Blocher, von Leibwächtern streng bewacht.

Charles Ellenea

Umringt und gesichert von Leibwächtern wartet das Ehepaar Blocher auf das Aufbruchzeichen zum geplanten Marsch der Schweizerischen Volkspartei durch die Berner Altstadt. Der freischaffende Fotograf Charles Ellena hielt diese vertrauliche Szene auf Bild fest, während seine Fotografenkollegen den Fokus auf die zur gleichen Zeit stattfindenden Unruhen in der Berner Innenstadt gerichtet hatten. Charles Ellena erhält für dieses Bild den Espace Media-Preis für Pressefotografie Swiss Press Photo 2008 – und 10.000 Schweizer Franken.

Magali Girardin (3 Bilder)

In der Kategorie “Alltag und Umwelt” gewinnt die freischaffende Genfer Fotografin Magali Girardin. Ihre intime Bildserie über männliche Prostitution, aufgenommen an einem Sonntag irgendwo in der Romandie, stellt den Betrachter vor nackte Tatsachen. Die Serie erschien im Profil.

Ruth Erdt (3 Bilder)

Die Fotografin und Künstlerin Ruth Erdt gewinnt in der Kategorie „Porträt“. Die Mutter hat das Aufwachsen ihrer zwei Kinder seit Geburt kontinuierlich auf Bild festgehalten. Ihre Bilder, erschienen im Kulturmagazin Du, fügen sich zu einem Bildroman der Liebe in all ihren Facetten zusammen.

Olivier Vogelsang (2 Bilder)

In der Kategorie “Sport” zeigt Olivier Vogelsang, Fotograf bei der Tribune de Genève, enttäuschte Schweizer Fans nach dem Ausscheiden der Schweizer Nationalmannschaft an der Euro 2008.

Olivier Vogelsang (4 Bilder)

Auch in der Kategorie “Kunst und Kultur“ vermochte der vielseitige Fotograf Olivier Vogelsang die international besetzte Jury zu überzeugen. Seine Bildserie im Journal de l’adc zeigt Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt beim Vortanzen beim Grand Ballet du Grand Théâtre de Genève.

Jean Revillard (4 Bilder)

Jean Revillard, Fotograf und Gründer der Online-Agentur rezo.ch gewinnt mit seinen Bildern von provisorischen Unterkünften illegaler Einwanderer in den Wäldern rund um Calais die Kategorie „Ausland“. Die Bilder wurden im Wohn- und Lifestyle Magazin Femina Déco veröffentlicht. [hide] [/hide]

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Fred David

    27.11.08 (19:24:17)

    Ich finde die Auswahl an prämierten Pressefotos enttäuschend. Pressefotos müssen ohne viele Worte zwingend eine Geschichte erzählen, müssen einen packen, anrühren zum Lachen oder zum Heulen bringen.Zumindest müsste man einen Hauch davon spüren. Dieses Kriterium erfüllt nur das Erstprämierte. Das ist eine schöne, auf einen Blick erzählte Geschichte: Das Promi-Demo-Paar Blocher wartet gemütlich plaudernd auf geblümten Ikea-Sitzmöbeln auf seinen medienwirksamen Einsatz, bewacht wie der US-Präsident beim Ueberraschungsbesuch im Irak. Eine irreale Gartenidylle, während ein paar Kilometer weiter der Bär durch Bern tobt. Man guckt diese Foto genauer an, verweilt dabei und ist ein wenig veblüfft. Ein zwiespältiges Foto. Brave heile Schweiz - und eben doch nicht. Sämtliche Profifotografen haben diese aussagekräftige Szene verpasst. Vielleicht kein Zufall. Aber das aufwachende Mädchen? Was soll das als Pressefoto? Es mag in einem andern Wettbewerb prämiert werden, aber hier wirkt es nur fad und langweilig. Und der bemalte Fussballfan? Man muss dazu schreiben, dass er offenbar entäuscht ist. Man sieht und spürt nichts davon. Null Emotion. Was hätte man als Fotograf aus dieser Szene machen können und müssen! Wut, Zorn, Enttäuschung, Tränen , das ist das Mindeste, was einem da anspringen müsste. Nichts davon, nur Langeweile. Ein Ansatz von "touchy" bringt das Bild von den alten, weissen Händen auf dem schwarzen Körper. Aber auch da muss man zuerst erklären, dass es um männliche Prostitution geht. Zumindest müsste man auf dem Foto auf Anhieb sehen, ob Mann oder Frau und dass es um Sex, vielleicht sogar um - einseitige - Liebe geht. Das müsste spürbar sein. Das ist doch das Besondere dran. Das Foto erzählt nicht wirklich die Geschichte der Erniedrigung, die grenzenlosen Einsamkeit, die hinter dieser Szene stecken muss. Ein gestelltes Foto. Das ist zulässig, aber dann muss man mehr draus machen. Bei Pressefots geht's nicht m Aesthetik, sondern um das Packende, Aufwühlende, Emotionale. Und eben: um die Geschichte. Die kann durchaus auch im Alltäglich stecken. Das Gleiche gilt für das Sportfoto. Ganz schön - ja und? Was ist mit den Tänzern? Wenn die die Beine dermassen strechen, muss das weht tun. Zumindest das müsste man im Foto spüren. Ein zweites Foto ist da schön besser: Da sitzt einer in der Ecke am Boden und quält sich etwas verloren mit der Uebung, die auf der Bühne federleicht auschaut. Aber da müsste man die Regung in seinem Gesicht sehen: Warum tu ich mir das bloss an? Dann wäre es vielleicht ein prämienwürdiges Pressefoto. Und diese seelenlosen Fotos von den Cabanes von Calais? Kein Mensch ist zu sehen. Was sind das für Leute, die da in Lumpen wohnen? Und warum? Was für eine verpasste Chance! Der einzige "Kick" dran ist, dass die Fotos im Lifestylemagazin Femina Décor erschienen sind - das ist zumindest unfrewillige Komik. Irgendwie ist dieses etwas verkrampfte Aesthetisieren, das aus diesen "Pressefotos" spricht, das Selbstbezogene und ziemlich Langweilige, die völlige Abwesenheit von Pfeffer und Salz, von Chily wollen wir gar nicht reden, angerichtet ohne erkennbares Feu sacré, kurz: das Langweilige, Brave, nicht untypisch für die gegenwärtige Lage des Schweizer Journalismus. Die Jury kann nichts dafür. Sie muss bewerten, was da ist. Mit dem 1.Platz hat sie allerdings doch eine sichere Hand bewiesen.

