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14.04.09

StumbleUpon und Skype: Verkauft eBay gerade seine Zukunft?

Das Internetauktionshaus eBay trennt sich von seinem Social-Web-Dienst StumbleUpon. Auch ein Verkauf von Skype wird immer wahrscheinlicher. Beide Angebote schreiben schwarze Zahlen. Denkt eBay möglicherweise nicht langfristig genug?

Während der Web-2.0-Ära gegründete Internetdienste konnten unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bisher kaum überzeugen. Ob Facebook, YouTube oder Twitter - die meisten der populären Social-Web-Angebote sind für ihre Besitzer bisher Zuschussgeschäfte. Ausnahmen gibt es wenige. StumbleUpon und Skype gehören dazu. Beide Startups wurden vor einigen Jahren vom Online-Auktionshaus eBay übernommen und sind mittlerweile profitabel.

Aller Wahrscheinlichkeit nach aber dürfte eBay in Kürze um zwei erfolgreiche Social-Web-Services ärmer sein. Am Montag wurde bekannt, dass der E-Commerce-Riese StumbleUpon an seine Gründer verkauft hat. Gleiches soll in Kürze mit Skype geschehen, so wird gemunkelt.

Skype, der überaus beliebte Dienst zum kostenlosen Telefonieren über das Netz, wurde bereits im Herbst 2005 für rund drei Milliarden Dollar Teil des eBay-Imperiums. StumbleUpon folgte im Mai 2006. 75 Millionen Dollar legte das Online-Auktionshaus für den Service auf den Tisch, mit dem User über eine Browser-Toolbar nach Themen sortierte, zufällig aufgerufene Websites entdecken können. StumbleUpon hat nach eigenen Angaben zirka 7,5 Millionen Mitglieder.

eBay-Vorstandschef John Donahoe möchte sich in Zukunft wieder auf das Kerngeschäft Onlinehandel konzentrieren (und eine Milliarde Dollar oder mehr aus einem Skype-Verkauf einnehmen). Mit der Trennung von den zwei sozialen Webangeboten macht er Nägel mit Köpfen. Seine Vorgängerin und eBay-Gründerin Meg Whitman hatte über Jahre hinweg vergeblich versucht, die unter ihrer Amtszeit akquirierten Startups in die Auktionsservices zu integrieren.

Dass eine Fokussierung auf den E-Commerce das Aus für StumbleUpon und Skype als Teil von eBay bedeuten würden, verwundert nicht. Fraglich ist jedoch, ob dieser Strategiewechsel langfristig die beste Wahl für eBay ist. Seit einiger Zeit kriselt es im Kerngeschäft des einstigen Vorzeigeunternehmens. Private Händler werden durch gewerbliche Verkäufer verdrängt, weshalb der US-Firma einiges von dem Charme verloren gegangen ist, der eBay nach der Jahrtausendwende schnell zum Liebling vieler Internetnutzer machte. Gleichzeitig sieht sich das Auktionshaus verstärkt durch alternative E-Commerce-Konzepte und deren Vertreter bedroht.

Welche Gründe eBay-Chef Donahoe dennoch dazu bewogen haben, sich gegen eine Diversifizierung zu entscheiden, ist unbekannt. Eine Streuung der unternehmerischen Aktivitäten ist zumindest im Web nichts Ungewöhnliches. Google hat sich von einem Suchmaschinenanbieter zu einem Alleskönner und -anbieter entwickelt. eBay-Wettbewerber Amazon ist nicht mehr nur im Internetversand tätig, sondern bietet nebenbei unter anderem digitale Musikdownloads sowie Cloud-Computing-Dienstleistungen - beides sehr erfolgreich.

Abgesehen von der Angabe, dass sowohl StumbleUpon als auch Skype schwarze Zahlen schreiben, ist nicht viel zu deren wirtschaftlichen Kennzahlen bekannt [Update: Leser Adrian verweist in diesem Kommentar auf eBays Jahresabschlussbericht für 2008, Seite 93. Demnach lag der Gewinn der Sparte "Communications" bei 116 Millionen Dollar. Unklar ist, ob neben StumbleUpon und Skype noch weitere Unternehmenseinheiten hierzu gehören]. Allerdings soll Skype im vergangen Jahr rund 500 Millionen Dollar mit kostenpflichtigen Zusatzservices (z.B. SkypeIn, SkypeOut, Lizensierung von Skype-Hardware) erlöst haben.

Ein Gewinn irgendwo im zweistelligen Millionenbereich ist also vorstellbar - doch Peanuts im Vergleich zu eBays Erträgen: Allein im vierten Quartal 2008 verdiente der Konzern 367 Millionen US-Dollar (wovon nur ein sehr kleiner Teil von den Web-2.0-Services kommen dürfte). Ein Einbruch um 170 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erinnert aber daran, dass auch für eBay finanzieller Erfolg nicht in Stein gemeißelt ist.

Während StumbleUpon, das sich durch an den Dienst angepasste Vermarktungsformen refinanziert, seit jeher recht unscheinbar daherkommt und von eBay eher wie ein Stiefkind behandelt wurde, steckt gerade in Skype 500 Millionen Dollar , über seine 400 Millionen Mitglieder hinaus weiter in Reichweite und an Wirtschaftsleistung zu wachsen.

Sollte also auch der VoIP-Service aus dem eBay-Portfolio geschmissen werden, so könnte sich dies für eBay langfristig als schwerer Fehler erweisen. Das Social Web ist keine vorübergehende Trenderscheinung sondern ein integraler Bestandteil des heutigen und zukünftigen Internets.

Anders als im Falle des hochdefizitären YouTube, das seiner Besitzerin Google einiges an Sorgen bereitet, konnte eBay bereits damit beginnen, die Früchte seiner Saat zu ernten. Eigentlich ein Luxus, der mit positiven Austrahleffekten der allseits beliebten Marke Skype auf das Mutterunternehmen gekrönt wurde. All das gibt eBay gerade auf. Und könnte es eines Tages noch bereuen.

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