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17.05.11Kommentieren

Suchverhalten als Prognosewerkzeug: Google und der Eurovision Song Contest

Zum dritten Mal hat Google versucht, auf Basis des Suchverhaltens seiner Nutzer den Ausgang des Eurovision Song Contest vorherzusagen - diesmal jedoch ohne Erfolg. Wir werfen einen Blick auf die Treffsicherheit der Google-Methode.

 

Als am Samstag das Finale des Eurovision Song Contest in Düsseldorf stattfand, hatte ich mit einem Freund eine Wette laufen: Ich ging davon aus, dass sich Deutschlands Beitrag vor Frankreich platzieren würde, er glaubte an ein besseres Ergebnis für unsere westlichen Nachbarn.

Für meinen Tipp verließ ich mich auf Googles seit 2009 jährlich veröffentlichte Prognose, in der Deutschland mit Lena vorne lag. Mein Wettpartner basierte seine Vorhersage stattdessen auf Statistiken diverser Online-Wettportale, bei denen Frankreich als Titelfavorit gehandelt wurde.

Wie sich am Wochenende herausstellte, sollte keiner von uns recht behalten (wobei ich dennoch die Wette gewann): Die Zocker auf den von ihm frequentierten Betting-Sites lagen zumindest in puncto Frankreich, das lediglich den 15. Platz erreichte, völlig daneben. Deutschland stieß immerhin in die Top 10 vor, aber blieb den von Google erwarteten Sieg schuldig .

Google erstellt seine Prognose auf Basis der Suchanfragen zu den einzelnen Eurovision-Beiträgen und -Interpreten. Nicht berücksichtigt werden Suchen nach Teilnehmern, die von Nutzern aus deren Heimatländern durchgeführt werden. Sowohl 2009 als auch 2010 lag das Unternehmen mit der Vorhersage des Siegers richtig. 2011 nicht mehr.

Neugierig, inwieweit die Prognose in diesem Jahr generell an Treffsicherheit eingebüßt hat, habe ich mich an einen Vergleich der Google-Prophezeiungen mit den tatsächlichen Resultaten der vergangenen drei Jahre gemacht. Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus (Quellenhinweise und Anmerkungen am Artikelende):

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Die Gegenüberstellung zeigt, dass die Qualität der Prognose stark variiert. 2010 schien das Suchverhalten der Google-Nutzer die tatsächliche Popularität der Interpreten ziemlich gut wiederzuspiegeln. 2009 ließ sich dies zumindest für die ersten drei Plätze sagen.

In diesem Jahr hingegen ergibt sich ein deutlich diffuseres Bild. Die drei Protagonisten, nach denen am meisten recherchiert wurde, landeten lediglich im Mittelfeld. Nur im Falle von Schweden und Griechenland stimmt Googles Vorhersage fast exakt mit dem Endresultat überein. Davon abgesehen muss man jedoch konstatieren, dass die Prognose 2011 insgesamt nur eine geringe Genauigkeit hatte.

Google-Sprecher Stefan Keuchel bestätigte uns, dass das Messverfahren im Vergleich zu den Vorjahren nicht verändert wurde. In Bezug auf die fehlerhafte Siegerprognose weist er darauf hin, dass diese aufgrund des wiederholten Auftretens von der für am Eurovision Song Contest Interessierte bereits bekannten Lena in Kombination mit dem Austragungsort Deutschland verwässert worden sein könnte - was in der Tat plausibel klingt.

Insgesamt scheint es, als dürfe man sich nicht zu sehr auf vom Suchverhalten abgeleitete Vorhersagen über den Ausgang des Eurovision Song Contest verlassen. Eine äußerst willkommene Abwechslung wäre daher, wenn im kommenden Jahr auch Facebook eine Prognose anhand von Erwähnungen der Interpreten und Titel innerhalb der Plattform veröffentlichten würde - und das nicht nur, weil es zum aktuellen Kräftemessen der zwei Webgiganten passt.

Vielleicht kann 2012 aber auch schon das geplante Google-eigene, die zahlreichen Dienste des Unternehmens vereinende Social Network zur Verfeinerung der Vorhersage auf Basis der Google-Suchen genutzt werden.

Datenquellen: eurovision.tv, blieb den von Google erwarteten Sieg schuldig , Google Prognose 2010, Google Prognose 2009. Die abschließenden Prognosen für 2010 und 2009 sind leider nicht mehr online, weshalb ich auf Screenshots von anderen Websites zurückgreifen musste, die kurze Zeit vor dem jeweiligen Finale festgehalten wurden.

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