  • Peter Sennhauser

    28.11.08 (08:32:21)

    Fred, verwechselst Du jetzt nicht einfach Presse mit News? Magazinfotografie stellt ganz andere Anforderungen, als eine Geschichte mit einem einzigen Bild zu erzählen, und beispielsweise die Prostitutions- und die Audition-Bilder sind Teile von zusammenhängenden Portfolios, die nun mal nicht als Einzelbilder betrachtet werden können (übrigens: Klick auf ein Bild öffnet die Galerie mit weiteren Fotos). Die Hütten der Immigranten mit studioartiger Beleuchtung ohne jede Menschenseele abzulichten und in einem Style-Magazin zu veröffentlichen, halte ich für eine mutige und aussagekräftige Idee.

  • Fred David

    28.11.08 (12:27:55)

    @) Peter, nein ich verwechsle nicht Presse mit news. Das Foto mit dem 1.Preis ist auch noch Jahre später, nicht nur am Tag nach dem news-Ereignis ein interessantes Foto. Es zeigt einen wichtigen Aspekt der Schweiz 2008: die vorgeblich heile Welt muss polizeilich geschützt werden, und wie! Ueber das Foto könnte man eine ganze Story schreiben. Würde ich an einer Journalistenschule sofort zur Aufgabe stellen. Die seelenelosen Cabane-Fotos mögen einen Preis verdienen, wenn es darum geht, Lifestyle-Optik zu bewerten. Ist schön stylisch, taugt aber als Pressefoto des Jahres nicht. Man sieht den Fotos geradezu an, wie sehr der Fotograf zu seinem Thema Distanz hält, huch, wie diskret wir sind. Wir dringen nicht in Privatsphäre ein. Nein, würde wir nie tun. Er lässt sich aufs Thema nicht mit Haut und Haar ein. Manchmal ist das aber notwendig, wie hier. Verfremdende Studioblitzbeleuchtung ist gut für Fotos von Managerbüros in "Capital" oder "Bilanz". Bei diesem Thema hier will ich aber mehr sehe und - optisch - erfahren. Sorry: In inzestuöser Schönheit durchgefallen. Gleiches gilt für den Fussballfan. Ich seh nicht mal, ob er Tränen in den Augen hat oder ob er nur gähnt. Von hinten mit Tele fotografiert. Sich bloss nicht aufs Thema einlassen. Schön Distanz halten. Nichts an sich herankommen lassen. Aber wenn irgendwo Emotionen kochen, dann doch wohl bei oder nach einem verlorenen EM-Spiel. Das will ich sehen. Aus diese Figur hätte man mehr machen müssen. So ist es nur ein brav abgelichteter Gag, sicher kein Pressefoto des Jahres.

  • Andermatt Iris

    30.11.08 (20:04:22)

    Fred David schreibt hier sehr treffend wie ich es auch dachte und empfinde, als ich die Bilder sah. Ich kann dem nur beistimmen! Liebe Grüsse Iris Andermatt

  • Jens

    10.12.08 (11:44:07)

    Ja, ich bin völlig einverstanden mit Iris - Fred ist meine Stimme.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer