<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

01.08.13Kommentieren

Suchwortvermarktung: Foursquares eventuelle Cashcow

Lange galt Foursquare als Geldverbrenner ohne Geschäftsmodell. Doch jetzt startet das New Yorker Startup seine Vermarktung. Foursquare Ads könnten sich ähnlich gut entwickeln wie Googles AdWords.

Jedes Quartal erwirtschaftet Google Milliardengewinne mit seiner Suchwortvermarktung. Die besondere Stärke dieses Geschäftsmodells im Vergleich zu anderen werbefinanzierten Onlineangeboten liegt in der gezielten Intention der Nutzer, bestimmte Informationen abzurufen. Anstatt auf gut Glück so weit wei möglich an die Präferenzen von Nutzern angepasste Anzeigen einzublenden und darauf zu hoffen, dass diese in diesem Moment auch tatsächlich empfänglich für die Botschaft sind, hat Google die Gewissheit, nach einer Suche die volle Aufmerksamkeit der Anwender zu erhalten. Wer etwa nach einem bestimmten Smartphone-Modell sucht, der wird deutlich eher auf Anzeigen für Mobiltelefone klicken, als jemand, der sich gerade die Zeit mit einer Partie Onlinepoker vertreibt. Im Gegensatz zu vielen anderen Werbeverfahren bietet der Ansatz von Google und anderen Suchmaschinen einen tatsächlichen Mehrwert für User, was seine Effektivität deutlich erhöht.

Foursquare, das durchaus sehr nützliche, über Jahre wegen fehlender Monetarisierungsmaßnahmen und lauer Nachfrage bei Anwendern gescholtene Location-Startup aus New York, schlägt nun eine Richtung ein , die große Ähnlichkeit mit der bewährten Suchwortvermarktung von Google und Co aufweist. Auf einen Schlag wirkt die wirtschaftliche Zukunft des über vier Jahre alten Unternehmens deutlich rosiger, als sie bisher von Beobachtern skizziert wurde. Foursquare AdsWer weiß, wie Google AdWords funktionieren, der wird auch mit Foursquare Ads keine Verständnisprobleme haben: Besitzer und Betreiber von Foursquare-Locations können im "Selbstbedienungsverfahren" Anzeigen für ihre Profile und Foursquare-Specials schalten. Der Dienst präsentiert diese dann jenen Anwendern, die sich über die in letzter Zeit verstärkt in den Vordergrund gerückte Discovery-Funktion Empfehlungen zu Orten, Geschäften, Dienstleistern oder Restaurants servieren lassen. In deren Ergebnisliste taucht das jeweilige Foursquare-Profil oberhalb aller anderen Empfehlungen auf, ergänzt um den Vermerk "Promoted". Kriterien, die über die Einblendung einer Anzeige entscheiden, sind der Suchbegriff des Nutzers (beispielsweise "Pizza"), dessen bisherige Check-In-Historie und natürlich der aktuelle Standort. Ist sich der Foursquare-Algorithmus beim Matching ganz sicher, kann es auch passieren, dass ein Profil bereits innerhalb des als Startseite in der App dienenden Streams beworben wird. Bezahlen müssen Werbende nur, wenn User ihre Profile aufrufen oder im lokalen Geschäft vorbeischauen und eine Kampagne in Anspruch nehmen.

Die Werbeeinheiten "Promoted Updates" und "Promoted Specials" wurden seit etwa einem Jahr mit einer Handvoll großer Ketten getestet. Ab sofort stehen sie "tausenden weiteren lokalen Geschäften" in den USA, in Großbritannien, der Türkei, Brasilien und Russland zur Verfügung und sollen in den kommenden Monaten noch breiter zugänglich gemacht werden.

Foursquare ist nicht das erste Unternehmen abseits der klassischen, das Web indexierenden Suchmaschinen, das in der Vermarktung von Suchvorgängen sein Heil sucht. Auch Twitter hebt über seine Echtzeit-Suche gegen Bezahlung Tweets gesondert hervor. Allerdings ist dort das Motive der Nutzer keineswegs so eindeutig, wie dies bei den New Yorkern der Fall ist. Denn bei Twitter tummeln sich Anwender mit unterschiedlichsten Intentionen. Selten geht es ihnen darum, unmittelbar ein Produkt oder eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Anders Foursquare: Wer im Explore-Bereich nach einer Hamburger-Restaurant oder einem Café sucht, den treibt mit großer Wahrscheinlichkeit Hunger oder Durst an. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit für eine tatsächliche Konversion. Zudem helfen die bei beworbenen Profilen ebenfalls angezeigten Bewertungen und Informationen zu Besuchen und Tipps von Freunden bei der Entscheidung und stellen sicher, dass Foursquare-Mitglieder nicht das Gefühl bekommen, die Anzeigen würden sie am Entdecken wirklich guter Locations hindern. Analog zu AdWords fallen auch Foursquare Ads dadurch eher in die Kategorie "nützliche Werbung" denn "lästige Werbung".

Als regelmäßiger Foursquare-Anwender halte ich den gewählten Ansatz für sowohl logisch als auch potenziell mächtige Cashcow. Vorstellbar, dass Foursquare seinen nicht gerade schmeichelhaften Ruf als notorischer Geldverbrenner bald los ist. Was dabei allerdings noch helfen würde, wäre ein größeres Interesse seitens der User. Die offizielle Angabe, Foursquare habe "mehr als 30 Millionen", wurde schon lange nicht mehr aktualisiert. 

Nachtrag: AdAge berichtet gerade über eine weitere sich anbahnende Erlösquelle: Retargeting von Werbeanzeigen, die Foursquare-Nutzern auf Websites angezeigt werden und inhaltlich auf bei Foursquare kenntlich gemachten Interessengebieten und Präferenzen basieren.

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer