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24.08.11

StumbleUpon: Im Schatten der Webgiganten

StumbleUpon, die in San Francisco ansässige Entdeckungsmaschine für Websites, ist einer der am meisten unterschätzten Webdienste überhaupt. Doch die Zeichen bei dem einst zu eBay gehörenden Startup stehen auf Wachstum.

 

Gäbe es einen Titel für den am meisten unterschätzten Webdienst der vergangenen zehn Jahre, wäre StumbleUpon einer der Anwärter und womöglich sogar der Favorit. Speziell im europäischen Raum erhält der bereits 2002 in Kanada gegründete und 2006 nach San Francisco umgesiedelte Service zum Entdecken von zu den persönlichen Vorlieben passenden Websites wenig Aufmerksamkeit.

Dabei kommt in den USA wie berichtet mittlerweile mehr als die Hälfte des von Social-Media-Plattformen zu Websites geleiteten Traffics von StumbleUpon. Der Service löst auf der anderen Seite des Atlantiks nunmehr Facebook als wichtigsten Besucherlieferanten ab - auch wenn man derartige Statistiken aufgrund einer Vielzahl von möglichen, das Ergebnis verfälschenden Faktoren mit einer gewissen Vorsicht genießen sollte.

Entdeckungsmaschine für Websites

Offensichtlich ist jedoch, dass StumbleUpon seinem propagierten Zweck einer Entdeckungsmaschine für Websites trotz der vergleichsweise geringen medialen Beachtung gerecht wird und Webseiten neue, am jeweiligen Themenkomplex interessierte Besucher in Scharen zu senden vermag.

StumbleUpon erlaubt es Anwendern, Websites zu entdecken, die zu zuvor angegebenen Interesse passen oder von Kontakten mit einem positiven Vote versehen wurden. Durch einen Klick auf den "Stumble"-Button in der Weboberfläche, in den Browser-Toolbars oder den mobilen Apps leitet der Service aus Kalifornien seine User von Site zu Site. Mit einer positiven oder negativen Bewertung helfen sie dabei, die ihnen von StumbleUpon servierte Auswahl zu verfeinern, und tragen gleichzeitig zu relevanteren und interessanteren Entdeckungen anderer Nutzer bei.

Kurzes Gastspiel unter dem eBay-Dach

In die Schlagzeilen geriet das Unternehmen 2007, als es für 75 Millionen Dollar von eBay gekauft wurde, und zwei Jahre später, als das Auktionshaus StumbleUpon aus seinem Konzern wieder ausgliederte - mit einer Bewertung von nur noch 29 Millionen Dollar. Seitdem agiert StumbleUpon erneut im unabhängigen Startup-Modus, mit rund 60 Angestellten und den Gründern Garett Camp und Geoff Smith an der Spitze sowie frischen 17 Millionen Dollar Risikokapital auf dem Konto.

14 Millionen registrierte Nutzer fangen Interesse von Werbekunden

Im März waren 14 Millionen Nutzer bei StumbleUpon registriert. Zehn Monate zuvor durchbrach der Dienst die Marke von zehn Millionen Mitgliedern. Die Besucherzahlen steigen also, und mit ihnen auch die Attraktivität der Plattform für Werbekunden: "Paid Discovery" heißt das integrierte Kampagnenmodul, mit dessen Hilfe sich Websites und Marken gegen Entgelt eine auf unterschiedliche Weise steuerbare Platzierung im Entdeckungsstream der Nutzer sichern können. Auch die auf diese Weise präsentierten Sites können von Nutzern ganz normal bewertet oder für die Zukunft blockiert werden.

Die zwei jüngsten Neuerungen aus dem Hause StumbleUpon sind eine überarbeitete iPad-App zum mobilen Entdecken von Inhalten im Web sowie die Explore-Funktion, eine StumbleUpon-Reise durchs Web auf Basis beliebiger Suchwörter. Statt der bisher wählbaren 500 Interessensbereiche können nun spontan hunderttausende Themenkomplexe erforscht werden.

Unklares Einsatzszenario

Die Zeichen bei StumbleUpon stehen augenscheinlich auf Expansion. Bleibt die Frage, wieso der Dienst zwar offenbar eine loyale und klickfreudige Nutzerschaft besitzt, aber verglichen mit dem Rampenlicht, in dem andere angesagte Silicon-Valley-Services und -Startups stehen, dennoch eher ein Schattendasein fristet.

Vielleicht ist der etwas unklare Einsatzzweck ein Hindernis auf dem Weg zum ganz großen Durchbruch. Soll man StumbleUpon anstelle klassischer Suchmaschinen und damit produktiv einsetzen, oder den Dienst eher in einer ruhigen Minute zur Unterhaltung und zum Stöbern nutzen?! So richtig klar ist mir das ideale Anwendungsszenario nicht. Mit der Explore-Funktion rückt der Dienst aber zumindest etwas mehr in Richtung Produktivität. Der Übergang zu Social Search ist fließend.

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